LIN, Norma Jean Martine, The Guilt – der Samstag beim Reeperbahn Festival
Am letzten Festivaltag gab es LIN, Norma Jean Martine, The Guilt, The Hubbards und Yukimi. Hier unsere Galerie. Fotos: Julia Nemesheimer.
Am letzten Festivaltag gab es LIN, Norma Jean Martine, The Guilt, The Hubbards und Yukimi. Hier unsere Galerie. Fotos: Julia Nemesheimer.
Am Freitag war nicht die Zeit für die Topacts. Seht hier die Fotos vieler kleiner Konzerte: BED, Chloe Slater, Conscious Pilots, Goodwin, Helena Luna, Merv xx Gotti, Otis Mensah, Pure Chlorine, Rowena Wise, TJE, Teenage Dads, THUS, Twin Tribes. Fotos: Julia Nemesheimer.
Donnerstags ging es spannend weiter in den Clubs und Open Air. Seht hier unsere Fotos von Kelvin Jones aka MUPANI, Mei Semones, CATTY, Holy Void, Lee Seung Yoon, No Frills, Paula Engels, The Bankes Brothers, The Sherlocks, Wah Wah Wah und Witch Post. Fotos: Julia Nemesheimer.
Ein Regentag muss in Hamburg natürlich dabei sein. In diesem Jahr war es der Donnerstag. Will aber auch heißen: Die übrigen Festivaltage glänzten mit strahlendem Sonnenschein. Also ist etwas niesliges Wetter mal für einen (halben) Tag verkraftbar.
Immerhin schien musikalisch die Sonne und es ging los mit Ellice am N-Joy Reeperbus. Der Radiosender bringt viele Acts des Festivals mit kleinen Gigs frei zugänglich an die Festivalbesucher. Ein kleines Interview und dann 3-4 Songs in akustisch reduzierter Form. Die 17jährige Newcomerin steht kurz vorm Abitur und lernt vermutlich im Tourbus für die Prüfungen. 2023 war sie im Finale von „The Voice Kids“. Inzwischen geht sie ziemlich souverän mit den technischen Problemen um, die so ein Auftritt zur musikalischen Konserve mit sich bringt. Bemerkenswert war ihre extrem hohe Stimmfarbe, wobei sie die Höhen erstaunlich gut beherrschte.
Im DOCKS lieferte Gizmo Varillas einen entspannten Sound, untermalt von Visual Arts für Reeperbahn Collide und aufgezeichnet von ARTE Concerts. Der in Großbritannien lebenden spanische Songwriter brachte Elemente von Latin-Grooves und Afro-Beats mit dem Feingefühl eines typischen Singer/Songwriters zusammen. Dazu Texte zwischen Leichtigkeit und Tiefgang. Das Publikum war begeistert.
Zum RBF gehört auch, dass es nicht nur musikalische Beiträge gibt. Selbst außerhalb des Konferenzprogramms finden Panels und Lesungen statt. Ich wollte jedenfalls Marina Buzunashvilli live erleben, die ich schon seit Jahrzehnten als Promoterin kenne. Sie las aus ihrer Biographie „Die Bossin“. Marina, 1981 in Wien geboren, wuchs als Tochter einer aserbaidschanisch-georgischen Familie in Berlin-Kreuzberg auf. 2004 begann sie in der Agentur Panorama3000 zu arbeiten, zuerst in der Buchhaltung, später dann in der Presse und im Künstlermanagement. 2012 gründete sie gemeinsam mit einer Agenturkollegin die Musik- und Filmagentur Musicism & Cinelove, aus der heraus 2017 DIE MARINA entstand, eine der einflussreichsten Künstleragenturen im deutschen HipHop. 2019 folgte der Wechsel zu Sony, wo sie zunächst als Head of PR und ab 2020 als Director of PR arbeitete, bevor sie sich 2024 erneut selbständig machte.

Marina gilt als eine der einflussreichsten Größen im deutschen Musikbusiness, ihr Weg an die Spitze aber war alles andere als leicht. Aufgewachsen in Kreuzberg, war ihr Umfeld geprägt von Gewalt und Verbrechen. Einzig ihre Liebe zur Musik ermöglichte ihr den Aufstieg, gegen alle Widerstände. Sie war maßgeblich daran beteiligt, den Deutschrap von Kool Savas, Xatar oder Haftbefehl groß zu machen und arbeitet regelmäßig mit Künstlern wie Robbie Williams und Adele zusammen. Erstmals erzählt sie jetzt ihre ganze Geschichte und teilt die zwanzig Rules, die sie zum Erfolg geführt haben. Sehr emotional las sie in der Prinzenpaar jeweils ein Kapitel vom Anfang und vom Ende des Buches. Eine starke Persönlichkeit, die ihr Publikum mit jedem Wort erreichte und berührte.
Dann ging es nochmal zum Reeperbus. Soffie brachte mit ihrer Energie und Songs wie „Räuber“ das Publikum zum Tanzen. Dabei hat dieses Stück einen durchaus ernsten Hintergrund, denn es geht um (Selbst-)Zweifel, die auch davon genährt werden, dass der Hit „Für immer Frühling“ von Rechtspopulisten stark angegriffen wird und Soffie sogar Gewaltdrohungen bekommen hat. Bezeichnend jedenfalls, dass sich überhaupt ein Mensch an solchen Textzeilen anstoßen kann, die Soffie dann auch trotzig und fröhlich zum Besten gab:
In das Land, in dem für immer Frühling istDarf jeder komm’n und jeder geh’n, denn es gibt immer ein’n Platz am TischRot karierter Stoff, keine weißen Flaggen mehrAlle sind willkomm’n, kein Boot, das sinkt im Mittelmeer

Die in Brooklyn lebende Singer-Songwriterin Mei Semones gehörte dieses Jahr zu den Nominierten für den Anchor Award. Zu Recht, denn bei ihrem Auftritt im Mojo überzeugte sie mit einem ganz eigenen Sound und verspielten Arrangements. Zum besonderen Klangerlebnis trugen neben Meis warmen, aber auch vielseitigen Stimme vor allem ein Geiger und ein Bratschenspieler in ihrer Live-Band bei, die ihren Instrumenten teilweise ungewohnte Töne entlockten.
Ein bisschen schade, dass die auf der Bühne eher zurückhaltend wirkende Künstlerin auch mit ihren Ansagen sehr sparsam war. Ein paar Hintergrundinfos hätten zum Verständnis der teilweise auf japanisch gesungen Stücke beigetragen. So blieb den Zuhörern hauptsächlich das musikalische Erlebnis – dieses aber durchaus beeindruckend und auf hohem Niveau! Mei hat übrigens den ANCHOR Award am Ende auch gewonnen, der mit einem Voucher für Technik-Equipment in Höhe von 20.000 Euro dotiert ist.

Zu den Highlights am Donnerstag gehörte definitiv der Auftritt von Kelvin Jones, der im Docks sein aktuelles Projekt Mupani präsentiert. Der in Zimbabwe geborene, in London aufgewachsene und inzwischen in Deutschland lebende Künstler verbreitete vom ersten Song an gute Laune und brachte den ganzen Club zum Tanzen und Mitsingen! Auch optisch war der Auftritt etwas Besonderes, da die digitalen Hintergründe extra für dieses Projekt von den Visual Artists PFA Studios x Alessa Müller gestaltet wurden.

Mit einem kleinen Akustik-Block, den Kelvin Jones an der Gitarre mitten zwischen seinen Zuhörer*innen performte, wurde die Partystimmung kurzzeitig von einer sehr berührenden Atmosphäre abgelöst. Denn der Künstler kehrte hier nicht nur musikalisch zu seinen Wurzeln zurück, sondern verkündete auch, dass er mit diesem Projekt zu seinem Geburtsnamen Mupani zurückkehrt, unter dem er künftig auftreten wird. Die Setlist mit Songs wie „Piano“, „Call You Home“ und dem Lost Frequencies Kracher „Love To Go“ war jedenfalls einzigartig und mein magisches Highlight für diesen Konzerttag.

Ein weiteres Beispiel für wirklich ungewöhnliche Locations ist die Tatsache, dass selbst die Filiale der Hamburger Sparkasse (Haspa) zur Konzertlocation wurde. Hier hatte es sich der Hamburger Fredrik gemütlich gemacht, dessen EP „Verlernt zu fühlen“ Punkt Mitternacht erscheinen sollte. Grund genug also mit Stolz in der Heimatstadt zu performen. Fredrik tritt vielleicht so auf wie der junge Marius, lieferte aber in Tracks namens „Rotweinlippen“ und „Alle meine Lieder“ einen kraftvollen Sound, der vor allem die junge Generation und Fans von Urban Pop begeisterte.
Zurück im Imperial Theater gab es zum Abschluss Matilda Mann. Die junge Songwriterin aus London überzeugte mit modernem Indie-Folk. Ihr Debütalbum „Roxwell“ liefert unkonventionelle Klänge, wahlweise zum Tanzen oder zum Träumen. Einen Teil des Publikums hielt es trotz vorgerückter Stunde nicht auf den Sitzen. Und die akustische Ballade „The DayThat I Met You“ war ein wundervoller Abschluss für den zweiten Festivaltag.
(c) alle Fotos: Julia Nemesheimer
Wenn Hamburg zum Reeperbahn Festival ruft, dann folgt die komplette Musikwelt. Delegierte treffen sich zum Austausch und Networking, Fans kommen, um neue Künstler*innen zu entdecken. Und davon gibt es genug: über 450 Konzerte finden an den vier Tagen statt. Open Air auf der Reeperbahn („Festival Village“ Heiligengeistfeld, Spielbudenplatz), in den unzähligen Clubs und Theatern, in den Kirchen St. Pauli und St. Michaelis – und auch in der Elbphilharmonie. Da fällt die Auswahl schwer. Am besten ist es nach meiner Erfahrung, einige Topacts ins Auge zu fassen und sich ansonsten treiben zu lassen. Gerade nach dem Zufallsprinzip kann man einige wunderbare Acts neu kennenlernen.
Der erste Gang am Mittwoch musste ohnehin zur „Festival Village“ führen, da man hier zunächst Schlange steht, um das obligatorische Bändchen zu erhalten. Und schon ging es los mit den ersten musikalischen Leckerbissen: Songwriter Yunus war zu einem halbstündigen Konzert auf der „Village Acoustics“ Bühne, um seine aktuelle EP „Fühlst du das auch?“ in einer Mischung aus Pop und Rap vorzustellen. Einer netter Einstieg in gemütlichem Ambiente. Nebenan auf der fritz-kola Bühne mit ihrem coolen Aufbau (untere Etage eine Bar, obere Etage das Livegeschehen) legten dann Honey I’m Home los. Es gab hymnische Musik mit Indie-Gitarren, Dream Pop und einer Prise Shoegaze. Ganz passend unter sonnigem Himmel. Auch Jacob Elias konnte auf der Acoustic-Stage glänzen. Der junge Sänger aus Wien bot leichten Pop mit sympathischen Texten und dazu Songs wie „Situationship“ und „Wachstumsschmerz“.
Gerade die Kirchen sind eine wirkungsvolle Konzertkulisse. Und es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass der Pfarrer selbst zur Begrüßung auf die Bühne kommt und die Festivalgäste an seinem Arbeitsplatz willkommen heißt. Sängerin und Songwriterin Mel D aus Zürich schaffte am Mittwochabend in der St.Pauli-Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Ihre Songs sind erstaunlich vielseitig, wobei insgesamt ruhigere Stücke überwiegen. Eindruck hinterließ vor allem Mels ausdrucksstarke und wandelbare Stimme, die sowohl solistisch glänzte, als auch im Harmoniegesang mit ihren beiden Begleitmusiker*innen. Als Mel einen Song komplett alleine a cappella präsentierte, herrschte im Publikum eine beinahe andächtige und gespannte Stille. Und dann schuf sie ein wahres Pfeifkonzert, aber nicht etwa negativ gemeint, sondern indem sie gemeinsam mit dem Publikum Vogelstimmen imitierte. Besonders schön war auch der Abschlusstitel, bei dem sie am Ende die ganze Kirche zum Mitsingen brachte. Ein gelungener Auftritt der Künstlerin, von der man hoffentlich noch viel hören wird.
Und dann vom Kleinen zum Großen, schließlich ist das RBF immer auch für Überraschungen gut. Der Auftritt von Nina Chuba ist erst ganz kurzfristig für die „amazon music“ Stage angekündigt worden, findige Gäste hatten den Schriftzug aber schon am Nachmittag in der Bühnenkulisse entdeckt. Und tatsächlich: in einem halbstündigen Promokonzert stellte der Shooting Star aus Wedel Songs aus seinem neuen Album „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“ vor, dass am Freitag erscheinen wird. Die Open Air Bühnen sind frei zugänglich und ohne Ticket zu erreichen, aber in diesem Fall musste man Einhalt gebieten. Schon 45 Minuten vor dem Gig wurde der Zugang zum Heiligengeistfeld begrenzt. Wer jetzt erst kam, konnte nur aus weiter Ferne zuhören. Nina war allein auf der Bühne und brachte (live gesungen zur Musikkonserve) Stücke wie „Wenn das Liebe ist“, „RAGE GIRL“ und „Unsicher“. also durchaus die ganze Bandbreite ihrer Musik von aggressiven Parts bis hin zur von Selbstzweifeln geprägten Ballade. Dafür wurde sie grandios abgefeiert und die Show mit Hebebühne, viel Konfetti und ordentlich Pyrotechnik war es allemal wert.
Im Imperial Theater werden sonst Krimis aufgeführt – während des Reeperbahn Festivals verwandelt sich die gemütliche Location allerdings in einen Musikclub. Am Mittwochabend bot das Theater unter anderem der österreichischen Künstlerin Anna Buchegger eine Bühne, die auf bemerkenswerte Art modernen Pop mit alpiner Volksmusik und bissigen Texten kombinierte. Mit einem Jodel-Intro eröffnete sie ihr Konzert und trat gleich darauf den Beweis an, dass ein Hackbrett durchaus als Rhythmus-Instrument genutzt werden kann! Auch wenn man durch den österreichischen Dialekt nicht jedes Wort der Songs versteht, kam die Botschaft musikalisch auf jeden Fall an – und den Rest erledigten ihre sympathischen Ansagen. Insgesamt ein beeindruckender Auftritt, was nicht zuletzt auch der aus Schlagzeuger, Bassist und Keyboarderin (die gleichzeitig mit tollen Backing-Vocals überzeugte) bestehenden Band zu verdanken ist. Stimmgewaltig schuf Anna ihrer emotionalen Wut Raum und zeigte in der Theaterkulisse, dass sie auch ohne Mikro laut sein konnte.
Liang Lawrence ist eine waschechte Weltenbummlerin. Sie hat schon in Kalifornien, Kuwait, Malaysia, Japan, Neuseeland und UK gelebt. Mit einer Mischung aus Indie Pop, Folk und Country Rock brachte sie das Publikum in der St. Pauli Kirche schnell zum Tanzen. Indes machte sich im Imperial Theater Tyler Ballgame bereit. Der Singer/Songwriter aus Los Angeles ist erst vor einem Jahr so richtig ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Eine gewichtige Erscheinung mit viel Volumen in der Stimme. Seine beeindruckende Bühnenpräsenz und die weite Range in seinen Vocals führten ihn in ungeahnte Höhen. Eine grandiose Performance aus nostalgischem, zeitlosen Indie Pop zum Ende des ersten Festivaltags.
(c) alle Fotos: Julia Nemesheimer
Schon der Mittwoch bot ein vielseitiges Programm beim Reeperbahn Festival in Hamburg. Seht hier unsere Fotos von Nina Chuba, Mel D, Panda Lux, Sorvina, Emi X, Fliegende Haie und Widersacher aller Liedermacher. Fotos: Julia Nemesheimer.
Gegründet im Jahr 2005 bringen LE FLY aus Hamburg seit zwei Jahrzehnten eine gelungene Mischung aus Weltmusik, Rap, Rock, Reggae, Funk und Ska aufs Tapet. Ihre Alben tragen illustre Titel wie „St. Pauli Tanzmusik“, „Grüß dich doch erstmal!“ und „Kopf aus Fuß an“. Es geht um das Erzeugen guter Gefühle, denn dieses Geschäft versteht das nordische Quintett aus dem Effeff. Und weil das live am besten funktioniert, wurde es Zeit für ein Album mit dem Titel „LE FLY LIVE“.
Los ging es für die Band im 2005 mit ersten Konzerten auf WG-Partys. Öffentlich in Erscheinung getreten sind die St. Paulianer mit Hang zum hyperaktiven Unterhaltungsextrem erstmals auf einer Veranstaltung namens „Rock meets Rap“ im legendären Hamburger Kiez Club Molotow. 2008 folgten erste Festival-Shows und ab 2009 bis einschließlich 2025 spiel(t)en LE FLY als weltweit einzige Bands jedes Jahr auf dem Deichbrand Festival!
Neben den jährlichen ausschweifend zelebrierten Festival-Sommern sind LE FLY auch regelmäßig und immer wieder auf den Club-Bühnen in der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus zu sehen. Vereinzelt spielte man Konzerte im Ausland – in Russland, Dänemark, der Schweiz und Luxemburg. Geträumt wird von einer baldigen Konzertreise nach Südamerika. Als Support durften LE FLY bisher beispielsweise für ZSK, Panteon Rococo, The Offspring und die 257ers eröffnen.
Schon auf ihren bislang vier Alben und zahllosen weiteren Singles, allesamt größtenteils im DIY-Verfahren aufgenommen, produziert und über das bandeigene Label St. Pauli Tanzmusik veröffentlicht, reihte sich eine Song gewordene Hüpfburg an die nächste. Den Fokus bilden Rock, Reggae und Rap mit sofort ins Ohr gehenden Hooks. So geht es auf diesem Livealbum ordentlich zur Sache und vor allem der Deichbrand-Gigs 2022 und 2023 wird ausgiebig gehuldigt.
Wahnsinn, was man hier für eine Stimmung verbreitet. Das feierwütige Publikum geht bei allen Tracks perfekt mit und so bekommt der geneigte Hörer einen guten Eindruck davon, was LE FLY können und wie sie eine Menge begeistern. Zur „ätzend fröhlichen Stimmung“ tragen auch die enthusiastischen Ansagen bei. Es wird klar: Hier geht es vor allem um Motivation und Party. Obwohl der Mitschnitt aus unterschiedlichen Konzerten zusammengestückelt ist, hat das Album einen absoluten Flow durch seine 16 Songs. Hier wird jeder abgeholt und mitgenommen.

Die LP kommt als 180 Gramm Doppel-Vinyl in Weiß & Rot im aufklappbarem Cover inkl. „St. Pauli Tanzmusik“-Print. Die Schallplatten-Innenhüllen sind mit Fotocollagen bedruckt.
Tracklisting (Spielzeit 65 min)
Seite A:
LE FLY – Ätzend Fröhlich – Live auf dem Deichbrand 2022
LE FLY – Alessio – Live auf dem Deichbrand 2022
LE FLY – Klassenfahrt – Live auf dem Deichbrand 2023
LE FLY – Hand In Hand – Live auf dem Deichbrand 2022
Seite B:
LE FLY – Gepäckträger – Live auf dem Deichbrand 2023
LE FLY – Tanz – Live auf dem Open Flair 2023
LE FLY – Mutter Natur – Live auf dem Deichbrand 2022
LE FLY – L’amour – Live auf dem Deichbrand 2023
Seite C
LE FLY – Caroline – Live auf dem Open Flair 2023
LE FLY – Señorita Bam Bam – Live auf dem Deichbrand 2023
LE FLY – St.Pauli Tanzmusik – Live aus der Hamburger Markthalle 2023
LE FLY – Fliegen – Live aus der Hamburger Markthalle 2023
Seite D
LE FLY – 1001 Kneipe – Live aus der Hamburger Markthalle 2023
LE FLY – Wir Wollen Nach Rio – Live aus der Hamburger Markthalle 2023
LE FLY – Wir Sehen Sehr Gut Aus – Live aus der Hamburger Markthalle 2023
LE FLY – No Tan Solo – Live auf dem Deichbrand 2023″
„Gute Laune ungerecht verteilt“, so lautet der Titel des neuen Kettcar-Albums. Am Donnerstag aber war von Ungerechtigkeit kaum etwas zu bemerken, sind doch die Fans einfach glücklich, dass die Hamburger Band nach langer Pause endlich wieder ein Album auf dem Markt hat (das sogar Platz 1 der deutschen Charts enterte) und sich zurzeit auf ausgiebiger Tour befindet. So war die Garage in Saarbrücken schon seit Monaten ausverkauft und es tummelte sich allerlei Publikum im großen Rund, das auch ältere Semester mit einschloss. Kettcar waren von Beginn an – seit 2001 – eine Band für alle Generationen.
Bevor aber Marcus Wiebusch & Co. loslegten, waren Kochkraft durch KMA als Support gefragt. Der Bandname ist schwer zu merken aber leicht zu googeln. Die Band um Sängerin Lana Giese stammt aus dem Großraum Köln und feiert sich mit interessanten Wortschöpfungen. So sehen sie sich als Vertreter*innen der „Neuen Deutschen Kelle“, einer Neuinterpretation von NDW. In diesem Sinne gibt es Punk mit Sprechgesang, schnell, laut und elektronisch.
Das neuste Album „Alle Kinder sind tot“ erschien bereits vor fast zwei Jahren. Die aktuelle Single „Mein Hund heißt wie Du!“ wurde gemeinsam mit Team Scheisse aufgenommen und beim Kettcar-Label Grand Hotel van Cleef veröffentlicht. So kamen die dynamische Frontfrau und ihr agiles Team vermutlich zu der Rolle als Support, die sie in 40 Minuten Konzertlänge glänzend ausfüllten. Viele werden Kochkraft durch KMA vermutlich an die laute Rockband erinnert haben, die Kettcar noch vor 23 Jahren waren.
Pünktlich um 21 Uhr waren die Hamburger am Start. Aus der lauten Rockband ist eine nachdenkliche Truppe geworden, die mit ihrem Politpunk immer noch wichtige Geschichten erzählt, den Fokus aber mehr aufs Erzählen als aufs eingängige Abfeiern legt. Es war der offizielle Tourstart nach Clubkonzerten auf Helgoland und im Kölner Luxor. Und die Garage war der perfekte Ort dafür, konnten Marcus und Reimer doch von unzähligen Gigs in der Region schwelgen, beginnend mit dem kultigen Start 2003 im P-Werk Blieskastel.
„Auch für mich die 6. Stunde“ eröffnete den Set. Es geht darin um aktuelle Ereignisse und den damit einhergehenden Zynismus: „Sandstrand, Junge tot, Netflix, Abendbrot“. Besser kann man nicht erklären, warum unsere Welt kaputt ist. Dann „Benzin und Kartoffelchips“ vom Album „Ich vs. Wir“, das bald schon erschreckende sieben Jahre alt wird. Wiebusch lud zu einer kleinen Zeitreise ein von „Money Left To Burn“ (2001) über „Balkon gegenüber“ (2002) und „48 Stunden“ (2005), was der bislang höchste Charteinstieg der Band war. Grund genug, auch den Radiosender SR2 zu loben, der das Saarbrücker Konzert mitgeschnitten hat und es demnächst in verkürzter Form senden wird.
Weiter ging es politisch mit „Sommer 89“ und dem grandiosen „München“, das nach Meinung von Reimer Bustorff auch den Titel „Saarbrücken-Dudweiler“ tragen könnte, geht es doch um einen Menschen, der in Deutschland geboren ist aber für immer Ausländer bleiben wird. Die Setlist war insgesamt ausgewogen und – meiner Meinung nach – absolut großartig. So gab es die Ballade „Balu“, allein mit Gitarre und Piano begleitet, und „Doug & Florence“ gegen die liberale Zumutungspolitik.
Ob Musik etwas bewirken kann, wird Marcus oft gefragt – und kann es nicht mehr hören. Er sagt seine Meinung und schreit sie bisweilen laut heraus. So kann er Momente genießen wie die Performance seines formidablen Solosongs „Der Tag wird kommen“ über einen homosexuellen Fußballstar. Auch dieser fand seinen Platz im Set und verursachte mir und vielen anderen Gänsehaut – wie immer, wenn man das dazu gehörige Video sieht, das auch hier im Hintergrund ablief. Klar befindet man sich in einer Meinungsblase, aber das daraus entstehende Zusammengehörigkeitsgefühl kann jeden stärken.
Eine Premiere feierte der Song „Blaue Lagune, 21.45 Uhr“ den es bisher noch nirgends live gab. Als letztes im regulären Set folgte um 22.30 Uhr das umjubelte „Landungsbrücken raus“. Der Zugabenblock dehnte dann das Konzerte auf lockere zwei Stunden aus. Mein Highlight? Wie immer „Trostbrücke Süd“. Ein atmosphärischer Song über die Verlorenen im Frühbus, der in einem skurillen Moment an der Endstation gipfelt, wenn alle verbliebenen Fahrgäste auf ihre Sitze steigen und dem Busfahrer skandieren: „Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser“. Wie geil ist das denn? Und wie perfekt wirkt dieser Song in später Konzertkulisse? „Auf den billigen Plätzen“, „Ich danke der Academy“ und „Deiche“ beendeten das grandiose Comeback-Konzert.
Wer Kettcar in der Region Trier nochmal live sehen will, hat dazu am 28. August Gelegenheit, wenn die Band den Brunnenhof neben der Porta Nigra mit guter Musik erfüllen wird. Die kompletten restlichen Tourdaten 2024 findet ihr ganz unten in diesem Text.
Setlist KETTCAR, Garage Saarbrücken, 11. April 2024
Zugaben

Tourdaten 2024
14.04. Bremen, Pier 2
16.04. Hannover, Capitol
17.04. Leipzig, Haus Auensee
18.04. München, Tonhalle
19.04. Köln, Palladium
20.04. Berlin, Columbiahalle
21.04. AT – Wien, Arena (ausverkauft)
23.04. Erlangen, E-Werk (ausverkauft)
24.04. Stuttgart, Im Wizemann
25.04. Bielefeld, Lokschuppen
26.04. Dresden, Alter Schlachthof
27.04. Hamburg, Sporthalle
Festivals / Open Airs 2024
22.06. Duisburg, Traumzeit Festival
13.07. Georgsmarienhütte, Waldbühne Kloster Oesede
18.07. Marburg, Marburger Sommernächte
25.07. AT – Wien, Arena
26.07. Augsburg, Sommer am Kiez
27.07. Karlsruhe, Zeltival
28.07. CH – Thun, Am Schluss Festival
29.07. AT – Graz, Kasematten
31.07. Freiburg, ZMF
01.08. Friedrichshafen, Kulturufer
02.08. Würzburg, Hafensommer
03.08. Reutlingen, HafenSounds Festival
04.08. Mainz, KUZ
10.08. Braunschweig, Applaus Garten
11.08. Lüneburg, Kultursommer
12.08. Bayreuth, Seebühne
14.08. Jena, Kulturarena
15.08. Bad Zwischenahn, Park der Gärten
16.08. Würselen, Burg Wilhelmstein
17.08. Taarstedt, Angeliter Open Air
28.08. Trier, Brunnenhof (neu)
29.08. CH – Aarau, Kiff (neu)
30.08. CH – St. Gallen, Grabenpark – 40 Jahre Grabenhalle
01.09. Schwerin, Schloss
Auch der Donnerstag brachte einige Highlights beim Reeperbahn Festival. Die Schweden MANDO DIAO fanden sich zu einem kurzen aber intensiven Acoustic Gig im Saturn ein.
Nach knapp 1,5 Jahren im Ausnahmezustand ist die kollektive Ermüdung in Sachen rein digitaler Zusammenkünfte, ob für Besprechungen oder Kulturgenuss, allerorten spürbar. Umso stärker wächst die Sehnsucht nach einer Form der Normalität, die endlich wieder echte Kontakte ermöglicht. Dank niedriger Inzidenzen, fortschreitender Impfkampagne und zahlreicher Testmöglichkeiten rückt diese Aussicht aktuell in greifbare Nähe — und erlaubt somit der Kultur die Rückkehr auf die Bühnen. Gute Voraussetzungen also, die zuversichtlich stimmen, dass auch das Reeperbahn Festival mit seiner 16. Ausgabe einen weiteren Schritt in Sachen Annäherung an die Normalität darstellen wird.
Vom 22. bis 25. September verwandelt sich St. Pauli erneut zum Epizentrum der Musikwelt, bei dem Musikfans und Fachbesucher*innen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Das gewohnt vielfältige Angebot an Livekonzerten präsentiert in rund 35 Spielstätten (davon drei Open-Air-Bühnen) Newcomer*innen und etablierte Acts, während wir die Konferenz-Teilnehmer*innen nach der rein digitalen Umsetzung in 2020 in diesem Jahr endlich wieder live vor Ort begrüßen dürfen. Dies alles geschieht selbstverständlich in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und gemäß der im September geltenden Verordnungen. Genauere Details zum konkreten Stand der Planungen werden im Laufe der kommenden Monate an dieser Stelle bekannt gegeben.
Doch nicht nur Fans, Fachbesucher*innen und Festivalausrichtende dürstet es nach der Begegnung von Angesicht zu Angesicht — auch unzählige Künstler*innen freuen sich, endlich wieder live mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten:
″I think I echo a similar sentiment as my fellow artists that having to be without live music for the better part of two years was incredibly challenging on every level. But more than anything it was the loss of the special energy that only happens when you have people together experiencing something unique. Having played Reeperbahn Festival before, and having an absolute blast, there is something so energetic and fun and different about it that it feels so right to be the moment when I get to return to performing. Hard to even describe how much I’m looking forward to it.“ (William Fitzsimmons)
Eröffnet wird das 16. Reeperbahn Festival mit dem Reeperbahn Festival Opening am Mittwoch, 22. September, im Stage Operettenhaus. Für die einstündige Eröffnungsshow mit hochklassigen Live-Acts sowie Keynotes und Talks zu branchenrelevanten und gesellschaftspolitischen Themen werden erneut prominente Gäste aus Kultur und Politik erwartet. Am Festival-Samstag, 25. September, kürt die Jury um Präsident Tony Visconti im St. Pauli Theater den/die Gewinner*in des ANCHOR – Reeperbahn Festival International Music Award. Begleitet wird die diesjährige Ausgabe des Reeperbahn Festivals von den Medienpartnern ARTE Concert und NDR.
MUSIKPROGRAMM
Auch in diesem Jahr liegt der Fokus des diesjährigen Live-Angebotes auf einer breiten Abbildung hauptsächlich europäischer Acts und Künstler*innen. Zu den bisherigen Highlights 2021 zählen u.a. die Rapper Mavi Phoenix (AUT), Goldroger (DEU), die Indie-Elektroniker Weval II (NLD), Pop-Act ILIRA (CHE), Songwriter*innen Antje Schomaker (DEU), Dillon (DEU/BRA) und William Fitzsimmons (USA), die Retro-Rock Institution Kadavar (DEU) sowie Indie-Pop-Bands wie JEREMIAS (DEU) und Die Höchste Eisenbahn (DEU). Die Übersicht aller bisher bestätigten Live-Acts findet sich HIER.
Zu den rund 35 Spielstätten zählen mit der ARTE Concert Stage im Festival Village auf dem Heiligengeistfeld, der Spielbude sowie dem N-JOY Reeperbus auf dem Spielbudenplatz drei Open-Air-Bühnen.
Ein weiterer Spielort ist die Elbphilharmonie, in der fünf Konzerte stattfinden. Am Freitag, 24. September, spielen RY X (AUS) und die ANCHOR-Gewinner*innen 2020 ÄTNA x NDR Bigband (DEU), während dort am Samstag, 25. September, Alice Phoebe Lou (ZAF), Niklas Paschburg (DEU) sowie erneut RY X (AUS) auftreten werden. Alle Informationen rund um die Zugangsberechtigungen zu den diesjährigen Konzerten in der Elbphilharmonie finden sich HIER.
“My first Reeperbahn Festival experience was in the Jazz Cafe playing to a handful of people. I was amazed by the energy of the city and the different concerts we stumbled on. It felt like I was finally dipping into the music scene of Europe and that I was a part of something exciting. 7 years later, much deeper into my musical life, I feel honoured to be playing in the epic Elbphilharmonie. It gives me the feeling that all of these years of working hard as an independent artist have paid off, and it’s the perfect opportunity to put on a unique show with more instruments and different arrangements to mark this special occasion.” (Alice Phoebe Lou)
Hamburg. St. Pauli. Die Reeperbahn ist gefüllt wie eh und je. Menschenmassen drücken sich aneinander vorbei, Punks und Obdachlose, Drags und andere bunte Hunde, Männer wie Frauen werben für ihre Anliegen. Dazwischen sieht man lange Schlangen und Menschen mit Festival-Bändchen, teils mit Presse- oder Team-Ausweis. Gerade am oberen Ende, von der U-Bahn-Haltestelle St. Pauli kommend, klingt über den üblichen Geräuschpegel etwas, das man in den letzten Monaten eher selten hörte: Livemusik. Auf dem Spielbudenplatz spielen an vier Tagen jeweils drei Bands.
Das Reeperbahn-Festival fand vom 16. bis 19. September 2020 statt – trotz Corona. Als großes Experiment, wie ein Festival in Pandemiezeiten ablaufen kann. Kein Wunder also, dass die Veranstaltungsbranche nicht wie sonst vor allem nach Hamburg blickt, wenn das Festival ansteht. Nicht, um gesehen zu werden, alte und neue Bekannte zu treffen, neue Musik zu hören und sich gegenseitig zu verständigen. Sondern vor allen Dingen, um herauszufinden: Gibt es Hoffnung für die stark gebeutelte Branche, die seit Monaten keine Einnahmen verzeichnen kann, mit am längsten die Türen geschlossen halten musste und für die es noch immer keine Perspektive gibt, die auch finanziell ein „Weitermachen“ ermöglicht.
Natürlich sind es nicht nur die neun Konzerte auf der Spielbuden-Bühne. In 19 weiteren Clubs und Veranstaltungsorten finden an den vier Festivaltagen über 100 Konzerte statt. Viele werden live im Internet gestreamt – und 150.000 Menschen schalten dafür ein. Vor Ort sind es deutlich weniger: Gerade einmal 8000 Besucher:innen kommen physisch zum Festival. Verglichen mit den 50.000 im Vorjahr ist das quasi nichts. Daher wirkt auch vieles eher leer. Das Festival Village auf dem Heiligengeistfeld (mit zwei Bühnen: der kleinen Festival Village Fritz Bühne und der großen Festival Village Stage) ist nur wenig besucht. 30000 Quadratmeter stehen hier zur Verfügung. Normal passen hier locker bis zu 7000 Menschen hin. Zugelassen sind allerdings gerade einmal 1300.
Überall werden Kontaktdaten hinterlassen. Betritt man eine Venue, muss vorab ein QR-Code eingescannt werden. Erst nach Bestätigung und Kontrolle darf man eintreten. Das gleiche Spiel erneut beim Auschecken. Während es Mittwoch und Donnerstag noch ruhig war und die meisten Menschen ihre Wunschkonzerte sehen konnten, wurde es zum Wochenende deutlich voller. Die Schlangen wurden länger – und die enttäuschten Gesichter derjenigen, die nicht mehr hineingekommen sind, waren häufiger zu sehen. Doch trotz allem: Großer Protest oder Beleidigungen blieben aus. Die Sicherheitsleute berichten, dass sie gerade einen sehr entspannten Job hätten. Man könne sich mehr Zeit beim Einlass lassen, aber vor allem seien die Menschen verständiger und weniger aggressiv, wenn sie nicht hineinkämen. Vor allem aber: Man habe endlich wieder etwas zu tun. Das gilt für alle hier: Die Ton- und Lichttechniker, die Stagehands und Menschen hinter der Theke, genauso wie viele mehr, die dabei mithelfen, dass die Konzerte überhaupt stattfinden können.
Wie das alles dann finanziert wird? Vor allem durch Subventionierung von Bund und Ländern. Mit insgesamt 1,3 Millionen Euro wurde das Reeperbahn Festival in diesem Jahr bezuschusst.
In den einzelnen Clubs, Kirchen und Open-Air-Bereichen stehen zumeist Stühle, manchmal sind es auch nur Markierungen auf dem Boden. Maximal zwei Menschen dürfen zusammensitzen oder stehen. Ein kurzer Besuch bei Bekannten zwei Reihen weiter wird von der Security sofort unterbunden. Außer am eigenen Platz herrscht zudem überall Maskenpflicht. Statt des sonst nicht unüblichen Konzert-Hoppings, also überall mal kurz reinzuschnuppern, muss sich diesmal im Voraus entschieden werden, wohin man möchte – nachdem das Konzert begonnen hat, darf niemand mehr hinein. Raus kommt man jederzeit, aber der Platz wird nicht nachbesetzt.
Während also im Rahmen des Festivals penibel auf die Einhaltung aller Hygienevorschriften geachtet wird, ist genau das außerhalb der mit QR-Code abgesperrten Bereiche auf dem Rest der Reeperbahn fast allen ziemlich egal.
Ob das Konzept gelungen ist? Es ist möglich, Live-Konzerte zu spielen. Das wird derzeit im ganzen Land gezeigt. Die Autokonzerte sind weitestgehend vorbei und der Sommer mit seinen Outdoor-Möglichkeiten und einigen Lockerungen wurde von vielen genutzt. Wie es im Herbst weitergeht, ist absolut ungewiss. Was jedoch sicher ist: Ohne Subventionierung ist es nicht umsetzbar. Bei knapp 50 statt 300 Besuchern kommt kein (Club-)Veranstalter jemals zu schwarzen Zahlen – und horrende Ticketpreise kann sich derzeit nur ein Bruchteil der Gesellschaft leisten. Dennoch: Mit dem passenden Hygienekonzept und verantwortungsbewussten Menschen sollte eine Aufstockung der Besucherzahlen in Erwägung gezogen werden. Der Fussball macht vor, wie eine Steigerung der Besucherzahlen möglich sein kann. Dass die Besucher:innen sich an Regeln halten können, hat das Reeperbahn Festival eindeutig gezeigt.