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Urheber/Fotograf: Rainer Keuenhof

Electric Callboy, Volbeat, Bad Omens 06.06.2026 Nürburgring / Nürburg

Der Samstag bei ROCK AM RING 2026 mit Electric Callboy, Volbeat, Bad Omens

Heute ging es für mich erst um 16 Uhr los mit The Pretty Reckless. Die Band aus New York wurde vor 17 Jahren von Schauspielerin und Model Taylor Momsen gegründet, die einige sicher aus der Serie „Gossip Girl“ kennen oder aus dem Kinofilm „Der Grinch“, wo sie schon als 7jährige mitspielte. Als einige der wenigen Fronterinnen bei Rock am Ring kam sie im kleinen Schwarzen und legte eine coole Show in Sachen Rock’n’Roll und Bluesrock an den Tag. Es gab Songs wie „Death by Rock and Roll“, „Sweet Things“ mit coolem Intro aus „Peter und der Wolf“, „Witches Burn“, das allen anwesenden Frauen gewidmet war, und „Take Me Down“. Ein bemerkenswerter Gig der agilen Sängerin.

The Pretty Reckless by Rainer Keuenhof

Dann schnell rüber zur Mandora Stage, wo Bury Tomorrow schon zu Gange waren. Deren Abriss machte auf der neu gestalteten Bühne mit ihren riesigen LCD-Wänden einen Riesenspaß. Die Metalcore-Band aus Southampton wartete mit dem umtriebigen Daniel Winter-Bates auf, der sich screamend und growlend durch die Songs bewegte, hatte aber auch Tom Prendergast für diverse melodische Momente. Eine gesunde Mischung für den Set, der in 55 Minuten von „Choke“ über „What If I Burn“ bis zu „DEATH (Ever Colder)“ führte. Die Bühne war mit formidablen Flammenwerfern ausgestattet und das Publikum feierte eine große Party mit Circle Pits und kollektivem Springen.

Bury Tomorrow by Rainer Keuenhof

Bury Tomorrow by Rainer Keuenhof

Inzwischen hatte sich auf der Hauptbühne Tom Morello breit gemacht und feierte vor allem sich selbst sowie die Bands Rage Against The Machine und Audioslave, an denen er als Gitarrist maßgeblich beteiligt war. Neben eigenen Stücken seiner Solokarriere gab es eine wohlige Reihe guter Coversongs. Immer wieder zeigte sich Tom als überzeugter Anti-Faschist, hielt eine bewegende Rede und präsentierte auch gern seine Gitarre mit dem Aufdruck „Nazis raus“ in die Kamera. Natürlich gab es Stücke von Rage Against The Machine, aber leider nur instrumental. Zwei Medleys mit (unter anderem) „Testify“, „Freedom“, „Bombtrack“ und „Bullet In The Head“ wurden geboten. Dazwischen „The Ghost of Tom Joad“ vom Boss und John Lennons „Power To The People“. Von Audioslave gab es „Like A Stone“, das explizit Chris Cornell gewidmet und mit Fotos des viel zu früh verstorbenen Künstlers unterlegt war. Dabei erinnerte Tom sich emotional an gemeinsame Auftritte am Ring. Klarer Höhepunkt waren aber die Klänge von „Killing In The Name Of“, das komplett gespielt wurde und bei dem das Publikum textsicher alle Vocals übernahm. Ein brillanter Moment an diesem frühen Samstagabend.

Credit: Rainer Keuenhof

Three Days Grace sind eine kanadische Rockband aus Norwood, die inzwischen zu den erfolgreichsten Vertretern von Post-Grunge und Alternative Metal zählt. Also genau die Richtigen, um das Publikum auch beim einsetzenden Regen vor der Bühne zu halten. Am Mikro wechselten sich Matt Walst und der vor zwei Jahren zurückgekehrte Adam Gontier ab. Die emotionalen Texte wurden in harten Gitarrenriffs und eingängigen Refrains vermittelt.

Electric Callboy by Rainer Keuenhof

Verausgabung war dann wie immer das Stichwort für Electric Callboy. Was für ein grandioser Gig auf der Hauptbühne, der den Fans alles abverlangte. Den Status als Headliner hat sich die Band aus Castrop-Rauxel über viele Jahre beim Ring sauber erspielt, mit Auftritten auf dem Zeltplatz oder bei Secret Gigs. Und immer hatte man den Traum von der ganz großen Bühne geträumt, wie Nico Sallach jetzt emotional erzählte. Die feierwütige Sause startete mit „Tanzneid“ und „Tekkno Train“. Später ging es über den kollektiven Discofox zu „Hurrikan“ hin zum Hit „Everytime We Touch“, den man der schottischen Songwriterin Maggie Reilly und dem Dance-Project Cascada verdankt. Mit Elektronik und Growls wurde der Song aus dem Jahr 1992 zur Mitsing-Hymne und zeigte beeindruckend, wie man Metal und Dancefloor zusammenbringen kann. Auch Babymetal erschienen auf der Bühne, aber leider nur auf Leinwand zum gemeinsamen Song „RATATATA“. Mit „Spaceman“ und „We Got The Moves“ endete der Partyset vom Feinsten.

Electric Callboy by Rainer Keuenhof

Dann Musik und Rap aus Rostock auf der Mandora Stage. Marteria ist ohnehin schon Stammgast am Ring, was manchen Rockern nicht passt, aber seine Show ist es allemal wert, das vor allem junge Publikum zu begeistern. Marten Laciny ist einfach eine Rampensau. Das könnte er auch allein beweisen, hatte aber zwei stimmgewaltige Backgroundsängerinnen mit am Start. Ich kam zu „Mariah Carey“ vor der Bühne an und die grandiose Show war bereits in vollem Gange. Ein Traum von „Hip Hop am Ring“ mit „Babylonia“, „OMG!“ und „Kids (2 Finger an den Kopf)“.

Marteria by Rainer Keuenhof

Für „Captain Europa“, „El Presidente“ und „Bengalische Tiger“ wurde es sehr politisch und Marteria rief die Revolution in einer kaputten Welt aus. Bengalos im Publikum, denn die Menge zog mit. Dann mit „9 Leben (Eins übrig)“, „PROBLEMARTEN“ und „Welt der Wunder“ drei sehr persönliche, biografisch erzählende Titel. Im Zugabenblock gab es (unvermeidlich) „Lila Wolken“ – sehr stimmungsvoll – und die Kollabo mit Freund Casper „Adrenalin“. Das abschließende Feuerwerk hatte man sich verdient.

Marteria by Rainer Keuenhof

Ich war allerdings schon auf dem Weg zu VOLBEAT auf der Hauptbühne. Die begeisterten das Publikum mit einem energiegeladenen Konzert, das von der ersten bis zur letzten Minute für beste Stimmung sorgte. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Rock, Metal und Rockabilly schaffte es die Band sofort, die Zuschauer mitzureißen. Frontmann Michael Poulsen überzeugte mit seiner markanten Stimme und einer starken Bühnenpräsenz, während man Kracher wie „Demonic Depression“ und die Ballade „Fallen“ für alle zu früh von uns gegangenen Menschen performte.

VOLBEAT by Rainer Keuenhof

Licht und Bühnengestaltung waren für ein Festival fast schon zu perfekt, sorgten aber für eine besondere Atmosphäre und unterstrichen die Energie der Musik. Hinzu kam ein glasklarer Sound. Besonders bei Klassikern wie „Sad Man’s Tongue“ und „The Devil’s Bleeding Crown“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Außerdem durfte an diesem Ort natürlich „Ring Of Fire“ nicht fehlen. Die Musiker präsentierten sich spielfreudig und harmonierten perfekt miteinander, was sich in einem kraftvollen und präzisen Sound widerspiegelte. Zum Abschluss durfte man Publikumslieblinge wie „Seal The Deal“ und „Still Counting“ feiern.

VOLBEAT by Rainer Keuenhof

Dann schließlich zu sehr mitternächtlicher Stunde Bad Omens. Eine solche Band, die längst über den Status als Geheimtipp hinausgewachsen ist, kann man nur in Dunkelheit und in stimmungsvoller Atmosphäre genießen. Die US-Musiker aus Virginia gehören zu den spannendsten modernen Rock- und Metalbands der letzten Jahre, weil sie es schaffen, harte Metalcore-Elemente mit eingängigen Melodien, elektronischen Klängen und einer sphärischen Produktion zu verbinden. Besonders auffällig ist dabei die Vielseitigkeit von Frontmann Noah Sebastian, der sowohl kraftvolle Screams als auch gefühlvollen Klargesang beherrscht. Dadurch wechseln die Songs zwischen aggressiven, energiegeladenen Passagen und emotionalen, ruhigen Momenten.

Der Set war in fünf Teile („Tape 1“ bis „Tape 5“) gegliedert und wurde immer wieder von cineastischen Videos unterbrochen. Darin fanden sich intensive Themen wie innere Konflikte, psychische Belastungen, Beziehungen, Einsamkeit und Selbstfindung. Sound und Auftreten waren absolut prägend – es hat sich gelohnt, so lange auszuharren.

Bis zu H-Blockx, die erst um 2 Uhr an der Reihe waren, habe ich es dann aber nicht mehr gepackt. Auch nicht um der guten alten Zeiten willen. Man muss ja am Sonntag noch für die Mammutshow von Iron Maiden fit sein.

Credit: Rainer Keuenhof

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