Duff McKagan zeigt sich auf “Tenderness” von seiner zärtlichen Seite

VERÖFFENTLICHUNG» 31.05.2019
BEWERTUNG» 9 / 9
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Duff McKagan sollte man nicht mehr grossartig vorstellen müssen. Von 1985 bis 1997 war er Bassist bei Guns N’Roses, als diese mit „Appetite For Destruction“ und „Use Your Illusion I & II“ das Rockestablishment kräftig in den Hintern traten. Am 1. April 2016 kehrte Duff McKagan als fester Bestandteil wieder zur Band zurück. Seit diesem Tag läuft in der teils wiedervereinigten Besetzung die „Not In This Lifetime“-World Tour von Guns N‘Roses. Der Name ist übrigens eine Anspielung auf ein Interview mit Leadsänger Axl Rose aus dem Jahr 2012, in dem er auf die Frage, ob es eine Chance auf eine zukünftige Wiedervereinigung (insbesondere mit Slash) gebe, mit „Not In This Lifetime“ geantwortet hatte.

Nebenbei blieb Duff McKagan offenbar noch Zeit um eigene Songs zu schreiben. Laut seiner Aussage half ihm dieser kreative Prozess dabei die Erlebnisse der letzten zweieinhalb Jahre rund um die „Not In This Lifetime“-Tour zu verarbeiten. Das Ergebnis heißt „Tenderness“ und nach „Believe In Me“ von 1993 ist es das zweite Soloalbum des 55-Jährigen aus Seattle. Elf Songs, die von Verzweiflung, Angst, Verwirrung und den sich auftuenden Gräben innerhalb der Band handeln. Wer nun aber ein wütendes und lautes Album ganz in der Tradition von Guns N’Roses erwartet hatte, der sieht sich getäuscht. Das ließ bereits das Titelstück und gleichzeitig die erste Single erahnen, die den Reigen als ruhige Klavierballade eröffnet. Und es bleibt… nun ja, zärtlich.

Da wird mal verträumt der Vorliebe für Country gefröhnt („It’s Not Too Late“ und „Cold Outside“) oder ein wenig Psychedelic versprüht („Falling Down“). Schon nach den ersten vier Songs von „Tenderness“ denkt man „Wow“ und der Mund bleibt bis zum Ende der insgesamt 47 Minuten und 55 Sekunden offen. Das Album reiht tatsächlich eine mit viel Liebe und Hingabe polierte Perle an die nächste. Beispiele gefällig? „Wasted Heart“ ist ein Trauermarsch, der jedem Jim Jarmusch-Film zur Ehre gereicht. „Chip Away“ besetzt den Platz der schnellen Bluesnummer und „Breaking Rocks“ geht schon fast in Richtung Irish Folk mit der einzigen elektrisch verstärkten Gitarrenpassage des gesamten Albums. Am Ende steht „Don’t Look Behind You“, ein abwechslungsreiches Potpourri aus Jazz, Rock und Blues mit einem hymnischen Saxophon, das von The Suicide Horn Section beigesteuert wird (bei denen Duff McKagan’s Bruder Matt Posaune spielt).

Bleiben die drei heimlichen Höhepunkte auf „Tenderness“. Da ist zum einen „Last September“, ein Song, der exemplarisch für das Album steht. Über sechs Minuten Herzschmerz pur aus Akustikgitarre, Piano, Geige, Banjo und einem dezenten Schlagzeug. Am Ende ruft Duff McKagan „Hey Motherfucker, you’re lying“ und nur er weiß, wer damit gemeint ist. Auch „Feel“ hat etwas Exemplarisches, nicht nur aufgrund seines Titels. Da sitzen die Beatles mit den Black Crowes zusammen auf einer sonnenüberfluteten Blumenwiese und rauchen einen Joint. Der eindringlichste Song auf „Tenderness“ ist jedoch zweifellos „Parkland“, der von dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland (Florida) handelt, bei dem am 14. Februar 2018 der 19-jährige Nikolas Cruz 14 seiner ehemaligen Mitschüler und drei Erwachsene erschoss. Die Tat hatte zahlreiche Proteste gegen die Waffengesetze in den USA zur Folge. Dem schöngeföhnten Schwachkopf im Weißen Haus fiel dazu nur ein, man müsse die Lehrer besser bewaffnen.

Mit „Tenderness“ liefert Duff McKagan ein überraschend stimmungsvolles Album ab, auf dem er die Hau Drauf-Mentalität seiner Stammkapelle gegen eine Menge Gefühl und filigrane Handwerkskunst eintauscht. Selbst der Kollege Slash dürfte davor seinen Hut ziehen. Sogar gesanglich ist das, von einigen Wacklern abgesehen, durchgängig überzeugend. „Tenderness“ erscheint als CD, LP und Deluxe-Book-Edition, die nur im offiziellen Duff McKagan-Shop erhältlich und auf 1.000 Exemplare weltweit limitiert ist. „Wir entfernen uns voneinander in einer Zeit, in der wir uns gegenseitig am meisten brauchen. Das ist nicht gut. Als Ehemann und Vater muss ich jetzt etwas sagen und tun, denn ich liebe meine Töchter und meine Frau und ich liebe mein Land. Ich fühle, dass ich stark sein und jetzt meine Stimme erheben muss, weil ich dazu in der Lage bin und die Chance vielleicht nie wiederkommt“, schreibt Duff McKagan im „Beipackzettel“ der Plattenfirma. Im August erhebt er gemeinsam mit dem Grammy-Gewinner Shooter Jennings, gleichzeitig auch Produzent von „Tenderness“, und dessen Band auf drei Konzerten seine Stimme in Deutschland:

  • 23.08. – Berlin, Astra Kulturhaus
  • 26.08. – Köln, Gloria Theater
  • 27.08. – Mannheim, Alte Feuerwache

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Letzte Aktualisierung am 13.11.2019 um 07:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API