Mit seiner neuen Single „Flackern“ verdichtet BOSSE das, was seine Songs seit jeher ausmacht: große Gefühle in klaren, unmittelbaren Bildern. Zwischen Stroboskop-Nacht und emotionalem Ausnahmezustand erzählt der Song von Nähe als Gegenentwurf zu einer Welt im Dauerrauschen – „alles ist scheiße, aber du eben nicht“. Getragen von Euphorie, Chaos und Hoffnung wird Nähe zum Gegenentwurf: ein Leuchten im Tristen, geprägt von der Sehnsucht nach mehr „Liebe in Zeiten, wo Hass regiert“.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Das neue Album „Stabile Poesie“ erscheint am 17. April und in dem Titel steckt wie immer sehr viel Wahrheit. Es gibt hier nichts verkünsteltes, sondern unmittelbare Beobachtungen, ohne Scheu und doppelten Boden, dafür mit Empathie – deutschsprachige Popmusik mit maximaler Seele. Es geht um Empowerment, darum auch in schwierigen Zeiten Hoffnung zu behalten und sich nicht resigniert hinzulegen. „Stabile Poesie“ ist ein Album wie ein(e) gute(r) Freund(in): Es nimmt Dich in den Arm, aber es sagt Dir auch deutlich die Meinung, wenn es nötig ist. Und es macht mit stabiler Poesie und klarer Haltung für einen Moment die Welt ein bisschen besser.
Drei Tage Festival mit rund 25.000 Besucher – ein letztes Mal Rocco del Schlacko hat 2025 durchaus zu überzeugen gewusst. Dass es das letzte Mal sein würde – daran kam wohl kaum jemand vorbei. Schon einige Wochen vorher hatte Veranstalter und Rocco-Erfinder Thilo Ziegler die traurige Botschaft verkündet. Und auch auf der Bühne ließ es sich kaum eine Band nehmen, daran zu erinnern und ihre Bestürzung darüber auszudrücken. Das Publikum ließ sich davon nur wenig anmerken – oder glich es vielmehr aus, indem gefeiert wurde, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer zwischendurch innehielt und seinen Blick über das Gelände schweifen ließ, mochte vielleicht von einer leisen Melancholie gepackt worden sein, aber für Traurigkeit sollte nach dem Festival auch noch genug Zeit bleiben.
Ein kurzer Rückblick: Das Rocco del Schlacko fand erstmals 1999 statt, damals noch auf dem Sportplatz in Püttlingen, 2004 dann für zwei Jahre auf dem Köllner Platz, bis ab 2006 das Festivalgelände Herchenbach, die „Sauwasen“, als idealer Veranstaltungsort auserkoren wurde und bis zum Ende bleiben sollte. Was als eintägiges Event begonnen hat, wurde 2006 schon zweitägig und 2010 dann zum dreitägigen Festival. Im Laufe der Jahre waren einige Größen der regionalen, nationalen und internationalen Musikwelt beim Rocco zu Gast – vor allem aus Rock, Punk, Pop, Indie, aber auch Rap und Electro.
Ein letztes Line-Up also für 2025: Was besonders auffällt, ist die hohe Anzahl an deutschsprachigen Bands. Ziegler hatte in seiner Begründung für das Aus des Festivals vor allen Dingen die Probleme beim Booking angegeben. Die großen Agenturen Eventim und Live Nation (Ticketmaster) nähmen demnach seit einigen Jahren immer mehr eine Monopolstellung ein, die es kleineren und mittelgroßen Festivals schwierig bis unmöglich mache, zu erschwinglichen Preisen namhafte Bands zu buchen – und für die Gäste ein angemessenes Ticketpreisniveau beizubehalten.
Dennoch war es für dieses Jahr möglich gewesen, noch einige hochkarätige Headliner an Land zu ziehen. KIZ wissen seit Jahren zu überzeugen und sind ein guter Garant für ein amüsantes Konzerterlebnis. Ihr Auftritt gehörte zu den Highlights am Donnerstag, unmittelbar davor gab es Kontrastprogramm auf der Sauwasen-Bühne mit der US-amerikanischen Metalcore/Post-Hardcore-Band I Prevail. Mehr Abwechslung? Besonders das jüngere Publikum feierte die Dresdner Rap-Crew 01099 – das Trio fügt sich nahtlos in den Zeitgeist-Rap ein, verzichtet auf offenen Sexismus und erzählt in erster Linie aus dem Alltag der Jungs. Außerdem auf der großen Bühne: Zartmann (Deutsch-Pop/Rap) und Drei Meter Feldweg (Punkrock). Auf der kleinen Bühne gab es auch gutes Programm; dort eröffnete die saarländische Band Alexis in Texas mit Metalcore das Festival, gefolgt von den ebenfalls aus dem Saarland stammenden Pop-Rock-Quartett MegaMensch. Betontod machen Punkrock und sind bereits seit 1990 aktiv – auf dem Rocco waren sie aber, wie mehrfach betont, in diesem Jahr zum ersten und wohl auch zum letzten Mal. Danach folgte mit Raum27 eine etwas jüngere Band; die beiden Bremer(havener) Tristan und Mathis machen seit 2017 Indie-Pop, sehr tanzbar, woke und modern. Den Donnerstags-Abschluss bildete Querbeat; die vielköpfige Brass-Band aus Bonn war bereits beim Rocco zu Gast und wusste nach KIZ mit ihrer Musik gut zu begeistern.
Das Rocco del Schlacko besticht insbesondere auf dem Festivalgelände durch kurze Wege zwischen den beiden Bühnen, aber vor allen Dingen auch mit wenigen Überschneidungen. Meist sind es nur fünf bis zehn Minuten, in denen parallel gespielt wird – wer den Ansporn hat, alle Bands des Festivals zu sehen, konnte das bei diesem Festival auf jeden Fall schaffen. In vielen anderen Fällen, insbesondere bei den Großen, ist es in aller Regel eine Frage von Entweder – Oder. Auch das hat das Rocco del Schlacko so sympathisch gemacht, auch wenn es auf dem Gelände selbst über die Jahre einige Änderungen gab und auch mal auf drei Bühnen gespielt worden ist, wo es dann zu mehr Überschneidungen kam. Dennoch: Hier konnte man für den Eintritt, den man zahlte, häufig ein Maximum herausziehen.
2025 wirkte der Freitag besonders Hip-Hop/Rap-lastig, obwohl einiges am Start war, das sich definitiv in anderen Gefilden bewegte: Team Scheisse (Punkrock) eröffnete die Sauwasen-Bühne, Screentime aus dem saarländischen Wadgassen mit Grunge und Punk auf der Ponyhof-Bühne, gefolgt von Lynne, ebenfalls aus dem Saarland, aber mit Indie-Rock unterwegs. Für viele ein Highlight am Nachmittag: Mehnersmoos (Hip-Hop) auf der großen Bühne. Madsen sind vielen ein Begriff, einige radiotaugliche Songs und eine gut laufende Karriere seit 2004 haben der Band Bekanntheit verschafft. Mit Indie-Rock/Punkrock legten die Musiker ein gutes Programm auf, bei dem so mancher Mosh- und Circlepit entstand. „Nutzt die Gelegenheit, rockiger wird’s heute nicht mehr“, behauptete jedenfalls Sänger Sebastian Madsen, womit er in großen Teilen Recht hat. Zwischendurch wurde Schlagzeuger Sascha Madsens Geburtstag mit Ständchen und Crowdsurfing gefeiert, Position gegen den Rechtsruck bezogen und insgesamt ein überzeugender Auftritt dargelegt.
Flankiert wurde Madsen, die auf der Sauwasen-Bühne spielten, von Revnoir, einer französischen Metal-Band, und 100 Kilo Herz, Punk aus Leipzig auf der Ponyhof-Bühne. Gerade bei Madsen und 100 Kilo Herz wurden auch einige Rauchfackeln eingesetzt, die durchaus zur Atmosphäre beitrugen. Jetzt aber zum Kontrast am Freitag: Schon über den ganzen Tag hinweg sah man auf dem Festivalgelände etliche Menschen mit Pappmasken herumlaufen. Darauf abgebildet: Das Konterfei von Tream. Der selbsternannte „erste Schlagerrapper Deutschlands“ kam bei Teilen des Publikums gut an. Stark aufgedrehter Bass und eine fast unangenehme Lautstärke, Partyhits, die jeder mitsingen kann, im „modernen“ Gewand, viele Konfettikanonen, Pyrotechnik – es wurde einiges aufgefahren, bei dem viele Menschen mitsingen konnten. Weniger partylastig als altbewährt, aber mit mindestens ebenso viel Pyro und Konfetti kam Kontra K daher, der mit solider Show auch in Püttlingen überzeugte. Den Abschluss des Freitags bildete die Berliner Rapperin Ikkimel auf dem Ponyhof.
Das Saarland ist bekannt für diverse kulinarische Spezialitäten: Beim Rocco gab es nicht nur „Fleischkäs-Weck“ von Globus, hier wurde auch geschwenkt auf besonders großen Schwenkern, die Pommesportionen ließen sicherlich keinen Raum zu meckern. Auch sonst gab es viel Fast-Food, wie auf Festivals übrig. Worüber man sich sicher aufregen kann: Sechs Euro für fünf Mini-Frühlingsrollen, ertränkt in süßsaurer Soße – das hat fast schon was Unanständiges. Allgemein, so der Eindruck, waren die Essenstände direkt zwischen Haupt- und Nebenbühne besonders fair, sowohl was Preise als auch Portionen anging, die Kollegen am Ponyhof waren da etwas teurer, aber auch knausriger. Alles in allem war wie immer das dabei, was man vom Festival erwartet. Von einigen bereits kritisiert: die hohe Präsenz von Zigaretten-Werbern von Partner JPS.
Schließlich jedoch war er da, der allerletzte Festivaltag des Rocco del Schlacko. Viel schneller als erwartet und wusste ein letztes Mal zu überzeugen. Los ging es mit Melodic Metal von Roggen aus dem Saarland. Danach Still Talk aus Köln mit Indie-Rock. Und dann startete auch das Programm auf der Sauwasen-Bühne. Mit The Butcher Sisters gab es direkt in der prallen Nachmittagssonne, vor der viele in den Rand und Schatten flüchteten, eine ausgesprochen Bier- und Klamauklastige Show, auf die man sich wohl einfach einlassen musste. Metal-Jesus und ein anderer Gast durften im Bier-Wetttrinken um einen Sack voll Pfand der Band spielen (Jesus gewann nicht nur knapp beim Trinken, sondern auch beim anschließenden Stein-Schere-Papier). Als Trostpreis für den Verlierer gab es noch ein Bier und eine Bananenschale. Mit Bosse (Pop), wurde es dann direkt auch wieder ruhiger auf der Bühne, eine Jagd zwischen Ritter und Drachen wie bei TBS gab es bei dem Braunschweiger jedenfalls nicht. Der Platz vor der Bühne füllte sich jedenfalls immer mehr, die Mitsing-Quote war gut. Der Berliner Rapper UFO361, eingerahmt von Coldrain (Metalcore aus Japan) und den Hippie-Poppigen Maël & Jonas, füllte als einziger Hip-Hop-Künstler das Samstags-Lineup.
Enter Shikari hatten einen der begehrten Slots am Abend auf der großen Bühne und lieferte entsprechend ab. Die britische Post-Hardcore Band hatte nicht nur ein schönes Bühnenbild, sondern auch einen wahren Blickfang – sofern man denn folgen konnte. Sänger Roughton Reynolds erweckte den Eindruck eines menschlichen Flummis, sprang, rannte und tanzte über die Bühne, ließ sich davon aber auch nicht einschränken. Die Band ist bekannt dafür, in ihren Sets immer auch aktuelle (klima-) politische Themen anzusprechen und diese auch in ihrem Bühnenbild zu integrieren. Das mag bei großen Teilen des Publikums nicht ganz angekommen sein, vielleicht auch ein leichter Dämpfer gewesen sein, doch es bleibt beeindruckend und wichtig, dass auch solche Themen weiter angesprochen werden. Den Abschluss auf der Hauptbühne bildete der britische Alternative-Rocker Yungblud. Viel Feuer, viel Konfetti, viel „I love you“ auf deutsch oder englisch (was nach dem zehnten Mal etwas nervig wurde) – insgesamt sicherlich kein schlechtes Konzert. Eine junge Frau aus dem Publikum hatte die Ehre, einen Song lang Gitarre zu spielen. Dennoch leerte sich vor allem zum Ende des Konzerts hin der Platz vor der Bühne merklich. Denn auf der Ponyhof-Bühne wurde noch ein letztes Mal Gas gegeben. Blond, ein Indie-Pop-Trio aus Chemnitz spielte direkt nach Yungblud, mit mehreren Kostümwechseln (vom opulenten Ballkleid bei Nina (Gesang/Gitarre) und Lotta Kummer (Schlagzeug, Gesang) hin zum eher knappen Outfit) und interagierte deutlich kreativer mit der Menge, inklusive diverser feministischer Statements.
Zum wirklich allerletzten Gig kam es dann um 1.45 Uhr: Die Donots spielten eine letzte Runde auf dem Rocco del Schlacko. So ziemlich von Beginn an waren sie bei dem Festival dabei, insgesamt kommen sie nun auf zehn Auftritte – und haben sich nach der Kunde vom Aus des Rocco spontan für diesen letzten Besuch entschieden. So gab es kein Feuerwerk, keinen großen Knall in dem Sinne. Vielmehr wurde das Rocco von den Donots „mit Schmackes zu Grabe getragen“, wie Ingo Donot es treffend formulierte. Eine Setlist mit vielen Klassikern brachte den gesamten Hügel vor der Bühne zum Beben, es gab etliche Circle-Pits, einen Heiratsantrag, einige rührselige Worte vom Veranstalter Thilo Ziegler und den Donots.
Kurzum: Es war das perfekte Ende für ein Festival, das viele Saarländer*innen über lange Jahre begleitet hat, sie für ein paar Tage in die Heimat gelockt hat, das Erlebnisse und Erinnerungen geschaffen hat und dessen Verlust eine Lücke in die saarländische Kulturlandschaft reißen wird.
Zum letzten Mal ROCCO DEL SCHLACKO in Püttlingen!
Seht hier unsere Fotos von BOSSE und The Butcher Sisters. Datum: Samstag, 9. August 2025, Fotocredit: Julia Nemesheimer
In der aktuellen Staffel von „Sing meinen Song“ beweist Aki Bosse mal wieder, was für eine coole Socke er doch ist. Ohne Popstar-Gehabe und mit schnoddrigem Auftreten gewinnt er auf Anhieb die Herzen der Zuschauer*innen und der übrigen Musizierenden. BOSSE ist ein Star ohne Allüren, nahbar, aber nicht alltäglich, schlau, aber nie verklausuliert, zugänglich, aber nicht anbiedernd, und auch auf lange Sicht ohne Konkurrenz im Spannungsfeld zwischen Deutschpop und Indierock.
Wer einmal erlebt hat, wie dieser Charismatiker auf der Bühne arbeitet und den Menschen seine einzigartige Mischung aus Indie- Rock, Alternative und Pop entgegenschmettert, wie er bei Hits wie „Der letzte Tanz“ oder „Schönste Zeit“ mit dem Publikum verschmilzt, wie er die Massen euphorisiert, der will das wieder erleben und möglichst viele Freunde mitnehmen. Die leidenschaftlichen Live-Performances sind aber nur eine Seite des Künstlers – die Basis dafür schafft er mit seinen liebevoll ausgearbeiteten Alben, die klassisches Singer-Songwritertum in Richtung Pop und Indierock erweitern.
Und so kommt seine erste BEST OF gerade recht. Mit der Compilation „BOSSE 2005-2025“, die zeitgleich zum Start der TV-Sendung veröffentlicht wird, erscheint erstmalig eine Werkschau mit 21 Liedern aus der bisherigen Karriere des Musikers auf einem Album. Bosse hat für diese Compilation viele seiner schönsten Songs zusammengestellt. Er verdichtet komplexe Gefühle in einer Sprache, die nah am Leben ist, ausgestattet mit Refrains, die im Kopf bleiben, ohne ihn zu verkleben. Oft geht es darin um das Überwinden von Widerständen, ein positives Lebenskonzept trotz Selbstzweifeln und die Gewissheit, auch in miesen Zeiten nicht allein zu sein.
In umgekehrt chronologischer Abfolge – von neu nach alt – bietet die Compilation eine schöne Werkschau für Neueinsteiger voller Songperlen aus Akis Feder.
Ein neues Album von Axel Bosse ist, als käme man nach Hause. Diese zugleich heimeligen und abgeklärten Melodien, seine raue und sehnsuchtsvolle Stimme – plötzlich fühlt man: Das habe ich in den letzten Monaten vermisst. Dabei muss ich gestehen, dass ich BOSSE oft gar nicht auf dem Schirm habe, wenn ich an die deutschen Songpoeten denke. Zuerst fallen mir immer Poisel und Giesinger, Oerding und Bourani ein. Während letzterer allerdings seit sieben Jahre seine kreative Schaffenspause zelebriert, legt Axel „Aki“ Bosse im groben Zweijahresrhythmus Zug um Zug wirklich formidable Songwriter-Alben vor, mit denen er zuletzt zweimal in Folge Platz 1 der deutschen Charts belegte..
Das neue Album des Musikers aus Braunschweig trägt den Titel „Sunnyside“. Und trotz aller Melancholie ist es ein durchaus optimistisches Album. Schon der Opener „Ende der Einsamkeit“ spricht mir voll aus der Seele. Selten hat jemand den Wunsch nach der Vor-Corona-Normalität so tiefgreifend ausgedrückt.
Es geht viel um innere Kämpfe, aber auch um die Zeit nach dem Tunnel. “Dann bist du wieder auf der Sunnyside, ab da geht alles von allein”. Immer weiter. Immer weiter. Das Schlimmste, was Aki passieren könnte, ist stehenzubleiben. Kopf in den Sand gibt es nicht. Dieses In-Bewegung-sein-müssen kennt man schon aus früheren Liedern. Hier hört man es in „Vagabund“ und „Der Sommer“ – nicht nur textlich sondern auch in den nach vorn treibenden Melodien.
Und noch zwei weitere Sachen findet man, die sonst eher privat bleiben: In den Texten gibt es jetzt eine Art lustige, entwaffnende Ehrlichkeit. Bosse fragt in „Nebensaison“, ob die Partnerin ihn dann auch liebt: “In der Nebensaison, wenn aus mir nur Leere rauskommt, wie aus Ballermann-Songs”.
Die Sonnenblume ist das Symbol des Albums. Sie steht für melancholischen Optimismus. In der Aktion #zusammenwachsen verteilte Bosse Sonnenblumensamen an Tausende seiner Fans und säte selbst ein großes Feld aus. Es geht um das Miteinander-wachsen in einer Zeit, in der man glaubt, man sei allein.
Kaum ein deutschsprachiger Songwriter schafft es, ein solch homogenes und in sich stimmiges Album abzuliefern. BOSSE überzeugt! Und wer noch Nachholbedarf an seinen melodischen älteren Songs hat, darf getrost zur Deluxe Edition greifen: Hier gibt es neben einigen akustischen Albumsongs auch noch fünf Livetracks – allesamt Hits aus Bosses Backkatalog.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Wer Bosse kennt oder ihn live auf der Bühne erlebt hat, kann ermessen, wie schwer in diesem Sommer der Pandemie-bedingte Verzicht auf Festivals fällt. Konzerte sind sein Lebenselixier, sie sind der eigentliche Grund, Musik zu machen und Songs aufzunehmen. Als kleinen Trost für seine Fans und als Zwischenmahlzeit bis zur Veröffentlichung neuer Songs lässt Bosse mit seiner EP einige der besten und emotionalsten Momente der großen Hallen Tournee wieder aufleben.
Bosse sagt dazu: „Die letzten Touren waren einfach der krasse Wahnsinn. Fällt mir jetzt grad umso mehr auf, wo alles mit vielen Menschen ausfallen muss. Weil das einfach allen und auch mir so fehlt, haue ich eine kleine Live EP raus. Zur Überbrückung und zum Zuhause tanzen und mitgrölen. Auf das es bald weitergeht…!“
Die sechs Tracks wurden in Hamburg, Münster und Oberhausen mitgeschnitten. Songs wie „Alles ist jetzt“, „Augen zu Musik an“ und „Hallo Hometown“ bilden die Atmosphäre eines Bosse-Konzerts perfekt ab. So lässt sich die Zeit bis zum nächsten Album mit einigen Appetithäppchen überbrücken. Leider ist die EP nur digital erhältlich.
Bosse und Band in Höchstform auf der Bühne sind ein Muss für alle Fans und Liebhaber des „Alles Ist Jetzt“ Albums. Gerne möchte man Bosse beim Hören und Abtauchen in Konzerterinnerungen sein eigenes Song-Zitat zurufen: „Nächsten Sommer sehen wir uns wieder!“
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Indiepop aus Deutschland – die Muttersprache als lyrisches Mittel. Bosse hat es sich von Anfang an nicht leicht gemacht. Der in Braunschweig geborene Musiker hat das Zeug zum großen Songwriter und steht seit langem auf einer Ebene mit Kollegen wie Clueso und Madsen. Die prominente Unterstützung kommt diesmal allerdings aus ungewohnter Ecke: der deutsch-amerikanische Rapper Casper bereichert „Krumme Symphonie“ mit seinem Sprechgesang. Eine ungewöhnliche Kombi, zugleich aber auch ein Highlight des neuen Albums.
Das letzte Werk „Kraniche“ war sehr ruhig gehalten. Mit Pianoklängen, verzauberten Geschichten und feinfühligem Gesang. Die Liebe zur deutsch-türkischen Frau spielte eine große Rolle und schlug sich zeitweise im Instrumentarium wieder. Nun aber geht es in eine andere Richtung. Schluss mit reduzierten Songversionen: Es darf geklotzt werden. Ein Chor, Bläserklänge und Streicher bereichern ausufernde neue Arrangements.
Der Titel „Engtanz“ ist da schon irreführend. Die elf Tracks sind weit entfernt vom Klammerblues, der uns in jungen Jahren über manche Tanzsession hinweg gerettet hat. Hier darf ruhig ausgelassen getanzt und gerockt werden. Die Tagträume beschreiben Licht und Schattenseiten. „Steine“ verursacht ein beklemmendes Gefühl, „Nachttischlampe“ hat Melancholie zu bieten und „Dein Hurra“ lässt die Puppen tanzen. Bis zum orchestralen Ausklang mit dem eingängigen „Ahoi Ade“ ist alles stimmig und ich lasse mich gern auf die Engtanz-Reise ins Leben mitnehmen.
Der Grund zum Optimismus ist nachhaltig: 2013 hat Bosse den „Bundesvision Song Contest“ gewonnen, ist mit dem „Deutschen Musikautorenpreis“ ausgezeichnet worden, hat den Hamburger Musikpreis „Hans“ gleich dreifach eingeheimst. Er hat mit der letzten Platte allein über 100 Konzerte und die größten Festivals gespielt, bevor er im Herbst 2013 auf einer abermals ausverkauften „Kraniche“-Tour in opulenter Akustikbesetzung mit 11 Musikern und insgesamt 48 Instrumenten auf der Bühne zur leisen Landung aufgesetzt hat. Zuspruch, Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bewunderung von allen Seiten. Bosse hat sich endgültig in der ersten Liga seiner Zunft auf die vorderen Plätze gespielt.
„Das alles war unglaublich intensiv, schön und berauschend“, so Bosse heute. „Nach all dem ein neues Album zu schreiben, war eine ziemlich große Herausforderung. Ich musste erstmal Ruhe finden, verarbeiten und schauen, worüber es sich lohnt zu singen. Nach fünf Alben hat man schon viel gesagt. Die einzige Chance, die ich in den Texten sah, war, noch tiefer zu gehen und den Zustand zu beschreiben, in dem ich mich befinde. Meine Jugend ist vorbei und die letzten Jahre waren geprägt von großen, tollen Dingen, aber auch von Trauer und Abschieden. Es ging mir darum, mich dem zu stellen und auf volle Konfrontation mit mir zu gehen. Eng zu tanzen mit sich selbst, den anderen und dem Leben.“
„Mordor“ ist einer der Schlüsselsongs. Bewusst in die Albummitte gestellt, erzählt er vom Erwachsenwerden, vom Älterwerden, vom wehmütigen Blick zurück. Der Berliner Kneipenchor funktioniert da als kongeniale Verstärkung – und Tolkiens Schwarzes Land „Mordor“ als Songtitel ist ein spannender Schachzug, führen doch von hier wie im echten Leben unzählige Pässe in unentdecktes Land.
Meisterhaft fängt Bosse Stimmungen ein, gießt sie in genau die richtigen Töne und Worte. Die Ideen scheinen ihm niemals auszugehen. Er nimmt Momente, die wir alle kennen, und erzählt seine Geschichte, als sei es die unsere.
Albumplayer:
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren