Vor fünf Jahren ließ der Düsseldorfer Blockflötist Volker Kuinke mit seinem Konzeptalbum „Mirrorneuron“ aufhorchen, von dem jetzt ein zweiter Teil erschienen ist. Die SF-Story dreht sich um eine Künstliche Intelligenz namens Kai, die den Auftrag hat, in der Arktis nach Öl zu bohren. Bei der Berechnung von Nachhaltigkeit stellt Kai jedoch Widersprüche und Dissonanzen zwischen Theorie und Praxis fest, was bei ihm eine schwere existenzielle Krise auslöst. Die Psychotherapeutin Mara soll den humanoiden Roboter wieder in die Spur bringen. So die Handlung in Part 1.
Das komplexe Thema ist wieder hervorragend umgesetzt! Blockflöten treffen auf klassische und elektrische Gitarren, Keyboards und Schlagzeug, auf orchestrale Elemente und auf den packenden Gesang von Isgaard und Doris Packbiers. Multiinstrumentalist Jens Lueck ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben und bringt sich zudem stark als Sänger ein. Diese Vielfalt bietet ein spannendes, mitunter fast musicalhaftes Hörerlebnis, das immer wieder von der wunderbaren Bandbreite unterschiedlicher Flöten durchbrochen und geleitet wird.
Im zweiten Teil wird die Geschichte von Volkers Ehefrau Doris weitergesponnen: Auch nach erfolgter Therapie ändert Kai seine Meinung nicht. Die KI kämpft gegen Umweltzerstörung und wird für fossile Konzerne zur Bedrohung, als er eine Form von Empathie entwickelt (die Spiegelneuronen lassen grüßen). Während die Wirtschaft ihn kontrollieren will, erforscht Mara diese Fähigkeit und verwandelt ihn mithilfe von Biotechnologie in ein hybrides Wesen. Dabei entwickelt sich Kai immer weiter – bis hin zu fast organischen Strukturen und der Fähigkeit zur Selbstvermehrung.
Die Story würde auf jeden Fall einen guten Roman ergeben, doch auch musikalisch geht es krass zur Sache. Hannes Arkona und Frank Bornemann von ELOY sind dabei – zwei Aushängeschilder im deutschen Progressive Rock. Katja Flintsch und Annika Stolze simulieren zu zweit ein komplettes Streichorchester und sorgen für einen cineastischen, emotional aufgeladenen Sound. Doris und Isgaard führen stimmlich durch großartige Melodien.
Wieder bieten SYRINX CALL Neoprog vom Feinsten. Im Zusammenspiel der Protagonist*innen entsteht ein großartiger Sound, der zwar durchaus bombastisch klingt, aber an keiner Stelle übertrieben wirkt. Eine perfekte Fortsetzung des Konzepts. Mal sehen, ob die Geschichte auch noch einen Teil 3 verträgt.













