Ein Philosoph in poetischer Gestalt: „Der Liebe zuliebe“
Konstantin Wecker lässt sich kaum in eine Schublade sperren. Er ist Dichter, Sänger, Autor, Musiker, Philosoph und Friedensaktivist in einer Person. Ein Mann, dessen Leben und Schaffen von der unerschütterlichen Überzeugung getragen ist, dass Kunst niemals Selbstzweck, sondern immer auch Widerstand und Bekenntnis sein muss.
Als Philosoph in poetischer Gestalt stellt er die großen Fragen mitten im prallen Leben, auf der Bühne, in seinen Liedern, Essays und Gedichten. Er grübelt, zweifelt, bekennt – und er erinnert uns daran, dass Denken erst dann lebendig wird, wenn es sich tief ins Herz senkt und den Mut hat, unbequem zu sein. Als Autor vermag er es, Worte wie Samenkörner in die Welt zu werfen. Und die Menschen verstehen ihn, wenn sie eine Sehnsucht nach Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit verspüren. Weckers Sprache ist manchmal zärtlich wie eine Hand auf der Schulter, kann aber auch scharf sein wie ein Schwert gegen Heuchelei und Unmenschlichkeit.
Als Friedensaktivist erhebt Konstantin die Stimme gegen Krieg, Hass und Machtgier – nicht mit dem Pathos des Predigers, sondern mit der Kraft des Philosophen, der nach Ehrlichkeit, sucht und die Menschen liebt, wenn sie nicht eitel sind. Das durfte ich vor einigen Jahren in einem Interview mit diesem sympathischen und redseligen Künstler erleben. Und wenn man seine Konzerte besucht, sind sie immer auch Quelle für einen Redefluss aus Zitaten und Gedichten. Wecker nimmt sich selbst gar nicht so wichtig – er drückt vielmehr seine Bewunderung gegenüber anderen Dichtern und Autoren aus, die er zitiert und oftmals aus vergangenen Jahrzehnten in die Gegenwart holt.
Das neue Buch trägt den Titel „Der Liebe zuliebe“ und ist im bene! Verlag (Verlagsgruppe Droemer Knaur) erschienen. Anlass für das Werk ist ein schwieriges und sehr persönliches Thema: Konstantin Wecker beschreibt nämlich, wie er in den vergangenen Jahren seine Alkoholsucht überwunden hat. Und das nicht etwa in Form eines „ultimativen Ratgebers“, sondern sehr selbstkritisch und in erfüllter Liebe zu den Menschen, die ihm geholfen haben, seine Sucht und sich selbst zu besiegen. Man hatte ja gedacht, dass seine früheren Drogenexzesse der Vergangenheit angehören und überwunden sind. Dass Alkohol dabei zur neuen Droge geworden ist und er damit viele Freunde und seine Familie tief verletzt hat, war vielen Fans (auch mir) kaum bewusst.
Aber das Buch behandelt viel mehr als dieses Thema. Es ist eine ultimative Rückschau auf ein bewegtes Leben – wobei Wecker viel zusammenfasst und auch wiederholt, was er auf seinen Konzerten und in früheren Büchern schon gesagt hat. Dabei wirken die Worte nie als „Selbst-Plagiat“, sondern es wird einfach deutlich, wie wichtig ihm bestimmte eigene Aussagen, Gedichte, Liedtexte, Inspirationen, Weggefährten sind.
Wecker ist ein Mann der Worte, ja – aber vor allem ist er ein Mann des Herzens. Darum ist der Buchtitel so perfekt gewählt. Er hat nicht aus einer Form von Selbstzweck gegen die Sucht gekämpft, sondern aus Liebe zu den Menschen in seiner Umgebung, zu seiner Frau Annik sowie den Söhnen Valentin und Tamino, denen das Buch gewidmet ist. Und das ist Konstantins Form des Urvertrauens: sein Denken und Dichten kreisen stets um die eine große Überzeugung, dass Menschlichkeit, Freiheit und Liebe stärker sind als jede Gewalt. Die Sinnsuche wird vermutlich nie ganz beendet sein, doch wenn man seinen weisen Äußerungen folgt, kann man glauben, dass er zumindest sehr nah zu sich selbst und seinem inneren Frieden gefunden hat. Das Coverfoto zeigt ihn in dem Moment kurz vor einem Auftritt, wenn er sich sammelt und innerlich auf den Abend vorbereitet. Ein sehr inniger Moment – wie das ganze Buch eine Sammlung inniger Momente ist.










