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Stefan Mross - Immer wieder sonntags 26.03.2026 Europahalle / Trier

Etwas Selbstmitleid zur großen Schlagershow – Stefan Mross in Trier

Stefan Mross steht seit 38 Jahren auf der Showbühne und ist seit 21 Jahren Gastgeber der ARD-Show „Immer wieder sonntags“. Dabei wirkte der 50jährige Sänger, Trompeter, Moderator und Entertainer sehr jugendlich und frisch in der Europahalle. Die Schlagzeilen der letzten Wochen waren nicht so toll, da die ARD seine Show wohl zum Jahresende absetzen wird. Der Künstler, der schon mit 13 Jahren erstmals vor großem Publikum auftrat, nachdem er von Karl Moik entdeckt wurde, ging auch gar nicht über diesen kommenden Karriereknick hinweg, sondern thematisierte ihn recht ausführlich in seinen Moderationen. Diese Offenheit war schon immer Teil seines authentischen Auftretens.

Just in diesem Jahr geht die Show „Immer wieder sonntags“ erstmals auf Tour. Und das üblicherweise an normalen Wochentagen, wenn sonntags die Liveshow im Europapark Rust aufgenommen wird. Das Bühnenbild in der Europahalle wirkte etwas hilflos, bestand es doch vor allem aus einem großen Tuch im Hintergrund mit dem bekannten Schriftzug der Sendung. Auch das musikalische Geschehen war etwas spärlich, da die Interpret*innen zwar live, aber zu einem instrumentalen Playback performten. Also eine recht günstig produzierte Show, die aber im Ausgleich mit hochkarätigen Gästen glänzen konnte.

Den Anfang machte Mross selbst, lieferte einige etwas altbackene Witze und sang den Titelsong „Immer wieder sonntags“ ebenso souverän wie den Klassiker „Die kleine Kneipe“. Als ersten Gast begrüßte er Joey Heindle, Ex-DSDS-Sänger und Dschungelkönig 2013. Eine schillernde Persönlichkeit, die frischen Wind in die Halle brachte und Songs wie „Wellenreiter“, „Ich verliere die Kontrolle“ und „Weil das hier unser Leben ist“ sehr poppig interpretierte. Er begab sich früh ins Publikum und fand ein seit 47 Jahren verheiratetes Ehepaar, für das er „Wer außer dir“ zum Besten gab.

Dann Kristina Bach, Schlager-Urgestein und Komponistin unzähliger Hits der Branche. Sie hatte viel zu erzählen und sang ihre großen Erfolge wie „Antonio“ und „Cappuccino“. Vielen war vielleicht gar nicht bewusst, dass auch einer der größten Schlager der letzten Jahrzehnte aus ihrer Feder stammt, da Kristina zu den Stamm-Autor*innen von Helene Fischer gehört. So interpretierte sie mit fester Stimme auch „Atemlos“ – ein Lied, das ihr als Songschreiberin vermutlich Tantiemen in 7stelliger Höhe eingebracht hat. Chapeau!

Gemeinsam mit Joey und Kristina veranstaltete Stefan Mross ein kleines Schlagerquiz, um sein Schlagerwissen unterhaltsam zu verbreiten. Es folgten „Nessaja“ und „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ aus seinem Mund und man ging nach 75 Minuten in die Pause.

Der zweite Teil dauerte dann mehr als 90 Minuten, was die Gesamtlänge der Show sehr solide ausdehnte. Dem Publikum war’s recht, denn es sollten noch einige Highlights geboten werden. Madeline Willers ist erst Anfang 30, hat aber vor einer Woche schon ihr erstes „Best of“ veröffentlicht. Sie sang Titel aus dem eigenen Repertoire („Bauchgefühl“), aber auch ein Hit-Medley mit Songs wie „Ohne dich“ und „Major Tom“ im unvermeidlichen Schlagerbeat. Dann stellte Stefan seinen „Schatz“ vor, nämlich Lebensgefährtin Eva Luginger. Von ihr gab es u.a. den Leandros-Titel „Ich liebe das Leben“ und im Duett mit Stefan „Jenseits von Eden“.

Aber alle hatten jetzt auf die großen Stars gewartet und wurden nicht enttäuscht. Das 72jährige Temperamentbündel Michael Holm hüpfte erstaunlich agil über die Bühne und legte direkt mit „Mendocino“ los, das um das rockige Einsprengsel „Rockin‘ all over the world“ erweitert wurde. Diese Idee kennen Trierer so von Guildo Horn – und die Nähe kommt nicht von ungefähr, hat Holm doch Guildos Erfolgsalbum „Danke“ mit „Guildo hat euch lieb“ produziert und die Band jahrelang begleitet. Die Schlagerfans feierten natürlich auch „Tränen lügen nicht“ und ein quirliges Endlos-Medley mit „We will rock you“, „Beinhart“, „Da doo ron ron“, „Sexy“, „Highway to hell“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Born to be wild“, „Ein Bett im Kornfeld“ und „Satisfaction“. So viel krasse Energie und Vielfalt hätte ich wirklich nicht erwartet. Das war fantastisch.

Ebenso Nicole, die ja aus dem angrenzenden Saarland stammt und damit fast schon Lokalmatadorin war. Sie wies auf ihre Wurzeln hin: „Heute bin ich Heimschläferin“ sagte sie zu tosendem Applaus und wurde auch in der Mundart des kleinen Bundeslandes gut verstanden. Ich fand es erstaunlich, wie viele nostalgische Songs von ihr mir auf Anhieb geläufig waren: „Mit dir vielleicht“, „Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund“ und „Papillon“ (das sie a cappella von der Bühne schmetterte). Natürlich gab es eine emotionale Ansage zu „Ein bisschen Frieden“ und man konnte sich in die 17jährige Nicole hinein fühlen, die diesen Titel 1982 für Millionen Menschen weltweit gesungen hatte – nur mit einer Gitarre bewaffnet und komplett ohne das heutige ESC-Show-Brimborium. Auch in der Gegenwart funktioniert der zeitlos schöne Song mit seiner traurigen Aktualität. Die Herzen waren schon weich, doch als sie das Friedenslied als Zugabe nochmal a cappella zu Gehör brachte, wurden sichtbar einige Tränchen im Publikum verdrückt.

Zum Finale holte Mross dann die großen Schlagerschinken raus, lieferte Medleys mit Songs von Udo Jürgens und Roland Kaiser. Die Fans feierten ihn zum krönenden Abschluss mit stehenden Ovationen und die Message war klar: Wir brauchen weder ein geniales Bühnenbild noch eine ausgefuchste Liveband. Wir wollen unsere Lieblingssongs aus dem Mund bekannter Künstler*innen hören. Mission gelungen!

(Credit für alle Fotos auf dieser Seite: Dietmar Schmitt)

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