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Urheber/Fotograf: Rainer Keuenhof

The Offspring, Iron Maiden, Sabaton 07.06.2026 Nürburgring / Nürburg

Der Sonntag gehört den alten Recken: THE OFFSPRING und IRON MAIDEN am RING

Am Sonntag war mancherorten etwas Müdigkeit eingekehrt und das Publikum wirkte bisweilen etwas träge. Zumindest bis Bands wie Hollywood Undead den Fans mächtig einheizten. Die Band aus Kalifornien lieferte eine Mischung aus Rockshow, Rap-Event und großer Party. Es war laut, intensiv und voller Energie. Dabei hatte man die Masken zuhause gelassen, die es noch in den ersten Jahrzehnten des Bestehens zu bewundern gab. Während des Konzerts wechselten sich harte Songs wie „Undead“ und „Everywhere I Go“ mit emotionaleren Stücken wie „Bullet“ ab. Mal wurde aggressiv gerappt, mal melodisch gesungen, dann wieder gemeinsam mit dem Publikum gebrüllt, das vor allem dann energisch einsetzte, als während „Another Way Out“ auch die Lyrics von Rammsteins „Du hast“ eingeflochten wurden.

Hollywood Undead by Rainer Keuenhof

Hollywood Undead by Rainer Keuenhof

Rapper Finch, der früher mal als Finch asozial bekannt war, ist spätestens seit seinem Mitwirken bei „Sing meinen Song“ im Mainstream angekommen. Der Rapper aus Frankfurt/Oder kam hier zum nachmittäglichen Slot auf die Utopia Stage und konnte sich über ein prall gefülltes Infield freuen. Es gab einen DJ und sportlich bekleidete Tänzerinnen, die zudem im Background sangen. Das Hauptaugenmerk lag aber auf Nils Wehowsky alias Finch, der recht explizite Texte zu Gehör brachte und kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es um den Hass auf die Ex ging oder „Liebe ist ein Hurensohn“ proklamiert wurde. Von beatlastigem „Döp Döp Döp“ à la Scooter bis hin zur Malle-Party und ganz eigenen Versionen von PURs „Abenteuerland“ und „Alles nur geklaut“ der PRINZEN war einiges dabei. Außerdem gab es eine durch und durch sarkastische Rede im Stil des Bundeskanzlers, wo die Reichen gelobt und die Armen gedemütigt wurden. Dabei grenzte Finch sich klar von rechten Populisten ab, ließ ein provokantes „Merz leck Eier“ ertönen und präsentierte schließlich den Song „Kein Bock auf Krieg“. Damit lieferte er ziemlich überraschend den politischsten Beitrag des Festivals ab. Alle Achtung!

Fotocredit: Rainer Keuenhof

Auf der Orbit Stage hatten sich inzwischen die Prog-Metaller Tesseract aus dem britischen Milton Keyes breit gemacht. Es herrschte viel Durchgangsverkehr vor der Bühne, doch man schaffte es, einige Fans zum Bleiben zu bewegen. Schließlich liefern Tesseract nicht den typischen Hau-drauf-Sound, sondern begeistern mit komplexen Rhythmen und atmosphärischen Klangflächen, wobei man sich Zeit für ausufernde Stücke wie „Concealing Fate“ lässt. Sänger Daniel Tompkins, der vor vor 15 Jahren kurzfristig aus der Band ausgestiegen ist, zum Glück aber drei Jahre später zurückkehrte, sorgte für emotionale Gesangslinien, während die Band sich präzise durch den düsteren Set arbeitete.

Social Distortion by Rainer Keuenhof

Social Distortion auf der Mandora Stage waren gar nicht so verstörend, wie der Bandname vermuten lässt. Die Band lieferte guten alten Hardrock mit Anleihen an Rock ’n’ Roll, Rockabilly, Blues und Country Music. Statt extrem schneller, aggressiver Songs setzten sie auf eingängige Gitarrenriffs, hymnische Refrains und einen rauen, authentischen Gesang. Fronter Mike Ness hat eine markante, leicht heisere Stimme, die den Songs einen starken Charakter verleiht. So zog sich die Setlist von „Born To Kill“ über „Partners In Crime“ bis hin zu „Don’t Drag Me Down“.

Social Distortion by Rainer Keuenhof

The Offspring aus Orange County in Kalifornien sind nicht mehr die Jüngsten. Sänger Dexter Holland ist immerhin schon über 60, was für die Punkband aber kein Hindernis war. 2021 gab es nach neun Jahren Funkstille einen neuen Longplayer und 2024 zog man mit „Supercharged“ nach. Die neuen Stücke sind gut und zeigen modernen Punk, doch natürlich wollte das Publikum die Klassiker feiern! Und da wurde vom Opener „Come Out And Play“ über den Smashhit „Pretty Fly (For a White Guy)“ bis hin zum krönenden Abschluss mit „Self Esteem“ einiges geboten. Das Infield war bis zu den Marktständen gefüllt – man wusste diesen Auftritt durchaus zu würdigen.

Alter Bridge by Rainer Keuenhof

Auf der Mandora Stage lieferte Myles Kennedy derweil mit Alter Bridge eine solide Rockshow mit fantastischen Vocals. Der Frontmann ist eine echte Rockröhre alten Schlags. Natürlich hatte man es schwer, gegen The Offspring anzustinken. So war auch recht wenig los vor der Bühne, was die US-Amerikaner aber nicht daran hinderte, eine krasse Show mit Hits wie „Addicted To Pain“, „Rise Today“ und „Isolation“ zu spielen.

Alter Bridge by Rainer Keuenhof

Endlich war aber die Zeit für den knapp über zweistündigen Auftritt von Iron Maiden gekommen. Die alten Recken um Bruce Dickinson kamen, sahen und siegten. Ihr Auftritt begeisterte jung wie alt, denn man konnte Vertreter*innen aller Generationen beim begeisterten Mitsingen beobachten. Natürlich erschien Maskottchen Eddie mehrfach auf der Bühne und der LCD-Hintergrund wurde nach den verschiedenen Alben sowie Bandphasen gestaltet.

Man startete mit „Murders in the Rue Morgue“ und „Wrathchild“, doch schon bald gab es erste Klassiker wie „Killers“, „The Number Of The Beast“, „2 Minutes To Midnight“ und „Run To The Hills“. Die Begeisterung im Publikum war spürbar und viele Songs wurden durchgehend mitgesungen (oder besser: gegrölt). Der Sound war großartig und durch die LCD-Türme im Infield hatte man bis zur letzten Reihe Dickinson, Murray, Smith, Gers und Harris im Blick. Voller Elan ging es durch die Geschichte einer fantastischen Band mit hohem Nostalgie-Faktor.

Fotocredit: Rainer Keuenhof

Und Maiden sind natürlich bekannt dafür, nicht nur ihre Gassenhauer zu präsentieren, sondern ebenso lange und epische Passagen wie bei „Rime Of The Ancient Mariner“ und „Seventh Son Of A Seventh Son“. Wundervoll, wenn man sich Zeit für elegische Soli lassen kann. Dann endete der Hauptset nach 100 Minuten mit „The Trooper“, „Hallowed Be Thy Name“ und dem Signature Song „Iron Maiden“. Die Fans feierten weiter, bis der Zugabenblock durch Churchills bekannte „We never surrender“-Rede eingeläutet wurde. Danach „Aces High“, „Fear Of The Darf“ sowie „Wasted Years“ und der Abend war perfekt. Zum Abschluss gab es zum Cillout vom Band „Always Look on the Bright Side of Life“ und danach ein großes Feuerwerk, das ROCK AM RING auf der Hauptbühne beendete.

Die Mandora Stage erlebte aber noch den martialischen Auftritt von Sabaton. Die hatten ihr Feuerwerk schon zu Beginn und Joakim Brodén exte erst einmal einige Bier, bevor er so richtig loslegte. Mit „Ghost Division“, „The Red Baron“ und „Great War“ lieferten die Schweden heroischen Gesang und einen ordentlichen Klangteppich. So wurden epische und gewaltige Schlachten auf der Bühne geschlagen, die insgesamt melodischer klangen, als die Thematik vermuten lässt.

Fotocredit: Rainer Keuenhof

So endete ROCK AM RING 2026 und ich darf ein Fazit ziehen: LINKIN PARK haben gehalten, was versprochen wurde, aber ich fand Papa Roach stärker. Am zu sehr gefüllten Infield kann man arbeiten: Babymetal waren vermutlich nicht die richtigen, um genügend Fans auf die andere Seite des Festivals zu ziehen. Da hätte es vielleicht Marteria gebraucht. Insgesamt war die Orga aber recht gut. Ordner in allen Ecken, die klare Anweisungen gaben und die man auch mal ansprechen konnte. Am Samstag war die musikalische Stimmung bei mir etwas abgeflaut, doch THE OFFSPRING und IRON MAIDEN haben mich sonntags wieder aus dem Tief geholt. Hier konnte man schon nostalgische Anwandlungen bekommen. Nur schade, dass H-Blockx samstags so spät dran waren. Zu dieser Stunde haben Beine und Füße einfach nicht mehr mitgespielt. Was jetzt bleibt, ist die Vorfreude auf 2027. Blink-182 sind ein Statement, aber da wird noch mehr kommen, das die Massen wieder in die Eifel zieht. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Fotocredit: Rainer Keuenhof
Fotocredit: Rainer Keuenhof
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