Der in Frankreich geborene und aufgewachsene Jean-Philippe Rio-Py begann seine internationale Karriere, als er mit 21 Jahren nach London zog. Schon früh wandte er sich der Musik zu, als er sich das Klavierspielen selbst beibrachte. Da er keine Notenblätter hatte, begann RIOPY in jungen Jahren Stücke zu komponieren. Aus der Not wurde eine Tugend, denn heute profitiert der junge Künstler von seiner großen musikalischen Vorstellungskraft und unstillbaren Neugierde.
RIOPY übersetzt das Leben um sich herum in Töne und Akkorde. Nach den Vorgängern „Riopy“, „Tree Of Light“ und „Meditation 432“ hat der Musiker nun eine Sammlung von elf Stücken zusammengestellt, mit denen er seine Fans zum Diskurs einlud. Jeden Monat veröffentlichte er einen weiteren Song des Albums, mit denen er den Helden des Alltags auf seinem edlen Fazioli-Piano huldigte. Es war schon ein starker Zug, das Album in diesen schwierigen Zeiten „Bliss“ (Glückseligkeit) zu nennen.
Für RIOPY ist das neue Album ein akustisches Journal, ein emotionales Tagebuch, in dem er seine Gedanken, Gefühle und Impressionen in einer Zeit voller Herausforderungen festgehalten hat. Er liefert virtuose Klänge und verträumte Melodien. Das Cover, das die Töne wie einen Vogelschwarm aus dem Piano fliegen lässt, trifft es auf den Kopf. „Bliss“ liefert in weiten Teilen pure Melancholie und wunderschöne Läufe über die Tasten. Die Macht der Träume und die Macht der Realität werden gekonnt miteinander verbunden.
Seine Videos geben einen Eindruck von der Naturverbundenheit, die sich in RIOPYs Werken findet:
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Andrew von Oeyen hatte bereits mit fünf Jahren Klavierstunden und bestritt sein Solo-Debüt beim Los Angeles Philharmonic im Alter von 16 Jahren. Nun ist er 41 und hat mit renommierten Orchestern weltweit gespielt und einige beachtenswerte CD-Aufnahmen veröffentlicht. Ein Mann, dem die Musik im Blut liegt. Doch was macht man in Zeiten der Pandemie? Konzerte streamen? Neues Lernen? Wie viele Musikliebhaber suchte er sein Seelenheil in der klassischen Musik. Und diesmal waren es nicht die energischen, trotzigen Werke leidenschaftlicher Komponisten, sondern das Tröstliche in den Werken der großen Meister.
Anfang 2020 plante der gebürtige Amerikaner ein Album mit Beethoven-Sonaten, um den 250. Geburtstag des Komponisten zu feiern. Die Einspielung sollte in auffälligem Kontrast zu seinen Debüt-Veröffentlichung bei Warner Classics stehen, einem Programm mit Ravel, Saint-Saëns und Gershwin. Geprägt von den Eindrücken im Lockdown, umfasst dieses Solo-Recital nun Bachs achtsätzige Ouvertüre im französischen Stil BWV 831 sowie Beethovens Klaviersonaten Nr. 13 in Es und Nr. 23 in f-Moll, „Appassionata“. Das Album beschließen Bearbeitungen von Wilhelm Kempff zweier langsamer Sätze, die Bach für begleitete Flöte und Klavier schrieb.
Der Ausbruch der Pandemie veränderte sowohl Andrew von Oeyens Pläne als auch seine Gefühle gegenüber der Musik, die er spielte, radikal: „Angesichts meiner eigenen Stimmung und der vorherrschenden Untergangsstimmung hatte ich keine Muße, die stürmischen und heroischen romantischen Stimmen von Chopin, Liszt und Rachmaninoff zu erforschen. Ich brauchte etwas Rohes und Direktes, das von allem Unwesentlichen befreit war. Am wichtigsten war, dass es universell sein musste. Es war eine Überraschung, dass der Komponist, der mich am meisten ansprach, einer war, zu dem ich bis dahin keine enge Beziehung hatte, nämlich Johann Sebastian Bach. Wenn Bach als mein erster musikalischer Ankerplatz in der Pandemie diente, wandte ich mich in der zweiten Welle wieder Beethoven zu. Nachdem ich Trost in den Chorälen, Präludien und Fugen des 18. Jahrhunderts gefunden hatte, war ich nun bereit, dem Sturm in der Gesellschaft der unverwüstlichen und unzerstörbaren Sonaten des 19. Jahrhunderts entgegenzutreten.“
So schafft der Pianist mit diesem Album eine wunderschöne Vereinigung der beiden großen B, die so grundverschieden sind und doch so viel gemeinsam haben. Es sind wunderschöne verträumte Aufnahmen mit einer spielerischen Dynamik. Eine schöne Idee, uns an den tröstlichen und harmonischen Melodien teilhaben zu lassen.
Die Macht der Träume. Und die Macht der Wirklichkeit: Zwei wichtige Impulsgeber, die in Riopys Schaffen seit jeher von immenser Bedeutung sind. Schon immer hat sich der aus Frankreich stammende und heute in London beheimatete Pianist als Weltenwandler zwischen dem Reich der Phantasie und dem Hier und Jetzt verstanden.
Ein kreativer Freigeist, der sich in den vergangenen Jahren sein ganz persönliches Klanguniversum erschaffen und zu einem der aufregendsten Vertreter der Contemporary Classical Music entwickelt hat. Angefangen bei Neoklassik, Meditations- und Kammermusik, über Trailermusik für David Finchers „Gone Girl“ und Ridley Scotts „Mord im Orient-Express“, bis hin zu Werbemusik für Peugeot oder Armani – Riopy fühlt sich auf den verschiedensten stilistischen Feldern zuhause.
Er lässt Genregrenzen verschwimmen und sammelt auf seinen vielfältigen Konzertreisen immer neue Inspirationen, während er sein Publikum rund um den Globus fasziniert. Nach international gefeierten Auftritten an Schauplätzen wie dem traditionsreichen Pariser Theatre des Champs Elysees, dem legendären Chateau Marmont in Hollywood, dem ehrwürdigen Londoner Royal Opera House oder chinesischen Konzerthäusern legt der Franzose nun mit „Bliss“ (Album-VÖ: 02.07.21) sein viertes Album vor.
Riopy übersetzt das Leben um sich herum in Töne und Akkorde. Nach den Vorgängern „Riopy“, „Tree Of Light“ und „Meditation 432“ hat der Musiker nun eine Sammlung von elf Stücken zusammengestellt, mit denen er seine Fans zum Diskurs einlädt. Jeden Monat veröffentlicht er einen weiteren Song des Albums, mit denen er den „Helden des Alltags“ auf seinem edlen Fazioli-Piano huldigt. „Bliss“ – Glückseligkeit hat Riopy seine scharfsinnigen Observationen diesmal genannt. Ein akustisches Journal, ein emotionales Tagebuch, in dem er seine Gedanken, Gefühle und Impressionen in einer schwierigen Zeit voller Herausforderungen festgehalten hat.
Den Auftakt machte im vergangenen Oktober das verspielte „La Vernatelle“, das Riopy im gleichnamigen Örtchen an der französischen Mittelmeerküste schrieb. „Ich liebe diesen Ort. Es fühlt sich an, als gehörte er nicht zu dieser Welt. Ich muss immer lächeln, wenn ich das Stück höre und an diesen wunderschönen Teil Frankreichs denke. Ein Gedanke, der mich wirklich glücklich macht.“
Ein Motiv, das sich auch durch das schwebend leichte „Bee“, das träumerische „Sweet Dream“, das optimistische „Joy“ oder das nachdenkliche „Epiphany“ zieht. „Eine Einladung, einen Schritt aus der persönlichen Comfortzone heraus zu machen und Unbekanntes zu erforschen. Sich von allen Ängsten freizumachen und sich über die eigenen Stärken bewusst zu werden. Und zu erkennen, dass es keine Grenzen gibt.“ Im buchstäblichen Sinne grenzenlos präsentiert sich auch das dramatische „Sky Opus Fire“, das von einer ganz besonderen Kulisse beeinflusst wurde: Ein noch tätiger Vulkan auf der französischen Übersee-Insel La Réunion. Unwirkliche Schönheit, die über allen Eindrücken aus Urgestein, Wind, Lava und dem Blick auf die unendliche Weite des Ozeans steht.
Kopfkino, das sich auch in den atemberaubenden Bildern des Videoclips fortsetzt. Ein Mann und sein Piano. Irgendwo am Rande der Welt. Die ganze Schönheit der Natur. Ihre unzügelbare Wildheit. Aber auch ihre Verletzlichkeit. Ein ewiger Kreislauf, den Riopy in seinen mal fragilen, mal kraftvollen Kompositionen einfängt, bevor das Album mit dem surrealen „Sweet Awakening“ endet. Einem kaum in Worte zu fassenden Zustand irgendwo zwischen Träumen und Wachen. Mit anderen Worten: Pure Glückseligkeit.
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Gegensätzlicher kann man die Musik von Richard Strauss wohl kaum darstellen: Ein dramatisches, orchestrales Meisterwerk auf der einen Seite und ein humorvolles, schrilles Stück für Klavier und Orchester auf der anderen.
Antonio Pappano, Leiter des „Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia“, sagt dazu: „Strauss hat immer dramaturgisch gedacht. Wenn man diese Musik in Italien aufnimmt, muss die Verbindung über die Oper kommen, mit all ihrer Theatralik, ihrem Temperament, ihren Kontrasten und Farben […] Man braucht ein gewisses Ausstrahlungsvermögen im Klang, das die Musiker hier erreichen.“
Das „Heldenleben“ als durchkomponierte sinfonische Dichtung entstand im Jahr 1898. Der namenlose Held wird dargestellt, seine Widersacher und seine treue Gefährtin. Beim Sieg des Helden werden Themen aus früheren Werken von Strauss zitiert, die eine Sammlung diverser Helden darstellen. So verwundert es nicht, dass man das 50 minütige Stück meist mit dem anschließenden „Also sprach Zarathustra“ aufführt.
Pappano geht einen ganz anderen Weg und stellt den heroischen Klängen die „Burleske“ entgegen. Das verspielte Stück zeigt Leichtigkeit und Überschwang mit dem großartigen Solisten Bertrand Chamayou.
Die sechs Teile der großen Suite werden theatralisch und opulent dargestellt, wie es sich gehört. Bis zum Moment, da der Held sich an seine Taten erinnert und sich vom Leben zurückzieht. Die 20minütige „Burleske“ holt uns mit fröhlichen Pianoläufen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Eine spannende Idee, die diesem selten gespielten Stück neues Leben einhaucht.
Die Stücke, die es hier zu hören gibt, stammen aus den großen Filmklassikern mit Stars wie Marilyn Monroe, Judy Garland und Audrey Hepburn. Die Musik hat ebenso viel Charisma wie die genannten Darstellerinen – und ist zeitlos schön. Wer kennt sie nicht? „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“, „Over The Rainbow“, „Moon River“ und „As Time Goes By“. Sofort hat man die Filmbilder im Kopf und kann gar nicht anders, als selig mit den Melodien zu summen.
Tuva Semmingsen macht als Solistin einen fantastischen Job. Oft glaubt man, die jeweilige Original-Sängerin zu hören. Gemeinsam mit dem Danish National Symphony Orchestra und dem Danish National Vocal Ensemble schaffen es Dirigent Klaus Tönshoff und die Ausnahmesängerin, die Atmosphäre der Filme auf die Bühne des „DR Koncerthuset“ zu bringen.
Ob es nun die orchestralen Sounds des Sinfonieorchesters sind oder die Arrangements der DR Big Band: Das Album enthält die größten Broadway-Songs aller Zeiten und die beliebtesten Melodien des Goldenen Zeitalters von Hollywood. Im Moment liegt die Kinobranche genauso am Boden wie die Kultur von Livekonzerten. Lasst uns hoffen, dass beide wieder auferstehen. Ein solcher Release zeigt, wie die Sparten sich eindrucksvoll gegenseitig befruchten.
„Die Schöpfung“, eines der drei großen geistlichen Oratorien von Joseph Haydn, erscheint hier in einer Aufnahme der Münchner Philharmoniker mit dem indischen Dirigenten Zubin Mehta am Pult. Anlässlich Mehtas 85. Geburtstages wird mit Haydns Schöpfung eine ganz besondere Einspielung veröffentlicht, welche die jahrzehntelange, tiefe Verbundenheit zwischen ihm und den Münchner Philharmonikern hörbar macht.
Haydn thematisiert in seiner Schöpfung mit schwunghafter Leichtigkeit die Erschaffung der Welt, wie sie das erste Kapitel der Genesis erzählt. Nur am siebten Tage weicht er von der Bibelerzählung ab und beschreibt die ersten Menschen im Paradies. Seine Botschaft, die Schönheit und die Vielfalt der Schöpfung zu erkennen und zu bewahren, bleibt zeitlos gültig. Ein Meisterwerk, das in vielen Einspielungen erhältlich ist.
Als Solisten fungieren hier Mojca Erdmann, Dmitry Korchak, René Pape und Andreas Herrmann gemeinsam mit dem Philharmonischen Chor München. Was mir besonders positiv auffällt: Die erzählenden Worte des Rezitativs sind sehr gut und deutlich vorgetragen. Die Engel Gabriel, Uriel und Raphael begleiten stimmungsvoll die Geschichte – und vor allem die Männerstimmen sind herausragend gesungen. René Pape glänzt mit seiner sonoren Bass-Stimme.
Der Orchesterklang ist sehr sauber herausgearbeitet zwischen energischen Schöpfungsmomenten und verträumtem Innehalten. Die Gesangsvorträge werden dezent untermalt. Auch der gewaltige Chor bekommt viel Raum.
„Die Schöpfung“ ist seit jeher ein Meilenstein, in dem Haydn neue Maßstäbe setzte, die weit über die Grenzen des Wiener Klassizismus hinausgehen. Das Werk zeigt malerische Tonmalereien, feierliche Arien und monumentale Chöre, die Haydns zeitlose Botschaft unterstreichen und uns einladen, die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung anzuerkennen und zu bewahren.
Das Booklet ist – wie von ERATO gewohnt – sehr informativ mit einem Essay „Im Licht der Aufklärung“ von Jörg Handstein in englischer und deutscher Sprache. Zudem widmet sich ein Text dem Leben und der Arbeit von Zubin Mehta. Eine gelungene Würdigung zum runden Geburtstag!
Der Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert zählt zu den Meisterwerken klassischer Liedkunst und wurde bereits unzählige Male aufgeführt und auf Tonträger gebannt. Von Frauen wurde er jedoch bisher selten interpretiert, und insofern stellt die hier vorliegende Neuaufnahme schon eine Besonderheit dar.
Als der kanadische Dirigent und Pianist an die Opernsängerin Joyce DiDonato mit der Idee herantrat, die Winterreise aufzunehmen, konnte sie auch nicht einfach so in die Rolle des Protagonisten schlüpfen, sondern suchte für ihre Interpretation eine neue Perspektive. Schuberts Lieder sind eine Vertonung von 24 Gedichten von Wilhelm Müller, die den Schmerz eines einsamen Wanderers schildern, der von seiner Geliebten enttäuscht wurde. Über das Mädchen selbst erfahren wir nicht viel – aber könnte sie nicht auch diese Gedichte gelesen haben? Und so lässt uns Joyce DiDonato die Winterreise aus der Sicht der zurückgebliebenen Geliebten erleben und mitfühlen.
Vom heimlichen Abschied in „Gute Nacht“ bis zum letzten Lied „Der Leiermann“ begleiten wir als Hörer den Wanderer in seinem Schmerz und in seinen bittersüßen Erinnerungen. Es überwiegen die Moll-Tonarten und eher gleichförmige, sich wiederholende Melodien. Hin und wieder tauchen ein paar glückliche Erinnerungen in Dur auf, wie etwa in „Der Lindenbaum“, dem wohl bekanntesten Lied des Zyklus, im Mittelteil von „Rückblick“ oder im „Frühlingstraum“, wo sich verträumte Passagen mit dem grausamen Schmerz der Gegenwart abwechseln. Auch „Die Post“ bringt ein wenig Bewegung in die Gleichförmigkeit, bevor der Protagonist wieder ins Lamentieren versinkt. Nein, eine erfreuliche Reise ist dies nicht, aber eine sehr bewegende, die hier in der Darbietung durch eine Frauenstimme nochmal eine besondere Emotionalität gewinnt.
Der reine Hörgenuss dieser gelungenen Neueinspielung der „Winterreise“ gewinnt noch durch das umfangreiche Booklet, das neben Joyce DiDonatos Anmerkungen zu ihrer persönlichen Interpretation und Ausführungen von Richard Stokes zum Werk auch die kompletten Liedtexte enthält – alles in englischer, deutscher und französischer Sprache. So erschließt sich der berühmte Liederzyklus auch Musikliebhabern, die ihn hier vielleicht zum ersten Mal hören.
Franz Schubert war ein äußerst fleißiger Komponist und hinterließ trotz seines frühen Todes ein reichhaltiges Werk. Bekannt sind vor allem seine Lieder und Sinfonien, allerdings hat er auch zahlreiche Stücke für mehrstimmigen Gesang geschrieben. Immerhin rund 130 Titel lassen sich der sogenannten weltlichen oder Gesellschaftsmusik zuordnen. Diese wurden bereits 1997 erstmals in einer umfassenden Sammlung veröffentlicht, eingesungen vom Arnold Schoenberg Chor und verschiedenen Solisten, und sind nun in einer Neuauflage als „Schubert: The Complete Secular Works“ wieder erhältlich.
Das Box-Set enthält sieben CDs, auf denen die Chorwerke nach Themen sortiert präsentiert werden – allerdings dem veröffentlichendem Verlag Warner Classics geschuldet in englischer Sprache betitelt. Auf „Transcience“ sind Stücke versammelt, die sich mit Abschied, Tod und Vergänglichkeit beschäftigen, „Love“ enthält sehnsuchtsvolle bis überschwängliche Liebeslieder, und die Werke auf „Eternity“ haben allesamt eine ewige, ja sogar meist göttliche Dimension. „Heroism“ spannt den Bogen von Jagdliedern bis hin zu Schlachtgesängen, „Nature“ versammelt Loblieder auf die Natur zu den verschiedensten Tages- und Jahreszeiten, und „Celebrations“ enthält Werke, die eigens zu besonderen festlichen Anlässen geschrieben wurden. Den Abschluss macht „Circle of Friends“ mit zahlreichen Tanz- und Trinkliedern.
Diese Sammlung zeigt gleichzeitig auch, wie vielfältig Werke für mehrstimmigen Gesang umgesetzt werden können. Von reinen Chorstücken, für Männer- Frauen- oder gemischten Chor, über opulente Titel mit Orchester- oder Bläserbegleitung bis hin zu solistisch besetzten Stücken ist hier alles vertreten. Und durchkomponierte Werke mit mehreren Sätzen wie die „Kantate zu Ehren von Joseph Spendou“ finden sich hier ebenso wie ein einfacher Kanon wie „Willkommen lieber schöner Mai“. Manche Stücke sind sogar in mehreren Versionen vertont worden, wie etwa „Das Grab ist tief und stille“ oder das Mailied „Grüner wird die Au“. Viele Titel hat Schubert übrigens gezielt für Sänger aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis geschrieben und sie entwickelten sich erst später zu beliebten Chorwerken.
Eine große Schwäche des klassischen mehrstimmigen Gesangs offenbart die Sammlung aber leider auch – das Textverständnis ist meist nicht optimal. Damit soll keineswegs die sängerische Leistung des Chores und der Solisten geschmälert werden, aber man muss sich schon sehr konzentrieren, um dem Inhalt der Lieder folgen zu können, zumal aus Platzgründen die Texte nicht abgedruckt wurden.
Insgesamt ist „Schubert: The Complete Secular Works“ eine durchaus beeindruckende Sammlung, die einige Stunden Hörgenuss verspricht und neben bekannten und oft aufgeführten Titeln wie „Das Dörfchen“ oder „Die Nacht“ auch einige selten gehörte Perlen und Überraschungen enthält.
Das „Ghost Light“ ist eine einzelne Lampe, die die Bühne auch dann beleuchtet, wenn Proben und Vorstellungen beendet sind. Realistisch gesehen ist diese Tradition wohl entstanden, um Unfälle zu vermeiden, die in einer unbeleuchteten Theaterstätte passieren können. Doch es gibt auch eine mystische Erklärung: Die in den Theatern wirkenden Geister verstorbener Schauspieler sollen sich in den Nächten austoben, um am Tag die Proben und Aufführungen nicht zu stören.
Während der Covid-Pandemie bekam das „Ghost Light“ eine neue Bedeutung: Es gilt als Hoffnungszeichen, dass die gebeutelten Spielstätten nach Beendigung der coronabedingten Einschränkungen wieder öffnen werden und in altem Glanz erstrahlen. Es zeigt aber auch die Einsamkeit der wartenden Räumlichkeiten, die sehnsüchtig auf die Rückkehr des Publikums hoffen.
Diese Idee hat John Neumeier zu einem Ballett inspiriert, für das er Pianostücke von Franz Schubert verwendet. Das Hamburg Ballett war international eine der ersten Kompanien, die nach der Abriegelung in ihre Studios zurückgekehrt ist – mit der Uraufführung von John Neumeiers Choreographie „Ghost Light“ mit Soloklaviermusik von Franz Schubert, live auf der Bühne gespielt vom Starpianisten David Fray.
John Neumeiers neues Ballett erforscht die Möglichkeiten des Tanzens unter den Beschränkungen, die sich aus der Covid 19 Pandemie ergeben. Es ist in Fragmenten entwickelt mit mehr oder weniger flüchtigen Eindrücken aus dem Alltag der Tänzer. „Ghost Light ist ein Ensemble-Ballett, das ich in Fragmenten entwickle. Es ist vergleichbar mit einzelnen Instrumental-Stimmen einer Symphonie […] Wie die einzelnen Teile sich letztlich zu einem Werk verbinden, wird von dem Moment abhängen, an dem wir uns auf der Bühne wieder nahe kommen dürfen“, sagt Neumeier zum Entstehungsprozess.
Die hier auf DVD und im Blu-Ray-Format vorliegende Aufnahme entstand im Schauspielhaus Baden-Baden vor einem den damals geltenden Abstands- und Hygieneregeln entsprechend verteilten Publikum. Das abstrakte und reduzierte Bühnenbild ist ganz auf das „Ghost Light“ als Requisite ausgerichtet. Die Tänzer*innen agieren in unterschiedlichen Gruppierungen. Erst beim Schlussapplaus sieht man, wie viele Menschen dort auf der Bühne unterwegs waren.
Die Musik von Franz Schubert ist emotional interpretiert und passt perfekt zu der mystischen Geschichte, die in Zoom-Trainings und kleinen Gruppentrainings mit 6-7 Tänzer*innen erarbeitet wurden. John Neumeier hat das „Ghost Light“ als perfektes Symbol für diese seltsamen und aufwühlenden Zeiten entdeckt. Die Protagonisten erzählen ihre Geschichte zwischen Hoffnung und Verzweiflung so berührend und intensiv, wie man sich das nur vorstellen kann.
„Ghost Light“ ist ein Sinnbild für diese schwierigen Zeiten, für das Fehlen von Kultur in der öffentlichen Wahrnehmung, für das Hadern mit politischen Entscheidungen und medizinischen Notwendigkeiten, für die oft unerträgliche Situation der Künstler. Mit der Klaviermusik Schuberts, der sehr wohl wusste, was Verzweiflung und Niedergeschlagenheit bedeuten, könnte dieses Ballett zum Werk für die Ewigkeit werden. In der Hoffnung, dass es von einer Episode des Theaterlebens erzählt, die aus dem Nichts kam und im Nichts wieder verschwand.
„Der Freischütz ist nicht nur ein Meisterwerk, sondern auch ein Ausgangspunkt für eine der ersten – wenn nicht die ersten – großen Opern der deutschen Romantik“, sagt Laurence Equilbey. Die Dirigentin und Chorleiterin begann ihre Studien in Paris und setzte sie in Wien, unter anderem bei Nikolaus Harnoncourt, fort. 1991 gründete sie in Paris den Kammerchor Accentus. 2012 gründete sie, um ihren eigenen Ansprüchen besser gerecht zu werden, das Insula Orchestra, welches bei Bedarf auf dem jeweils erforderlichen historischen Instrumentarium spielt.
Diesen Vorgaben folgt auch die besondere Inszenierung des berühmten Freischütz. Für „The Freischütz Project“ dirigiert Laurence Equilbey Highlights aus Webers berauschender, bahnbrechender Arbeit im Audio- und Videoformat, die live in Paris aufgenommen wurde. Zu den lebendigen Instrumenten des Insula-Orchesters gesellen sich der Accentus-Chor und eine Besetzung, die von Tenor Stanislas de Barbeyrac und Sopranistin Johanni van Oostrum mit Poesie und Ausstrahlung geleitet werden. Die stilvolle, angemessen magische Inszenierung stammt von Clément Debailleul und Raphaël Navarro von der sogenannten „Compagnie 14:20“.
CD und DVD enthalten Auszüge der großen Oper. Die Geschichte lässt sich trotz Kürzungen gut verfolgen und nachvollziehen. Die Inszenierung ist sehr farblos gehalten, was den düsteren Charakter des Werks betont. Das hochkarätige Ensemble ist jedenfalls über alle Zweifel erhaben. Wer einen Einblick in eine gelungene moderne Inszenierung der weltberühmten Oper bekommen will, liegt hier goldrichtig.
Piotr Anderszewski stammt aus Warschau. Der Pianist mit polnischen und ungarischen Wurzeln studierte in Frankreich und Kalifornien. Bei internationalen Wettbewerben sorgte er schon früh für Furore, als er beispielsweise im Halbfinale eines renommierten Musikpreises trotz Siegeschancen seinen Auftritt vorzeitig abbrach, weil er mit der eigenen Leistung nicht zufrieden war. Er hat sich unzähligen Komponisten der klassischen Musik gewidmet, doch seine Beziehung zu Johann Sebastian Bach ist eine ganz besondere.
Bachs Sammlung von Präludien und Fugen für ein Tasteninstrument ist ein Heiligtum für viele Pianisten. Obwohl Musikwissenschaftler der Meinung sind, dass es sich bei beiden Teilen nicht wirklich um einen Klavierzyklus, sondern eher um eine Sammlung von Einzelstücken handelt, wird die Abfolge meist in der korrekten Reihenfolge gespielt.
Anderszewski geht einen eigenen Weg: Anstatt alle 48 Präludium- und Fugen-Paare aus Bachs Sammlung hintereinander aufzunehmen, konzentriert sich der Pianist auf zwölf Satzpaare aus dem zweiten Buch und bringt diese in einen charakteristisch-kreativen Sinnzusammenhang. „Ich beschloss, die Stücke in einer Reihenfolge meiner subjektiven Wahl zusammenzustellen, die manchmal auf Tonart-Beziehungen basiert, ein anderes Mal auf Kontrasten, die die Stücke unwiderstehlich zusammenzuziehen scheinen“, erklärt der Pianist. „In der Musik gibt es immer eine Geschichte, eine emotionale Erzählung, da ein Stück dem anderen folgt und es in Beziehung setzt. […] Die Idee, diese Werke in dieser spezifischen Reihenfolge zu spielen, besteht darin, ein Gefühl von Dramatik zu erzeugen, das einen Zyklus suggeriert: 12 Charaktere, die sich miteinander unterhalten und sich gegenseitig widerspiegeln“.
Das Ergebnis ist eine atmosphärische Reise durch unterschiedliche Stimmungen. Sein harmonisches und entspanntes Spiel trägt zur Entschleunigung bei und ich mache gern diese musikalische Reise mit ihm, um die fast 300 Jahre alte Musik neu zu entdecken.
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„Odin’s Raven Magic“ fußt auf den Wurzeln von Sigur Rós in der Orchester- und Chortradition und ist eine Kollaboration zwischen der Band, Maria Huld Markan Sigfúsdóttir, der isländischen Musiklegende Hilmar Örn Hilmarsson und Steindór Andersen, einem der angesehensten isländischen Kantors traditioneller epischer Erzählungen.
Die Klangkünstler aus dem isländischen Reykjavík sind schon seit langem bekannt für ihre melancholischen, tragenden und experimentellen Kunstwerke voller Dramatik und hypnotischer Wirkung. Das neue (achte) Album treibt dieses Konzept auf die Spitze: „Odin’s Raven Magic“ ist ein Werk, auf das man sich einlassen muss. Es hat Längen und durchaus nervige Passagen, wenn die Solisten zu verschwurbelt singen oder ihre Stimme in die Höhe treiben.
Die orchestralen Momente aber sind eine Wucht. Vor allem das virtuose Glockenspiel auf einer Marimba nimmt mich jedes Mal wieder gefangen. Die Edda und die hier verwendete Sage um Odins Rabenmagie sind hervorragend umgesetzt. Nicht so mittelalterlich, wie erwartet, stattdessen mit orchestraler Eleganz. Die Chöre gefallen mir einen Tick besser als die Solo-Kantoren, aber das dürfte Geschmackssache sein. Man muss sich damit abfinden, die Erkennungsmerkmale der bekannten Band nur vereinzelt wahrzunehmen. Atmosphäre und cineastische Breite sind aber sehr stimmig.
Das Album wurde bereits vor 16 Jahren in Paris live aufgenommen. Das merkt man aber nur am Schluss-Applaus. Fans haben sich lange nach einem Release gesehnt – vor allem als erste Auszüge im Internet aufgetaucht sind. Jetzt kann man das Klangerlebnis endlich in seiner ganzen Reinheit genießen. An manchen Stellen ist Durchhalten angesagt – aber es lohnt sich.
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Lahav Shani ist ein weltberühmter Pianist und Dirigent aus Israel. Was würde also besser passen, als im Beethoven-Jubeljahr 2020 eine CD auf den Markt zu bringen, die ein Klavierkonzert und eine von Shani dirigierte Sinfonie vereint?
Gemeinsam mit dem Rotterdam Philharmonic Orchstra interpretiert das Multitalent Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur (op. 58), an dem der große Meister von 1805 bis 1806 gearbeitet hat. Das sinfonische Konzert vereint das Piano und große orchestrale Momente zu wunderbaren musikalischen Momenten. Mal zart, mal mystisch, mal heiter.
Etwas länger als die drei Klaviersätze dauert die siebte Sinfonie. Es soll eine Abrechnung Beethovens mit der Politik Napoleons gewesen sein. Kein Wunder, dass die Erstaufführung als Benefizkonzert zugunsten der antinapoleonischen Kämpfer stattfand.
Das Booklet der CD ist mit hohem Informationsgehalt versehen, wie wir das von Warner Classics gewohnt sind. In englischer, französischer und deutscher Sprache erhalten wir Infos zu Werk und Interpretation.
Die Chemie zwischen Shani und dem holländischen Orchester ist absolut stimmig. Der Dirigent und das Philharmonische Orchester Rotterdam dringen in dieser Einspielung tief in die musikalischen Texturen der Werke ein und schaffen so eine nie dagewesene Transparenz zwischen melodischen Motiven und Begleitstimmen.
Die Einspielung wirkt sehr atmosphärisch und berührend. Ein schöner Abschluss für ein persönliches Beethoven-Jahr, wenn die geplanten Konzerte schon weitestgehend ausgefallen sind. Der „erste Popstar der Geschichte“ (wie manche Fans sagen) hätte sich würdige Feiertage zum 250. Jubeltag verdient. So bleibt zumindest die Musik – in genialer Form präsentiert.
Wenn ich so an dieses unsägliche Jahr 2020 zurück denke, hatte ich im Sommer doch unerwartet noch einige schöne und intensive Konzertmomente. Da war zum Beispiel das „My Urban Piano“ Festival in Trier mit Tastenkonzerten von Tobias Schmitz (ehemals Von Brücken, jetzt EINS.), dem europaweit bekannten Luxemburger Künstler David Ianni und dem kalifornischen Weltstar Kit Armstrong. Und man hatte sich schnell dran gewöhnt, dass alles im Freien stattfand – Nebengeräusche aller Art inklusive. Sei es das Martinshorn eines Rettungswagens, Geplätscher einsetzenden Regens, Vogelgezwitscher oder gar eine brummende Drohne im Nachthimmel.
Die Geräusche der Natur gepaart mit Musik schaffen eine besondere Atmosphäre – Vögel, Wind und Regentropfen natürlich mehr als Fahrzeuge und Fluggeräte. Und Martin Kohlstedt macht daraus eine Tugend! Das neue Album geht wieder weg von elektronischen Experimenten. Die letzten Werke „Strom“ und „Ströme“ enthielten nicht nur rein akustische Klavierstücke, sondern mehrschichtige Kompositionen mit Chören und Elektronikkomponenten.
Im stillen Jahr 2020 gibt es eine Rückkehr zum Einfachen und Besinnlichen. Er nahm das Album zurückgezogen in seiner Dachgeschosswohnung auf, mit Blick auf Weimar, mit all den heimeligen Naturmomenten, dem Licht, mit der Geometrie und Tiefe, die diese Tage begleiteten und sich nun auf „Flur“ wiederfinden. Man hört die Pianoläufe – mal nachdenklich, mal fließend. Dazu ganz dezente Rhythmus-Elemente. Und man spürt und fühlt, wie Martin Kohlstedt am offenen Fenster sitzt und die Atmosphäre einfängt.
Das Ergebnis ist alles andere als Pianogeplätscher. Vielmehr liefert uns „Flur“ eine spannende Reise, die mal wie ein langsamer Fluss, mal wie ein schneller Spaziergang klingt. Ein Trip durch die Lichtung des Waldes oder wahlweise durch die Lichtung zwischen den Häusern einer Großstadt.
„Lichtung“ ist auch der Titel des Gemäldes des Leipziger Malers David Schnell, das Martin Kohlstedt sah und sofort wusste, dass er das Albumcover gefunden hatte, ohne danach suchen zu müssen. Weil Schnells Werk das in Form fasst, was „Flur“ für Kohlstedt ist: Ein Raum ohne Zeit. Und so ist dieses Album auch ein bewusstes Statement. Für das Klavier als Protagonist. Für den Verzicht auf Filter. Für Empathie, für Nähe, das Intuitive. Dafür die Türen zu öffnen.
Es war genau der richtige Zeitpunkt für den Pianisten, zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Und das neue Album ist ein virtuoses Meisterwerk. Einfach wunderschön in seiner Schlichtheit und den erzählenden Melodien.
Das Koninklijk Concertgebouworkest (auf Englisch RCO abgekürzt) in Amsterdam ist das bedeutendste Sinfonieorchester der Niederlande. Es wurde im Jahr 1888 gegründet und 100 Jahre später hat ihm Königin Beatrix das Prädikat „königlich“ verliehen. Zum Beethovenjahr 2020 gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen. Da darf auch dieses renommierte Orchester nicht fehlen – doch man hat eine besondere Form der Würdigung des großen Meisters gewählt.
Die neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven gehören zum Kernrepertoire praktisch aller Orchester der Welt, und das Concertgebouworkest bildet da keine Ausnahme. Bis in die 1960er Jahre schlossen jährliche Beethoven-Sinfoniezyklen die Konzertsaison. Später wurden die Sinfonien hauptsächlich einzeln aufgeführt, jeweils mit einem anderen (Gast-)Dirigenten.
Mit überwiegend unveröffentlichten Live-Aufnahmen, die eigens für diese Box ausgewählt und freigegeben wurden, bietet dieses Set die besten RCO-Aufnahmen der neun Sinfonien seit den 1970er Jahren. Mit einer Vielzahl von Dirigenten, von Leonard Bernstein bis Nikolaus Harnoncourt, demonstriert es die unglaubliche Vielseitigkeit des Orchesters.
In einer soliden Pappschachtel finden sich fünf CDs. Jeweils zwei Sinfonien auf einem Silberling und die fulminante neunte für sich allein stehend. Die Zeitreise geht vom Jahr 1978 (2. Sinfonie dirigiert von Bernstein) bis ins Jahr 2010 (1. Sinfonie dirigiert von David Zinman). Ich bin nun wirklich kein so großer Klassik-Kenner, dass ich hier Unterschiede in den Dirigaten ausmachen könnte, aber das Konzept gefällt mir. Es zeigt die Zeitlosigkeit des großen Komponisten – und es zeigt, dass das Publikum in jedem Jahrzehnt zu begeistern war. Eine Begeisterung, die seit Jahrhunderten bis heute anhält.
Ein dickes Begleitheft (fast schon ein kleines Taschenbuch) erklärt die Hintergründe der Sinfonien in englischer, französischer, deutscher und holländischer Sprache. So kann man sich vor dem nächsten Sinfoniekonzert locker die wichtigsten Infos anlesen, um bei der Begleitung mitreden zu können. 2020 ist das Jahr des guten alten Ludwig van. Da kann auch Corona nicht gegen ankommen: Seine Musik wird überleben!
Der Franzose Gautier Capuçon gehört zu den besten Cellisten der Gegenwart. Dabei ist der Titel seiner aktuellen CD Programm: Es geht um die großen Emotionen – und diese liefert er in kammermusikalischer Vollendung.
Capuçon ist ein Meister der großen Konzerte, dazu ein Kammermusiker von Weltklasse – doch seit einigen Jahren hat er neben dem üblichen Klassik-Repertoire immer mehr Kostbarkeiten einer scheinbar kleineren Welt für sich entdeckt: den Kosmos der vielfältigen Piècen aus allen Ecken und Enden der Musik. Und das nicht nur auf dem Podium, sondern auch diskografisch.
Es begann vor drei Jahren mit dem Album „Intuition“ und setzt sich jetzt mit der Neuerscheinung „Emotions“ fort – mit einer Bandbreite von Schuberts „Ave Maria“ über Debussys „Clair de Lune“ bis hin zu Titeln von Max Richter, Astor Piazzolla, Ludovico Einaudi, Michael Nyman oder Leonard Cohens „Hallelujah“. Sogar „The Entertainer“, Alptraum vieler Klavierschüler, ist vertreten. „Mit dem Album geht mein Wunsch in Erfüllung, meine musikalischen Entdeckungsreisen durch Stücke zu erweitern, die wir alle sehr schätzen“, sagt Capuçon über dieses Projekt.
Das Ergebnis zeigt die Zeitlosigkeit der gewählten Musikstücke, die sich durch einige Epochen ziehen, und Capuçons Können, wenn er sie zu einer thematischen und musikalischen Einheit verbindet. Weitere Mitwirkende sind Jérôme Ducros, der Chor Maîtrise Notre-Dame de Paris, Adrien Perruchon und das Orchestre de chambre de Paris.
Das Spiel des Cellos ist sanft, bewegend und virtuos. Gautier Capuçon ist ein Meister seines Fachs und versteht es, seine Hörer zu berühren. Ein großartiges Album, das uns viele bekannte und unbekannte Kompositionen auf ganz neue Art nahebringt.
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Schon der Anfang bietet einen Knalleffekt, der das Publikum begeistert – so ist es zumindest auf der CD zum „Agents Are Forever“ Konzert zu hören. Wie sollte dieses Konzert auch anders beginnen als mit dem weltbekannten und über Jahrzehnte erhaltenen James-Bond-Theme von John Barry. Zeitlos und immer noch gnadenlos gut. Das Danish National Symphony Orchestra bietet somit eine gute Einleitung für ein Konzert zu Filmhits, bekannten Melodien und Chartklassikern.
Dabei geht es nicht nur um James Bond. Auch andere Helden werden geehrt. Große Ohrwürmer sind beispielsweise die Themen zu „Pink Panther“ und „Mission Impossible“. Weniger bekannt aber ebenso schön kommt die Musik zu „Kingsman“, „Dick Tracy“, „Homeland“ und „Munich“ zu Ehren. Es geht also quer durch die filmischen Epochen der Neuzeit. Die Kompositionen stammen von John Williams, John Barry, Michael Giacchino, Stephen Sondheim, Thomas Newman, Bono („GoldenEye“), Adele („Skyfall“) und Paul McCartney („Live And Let Die“).
Besonderen Anteil an der gelungenen Umsetzung hat die schwedische Sängerin Caroline Henderson. Ihre kraftvolle Stimme bereichert die Arrangements des Dirigenten Hans Ek. Das Konzept ist stimmig, der Aufbau bis hin zum Höhepunkt mit einer Reihe von James Bond-Titeln ist schlüssig, die Umsetzung äußerst gelungen. Ein Fest für Cineasten und Fans moderner Klassik.
Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ gehört ohne Zweifel zur hohen Kunst der Streichquartette. Als „Streichquartett Nr. 14 in d-moll“ hat er es bereits im Jahr 1824 komponiert. Veröffentlicht wurde es erst fünf Jahre später, posthum kurz nach seinem allzu frühen Tod.
Die vier Sätze sind in Moll gehalten. Der zweite Satz ist eine Variationsreihe auf die Einleitung zu Schuberts 1817 geschaffenem Kunstlied „Der Tod und das Mädchen“, das auf ein gleichnamiges Gedicht von Matthias Claudius zurückgeht. Biographisch entstand das Werk in einer Krisenzeit: Musikalisch scheiterte er beim Wiener Publikum, weil er nicht den Geschmack der Zeit traf, zugleich erkrankte er an Syphilis.
Die vorliegende Aufnahme stammt vom Quartett Quatuor Arud. „Wir wollten die verschiedenen stilistischen Phasen in Schuberts Leben entdecken“, erklären die französischen Musiker. Und so sind neben dem namensgebenden Streichquartett auch die Quartette Nr. 4 und Nr. 12 auf dem neuen Album des jungen Quartetts zu hören.
Credit: Warner Classics
Quatuor Arod, benannt nach einem feurigen Pferd aus Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“, hat sich 2016 mit seinem leidenschaftlichen Spiel den ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD erspielt.
Die jungen Franzosen zeigen auch hier mal wieder, wie unkonventionell und mitreißend, virtuos und lebendig Kammermusik sein kann. Sie interpretieren Franz Schubert mit viel Gefühl und großer Leidenschaft.
Die CD bietet eine fantastische Aufnahme, die in ihrer 70minütigen Zusammenstellung sehr stimmig ist. Cover und Aufmachung sind sehr modern, zudem bietet das Booklet spannende Infos zur Musik in französischer, englischer und deutscher Sprache.
Ennio Morricone war ohne Zweifel der ungekrönte König der Filmmusik. Sein Tod im Juli 2020 hat eine große Lücke hinterlassen. Im Gedenken veröffentlicht Warner Classics den Mitschnitt „Morricone conducts Morricone“ nun auf Blu-ray.
Auf dem Cover lächelt uns der Meister zaghaft entgegen. Der Silberling bietet ohne Extras ein 100minütiges Konzert der Extraklasse, das im Oktober 2004 in der Münchner Philharmonie aufgenommen wurde. Ennio Morricone selbst dirigiert das Münchner Rundfunkorchester, das vom Chor des Bayerischen Rundfunks und Sopranistin Susanna Rigacci unterstützt wird.
Inhaltlich gibt es einen breiten Querschnitt seine kompositorischen Schaffens, von den großen Epen „The Untouchables“ und „Once Upon a Time in America“ bis hin zu dem wundervollen „Cinema Paradiso“ und Dramen wie „The Mission“.
Das Orchester spielt hervorragend und der Sound ist überragend gut. Bisweilen gibt es Einblendungen von Filmszenen. Bei „Cinema Pardiso“ finde ich das trotz der schlechten Bildqualität sehr bewegend. An anderen Stellen („The Good, the Bad and the Ugly“) trägt es zum Schaffen von Italo-Atmosphäre bei.
Natürlich sind die Soundtracks zu den bekannten Italo-Western besonders groß und das Markenzeichen des Komponisten. Mittig platziert werden sie hier in opulenter Form mit der Sopranistin Susanna Rigacci dargeboten. Für meinen Geschmack überzieht sie dabei etwas, aber das muss wohl so sein.
Die 100 Konzertminuten sind kurzweilig und es macht große Freude, Morricone immer wieder bei seiner Interpretation als Dirigent zu beobachten. Extras sind zwar nicht vorhanden, doch das Booklet bietet jeweils 2,5 Seiten mit informativen Liner Notes in englischer und deutscher Sprache. Insgesamt eine schöne Erinnerung an die Legende.
Es ist voller herrlicher Melodien und birst geradezu vor Gelegenheiten, in denen der Solist vielfältige musikalische Fähigkeiten beweisen kann – und doch steht das Violinkonzert von Antonín Dvořák immer noch hinter dessen Cellokonzert in der zweiten Reihe.
Dieses „Violin Concerto Op. 53“ steht im Mittelpunkt der neuen Veröffentlichung von Augustin Hadelich. Der Geiger bringt es zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter Jakub Hrůša ins Rampenlicht – und das als Ausgangspunkt zu einer Reise durch die tschechische Musik mit Werken von Dvořák, Jsosef Suk und Leoš Janáček.
Der Titel „böhmische Geschichten“ passt perfekt und gibt den roten Faden für eine romantische Reise vor. Die Musik von Dvořák erzählt eine Geschichte und es gelingt Hadelich, diese mit der Violine wieder neu aufleben zu lassen. Das ganze Album klingt sehr weich und warmherzig. Die ausgewählten Stücke schreiben Musikgeschichte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Den Abschluss bilden einige Kammermusik-Stücke inklusive der berühmten „Humoresque“, die wohl jeder schon gehört haben dürfte. In den Liner Notes erklärt Hadelich sehr ausführlich, was diese Musik für ihn bedeutet. So wird die CD zum geschlossenen Album, das sein „tschechiches Programm“ auf den Punkt bringt.