Musik macht glücklich – The Magpie Salute im Kölner Club Volta

DATUM» 19.11.2018
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Vor zwei Jahren wurden The Magpie Salute von Gitarrist Rich Robinson ins Leben gerufen. Schnell waren mit Marc Ford an der Gitarre und Bassist Sven Pipien weitere Mitstreiter gefunden. Wenn es bei euch jetzt irgendwo klick macht, dann nicht ohne Grund. Denn alle drei gehörten mehr oder weniger lange zur Besetzung der legendären Black Crowes, die sich ja bekanntlich Anfang 2015 aufgelöst haben. Sänger John Hogg, mit dem Robinson bereits bei seinem Nebenprojekt Hookah Brown zusammenarbeitete und Keyboarder Matt Slocum sowie Schlagzeuger Joe Magistro, die ihn seit längerem bei seinen Soloalben und auf Tour unterstützen, machten die Band schließlich komplett. Ein erstes Livealbum mit dem einfallsreichen Titel „The Magpie Salute (Live)“ ließ bereits Mitte 2017 aufhorchen. Ihm folgte im August diesen Jahres mit „High Water I“ das eigentliche Debüt. Nachdem The Magpie Salute schon im Juli 2017 für drei Shows zu Gast in Deutschland waren und im Berliner Lido mit einem Special Akustik-Gig die Fans begeistern konnten, kehren sie nun für weitere drei Konzerte zurück. Köln ist heute ihre erste Station.

Der Club Volta im Stadtteil Mülheim ist neu in der Kölner Konzertlandschaft. Mit Platz für 450 Leute versucht er seit dreieinhalb Monaten die Wunde zu schließen, die der Abriss des Underground im kulturellen Herzen der Stadt hinterlassen hat. In die Beschilderung müsste allerdings noch dringend investiert werden. Der Club liegt etwas versteckt auf dem ehemaligen Gelände des Carlswerkes und mangels Hinweisen treffe ich auf meinem Weg dorthin einige ortsunkundige Fans, die orientierungslos über das weitläufige Areal irren. Im Inneren des Clubs erwartet uns ein stimmungsvolles Ambiente aus Industrieoptik und Kirchenfensterromantik. Sieht nach Wohlfühlen aus! Wer sich vorher die Setlisten der vorangegangenen Europakonzerte angeschaut hat, der weiß, dass diese Abend für Abend wechseln und neben Stücken aus „High Water I“ auch Songs der Black Crowes, Coverversionen anderer Kollegen und Solostücke von Rich Robinson enthalten. Nach eigener Aussage haben The Magpie Salute etwa 170 Songs im Repertoire. In Köln werden es am Ende siebzehn sein.

Los geht es fast pünktlich um kurz nach 20 Uhr (und erfreulicherweise ohne Vorgruppe) mit dem Titelstück des aktuellen Albums. Die Bühne ist mit Teppichen ausgelegt und hinter Rich Robinson dampfen neben einer Flasche Wein zwei Räucherstäbchen. Es ist angerichtet. Für die folgenden zwei Stunden wird der Club Volta in die Südstaaten der USA verlegt und an Köln fließt anstatt des Rheins der Mississippi vorbei. Der Schwerpunkt des Sets liegt zunächst auf „High Water I“. Nach dem Opener gibt es mit „Take It All“, „Walk On Water“, meinem persönlichen Favoriten „For The Wind“ und „Open Up“ allesamt Songs des Debütalbums. Das ist alleine schon deshalb bemerkenswert, weil zehn der zwölf noch folgenden Stücke Coverversionen sind. Dass alle aus dem Sextett absolute Meister ihres Fachs sind, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden. So erhält jeder Zeit für einen ausgiebigen Jam.

Im Mittelteil wird es dann erstmals gediegen. Rich Robinson, Marc Ford und John Hogg ziehen die Stecker und streuen einen wunderbaren Akustikblock ein, der aus „Sister Moon“, dem Crosby, Stills & Nash-Cover „You Don’t Have To Cry“ und „Lay It All On Me“ von den Black Crowes besteht, bei dem am Ende die übrigen Bandmitglieder wieder mit einsetzen und so den Übergang zum elektrisch verstärkten Rest des Abends schaffen. Den läutet Rich Robinson höchstpersönlich mit „Trial And Faith“ von seinem Soloalbum „The Ceaseless Sight“ ein. Es ist den Sechs deutlich anzusehen, wieviel Spass sie an dem haben, was sie da tun und – jetzt wird es ein klein wenig pathetisch – ihr Herzblut tropft förmlich von der Bühne. Die Fans honorieren das abwechselnd mit andächtiger Stille und langanhaltendem Applaus. Schade, dass es nicht mehr als geschätzt 200 sind, die den Weg in den Club Volta gefunden haben. Dieses Konzert hätte definitiv ein vielfaches davon an Besuch verdient.

Diejenigen, die nicht dabei sind, verpassen noch so etwas wie ein kleines Best Of Black Crowes. Auf „Oh Josephine“ (gesungen von Rich Robinson) folgen „She Gave Good Sunflower“ und „Wiser Time“. Spätestens jetzt wird auch deutlich, dass John Hogg den Vergleich mit Chris Robinson nicht scheuen muss. Zum krönenden Abschluss gibt es dann noch eine krachende Version von „Send Me An Omen“. Mit einem kurzen „Thank You“ und einem freundlichen Nicken verabschieden sich The Magpie Salute fast schon eilig von der Bühne und hinterlassen einen Haufen breit grinsender Gesichter. In ihnen spiegelt sich das Bewusstsein ein ganz besonderes Konzert erlebt zu haben. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann haben ihn The Magpie Salute heute abend in Köln erbracht: Musik kann tatsächlich glücklich machen! Wer ebenfalls an diesem Glück teilhaben möchte, der sollte sich schnellstens ein Ticket für die beiden noch ausstehenden Deutschlandkonzerte der Band am 20.11. in Aschaffenburg (Colos-Saal) und am 27.11. in Hamburg (Uebel & Gefährlich) besorgen.

Setlist:

  • High Water
  • Take It All
  • Walk On Water
  • For The Wind
  • Open Up
  • Feel (Big Star Cover)
  • Had To Cry Today (Blind Faith Cover)
  • Smoke Signals (Marc Ford Cover)
  • Sister Moon
  • You Don’t Have To Cry (Crosby, Stills & Nash Cover)
  • Lay It All On Me (Black Crowes Cover)
  • Trial And Faith (Rich Robinson solo)
  • War Drums (War Cover)
  • Oh Josephine (Black Crowes Cover)
  • She Gave Good Sunflower (Black Crowes Cover)
  • Wiser Time (Black Crowes Cover)
  • Send Me An Omen