Das Gelände an der alten Kaserne in Saarburg ist ideal für sommerliche Open-Air– Konzerte und der Veranstalter „Station K“ (Christof Kramp) zeigt, wie diese auch in Pandemie-Zeiten wunderbar funktionieren können. An diesem etwas kühlen, aber trockenen Septemberabend ist die Indie-Rock-Formation Kapelle Petra am Start und bereits vor dem Konzert herrscht lockere Party-Atmosphäre. Das Publikum ist bunt gemischt und verteilt sich coronakonformin den Sitzreihen vor der Bühne und an den Stehtischen auf dem Gelände – und auch für Getränke und Verpflegung ist gesorgt.
Passend zu ihrem aktuellen Projekt „Vier Jahreszeiten“ betritt die Band zu Vivaldi-Klängen die Bühne und legt dann direkt mit dem Opener „Geht mehr auf Konzerte“ los, gefolgt von „Reisst die Fenster auf“ und „Jugend heutzutage“. Ihr Publikum haben die drei Musiker sofort im Griff – von den ersten Takten an wird an den Plätzen mitgetanzt und beim Refrain schon tatkräftig mitgesungen. Wie immer ist auch die Bühnenskulptur „Gazelle“ alias Timo Sprenger dabei, der mit seinen wohldosierten Aktionen ebenfalls für die passende Stimmung sorgt.
Das Programm orientiert sich locker am Jahreszeiten-Motto mit Schwerpunkt auf den bereits erschienen EPs „Frühling“ und „Sommer“, aber natürlich auch vielen älteren Songs. Sänger Guido „Opa“ Scholz unterhält zwischendurch mit kurzen humorvollen Ansagen. Mit der Grundbesetzung von Gitarre, Bass und Schlagzeug rocken Kapelle Petra ganz ordentlich, aber zwischendurch gibt es immer auch ruhigere Passagen, wo Bassist Rainer „Siepe“ Siepmann das Glockenspiel oder die Melodica auspackt. Hier dürfen dann die melodischen Refrains richtig strahlen und es versteht jeder den Text und kann mitsingen!
Die Texte haben ohnehin einen großen Anteil am Unterhaltungsfaktor, vor allem wenn der Themenbereich Sozialkritik bedient wird und sowohl erfolgreiche Familienväter als auch Schützenvereine ihr Fett weg bekommen. Aber es geht auch mal liebevoll mit „Weltkulturerbe“ oder einer spontan neu komponierten Huldigung an den Drummer Markus „Ficken“ Schmidt. Der Sommer wird mit „Dachgeschosswohnung“ und „Einsame Insel“ beschworen und natürlich dürfen auch die Hits „An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen“ und „Also stoßen wir an“ nicht fehlen.
Bei „Ameland“ ist die Stimmung dann so gut, dass Kapelle Petra spontan beschließt, sich Bühnenabgang und Zugabenrufe zu sparen und einfach direkt weiterzuspielen. So geht die Party weiter mit „Wo ich gern mal wär“, „Pogo in den Sonnenuntergang“ und „Jonny Cash“. Mit „Frauenmagazin“ wird sogar noch ein Zuschauerwunsch erfüllt und Gazelle bekommt bei „Gazelle trainiert für Olympia“ seinen großen Auftritt. Zum Abschluss erklingt noch einmal gemeinsam der Refrain von „Also stoßen wir an“, bevor die Band sich verabschiedet und ein gut gelauntes Publikum in den restlichen Freitagabend entlässt.
Die Konzertreihe von Station K an der Alten Kaserne in Saarburg hat sich bereits seit einigen Jahren etabliert und bietet stets großartige Liveerlebnisse. Zu Corona-Zeiten haben die Open Airs eine besondere Wertigkeit entwickelt: Der rührige Christof Kramp als Geschäftsführer von Station K passt die Gegebenheiten stets korrekt und kompetent an die jeweils geltenden Bedingungen an. So sind momentan (Stand Anfang Juli 2021) Konzerte vor bis zu 500 sitzenden Zuschauern möglich. Das lauschige Konzertgelände bietet genügend Platz – und für Kontaktdatenerfassung, Maskenpflicht beim Umhergehen und genügend Abstände zwischen den Sitzplätzen ist gesorgt. Trotzdem kann ordentlich gefeiert werden! Das haben die Konzerte am 3. und 4. Juli erneut eindrucksvoll gewiesen.
Das Programm der beiden Tage stand für die Hauptpfeiler des Konzertprogramms bei Station K: Zum einen sind da spannende und virtuose Coverbands, die mehr zu bieten haben als das Standard-Trallala. Es gibt einige sorgfältig ausgewählte Tribute Bands und (wie im Fall von Zentury XX) Genrebands, die sich einem bestimmten Thema wieder. Zum anderen findet Christof Kramp immer wieder begnadete Liedermacher sowie Größen der filigranen Rock-, Pop- und Weltmusik. Hier kann der Italiener Pippo Pollina sinnbildlich für eine illustre Reihe stehen, die 2021 im Festival „Konzerte der Kulturen“ vom 13. bis 15. August gipfeln wird.
Beginnen wir aber mit ZENTURY XX und ihrem Konzert am 3. Juli:
Das Gelände war gut gefüllt und alle harrten der Dinge, die da kommen sollten. ZENTURY XX sind fünf Vollblutmusiker, die sich der Rockmusik aus den goldenen Jahrzehnten (70er, 80er und 90er Jahre) mit Leib und Seele verschrieben haben. „We Didn’t Start The Fire“ war dann auch der perfekte Opener für einen umjubelten Konzertabend.
Frank Rohles ist mit seinen unterschiedlichen Formationen ohnehin Stammgast auf der Saarburger Open Air-Bühne. Der Gitarrist, Sänger, Songwriter und Produzent ist seit mehr als 30 Jahren mit den verschiedensten Projekten und Bands auf vielen Bühnen international tätig. Vor allem wurde er bekannt durch seine Arbeit für die britische Gruppe QUEEN und Brian May, für die er im Rahmen des Musicals „We Will Rock You“ eine Goldene Schallplatte erhielt. Inzwischen hat er aus WE ROCK QUEEN eine eigene, sehr erfolgreiche Tributeshow gemacht. Sohnemann Marc Rohles ist Keyboarder und studiert zurzeit an der Pop Akademie in Mannheim. Er hat schon mit verschiedenen Bands und Künstlern europaweit auf der Bühne gestanden. Seine letzte Tour spielte er für Chris Thompson, den Original-Sänger von Manfred Mann’s Earth Band.
Sänger Michael Kutscha stammt aus Wuppertal und schaffte es bei „The Voice of Germany“ 2017 mit Coach Samu Haber bis in die Sing Offs. Bei ZENTURY XX besticht er durch eine energetische Rockstimme, die sich in allen rockigen Musikrichtungen zuhause fühlt. Vervollständigt wird das Quintett durch Kai Lemke am Bass und Henning Marien am Schlagzeug.
Weiter im Takt ging es mit Meilensteinen wie „Sledgehammer“ (Peter Gabriel), „Dreamer“ (Supertramp) und „Mighty Quinn“. Bei letzterem glänzte Marc Rohles am Keyboard und es wurde klar, wie intensiv er sich in die Musik der Earth Band reingearbeitet hat. Das war ein erster Höhepunkt schon sehr früh am Abend.
Große Teile des Publikums hielt es schon längst nicht mehr auf den Sitzplätzen. Es wurde gejubelt und gefeiert. Man hörte natürlich die Rockstandards, die viele Coverbands im Repertoire haben, aber auch filigrane Titel wie Stings „Englishman in New York“. Einige Medleys wurden geboten, beispielsweise die größten Hits von INXS, die man nicht alle Tage geboten bekommt.
Vor der 20minütigen Pause gab es mit „A Kind Of Magic“ endlich einen heiß ersehnten QUEEN-Titel, der die Magie des Abends in Musik und Worte fasste. Es war traumhaft, mal wieder ein echtes großes Konzerterlebnis zu haben – wenn auch „nur“ mit einer Coverband.
Die zweite Hälfte der insgesamt fast dreistündigen Show brachte einen fulminanten Start zwischen Funk und Rock mit Jamiroquais „Deeper Underground“, gefolgt von dem spanischen „Entre Dos Tierras“, dem Manfred Mann-Kracher „For You“ und Publikumsfavoriten wie „Word Up“ und „Purple Rain“ (Prince), wobei sich hier die Musikkenntnis des Publikums eindrucksvoll unter Beweis stellte, da der Song schon beim nur leicht angedeuteten Eröffnungsriff von Frank so abgefeiert wurde, als sei er schon komplett gespielt. Das sind die Livemomente, die wir so lange vermisst haben!
Fotocredit: Christian Geisler
Am 4. Juli war PIPPO POLLINA zum wiederholten Male bei Station K zu Gast:
Die Zeichen am Sonntag standen den ganzen Tag über auf Starkregen. Doch wie durch ein Wunder hatte Petrus ein Einsehen und es wurde pünktlich zu Konzertbeginn fast so heimelig wie am Vortag. Zwar ein wenig kühler, aber nur ein leicht bewölkter Himmel mit einigen kleinen Wölkchen. Station K hatten mal wieder alles richtig gemacht und gar nicht erst über eine Verlegung nachgedacht.
Pippo Pollina ist im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten italienischen Liedermacher. Seit drei Jahrzehnten ist er mit seinen Konzertprogrammen unterwegs und füllt mittlerweile nicht mehr nur die Kleinkunstbühnen, auf denen alles begann, sondern auch die großen Häuser von der Arena in Verona bis hin zum Hallenstadion in seiner Wahlheimat Zürich. Pollina besticht durch seine unbändige Kreativität, mit der er seit mehr als 35 Jahren auch seine vielen treuen Fans immer wieder überrascht. Sei es mit lyrischen Balladen, poetischen Protestliedern oder rockigen Songs: Pollinas Sprache bleibt immer sensibel und zart.
Zunächst war er ganz allein mit einem Pianosong auf der Bühne. Was für ein fantastischer Beginn – und welch wunderschöne Atmosphäre auf dem heimeligen Konzertgelände. Das Publikum war von Beginn an selig. Und dann kam noch Roberto Petroli (Saxofon & Klarinette) dazu. Im Duo erzeugten sie wundervolle Klänge. Pippo beeindruckte durch seine smarte und sonore Stimme. Zudem gab er einige Statements und Anekdoten zum Besten. Ganz zu Anfang kniete er sich unter großem Applaus an den Bühnenrand – als Zeichen gegen Gewalt und Rassismus. Und er machte deutlich, wie wichtig er es findet, dass Künstler und Sportler mit solchen Gesten Haltung zeigen. Es folgte ein Song für Cassius Clay (Muhammad Ali), dem Pippo als einem der letzten großen Sportler mit unerschütterlicher Haltung Respekt zollte.
Das Konzertprogramm – aufgeteilt in zwei 50minütige Blöcke und einen langen Zugabenteil – war ein sehr intimes Programm mit einem fantastischen, glasklaren Sound. Alles an diesem Abend war ein Genuss. Es gab exorbitante Saxofon-Soli und einen redegewandten Sänger. Pippo erzählte von den Sizilianern und ihrer zwiespältigen Beziehung zum Meer, von seiner Heimatstadt Palermo und ihrem weltweiten Ruf als Hauptstadt des organisierten Verbrechens. Er sang Jacques Brels „Amsterdam“ in einer italienischen Version und erzählte von Brels Witwe, die ihr Okay zu dieser Version geben musste.
Es gab einen Mix aus energischen und verträumten Songs, die beide auf ihre Art das Publikum in ihren Bann zogen. Pippo schwelgte in Erinnerungen, beispielsweise an die Zusammenarbeit mit Christof Kramp über 15 Jahre hinweg, an viele wunderschöne Konzerte und an das Projekt „Süden 2“ in der Stadthalle Saarburg, einen seiner letzten großen Auftritte vor dem Lockdown. Er betrauerte die Trägheit der letzten Monate und die fehlende Magie von Konzerten vor Publikum. Zugleich erzählte er, was man in solch ruhigen Monaten tun kann, nämlich ein Buch und ein Album schreiben.
So verging ein vielfältiger Konzertabend mit sympathischen Musikern, vielen Erzählungen und noch viel mehr Musik. Das Publikum war durchmischter als bei ZENTURY XX. Pippo zieht Musikliebhaber aller Generationen an. Und es wurde deutlich: Wer ihn einmal live erlebt hat, wird auf jeden Fall wieder zum Konzert kommen. Das durfte ich aus den Gesprächen um mich herum hören. Man kann sich also schon den 7. Januar 2022 vormerken (dann erscheint das nächste Studioalbum) und den 21. Januar 2022, wenn Pippo Pollina mit dem Palermo Acoustic Quintet in der Europahalle Trier gastieren und dieses Album vorstellen wird.
Vorher aber sind noch einige Konzertereignisse in Saarburg und Umgebung angesagt. Weiter geht es quasi im „Sekundentakt“:
9.7.2021 — MAM (BAP Tribute), Alte Kaserne Saarburg
10.7.2021 — We Rock Queen, Alte Kaserne Saarburg
11.7.2021 — Picknick Konzert, Alte Kaserne Saarburg (11 Uhr)
16.7.2021 — Bläck Fööss, Alte Kaserne Saarburg
17.7.2021 — Bounce (Bon Jovi Tribute), Alte Kaserne Saarburg
23.7.2021 — Nacht der Stimmen (Tiwayo u.a.), Alte Kaserne Saarburg
24.7.2021 — Fortuna Ehrenfeld, Alte Kaserne Saarburg
25.7.2021 — Quadro Nuevo, Alte Kaserne Saarburg
29.7.2021 — CATT, Weingut Dr. Frey, Kanzem
30.7.2021 — Pauls Jets & Philipp Eisenblätter, Weingut Dr. Frey, Kanzem
31.7.2021 — Dota Duo, Weingut Karl Sonntag Nittel
1.8.2021 — Max Prosa, Weingut Karl Sonntag Nittel
1.8.2021 — Richard Bauer & Band (“Hallo Udo”), Alte Kaserne Saarburg
6.8.2021 — Milliarden, Alte Kaserne Saarburg
7.8.2021 — Maxim, Alte Kaserne Saarburg
8.8.2021 — Arno Strobel (Autorenlesung), Alte Kaserne Saarburg
20.8.2021 — Stoppok, Alte Kaserne Saarburg
27.8.2021 — StadtRand, Alte Kaserne Saarburg
28.8.2021 — We Salute You (AC/DC Tribute), Alte Kaserne Saarburg
29.8.2021 — Klaus Doldinger & Passport, Alte Kaserne Saarburg
Es ist nicht leicht, sich im Dschungel der Einschränkungen und Verbote auszukennen. Drinnen oder draußen. 100 Zuschauer – ja oder nein? Schnelltests und Kontaktdatenerfassung. Geimpfte und Genesene… Vermutlich sind es die Veranstalter, die den besten Überblick haben und sich trotzdem ständig auf eine neue Situation und neue Regeln einstellen müssen. Ich kenne viele Veranstalter in der Region Trier und man kann nur staunen über ihr Engagement, das ständige Erfinden neuer Formate und ihren Mut zur Planung ohne Sicherheiten.
Christof Kramp von Station K in Saarburg ist einer dieser Menschen. Das Jahr 2020 hat ihm viele Steine in den Weg gelegt, aber er hat sich durchgebissen. Open-Air-Events mit bis zu 500 Zuschauern waren erlaubt. Das Gelände der alten Kaserne in Saarburg wurde zum Eventplatz umfunktioniert wie bei einem großen Festival. Es gab vor allem zugkräftige Coverbands wie WE ROCK QUEEN (HIER unser Bericht), aber auch Shows alter Helden wie TON, STEINE, SCHERBEN (was man HIER nachlesen kann). Doch im Oktober war plötzlich Schluss mit der Konzertseligkeit und der kulturelle Lockdown nahm ganz strikte Formen an. Es gab auch Modelle anderer Art, beispielsweise im nahen Luxemburg, das Veranstaltungen mit Hygienekonzept und bis zu 100 Leuten in geschlossenen Räumen zuließ. Doch die Landesgrenze ist auch eine Grenze zwischen möglichen Modellprojekten.
Für 2021 hat Station K schon viele Konzerte geplant und wieder fallen lassen müssen. Momentan erlaubt die Verordnung 100 Zuschauer draußen. Für ein geplantes Konzert von WE ROCK QUEEN zu wenig, aber Kramp ließ sich nicht entmutigen und stellte eine neue Idee auf die Beine: „Musik. Wein. Live!“ lautete der schmissige Titel. Endlich wieder Livemusik nach über 200 Tagen Pause. Es gab eine Weinprobe von sechs jungen Winzern und ein Open-Air-Konzert in reduziertem Format. Am Freitag trat die Band Fanatic Five in kleiner Trio-Besetzung auf, am Samstag war Frank Rohles (Profimusiker und Dozent, Sänger und Gitarrist in diversen Bands) mit seinem Sohn Marc zu Gast. Wir waren mit MusicHeadQuarter gestern vor Ort und hoffen, euch auf den Geschmack für kommende Großtaten zu bringen.
Die Logistik war wieder mal perfekt, wie von Christof Kramp gewöhnt, der sich mit allen Gegebenheiten arrangiert. Für die Kontaktdaten verwendete man die LUCA App (sehr schnell und unkompliziert) oder schlichte Papierzettel. Wer keinen Nachweis („getestet, geimpft, genesen“) vorweisen konnte, ließ sich einfach vor Ort per Schnelltest untersuchen. Auch kein Problem. Die Anordnung der Sitzplätze auf dem heimeligen Kasernengelände ließ genug Abstand. Das Gelände ist ja groß genug. Das erwies sich nachher auch als günstig, als der Geräuschpegel ob der Weinseligkeit überall entsprechend anstieg. Wer sich nicht den alkoholischen Genüssen hingab, konnte dem Konzert (zum Glück) noch gut folgen.
Ach ja. Das Konzert. Frank Rohles ist eine Koryphäe an Mosel und Saar, in der Eifel und bis nach Köln. Immerhin hat er mal als Gitarrist in der Erstbesetzung des Musicals WE WILL ROCK YOU mitgewirkt. Seine musikalischen Qualitäten sind unbestritten. Sohn Marc tritt in die Fußstapfen und studiert an der Popakademie Mannheim. Vater und Sohn präsentierten in Saarburg hochkarätige Musik und Hits der letzten fünf Jahrzehnte und entführten das Publikum in einer einzigartig intimen Atmosphäre in diese wundervolle Musikwelt.
Es begann mit „Where The Streets Have No Name“ (U2) in einem souligen Arrangement, das wie geschaffen war für Sologitarre (Frank) und ein sanftes Piano (Marc). So konnte es weitergehen. Die Einleitung zu „While My Guitar Gently Sleeps“ nutzte der Sänger schon für eine informative Einleitung zum Song. Das sollte Konzept des Abends sein: Frank vermeldete, wann die unterschiedlichen Winzer ihre zugewiesene Tischgruppe zu wechseln hatten, und er gab einen Einblick in die Hintergründe der gespielten Stücke. So erfuhr man, dass der a-ha Titel „Cryin‘ In The Rain“ von Carole King geschrieben wurde, und weitere Kuriositäten der Musikgeschichte.
Es gab nicht die 08/15-Songs des Cover-Genres, sondern eine gelungene Mischung junger und älterer Künstler mit einigen Überraschungen. OneRepublic, Coldplay und ELO, Eric Clapton („Wonderful Tonight“) und Billy Joel („Leningrad“). Auch eigene Stücke waren mit im Programm. „Fragile“ von Sting erzeugte eine wundervolle Atmosphäre und bei „Private Dancer“ zeigte Frank Rohles, dass er mit seiner Tenorstimme auch eine Tina Turner ersetzen kann. Es gab Titel von Elton John und Ed Sheeran, Klassiker wie „Don’t Answer Me“ (Alan Parson’s Project) und „Listen To The Music“ (Doobie Brothers“). Bei Pink Floyds „Wish You Were Here“ stellte Rohles die Mitsing-Qualitäten des Publikums auf eine harte Probe und sorgte für allgemeine Heiterkeit.
Die Stimmung war hervorragend – und das lag nicht allein am Wein. Musik verbindet, wie U2s „One“ eindrucksvoll bewies. Und man war endlich mal wieder zusammen. Das Ambiente stimmte, es gab Currywust und Flammkuchen, den Hygieneauflagen war genüge getan. So darf es in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen. Station K haben viel vor, beispielsweise „Konzerte der Kulturen“ im August. Und natürlich weitere Open Airs an der alten Kaserne. Alle hoffen auf eine Erweiterung der zugelassenen Zuschauerzahl. Es spricht nichts dagegen. Open Air, mit Sitzplatz, Maske, Test und Kontaktdaten. Alle haben sich hier sicher gefühlt. Die neue Realität kann auch eine gute sein!
Hier die Planungen ab Juni 2021:
11.6.2021 — Still Collins, Alte Kaserne Saarburg
18.6.2021 — Kasalla, Alte Kaserne Saarburg
3.7.2021 — Zentury XX, Alte Kaserne Saarburg
4.7.2021 — Pippo Pollina, Alte Kaserne Saarburg
9.7.2021 — MAM (BAP Tribute), Alte Kaserne Saarburg
10.7.2021 — We Rock Queen, Alte Kaserne Saarburg
11.7.2021 — Picknick Konzert, Alte Kaserne Saarburg (11 Uhr)
16.7.2021 — Bläck Fööss, Alte Kaserne Saarburg
17.7.2021 — Bounce (Bon Jovi Tribute), Alte Kaserne Saarburg
23.7.2021 — Nacht der Stimmen (Tiwayo u.a.), Alte Kaserne Saarburg
24.7.2021 — Fortuna Ehrenfeld, Alte Kaserne Saarburg
25.7.2021 — Quadro Nuevo, Alte Kaserne Saarburg
29.7.2021 — CATT, Weingut Dr. Frey, Kanzem
30.7.2021 — Pauls Jets & Philipp Eisenblätter, Weingut Dr. Frey, Kanzem
31.7.2021 — Dota Duo, Weingut Karl Sonntag Nittel
1.8.2021 — Max Prosa, Weingut Karl Sonntag Nittel
1.8.2021 — Richard Bauer & Band (“Hallo Udo”), Alte Kaserne Saarburg
6.8.2021 — Milliarden, Alte Kaserne Saarburg
7.8.2021 — Maxim, Alte Kaserne Saarburg
8.8.2021 — Arno Strobel (Autorenlesung), Alte Kaserne Saarburg
20.8.2021 — Stoppok, Alte Kaserne Saarburg
27.8.2021 — StadtRand, Alte Kaserne Saarburg
28.8.2021 — We Salute You (AC/DC Tribute), Alte Kaserne Saarburg
29.8.2021 — Klaus Doldinger & Passport, Alte Kaserne Saarburg
Mit viel Engagement, Enthusiasmus und dem richtigen Gespür für die Erfordernisse unserer Zeit führt Christof Kramp von Station K seine kleine Open-Air-Konzertreihe im beschaulichen Saarburg fort. Das Gelände an der Alten Kaserne in der Irscher Straße – fernab vom Stadtgeschehen – ist perfekt geeignet. Ein lauschiges Plätzchen mit Parkmöglichkeiten. Man kann Stühle weit auseinander stellen, Abstand halten, mit Maske zum Verkauf gehen – und doch im geschützten Rahmen feiern, ohne sich Sorgen machen zu müssen.
Es gab schon große Liveshows mit bis zu 500 Zuschauern und kleine idyllische Picknicks. Am 14. August war eine Art Mittelding am Start. Die harte Fanschar der Freunde von Ton, Steine, Scherben und Rio Reiser fand sich in Saarburg ein, um Kai & Funky mit Gymmick zu lauschen. Den Anfang machte aber die Songwriterin Ana Onyx allein an der Gitarre. Pünktlich um 20.30 Uhr startete sie mit verträumten naiven Protestsongs, die sich gegen Faschismus, Staat und Kirche richteten. Dabei stellte sie ihr erstes Album „Leben verboten“ vor. Es waren vierzig kurzweilige Minuten einer sympathischen Sängerin, die gar nicht fassen konnte, dass sie ja länger als geplant spielen darf. Kein Problem, denn der Umbau dauerte nur wenige Minuten. Und mit dem Motto „Habt Spaß, habt Sex“ überließ sie den Scherben die Bühne, die dann 21.15 Uhr loslegen konnten.
„50 Jahre Ton, Steine, Scherben“. Das ist ein Motto, das gefeiert werden muss! Ausgerechnet im Corona-Jahr… Gründungsmitglied Kai Sichtermann und sein Kollege Funky K. Götzner (seit 1974 dabei) konnten das Jubiläum bei weitem nicht so zelebrieren wie geplant. Die große Zeit der Politrock-Band war 1970 bis 1985. Danach sollte es einige Jahrzehnte ruhig sein, bis man 2014 wieder anfing zu touren und inzwischen auch neue Songs schrieb.
Natürlich ist Rio Reiser nicht zu ersetzen. Müßig, das überhaupt zu erwähnen. Doch es geht darum, die Scherben-Songs und den alten Esprit weiter leben zu lassen. Dazu gehören die Klassiker und auch die Solosongs von Rio. Mit dem Cartoonisten, Humoristen, Liedermacher und Sänger Gymmick hat man jemanden gefunden, der die Lücke gut füllen kann. Er hat die raue Stimme und die schnoddrige Ansage, um ein Gefühl von Rio aufkommen zu lassen. Außerdem nutzt er sein Talent nicht zur Imitation, sondern redet frei von der Leber weg und erzählt zwischen den Songs schöne Anekdoten aus der Scherben-Zeit, die den Auftritt fast schon zur biographischen Lehrstunde machen.
Ich habe viele Väter
Und ich habe viele Mütter
Ich habe viele Schwestern
Und ich habe viele Brüder
Meine Väter sind schwarz
Und meine Mütter sind gelb
Meine Brüder sind rot
Und meine Schwestern sind hell
Ich bin über zehntausend Jahre alt
Und mein Name ist Mensch“
So begann der Konzertreigen mit einem wahren Klassiker und díe Party konnte starten. Das gemischte Publikum von Alt-68ern bis zu jungen Rock- und Punkfans war zum Teil von sehr weit angereist, wie man anhand der Auto-Kennzeichen feststellen konnte. Und gemeinsam mit dem Trio auf der Bühne machte man das Konzert zum großen Fest. Es gab Mitsing-Songs wie „Land in Sicht“, melancholische Rio Stücke wie „Lass uns ein Wunder sein“ und neue Scherbensongs („Wie der Wind“). Es war ein sehr atmosphärisches Konzerterlebnis mit philosophischen Texten. Wer einen Eindruck davon haben will, dem empfehle ich den Mitschnitt „Radio für Millionen“, der 2017 entstand. Zum Ende des ersten Teils gab es nach 50 Minuten die ruhigen Stücke „Halt dich an deiner Liebe fest“ und „Zauberland“.
Zauberland ist abgebrannt
Und brennt noch irgendwo
Zauberland ist abgebrannt
Und brennt noch lichterloh“
Inzwischen war es dunkel auf dem Konzertgelände und die Lightshow konnte ihre Wirkung entfalten. Es ging so schön und verträumt weiter wie vor der Pause: „Für immer und dich“ gehört seit Jahrzehnten zu meinen Lieblingssongs. „Macht kaputt was euch kaputt macht“ wurde ebenso gefeiert wie die bekannten Stücke „Alles Lüge“ und „Mendschenfresser“ von Rio. Der Rundumschlag war perfekt. Politisch ging es in Richtung Wohnungsnot und Obdachlosigkeit – mit ganz neuen Stücken aus dem Scherben-Repertoire und dem Backkatalog von Gymmick. Und „Keine Macht für Niemand“ ließ zum Ende hin den Scherben-Pathos wieder hoch leben. Das Publikum war begeistert mit dabei.
Ab 23.15 Uhr begann der Zugabenblock mit einer gelungenen Akustikversion des „König von Deutschland“ und der Gegenwart angepassten Textzeilen. Der nostalgische „Shit-Hit“ sorgte allgemein für Belustigung. Dann durfte man sich aber nochmal verträumt zurücklehnen. „Der Traum ist aus“ ging dem wunderschönen „Junimond“ voraus. Für mich und viele andere einer der schönsten deutschsprachigen Songs überhaupt – und Vorreiter für alles, was sich heutzutage Deutschpop oder Deutschpoesie nennen lässt. Aber als Klang für die nächtliche Heimreise blieb mir eher der Traum im Kopf:
Ich hab‘ geträumt, der Winter wär‘ vorbei
Du warst hier und wir waren frei
Und die Morgensonne schien
Es gab keine Angst und nichts zu verlieren
Es war Friede bei den Menschen und unter den Tieren
Das war das Paradies“
Es war wieder ein wundervolles, unvergessliches Konzerterlebnis in Saarburg. Man lernt die kleinen Ereignisse zu schätzen und es ist einfach ein schönes Umfeld. Wer in den nächsten Wochen mit dabei sein will – hier die Konzertreihe:
22.8.2020 – MAM rockt BAP (Tribute Band)
29.8.2020 – EZIO (Best of aus 30 Jahren)
05.9.2020 – STILL COLLINS (The music of Phil Collins & Genesis)
19.9.2020 – KASALLA (Kölschrock aus der Stadt mit K)
Endlich wieder echte Livekonzerte – das war ein Stoßseufzer, den man an diesem Abend noch häufiger zu hören bekam. Von den gut 300 Zuschauern, von der Band um Mastermind Frank Rohles, vom umtriebigen Veranstalter Christof Kramp (Station K), von allen, die sich dieses Event nach vielen konzertlosen Monaten redlich verdient hatten.
Natürlich ist noch nicht alles so wie vor der Covid-Pandemie. Die Anwesenden hatten einige Hygienevorschriften zu beachten: Ausfüllen eines Adresszettels, feste Sitzplätze, Maskenpflicht solange man nicht auf dem Stuhl sitzt, Abstand halten bei Getränkebestellung und Toilettengang. Doch das nahm man gerne in Kauf, um ein stimmungsvolles und rockiges 3-Stunden-Konzert zu erleben.
Christof Kramp hatte schon im vergangenen Jahr die alte Kaserne in Saarburg mit Open-Air-Konzerten zu neuem Leben erweckt. Diesmal wechselte er den Standort leicht, da es im hinteren Bereich der Kasernen ein wirklich lauschiges Plätzchen gibt, das die erlaubten bis zu 350 Zuschauer gut aufnehmen kann und ganz geschützt liegt – mit besten Parkmöglichkeiten auf dem Gelände.
Die Bühne war klein aber fein und für eine 5-Personen-Band bestens geeignet. Zwar hatten Sänger Sascha Kleinophorst und Gitarrist Frank Rohles nicht ganz die gewohnte Bewegungsfreiheit, doch das tat der Show keinen Abbruch. Die Tribute-Band WE ROCK QUEEN ist seit Jahren ein eingespieltes Team.
Bandleader und Gitarrist Rohles sowie Schlagzeuger Boris Ehlers gehörten zur Originalbesetzung des QUEEN-Musicals „We Will Rock You“ in Köln. Bassist Erhard Wollmann sorgt für den John Deacon-typischen Bass-Sound und bildet zusammen mit Schlagzeuger Boris die rhythmische Basis für die komplexen QUEEN-Songs. Die Keyboards besetzt Marco Lehnertz, der schon als Musiker für die Söhne Mannheims und Jupiter Jones spielte und aktuell mit der Kölner Band Stadtrand erfolgreich durchstartet. Als Frontmann und Lead-Stimme von WE ROCK QUEEN agiert seit 2017 der charismatische Sänger Sascha Kleinophorst, der als Frontsänger bereits bei vielen professionellen Bandprojekten tätig war.
Die Show startete um 20.20 Uhr mit „Tie Your Mother Down“ und einem Frontmann im Rock’n’Roll-Format. Sascha hat wirklich alle Facetten von Freddie Mercury drauf. Gesanglich ganz stark, Dann die Posen – der nach oben gestreckte Arm, das Gestelze auf der Bühne. Es ist ein Genuss, ihn in diesem Element zu erleben. Gleich zu Beginn gab es die typischen Rohles-Soli, der gekonnt den Brian May gab. Spätrestens beim Übergang zu „We Will Rock You“ hatte die Band die Menge im Griff.
„Schön wieder Menschen vor der Nase zu haben“, hieß es in der Ansage. Und mit „Somebody To Love“ gab man das entsprechende Motto aus. Es war schon ein Genuss, wie die fünf Leute auf der Bühne die mehrstimmigen Arrangements der britischen Band gekonnt umsetzten. Da standen sie dem Original in nichts nach. Und selbst das rhythmisch vetrackte „Killer Queen“ mit einem emotionalen Übergang zur Schluss-Sequenz der „Bohemian Rhapsody“ klang perfekt aus den Boxen.
Drei Stunden Konzertlänge gaben viel Raum, auch unbekanntere Titel wie „39“ – stilgerecht mit Frank Rohles am Mikro – zu präsentieren. Und akustisch zu zweit gab es ein Gänsehaut erzeugendes „Love Of My Life“. Das Quintett konnte viele Facetten der Originalband überzeugend auf die Bühne bringen. Aber beste Stimmung gab es vor allem bei den großen Hits wie „Under Pressure“ und „Another One Bites The Dust“.
Nach fast 90 Minuten Konzertlänge gab es eine viertelstündige Pause. Inzwischen war es dunkel geworden und es wurde offensichtlich, wie viel Mühe man sich auch um das Ambiente mit beleuchteten Bäumen und Sträuchern gab. Überhaupt waren Lightshow und Sound hervorragend. Auch die Ton- und Lichttechniker sind froh, wieder in ihrem eigentlichen Metier wirken zu können.
Der zweite Konzertteil startete als Hommage an das legendäre Live Aid-Konzert mit einem großen Teil des Sets, den Queen damals spielten und der auch im Biopic um Freddie Mercury eine herausragende Rolle spielt: „Bohemian Rhapsody“, „Radio Gaga“, „Hammer To Fall“ und „Crazy Little Thing Called Love“ – da bleibt kein Auge trocken ob dieser Erinnerungen.
Seltener hört man da schon „Innuendo“. Dieser ergreifende Song wurde mit Erinnerungen an besagtes Musical „We Will Rock You“ verbunden und Frank konnte ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Überhaupt war der Abend auch eine kleine Geschichtsstunde, was QUEEN angeht. Der „Highlander“-Soundtrack wurde zum Beispiel mit „A Kind Of Magic“ bedacht, das einen schönen Publikum-Mitsingteil hatte, und mit der emotionalen Performance von „Who Wants To Live Forever“, die sich Frank und Sascha am Mikro teilten.
„I Want To Break Free“ und „The Show Must Go On“ waren die abschließenden Highlights im regulären Set, während „I Want It All“, „We Will Rock You“ und „We Are The Champions“ ab 23 Uhr den Zugabenblock bildeten. Der Abschluss war ebenso großartig wie die komplette Show: Ein wundervolles QUEEN-Feeling für alle Anwesenden mit einer Band, die die Musik des Originals lebt und auf der Bühne atmet.
Das Wetter hat gehalten. Es gab kein Gedränge und genügend Abstand zu anderen Menschen. So können funktionierende Liveshows momentan aussehen. Christof Kramp und Station K haben ein gutes Händchen für die Organisation und zugleich für die Sicherheit der Anwesenden. Es wird noch weitere Highlights im Sommer geben. Unter anderem ist Frank Rohles nochmal zu Gast, diesmal mit seiner Band Zentury XX. Hier die Daten:
14.8.2020 Kai & Funky von Ton, Steine, Scherben mit Gymmick
15.8.2020 Zentury XX (Rockmusik aus den 70er, 80er, 90er Jahren)
22.8.2020 MAM (eine BAP Coverband aus Köln)
5.9.2020 Still Collins (die Musik von Genesis und Phil)
Das alles Open Air in der alten Kaserne Saarburg. Ab Herbst sind dann wieder Hallenkonzerte geplant (wir drücken die Daumen):
19.9.2020 Kasalla – Stadthalle Saarburg
20.9.2020 Andreas Sittmann singt Reinhard Mey – Pflanzgarten Steffen in Saarburg
2.10.2020 Madison Violet – Drangmeister Schreinerwerkstatt Wiltingen
10.10.2020 Markus Stockhausen & Tara Bouman – Synagoge Wawern
16.10.2020 HUUN-HUUR TU – Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz
17.10.2020 Vicki Kristina Barcelona – Synagoge Wawern
24.10.2020 COBARIO – Synagoge Wawern
25.10.2020 Wiener Blond – Synagoge Wawern
4.11.2020 Sweet Alibi – Synagoge Wawern
7.11.2020 „Hallo Udo“ mit Richard Bauer & Band – Stadthalle Saarburg
Es war definitiv keine leichte Woche für den umtriebigen Veranstalter Christof Kramp von Station K. Umso mehr konnte er sich freuen, dass am Konzertabend alles glatt lief und Angelo Kelly den „Irish summer“ direkt nach Saarburg ins Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg brachte. Natürlich sorgt der irische Sommer auch für Regengüsse – wie die Iren richtig sagen: sonst wäre unser Land nicht so grün. Aber in Saarburg sollte es zumindest bis zur Konzertpause trocken bleiben. Die angekündigten Unwetter blieben zum Glück aus.
Das Konzertgelände an der alten Kaserne in Saarburg ist perfekt geeignet für eine Open Air-Veranstaltung. Ein weites und durch Gebäude geschütztes Innengelände, genügend Parkraum, keine Anwohner, die sich evtl. gestört fühlen. Das letzte Wochenende der Ferien sollte also mit gleich zwei Veranstaltungen durchstarten. Leider mussten Station K das geplante Popfestival am 10.8. mangels Interesse absagen. Echt schade, waren doch mit Sophie Hunger und Gisbert zu Knyphausen zwei Schwergewichte angekündigt, die allein schon die Massen anlocken sollten. Aber es hat nicht sollen sein.
Für den Freitag gab es dann auch noch eine Unwetterwarnung. Sicher eine schwere Entscheidung für Kramp, den Abend mit Angelo Kelly trotz möglicher Widrigkeiten durchzuziehen. Aber es war absolut richtig, denn nach Regengüssen am Nachmittag klarte der Himmel pünktlich zum Einlass zunächst einmal auf und die Kelly-Show konnte unter besten Bedingungen starten, wenn man ein paar Tücher dabei hatte, um die Sitze trocken zu wischen – oder sich gleich zu Beginn auf eine Show im Stehen einstellte.
Angelo Kelly startete allein mit Band und einem hymnischen Version von „Leaving on a jet plane“, bevor er sich unzähligen Eigenkompositionen zuwandte. Wer an Irland denkt, dem fallen mit Sicherheit zuerst grüne Landschaften, Dublin, Schafe, Guinness ,das launenhafte Wetter und natürlich die typisch traditionelle irische Musik ein – jeder hat sein eigenes Bild von der grünen Insel. Und es gelang Angelo Kelly, dieses Gefühl wie eh und je zu vermitteln. Was vor 40 Jahren als familiäres Straßenmusik-Projekt begann, ist bis heute zu einer außerordentlichen musikalischen Erfolgsgeschichte geworden: The Kelly Family feierte letztes Jahr ein umjubeltes Comeback, mehrere Kelly-Geschwister sind erfolgreich solo unterwegs, und Angelo Kelly trägt das Ganze auch noch in die nächst Generation.
Nachdem er mit seiner Familie 2015 bereits ein Weihnachtalbum veröffentlicht hat, folgte 2018 die CD „Irish Heart“ , die neben einigen traditionellen Stücken viele selbst komponierte Songs enthält. So war es auch klar, dass der Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger nicht lange allein auf der Bühne blieb: Er hatte seine komplette Familie mit dabei, die man zwar nicht offiziell, aber doch ganz insgeheim als die „neue Kelly Family“ bezeichnen darf.
Angelo, seine Frau Kira, die Kinder Gabriel, Helen, Emma, Joseph und William nahmen das Publikum mit auf eine ganz wunderbare musikalische Reise und stellten ihr Irland mit traditionellen und eigenen Stücken vor. So sang die 16jährige Helen eine ergreifende Version von „Scarborough Fair“, Kira erzeugte eine heimelige Stimmung mit „Mary“ und Angelo interpretierte „Star Of The County Down“ als knalligen Rocksong. Die Mischung aus Folk und solidem Rock war allgegenwärtig, dafür sorgte auch die formidable Band, die jederzeit die Stimmung eines Irish Pubs auf die Open Air Bühne zaubern konnte. Da war gar nichts kitschig, sondern es gelang stets die Verbindung von traditionellen Melodien und Instrumenten mit einem erfrischenden modernen Sound.
Im Hintergrund gab es auf LCD-Leinwand stimmungsvolle Bilder, mal ganz in grün gehalten, dann wieder mit atmosphärischen Aufnahmen von Land und Leuten. Angelo war bester Laune, konnte aber auch mal aufbrausend werden, wenn er beispielsweise die Security vom Bühnenrand wegschickte, weil sie seiner Meinung nach zu viel mit ihren Handys spielten. Der Niedlichkeitsfaktor stieg steil nach oben, wenn der 4jährige William „What a wonderful world“ anstimmte. Er war nur zu Beginn der Show mit dabei, die anderen Kids aber sollten im Lauf des Abends oft in Erscheinung treten.
Einen Song („Oró Sé Do Bheatha ‚Bhaile“) gab es in gälischer Sprache, wobei Angelo zugab, dass er diese nur mit Hilfe von Lautschrift beherrscht. So durfte auch das Publikum mittels eingeblendeter Lautsprache einen Crashkurs belegen. Kira steuert das wunderbare Liebeslied „Like The Movies“ bei, das die Liebesgeschichte mit Angelo beschreibt, wobei sich die beiden schon von Kindesbeinen an kennen. Solche autobiographischen Elemente zogen sich durch den ganzen Abend. An anderer Stelle aber wurde gefeiert, beispielsweise wenn sich Angelo mit zwei Schlagzeugern ein Percussion-Duell erlaubte.
Nach dem Song „A life that’s good“ war es Zeit für eine Halbzeitpause von 15 Minuten. Die Zuschauer machten sich auf den Weg zu den Getränkeständen und wie auf Kommando ging ein ordentlicher Platzregen auf das Saarburger Publikum nieder, der gut 20 Minuten andauerte. Keiner ließ sich aber die Laune verderben, als die Protagonisten die nasse Bühne enterten und die immer noch gute Stimmung in die zweite Hälfte retteten. Mit dem Titelsong „Irish Heart“ gab es direkt einen kraftvollen, von einer Fiddle wundervoll umspielten Song.
Der älteste Sohn Gabriel trat selbst schon als Songwriter in Erscheinung. Mit „Love Side Effects“ interpretierte er ein Stück über Liebesskummer und gemeinsam mit seiner Mutter sang er das Duett „Let Go“ als sehr persönliche Mutter-Sohn-Ballade. Der 8jährige Joseph und seine Schwester Emma sangen den Klassiker „Danny Boy“ mit kindlichen Stimmen und doch sehr ausgereift. Später im Set gab es „Whisky in the jar“ und mit „Dance“ einen Aufruf zum Tanz für alle.
Um 22 Uhr endete die irische Sause mit einem Zugabenblock („Paddy On The Railway“) und man entließ das selige Publikum in die Saarburger Nacht, um sich zunächst im Auto und dann zuhause aufzuwärmen. Angelo Kelly hat die Anwesenden absolut überzeugt – mit seiner immer noch genialen Stimme, mit einer hervorragenden Folk- und Rockshow und mit der Einbindung seiner Familie, die durch und durch in die Kelly-Fußstapfen tritt. Das Erbe ist gesichert!
Das Gelände um die alte Kaserne hat seine Open-Air-Feuertaufe bestanden. Bleibt zu hoffen, dass Veranstalter Station K nicht der Mut verlassen hat und er auch im nächsten Jahr dort aktiv wird. Bis dahin darf man sich an kleineren Events erfreuen. Eine Auswahl:
20.9.2019 – Ryan McGarvey – Losheim (Saalbau)
21.9.2019 – Zervas & Pepper – Wiltingen (Bürgerhaus)
4.10.2019 – Markus Stockhausen und Tara Bouman – Saarburg (ev. Kirche)
25.10.2019 – Mrs. Greenbird – Wiltingen (Bürgerhaus)
8.11.2019 – Martin Tingvall – Saarburg (Stadthalle)
17.11.2019 – Madison Violet – Wawern (Synagoge)
24.11.2019 – Quadro Nuevo – Wittlich (Synagoge)
7.12.2019 – Frank Rohles & Friends – Saarburg (Stadthalle)
1.3.2020 – Schmidbauer Pollina Kälberer – Saarburg (Stadthalle)
28.3.2020 – Michael Fitz – Wawern (Synagoge)