Breit angelegte Musical-Biografien sind seit vielen Jahren eine gute Möglichkeit, die Geschichte kultiger Musiker*innen zu erzählen und gleichzeitig die Songkklassiker hoch leben zu lassen. Da gibt es viele grandiose Shows wie „Elvis – das Musical“, „Simply The Best – Die Tina Turner Story“, „Beat It“ über Michael Jackson und seit vielen Jahren auch „Falco – das Musical“.
Am gestrigen Abend war „Falco meets Amadeus“ mit einer aufwendigen Produktion in der SWT Arena Trier. Ein Ensemble aus fünf Darsteller*innen, acht Tänzer*innen und einer fünfköpfigen Band brachte die Story des österreichischen Popstars Falco — bürgerlich Johann Hölzel — auf die Bühne und verband dessen Karriere und Lebensgeschichte symbolisch mit dem Geist von Wolfgang Amadeus Mozart.

„Unsterblich bin ich erst, wenn ich tot bin!“ Um diese düsteren, vorausahnenden Worte rankt sich die neue Hommage an das größte Genie der deutschsprachigen Pop- und Rap-Geschichte. „Falco meets Amadeus“ ist ein packender und tief bewegender musikalischer Streifzug durch die prägenden Stationen im Leben des markanten Musikers – eines Menschen, der das Leben bis an seine Grenzen auskostete und durch viele Höhen und Tiefen ging, bis hin zur Selbstzerstörung.
Die Biografie wird quasi vom Manager, dargestellt von Michael Konicek, erzählt. Er begleitet Falco vom ersten Auftritt bis zu seiner Auswanderung in die Dominikanische Republik. Große Kulissen werden nicht gebraucht. Zwei kleine Showtreppen, ein Flughafen-Tresen, ein Garderobenspiegel mit interessantem Effekt. Ansonsten schafft man Atmosphäre vor allem durch eine bühnengroße LCD-Leinwand, hinter der die Liveband aufspielt.

Der Sound in der Arena war großartig und es ging gleich zur Sache. Zu „The Sound of Music“ traten die Tänzer*innen in unterschiedlichen Kostümen als musikalische Ikonen wie die Blues Brothers, Elvis, David Bowie, Patti Smith und die Beatles in Erscheinung. Alexander Kerbst als omnipräsenter Falco begegnete Amadeus (Michael Konicek). Das Musical zeigt Falcos Leben als dramatische Reise zwischen Genie, Ruhm, Einsamkeit und Selbstzerstörung. Mozart fungiert dabei als eine Art Spiegelbild oder innerer Begleiter — zwei Wiener Wunderkinder aus unterschiedlichen Jahrhunderten, beide genial, exzentrisch und tragisch.
Und der Erfolg Falcos schreitet unaufhörlich fort, als Amadeus ihn auf die Idee bringt, ein Kinderlied („Dreht euch nicht um, der Plumpsack geht um“) als Grundlage für einen Song zu verwenden. Daraus entstand der unsterbliche Hit „Der Kommissar“. Es war oft prachtvoll auf der Bühne. Zu „Vienna Calling“ spielte das Ensemble den Wiener Opernball nach. „Rock Me Amadeus“ wurde zur gigantischen Shownummer. Die Protagonistinnen Madeleine Haipt (als Jeanny) und Steffanie Kock (als Ana Conda) spielten zwei Musen, die Falco wahlweise ins Licht oder in den Abgrund führen wollten.

Falco und Mozart waren ihrer Zeit weit voraus, schufen ihren eigenen, einzigartigen musikalischen Stil und prägten damit die Musik ihrer Zeit wie niemand sonst. Es waren zwei komplexe und umstrittene Charaktere zwischen Genie und Wahnsinn und zwei exzessiv geführte Leben, die jeweils viel zu früh ein Ende fanden. Falco verstarb im Alter von 40 Jahren bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik, während Mozart im jungen Alter von 35 Jahren an hitzigem Frieselfieber verstarb. Beide lebten hauptsächlich in Wien und wurden dort auch zu Grabe getragen. In den Herzen ihrer Fans leben sie für immer weiter und ihr musikalisches Vermächtnis machte sie schließlich unsterblich.
Der zweite Teil des Musicals betrachtet Falcos riesigen Erfolg in den USA. Die grandiose Japan-Tournee wird mit dem Song „Egoist“ eingeleitet. Dann das Skandallied „Jeanny“ – und es war auch Madeleine Haipt, die mit der Arie „Über Gold und Glas“ stimmlich brillant überzeugte und das Licht in Falcos Leben brachte: „Ich will ein Licht dir sein, ich schein in dein Herz hinein“.

Doch die Schattenseiten waren nicht aufzuhalten und das Drama steuerte aufs Ende zu, mit Alkohol- und Drogenexzessen, einem letzten Aufbäumen beim Konzert vor 100.000 Menschen auf der Donauinsel und schließlich den finalen Krisen sowie der Flucht in die Dominikanische Republik. Mit den Stücken „Coming Home“ und „Out of the Dark“ fand das Musical seinen dramatischen Abschluss.
Das Ensemble erntete riesigen Applaus und stehende Ovationen. Es war noch viel Platz in der Arena, doch alle, die da waren, hatten ihr Erscheinen sicher nicht bereut. Das singende und tanzende Ensemble hatte einen grandiosen Job abgeliefert und die Band zeigt eine hervorragende Leistung. Es war schon fast 23 Uhr, als sich die Halle nach drei Stunden leerte und man nostalgische Erinnerungen an einen großartigen Künstler und viele Ohrwürmer mit nach Hause nehmen konnte.
(Credit für alle Fotos: Dietmar Schmitt)

















