Das Line-up der Zwillingsfestivals ist so gut wie komplett: Das Billing um die Headliner Twenty One Pilots, Billy Talent, Kraftklub, Yungblud, Florence + The Machine, Halsey, The Offspring, Papa Roach und Provinz ergänzt Veranstalter FKP Scorpio mit aufregenden Künstlerinnen und Künstlern.
Neu im Line-up ist mit Scene Queen eine Künstlerin, die in den USA schon zu Recht durch die Decke gegangen ist: Scene Queen verbindet Metalcore mit feministischen Themen und macht Kunst, die sich kompromisslos an Frauen richtet, ohne irgendwen auszuschließen. Rikas machen Indie-Pop für Menschen, die Musik lieben. Das Quartett kombiniert Pop mit Einflüssen aus Funk und Soul, was ihren Sound gefällig, aber immer wandelbar macht. Für The Sophs läuft alles perfekt: Nur einen Tag, nachdem sie sich bei „Rough Trade“ bewarben, hatten sie ein Treffen mit dem renommierten IndieLabel in der Tasche. Ihr Debütalbum „Goldstar“ ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, warum es für die Band aus Los Angeles so schnell ging.
Auch Raynor steht am Anfang seiner Karriere, weiß aber genau, wer er sein will: Der erst neunzehnjährige Musiker aus Peterborough bei London hat Vorbilder wie Michael Jackson, Arctic Monkeys oder Radiohead und schon jetzt einen Stil gefunden, der nicht nur sein eigener ist, sondern auch Spaß macht. Blackgold haben ebenfalls eine klare künstlerische Vision, nämlich Nu Metal, wie er sein sollte: Schwere Gitarren und Hip-Hop-Beats – die Formation aus London liefert das Beste aus zwei Welten.
Nur auf dem Southside wird Tusker zu erleben sein, der über den Radiopartner DASDING ins Line-up stößt und einer der wenigen Artists ist, die Herzschmerz wirklich tanzbar vertonen können.
Am Samstag war es lange Zeit noch ruhig auf dem Gelände. Man musste sich wohl zunächst ausruhen von den Shows am Tag zuvor, die immerhin lässig bis drei Uhr nachts dauerten. Für mich ging’s um 16 Uhr mit Defects los, die die Orbit Stage rockten. „Modern Error“ heißt das Debütalbum der UK-Band, die sich in den Genres Nu Metal, Metalcore und Modern Rock verortet. Frontmann Tony Maue wusste im melodischen Klargesang wie mit aggressiven Growls zu überzeugen. Es wurde ordentliche Härte aufgefahren und gebrettert, was das Zeug hielt – und vor der Bühne war genug Platz für einen respektablen Moshpit.
Credit: Rainer Keuenhof
Für den frühen Abend waren Kraftklub spektakulär angekündigt, um Werbung für ihr kommendes Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ zu machen, das Ende November erscheinen soll. Dafür hatte man schon gestern eine Werbetafel an einem Baukran hochgezogen und einen digitalen Countdown gestartet, der pünktlich um 18.05 Uhr enden sollte. Viel Volk machte sich also auf den Weg zur Mandora Stage, wo man mittendrin eine kleine Pop-Up-Bühne aufgebaut hatte. Der Sound war leider ziemlich bescheiden und nur die Fans im unmittelbaren Umfeld konnten wirklich verstehen, was gesungen wurde. „Ein Song reicht“, „Songs für Liam“ und „Schief in jedem Chor“ waren zu erahnen. Nach drei Songs war der Spaß dann auch schon vorbei und die Mandora Stage zeitgleich mit ihrem Soundcheck fertig.
Credit: Rainer Keuenhof
Dort war es jetzt Zeit für den spielfreudigen Set von Airbourne. Die Band aus Australien galt viele Jahre als „die neuen AC/DC“. Auch wenn sie sich von diesem Image längst frei gespielt und eine Eigenständigkeit erlangt haben, erinnert der Sound doch immer noch an die großen Vorbilder im Rock ’n‘ Roll. Von „Ready To Rock“ über „Girls in Black“ bis hin zu „Runnin‘ Wild“ gab es eine Vorlage für das wild feiernde Publikum. Sänger Joel O’Keeffe fand sich dann auch schnell im Publikum wieder und versuchte sich beim Dosenstechen. Er hatte sichtlich Spaß an der Sauerei und ging später dazu über, die inzwischen trockenen Fans mit gefüllten Bierbechern zu bewerfen. Jedenfalls passte die Mauer aus Boxen mitten auf der Bühne zu dem gewaltigen Auftritt. Über mangelnden Sound konnte sich hier wirklich niemand beschweren und die formidable Rockröhre des Sängers riss alle mit.
Rainer Keuenhof
Inzwischen hatte es nun doch kräftig angefangen zu regnen. Bisher blieben die Auftritte (auch am Freitag) weitgehend verschont und allenfalls ein leichter Nieselregen setzte hier und da ein. Jetzt aber goss es wie aus Eimern. Trotzdem harrte man aus für Heaven Shall Burn. Leider musste die Band aus Thüringen ihren Gig nach nur einem Song („Übermacht“) abbrechen, weil sich Sänger Marcus Bischoff wohl eine Halsverletzung zugezogenen hatte und keinen Ton mehr heraus bekam. Er war schon auf dem Weg ins Krankenhaus, als das Publikum ihn noch solidarisch feierte.
Credit: Rainer Keuenhof
Ab jetzt war nur noch Utopia Stage angesagt, wo Bullet for my Valentine ihre krasse Show mit dem Intro zu „The Poison“ gestartet hatten, das dann zur Feier des 20jährigen Jubiläums auch komplett gespielt wurde. Die Briten feierten ihr Debütalbum ausgiebig und Sänger Mathew Tuck zeigte sich bestens gelaunt im Babymetal-Shirt. Der Drummer saß auf einem großen LCD-Podest, das mit seinen Einblendungen auch für ein visuelles Erlebnis sorgte. Die Mischung aus Powersongs und melodischen Passagen wirkte grandios in diesem Setting und das Infield feierte die Band über die ganze Fläche grandios ab.
Der Band aus Wales wird ja gerne mal nachgesagt, sie seien zu soft und poppig geworden. Das mag für neuere Studioalben gelten, aber hier war davon nichts zu spüren. Die starke Performance von Sänger Matt, die bissigen Riffs von Michael „Padge“ Paget und das Drumming-Sperrfeuer von Jason Bowld sorgten für alte Metaller-Tugenden vom Feinsten.
Credit: Rainer Keuenhof
Viele blieben gleich für Kontra K, wenn dies auch ein musikalischer Bruch war, der nicht jedem behagte. Ein Vorhang mit dem zukünftigen Albumcover („Augen träumen Herzen sehen“ erscheint im Oktober) fiel mit zehn Minuten Verspätung. Dass ein solcher Delay schon auffällt, weist jedenfalls daraufhin, dass ROCK AM RING diesmal sehr gut im Zeitplan war.
Der Berliner, bürgerlich Maximilian Tibor Albert Diehn, startete seinen Set mit „Boncuk“, einem Song um die Freundschaft, der Sidos „Mein Block“ ausgiebig zitierte. Es war überhaupt ein sehr versöhnliches Set, das der Rapper hier hinlegte. Songs wie „Für den Himmel durch die Hölle“ und „Diese eine Melodie“ sorgten durchaus für Gänsehaut – auch bei gestandenen Rockern. Die Menge feierte Kontra K kolossal ab, HipHop hin oder her.
Credit: Rainer Keuenhof
Der Berliner hatte eine großen Bühnenaufbau mit Gerüst, Treppen und Steg. So konnte er mit seiner Band ständig in Bewegung sein. Nach den emotionalen „Diese eine Melodie“ und „Blei“ wurden für „Monster“ von den Ordnern Pyros im Durchgang zwischen den Fanzonen gezündet. Ein cooler Effekt, der seine Wirkung nicht verfehlte. „Seid ihr wütend?“, rief er in die Menge. Zu „Ein Schritt“ und „Tollwut“ gab es jedenfalls ordentliche Moshpits.
Kontra K appellierte an die Männlichkeit und zeigte zum halben Set seinen nackten, tätowierten Oberkörper. Jetzt war es auch Zeit, Freunde mit zur Bühne einzuladen. SDP waren für „Keine Helden“ mit an Bord und Sängerin NESS als Duettpartnerin bei „Geboren um zu leben“. Der Auftritt wurde um die verlorenen zehn Minuten verlängert und endete mit „Wölfe“. Kontra K war definitiv eine große Überraschung am Samstag vor der Utopia Stage. Seine Musik begeisterte die Massen – Rock hin oder her.
Credit: Rainer Keuenhof
Immerhin gab es zum Schluss ja noch die härtere Gangart. Headliner waren Slipknot – schon im Vorjahr groß angekündigt. Sie brauchten die längste Umbaupause des Tages. Ein postapokalyptischer Bühnenaufbau und entsprechende Maskierung sind seit Jahrzehnten ihr Markenzeichen. Mit den Klassikern „(sic)“ und „People = Shit“ ging es umgehend zur Sache. Das Volk vor der Bühne rastete aus und zu einem Pyro-Stakkato lieferten die Heroen aus Iowa ihre fantastische Show ab. Bei so viel brachialer Gewalt und Power gönnten sich die Protagonisten immer mal wieder kurze Pausen, während denen es unheimlich still im weiten Rund des Nürburgrings wurde.
Corey Taylor richtete einige Sätze in deutscher Sprache ans Publikum. Sehr sympathisch! Und schnell hatte er die Fans auf seiner Seite. Tracks wie „Psychosocial“ und „Unsainted“ sorgten für formidable Circle Pits, mit denen man sich (weit nach Mitternacht) in der luftigen Eifel wieder warmtanzen konnte. Ja, es war ziemlich kalt geworden und viele Fans nach dem nachmittäglichen Regen recht klamm. Ein Vorgeschmack auf den Sonntag, der die Temperatur noch um einige Grad runterfuhr.
Egal – echte Rocker lassen sich nicht schocken. Und der Zugabenteil von Slipknot mit „Spit It Out“, „Surfacing“ und „Scissors“ sorge dafür, dass sich die meisten in seliger Laune auf den Rückweg zu den Zeltplätzen machen konnten.
So war der Samstag bei ROCK AM RING 2025. Hier findet ihr unsere Fotogalerie mit Airbourne, Kontra K, Rise Against, Nothing More, Bullet for my Valentine, Skillet, Evil Jared, Kraftklub, Imminence, Millencolin und SDP – Credit: Rainer Keuenhof
Es geht zum Endspurt. Auch der dritte Tag bei ROCK AM RING 2024 war wettermäßig ein Traum. Tagsüber nur Sonnenschein, bei klarem Himmel in der Nacht allerdings recht kühle Temperaturen. Glück für alle, die an eine dickere Jacke gedacht haben. Die Sause zum Finale startete dann mit den unverwüstlichen H-Blockx.
Die Band um Henning Wehland ist in den letzten Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Doch am Ring feierte man mit dem ersten Slot am Nachmittag Wiederauferstehung. Das letzte Album ist 17 Jahre alt. Als Opener gab es dessen Titelsong „Countdown to Insanity“. Dabei war der 52jährige Henning topfit und zeigte sich viel agiler als bei den Söhnen Mannheims oder seinen Solokonzerten. Zwölf Jahre war der letzte Auftritt bei Rock am Ring her – 1995 gab es den ersten Gig der deutschen Crossover Pioniere, doch deren damaliger Hit „Risin‘ High“ ist bis heute im Ohr. Daneben ertöntem in dem kurzweiligen Set auch Cover wie „The Power“ und ganz zum Schluss „Ring of Fire“, womit die Band klarstellte, was ihnen der Ring bedeutet. Jetzt soll es schnell wieder auf Tour gehen, denn das Debüt mit dem kultigen Haifisch-Cover feiert 30. Geburtstag. Die ersten Konzerte sind schon ausverkauft.
Im Anschluss hatten die Leoniden zunächst Mühe, die gute Stimmung vor der Utopia Stage zu halten. Die Indierocker aus Kiel, die sich nach dem herbstlichen Sternschnuppenschwarm benannt haben, sind schon seit 2005 aktiv und werden demnächst ihr viertes Album „Sophisticated Sad Songs“ veröffentlichen. Das Publikum war am dritten Tag sehr müde und es war heiß. Dennoch legten die Leoniden einen mitreißenden Auftritt hin, der als Weckruf auch das Cover „Teenage Dirtbag“ bereithielt.
Eine coole Aktion war es, mitten in der Menge ein Klavier aufzubauen, an dem sich Sänger Jakob Amr niederließ. Es gab unter anderem „Take On Me“, stimmgewaltig von den Ringrockern mitgesungen. Als Vorgeschmack auf das neue Album brachten die Leoniden ihre brandaktuelle Single „Balance Of Love“ mit Ohrwurm-Hook und schönem Klanggerüst.
Apropos schön: Weniger gediegen ging es bei Hanabie zur Sache, einer Metalcore Band aus Japan. Wer jetzt wieder eine liebliche Tanz-Choreo wie bei Babymetal erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die Sängerinnen Yukina und Matsuri lieferten vor allem hohen Gesang und verstörende Screams. Das war dann doch zuviel des Guten, also zurück zur Hauptbühne.
Auf der Utopia Stage waren jetzt mehrere Stunden Deutschrock angesagt. Das hatte man in letzter Zeit selten am Ring, zumindest in dieser Konzentration. Den Anfang machten MADSEN, seit 13 Jahren endlich mal wieder vor Ort. Die Brüder aus dem Wendland waren sichtlich hungrig, den Fans ihre nach wie vor vorhandene Energie zu zeigen. Und sie haben’s noch drauf!
Der Set startete passend mit „Ein bisschen Lärm“ und „Mein Herz bleibt hier“. Der Schlagzeuger sang crowdsurfend aus der Menge. „Macht euch laut“ hieß die Devise, bevor nach „Nachtbaden“ das Robbie-Cover „Angels“ alle zum Mitsingen brachte. Pünktlich zur Europawahl gab es den neuen Song „Faust hoch gegen Faschismus“, der den Nerv der Menge traf. Und eine ganz wichtige Botschaft zum Schluss: „Lass die Musik an“, eine Hymne mit magischer Wirkung, bei der auch schon mal Polonäse getanzt wurde. Dieser Gig hat einen Riesenspaß gemacht und MADSEN haben hoffentlich viele Freunde (zurück)gewonnen.
Wanda aus Österreich überzeugten mit energischem Gitarrenrock und Hits wie „Jurrassic Park“, „Ich will Schnaps“ und „Columbo“. Das neue Album „Ende nie“ ist erst am Freitag erschienen. Die noch ganz frischen Songs drücken das Lebensgefühl einer Generation aus. Auch am Ring hatte man sich jetzt auf den deutschsprachigen Block eingestimmt und feierte kräftig mit.
So war es äußerst passend, dass die Donots nach ihrem furiosen Auftritt am Samstag noch eine Überraschung für Sonntag in petto hatten. „Wir haben vergessen, die Zugabe zu spielen“, hieß es von Ingo und Guido Knollmann. Man hatte sich auf einer Hebebühne auf der rechten Seite der Stage platziert, wo der Aufbau für Kraftklub in vollem Gange war. Unter Riesenjubel wurde die Hydraulik nach oben gefahren und sichtbar für alle gab es einen Set mit tanzbaren Rockern wie „Fight For Your Right“ und „We’re Not Gonna Take It“. Die Party wurde nur von den aktuellen Wahlergebnissen für die AfD getrübt: „Ein Tag, an dem ich kotzen könnte“, vermeldete Ingo.
Kraftklub hatten sich traditionell in Schwarz-weiß gekleidet und starteten mit „Unsere Fans“. Es gab einen eleganten roten Vorhang, der immer wieder geöffnet und geschlossen wurde. Gleich zum Start wurde eine Riesenladung Konfettibänder in die Luft geschossen. Dann ging es weiter mit Songs wie „Wittenberg ist nicht Paris“, „Chemie Chemie Ya“ und „Wie ich“. Zwei Zuschauerinnen namens Emma und Greta durften sich auf der Bühne einfinden und am Glücksrad drehen. Gewonnen hatte der Titel „Am Ende“.
Als Revanche gingen Kraftklub ins Publikum für ein Bad in der Menge und ein Akustikset. „Kein Liebeslied“ war der Beweis dafür, dass neben aller Härte auch emotionale Töne möglich sind. „Angst“ schlug ebenfalls in diese Kerbe – und war zudem passend, als es wieder eine Anspielung auf das Wahlergebnis gab. „Nazis raus“ aus der Kehle von fast 90.000 Menschen brachte die Band zu einem Statement gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie. Gegen die verkackte AfD helfe wohl nur noch die Antifa, hieß es. Vor der Zugabe dann der Song „Randale“ und der Aufruf, alles in die Luft zu schmeißen, was man bei sich trägt.
Der Auftritt von Måneskin war weniger spektakulär als erwartet, aber man brauchte auch nicht viel Brimborium, um die Masse zu begeistern. Was hat diese Band für eine Karriere hingelegt? 2016 waren sie noch Schulband – und dann der Sieg 2021 beim „Eurovision Song Contest“. Für die meisten ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung der Todesstoß, doch für Måneskin ging es erst richtig los. Eine Welttournee mit ausverkauften Konzerten war das Ergebnis. Am Ring sorgten sie vor zwei Jahren am frühen Abend für Furore – jetzt waren sie Headliner.
Das Konzert hatte einen beeindruckend geilen Sound, egal ob es Stimme, Gitarren oder Schlagzeug betraf. „Don’t Wanna Sleep“ war die Devise, dann gab es „Gossip“ und schon früh den ESC-Song „Zitti E Buoni“. Das Cover von „Beggin'“ war ein erstes Highlight, wobei Sänger Damiano David diesem Hit ganz neuen Glanz verlieh. Bassistin Victoria De Angelis ließ sich von den Zuschauer*innen auf Händen tragen. Bei „I Wanna Be Your Slave“ tobte das komplette Infield. Ein grandioser Gig in kalter Nacht.
Parkway Drive sorgten auf der Mandora Stage für hitzige Stimmung, um die geringen Temperaturen auszugleichen. Die Band aus Australien setzte auf Pyros und Growls – ein düsterer Abschluss für RAR 24. Der Bühnenaufbau mit Podesten für Schlagzeug und Gitarren war sehr wirkungsvoll. Bei „Idols and Anchors“ fand sich Shouter Winston McCall inmitten der Crowd, für „Crushed“ gab es ein Violinen-Intro und nach dem letzten Song „Wild Eyes“ ein großes Feuerwerk.
ROCK AM RING 2024 ging so mit einem heftigen Knall zu Ende. Jetzt stehen die Zeichen bereit für das Jubiläum im nächsten Jahr. Was bleibt von der aktuellen Auflage? Es war insgesamt (hard)rockiger. Die Rufe der Fans sind also erhört worden. Back to the roots? Nicht wirklich. Im Jahr 1992 waren beispielsweise neben Pearl Jam auch Elton John, Bryan Adams und Marillion am Start. Heutzutage undenkbar.
Was mir jetzt im Ohr bleibt, ist der gelungene Start mit Querbeat. Karneval am Ring? Funktioniert. Dann waren die Ärzte nicht in Plauderlaune, was ihrem Auftritt hörbar gut tat. Donnerstags war ich von Against The Current überrascht. Electric Callboy haben definitiv den Vogel abgeschossen und die beste Performance des Festivals hingelegt. Das war einfach grandios – was für eine Liveband! Green Day haben aktuell mit zwei Jubiläumsalben eine hervorragende Setlist. Der Sonntag war solide, aber wirklich herausragend fand ich niemanden. Vielleicht MADSEN, die nachmittags richtig Schwung in die Bude brachten.
Ausblick 2025
Viel Zeit, sich auszuruhen, bleibt nicht: Das Jubiläumsjahr steht vor der Tür – und damit ein herausragendes Festivalwochenende, das in der langen Geschichte von Rock am Ring und Rock im Park einen Ehrenplatz einnehmen wird. Vom 6. bis 8. Juni 2025 feiert Rock am Ring vierzigstes und Rock im Park dreißigstes Jubiläum. Ein besonderer Anlass, zu dem die Veranstalter sich einiges haben einfallen lassen, so soll es 100 Acts und erstmals vier (!) Bühnen geben.
Das Beste: Der erste Headliner steht bereits fest. So lassen es sich die US-amerikanischen Metal-Helden von Slipknot nicht nehmen, persönlich zu gratulieren – sie sind als einer der Headliner bei Rock am Ring und Rock im Park 2025 bestätigt und feiern gleichzeitig ihr eigenes großes Jubiläum. Vor 25 Jahren veröffentlichten die maskierten Ikonen ihr legendäres Debütalbum „Slipknot“. Ein Grund mehr zum Feiern. Der Vorverkauf startet sofort.
In vier Monaten läuten Rock am Ring und Rock im Park den Festivalsommer 2024 ein und begrüßen die Fans vom 7. bis 9. Juni in der Eifel und in Nürnberg mit einem Mega-Line-Up.
Heute ziehen die Veranstalter eine erfolgreiche Zwischenbilanz. „Die Nachfrage nach Tickets ist stark und die Vorfreude der Fans riesig“, verkünden die beiden Festivalveranstalter DreamHaus und ARGO Konzerte. Mehr als 90.000 Tickets wurden für das legendäre Rock-Erlebnis am Nürburgring und in Nürnberg bereits verkauft. Darüber hinaus werden die Tickets in den Premium-Campingkategorien knapp. Bei Rock am Ring stehen das „Utopia Stage Camping“ und „Experience Camping“ kurz vor ausverkauft. Bei Rock im Park sind die Tickets für das Backstage Camp, Seaside Backstage Camp sowie Caravan Camping bereits ausverkauft.
Anfang November letzten Jahres wurde erstmals in der Geschichte der Festivals das Gesamtprogramm auf einen Schlag verkündet. Mit Green Day, Die Ärzte, Måneskin, Avenged Sevenfold, Billy Talent, Broilers, Kraftklub, Parkway Drive, Queens Of The Stone Age und vielen weiteren exklusiven Acts, darunter Babymetal, Bad Omens, Beartooth, Corey Taylor, Electric Callboy und Keanu Reeves mit seiner Band Dogstar, versprechen Rock am Ring und Rock im Park auf drei Bühnen ein Wochenende voller elektrisierender Auftritte, intensiver Emotionen und ein einzigartiges Wir-Gefühl.
Kraftklub sind wieder zurück – und das mit der gleichen Intensität wie vor der Pause, die im März dieses Jahres mit der Ankündigung des neuen Albums „Kargo“ endete. Seitdem sind die fünf Musiker aus Chemnitz wieder fleißig unterwegs und halten weiterhin am bewährten Konzept fest: Eingängige Songs mit einer Mischung aus (Indie-)Rock, Rap und einer Prise Punkrock gepaart mit gesellschaftskritischen Songs, die live bestens funktionieren.
So ist es auch keine Überraschung, dass die ausverkaufte Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf am Sonntagabend kocht. Insbesondere im letzten Drittel entstehen gleich mehrere Moshpits in der vollgepackten Halle. Eigentlich aber hüpft, tanzt und crowdsurfed die gesamte Menge ausgelassen zum Beat der alten Klassiker, aber auch zu den neuen Songs des aktuellen Albums.
Dabei hätte das Konzert bereits am 21. November stattfinden sollen, war aber kurzfristig abgesagt worden. Sänger Felix packt beim Nachholtermin, der gleichzeitig das Finale der Kargo-Tour darstellt, dann auch aus, weshalb man zwei Stunden vor Konzertbeginn doch nicht spielen konnte: „Obwohl wir uns jede erdenkliche Impfung in unsere ostdeutschen Astralkörper gepumpt haben, stellte sich bei einem Schnelltest vor dem Soundcheck raus: Vier von uns fünf haben Corona.“
Das wurde zum Glück scheinbar gut weggesteckt, denn Kraftklub lieferten locker eine über zweistündige Show ab – inklusive Gastmusikerinnen, Besuchen im Publikum und teils langatmigen Ansagen.
Wenn Kraftklub auf die Bühne kommt, merkt man inzwischen, dass die Band größer geworden ist. Die Entfernung zum Publikum ist minimal, im Graben gibt es direkt an den Absperrgittern Plattformen, damit die Musiker hin und wieder zum Greifen nah sein können. Statt einer breiten Bühne mit gerade Front setzen die Fünf auf eine deutlich schmalere, dafür ins Publikum hereinragende Bühne, die vor Beginn, während Umbaupausen und zum Schluss von drei Seiten von weißen Stoffbahnen verdeckt war. Viel Nebel, jede Menge Licht und Strobo gehören seit jeher zum Konzept der Band.
Bei insgesamt 26 gespielten Titeln kann man dann auch entsprechend der gleichnamigen Tour alle elf Songs von „Kargo“ spielen – wobei man im Verlauf des gesamten Konzerts bestaunen kann, wie gut diese Band live funktioniert. Insbesondere Felix Kummer, der Frontmann geradezu auf die Stirn geschrieben hat, bekommt auch diesen Platz von seinen Bandkollegen. Die zeigen zwar ebenfalls (vor allem musikalische) Präsenz, wortführend bleibt jedoch er. Wobei man merkt, dass die fünf Jahre Pause dem Quintett gutgetan haben: Die Chemnitzer scheinen gemeinsam eine sehr gute Zeit zu verbringen.
Obwohl Programm eindeutig ausreichend vorhanden ist, lässt man es sich nicht nehmen, ein Glücksrad mit einzubauen: Welcher Song mag wohl überraschenderweise gespielt werden? Wobei es zumindest so scheint, als sei die Auswahl beim Finale in Düsseldorf deutlich größer als sonst: „Normalerweise gibt es da vier Möglichkeiten – und eine davon ist die Zigarettenpause.“ Jetzt jedoch ist das gesamte Rad vollgeklebt mit alten Songtiteln. „Liebe zu Dritt“ erdrehen dann die beiden Fans Johanna und Lea, sehr zum Leidwesen der Band, die es mit dem Outro des Songs versucht, der auf der 2017er Platte „Keine Nacht für Niemanden“ zu finden war. Als Trost gab es eine „Zaubereinlage“ von Gitarrist und Keyboarder Steffen.
Support-Act Dilla hat anschließend mit dem Icona Pop-Cover „I Love it” einen kurzen Gastauftritt im Hauptset, direkt gefolgt von Mia Morgan, die live wie auf Platte den Song „Kein Gott, kein Staat, nur du“ mit Kraftklub gemeinsam performen darf. Sie war bei einigen vorherigen Konzerten als Vorband mit dabei.
Nach einigen weiteren Songs kommen schließlich noch Nina und Lotta für „So Schön“ auf die Bühne. Beide sind zwei Drittel der Indie-Band Blond und die (Halb-)Schwestern von Felix und Till (Bass).
Eine kurze Pause erfolgt mit zwei ruhigeren Songs, bei denen es sich Kraftklub nicht nehmen lassen, diese direkt in der Menge zu performen: „Kein Liebeslied“ und das Kummer-Cover „Bei dir“ (Felix hat in der Kraftklub-Pause eine kurze, aber erfolgreiche Solo-Karriere verfolgt) erlebt das Publikum im Sitzen – und erhellt die gesamte Halle mit etlichen Handylichtern. Mit 500K geht es dann aber direkt voller Elan weiter; viel länger hätte sich ohnehin kaum jemand am Boden gehalten.
Zurück auf der Bühne folgen einige ältere Hits, Felix spricht sich dafür aus, Kritik auch dann zu üben, wenn man selbst nicht perfekt ist – und spielt damit auf die Klimaproteste an, die nur allzu oft mit vermeintlichen Doppelmoral-Anschuldigungen à la „Du stößt aber auch jeden Tag CO2 aus, da muss man sich gar nicht so aufspielen“ niedergebügelt werden. Der Song „Randale“ sei einer, so die Band, der ausschließlich live funktioniere, ein Überbleibsel aus der unbekannten Anfangszeit um 2009 herum, den eigentlich niemand kennt – außer das Live-Publikum, das ihn mit voller Ausgelassenheit feiert.
Drei Songs gibt es am Ende nochmal zur Zugabe, darunter „Ein Song reicht“, für den Kraftklub vor wenigen Tagen die 1Live-Krone als bester Alternative-Song gewonnen haben und natürlich den ewigen Klassiker „Songs für Liam“.
Für die ausverkaufte Halle war es ein Fest – dass das Finale der Kargo-Tour zudem noch Ausfall-bedingt nach Düsseldorf gelegt wurde, war ein Glückstreffer. Denn die fünf Kraftklub-Musiker wirkten gelöst und voller Vorfreude auf den nächsten Festivalsommer, wenn es dann wieder zurück auf die großen Bühnen geht.
Und es ist natürlich nicht nur die Reeperbahn. Jährlich Ende September wird Hamburg seit vielen Jahren zur Musikhauptstadt der Welt. Das merke ich allein schon durch die Frequenz an Promoter*innen, die mir Auftritte ihrer Acts ans Herz legen oder ganz allgemein darauf hinweisen, dass sie in Hamburg zu finden sein werden. Kein Wunder, denn das Reeperbahn Festival ist nicht nur das vermutlich größte Clubfestival der Welt (diesmal mit 40.000 Besuchern und über 400 Konzerten in unzähligen Locations) sondern auch Dreh- und Angelpunkt der Musikindustrie mit einer großen Menge an Fachbesucher*innen, die das Event als große Messe wahrnehmen und neben den Events auch an Vorträgen sowie Diskussionen verschiedenster Art teilnehmen. Das alles in einer Branche, die es so nötig hat wie nie.
Das Reeperbahn Festival hat sogar in den Jahren stattgefunden, als alles still gelegen hat. Klar musste man in den letzten beiden Jahren die Besucherzahl zurückfahren. Das ausgeklügelte Hygienekonzept war aber vorbildlich, wurde europaweit viel beachtet und später auch kopiert. Jetzt ist wieder Normalität eingekehrt. Und das Renommee des Festivals sorgte im Jahr 2022 vier Tage lang dafür, dass die Clubs nicht – wie so oft im Moment – mit gähnender Leere glänzten sondern aus allen Nähten platzten.
Okay. Das konnte auch mal nervig sein, wenn die Schlange zu lang war, um noch mit guten Chancen zum gewünschten Konzert eingelassen zu werden. Doch die Menschen waren gelassen. Man blieb entspannt und stillte seinen Konzerthunger am Ende einfach da, wo noch Platz war. Notfalls open air auf dem Heiliggeistfeld oder dem Spielbudenplatz, wobei letzterer sogar dem Publikum ohne Bändchen offen stand, also den Menschen, die einfach ein wenig Festivalluft atmen wollten. Auf jeden Fall ein feiner Zug der Veranstalter!
Zum Programm und den Highlights:
Die größten Überraschungen gab es gleich zu Beginn. Ich nenne mal Kraftklub, die als Überraschungsgäste des Festivals dezent die komplette Reeperbahn mit ihrer Bühne blockiert haben und dann auch drastisch eskaliert sind. Gastauftritte von Casper und Bill Kaulitz inklusive.
Vorher hatte schon das „Opening“ im Stage Operettenhaus für Furore gesorgt, als plötzlich Udo Lindenberg, der frisch gebackenen Ehrenbürger der Hansestadt, auf der Bühne stand. Den hatte nämlich Jan Delay bei seinem Opening-Auftritt kurzerhand im Schlepptau. Überhaupt war das Opening ein Megaevent mit Momenten zum Jubeln, zum Träumen und zum Innehalten. Abgesehen von den oben genannten Herren war die Eröffnung dabei übrigens fest in Frauenhand. Somit setzte das RBF durchaus ein Zeichen, war doch in den letzten Monaten viel Kritik an männerlastigen Events wie „Rock am Ring“ laut geworden. In Hamburg hatte man fast das Gefühl, Carolin Kebekus hätte das Booking übernommen – so viele weibliche Acts waren zu finden.
Die Frauenpower startete mit der wundervollen Ellie Goulding, die neben ihren Songs auch eine bewegende Rede zum Zustand der (Musik)Welt hielt. Natürlich konnte man den Ukraine-Krieg nicht verschweigen. So trat die Rapperin Alyona Alyona auf, die 2019 den ANCHOR Award gewonnen hatte und leitete über zu einer bewegenden Rede von Natalia Klitschko, die in ihrer Keynote von den Auswirkungen des Krieges auf die Kultur berichtete, aber auch von der Stärke, die ein unterdrücktes Land im kulturellen Austausch gewinnt. Es folgten Performances von Zoe Wees, dem Cast des Musicals „Hamilton“, das in Kürze ebenda im Operettenhaus starten wird, und von besagtem fulminantem Duo Jan & Udo.
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Gerade aus dem Veranstaltungssaal getreten, konnte man dann Kraftklub mitten auf der extra gesperrten Reeperbahn entdecken. Was für eine Show, die allen Menschen rundum sagte: „Wir sind hier. Das Festival ist gestartet.“ Da passte ein Song wie „Ich kann nicht singen“ natürlich wie die Faust aufs Auge. Nicht schön, aber selten, war die Devise. Oder besser: Authentisch, rau und bodenständig. Zu „Wenn du mich küsst“ erschien plötzlich Casper als Feature-Gast auf der Bühne und später gab sich auch Bill Kaulitz von Tokio Hotel die Ehre, der ein Teil der ANCHOR-Jury 2022 war.
Jetzt konnte das Festival richtig losgehen und Highlight reihte sich an Highlight.
Da wäre ClockClock, definitiv die Band der Stunde. Mit „Brooklyn“ (einem Feature bei Glockenbach) und seinem Megahit „Sorry“ sprengt der Pfälzer Bojan Kalajdzic momentan jede Radioplaylist. Im glanzvollen Spiegelzelt zeigte er zudem eine große Nähe zum Publikum und legte einen absolut sympathischen Set hin.
Anaïs, deutsche Nachwuchskünstlerin mit belgischen Wurzeln, stellte den Mojo Club auf den Kopf. Sie traf in Klang und Text einen emotionalen Nerv, den andere oft genug verfehlen. Eine echte Powerfrau mit betörender Präsenz.
Der britische Rapper Loyle Carner gab schließlich das offizielle Eröffnungskonzert des Festivals im STAGE Operettenhaus vor 1.200 Zuschauern. Neben den Konzerten in der Elbphilharmonie sicher das größte Einzel-Event des Festivals.
Zum Abkühlen gab es dann mittwochs noch Charles Watson im Bahnhof Pauli. Solche Clubkonzerte sind das Salz in der Festivalsuppe. Dieser Mann der leisen Töne war ganz allein mit Gitarre auf der Bühne und lieferte einen melancholischen Abschluss des Mittwochs.
Tags drauf gaben sich die Schweden von Mando Diao im Saturn, dem großen CD-Laden am Hauptbahnhof. die Ehre und lieferten einen kleinen Acoustic Gig zu zweit. Auch wenn Gustaf Norén nicht mehr dabei ist, macht Björn Dixgård doch einen klasse Job am Mikro. Seine tiefe Stimme ging durch Mark und Bein. Es gab neue Stücke wie „Stop The Train“ und zum krönenden Abschluss den Superhit „Dance With Somebody“ in einer genial reduzierten Version.
Sebastian Madsen ist ja neuerdings solo unterwegs und veröffentlicht in Kürze sein Debüt. Gebucht wurde er als Ersatz für einen ausgefallen Act erst zwei Tage zuvor. Um so besser war seine Performance. Multiinstrumentalistin Anne de Wolff begleitete ihn und seine Band. Es gab Songs wie „Sei du selbst“, das normalerweise von Drangsal gefeatured wird, und „Baby, ich liebe dich“ in einer schönen Version für Klavier und Violine.
Annie Chops ist mir schon 2021 äußerst positiv aufgefallen. Und diesmal legte sie noch einen Zahn zu! Open Air auf der Spielbude verzauberte sie ihr Publikum mit einer fulminanten One-Woman-Show. Gitarre und Loop Station waren am Start – dazu eine mitreißende Performance. Annie ist leidenschaftliche Straßenmusikerin. Und so machte sie halt die Bühne zu ihrer Straße und brachte die Reeperbahn zum Tanzen. Von Soul bis Hip Hop war alles dabei und es gab erstmals zwei deutschsprachige Stücke: „Eins durch zwei“ und „Verlieben zählt nicht“. Stand ihr gut!
Danach feierten KLAN im Bahnhof Pauli einen ordentlichen Abriss mit fettem Sound. Stimmung, Spaß und gute Laune vor vollem Haus. Stefan und Michael Heinrich haben es vom Kirchenchor über das Straßenmusikerdasein bis zum profilierten Musikerduo geschafft und man muss sie im Auge behalten. Das Duo ist gekommen, um zu bleiben.
Zu nächtlicher Stunde ging es in die St. Michaelis Kirche, den berühmten „Hamburger Michel“. Dort spielte die Band HUNDREDS mit dem Ensemble Berlin Strings. Die Atmosphäre in diesen heiligen Hallen ist ohnehin immer ganz besonders. Die Akteure erzeugten einen wundervollen Sound zwischen atmosphärischem Elektropop und knallharten Techno Beats. Das hat der ehrwürdige Michel vermutlich noch nicht oft erlebt.
Auch freitags gab es nach einigen kleineren Konzerten wieder ein Highlight im Michel: Manuel Bittorf aka Betterov hatte sich eine illustre Schar von Gästen eingeladen. Neben einem klassischen Ensemble gab es an den Vocals auch Novaa, Paula Hartmann, Fil Bo Riva und den sensationellen Olli Schulz. Vor allem die gefühlvollen Momente schlugen voll durch. Olli Schulz stimmte extra für Manuels Papa, der großer Springsteen-Fan ist, „No Surrender“ an. Und zum Schluss traf er mit „Als Musik noch richtig groß war“ den Nerv aller Anwesenden.
Dann ging es zu dem ersten von zwei Konzerten in die Elbphilharmonie. Was für ein Haus, was für eine Kulisse, was für ein Sound! Die britische Soul und R&B Künstlerin Joy Crookes, die gerne mal mit Amy Winehouse verglichen wird, legte einen gefühlvollen Set hin und war stets in gutem Kontakt zum Publikum, das durchweg an ihren Lippen hing. Sie trat selbstbewusst, aber gar nicht divenhaft mit großer Band auf, konnte aber ganz zum Schluss allein am Piano die meisten Herzen für sich gewinnen.
Tags drauf waren es die belgischen Klangkünstler Warhaus, die die Elbphilharmonie beseelten. Maarten Devoldere hat mit seiner rauchigen Stimme, die stets ein wenig an Nick Cave erinnert, früher schon der Band Balthazar vorgestanden. Jetzt gab er dem Bandprojekt Warhaus ein Gesicht, das mit endlosen Klangcollagen und verspielten Instrumentalpassagen überzeugte. Zum Ende hin gab es per Loop-Verstärkung ein Soundgemälde epischen Ausmaßes, bei dem Künstler und Publikum nur die Luft anhalten konnten, bevor riesiger Jubel losbrach.
Damit ging für mich ein phänomenales Festival zu Ende. Ich will aber nicht die Berliner Künstlerin Wilhelmine unerwähnt lasen, die zuvor im Club „Uebel und gefährlich“ ein einstündiges Konzert gab. Ihre anfängliche Unsicherheit überspielte sie mit viel Energie und war mega sympathisch. Songs wie „Komm wie du bist“, „Meine Liebe“ und „Das Mädchen mit der Latzhose“ zeugten von Popmusik, die etwas sagen möchte. Durch authentische Ansagen gelang ihr das mit Bravour.
Das Reeperbahn Festival lebt von seiner Vielfalt. Ironischer Schlager, Pop, Soul, Indie auf der einen Seite, Alternative Rock, Rap und Metal auf der anderen. Für jeden ist etwas dabei und Überraschungen gibt es viele. Vermutlich kann sich jeder Besucher seine eigene Geschichte von Highlights und Neuentdeckungen spinnen – und das ist gut so. Das Herz der Musikwelt schlägt jeden September für vier Tage in Hamburg. Vom 20.09.2023 bis 23.09.2023 ist es wieder soweit. „Early Bird Tickets sind“ bereits erhältlich!
Den fulminanten Auftakt bildete das Überraschungskonzert von Kraftklub auf der abgesperrten Reeperbahn mit Gästen wie Casper und Bill Kaulitz und das Opening mit hochkarätigen Stars wie Ellie Goulding, Alyona Alyona, Zoe Wees, Jan Delay und Udo Lindenberg sowie der deutschen Cast des Broadway Musicals Hamilton. Zurück in alter Größe und Internationalität begrüßt „Europas Hauptstadt der Musik“ für vier Tage die globale Musikwirtschaft mit einem breit gefächerten Programm aus Live-Musik, Konferenz, Kunst, Film und Literatur.
(Pressetext: Frehn Hawel)
DAS 17. REEPERBAHN FESTIVAL IST ERÖFFNET! THE EUROPEAN CAPITAL OF MUSIC!
Das Musik und Musikwirtschaft innerhalb der vergangenen zwei Jahre zunehmend in den Fokus der Politik gerückt sind, ist hinlänglich bekannt. Umso schöner, dass das Reeperbahn Festival in diesem Jahr mit deutlich erhöhter Kapazität, internationalem Programm und zudem ohne behördliche Beschränkungen aufgrund der Pandemie stattfinden kann. Rund 40.000 erwartete Besucher*innen, davon rund 3.500 Fachbesucher*innen, erleben über 4 Tage ein Live-Programm mit 400 Konzerten mit Musiker*innen aus rund 40 Nationen, 200 Programmpunkten im international besetzten Konferenzprogramm und 80 Programmpunkten in den Bereichen Arts, Film und Word. Deutlich ist allerdings, wie sehr die aktuelle Weltlage sich auch auf die Musikwelt niederschlägt und so erneut einen starken Bezug zum politischen Geschehen aufweist.
Das zeigte sich bereits beim heutigen Reeperbahn Festival Opening, bei dem Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher in seiner Begrüßung auf die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Kiew einging und dabei seine Solidarität mit den ukrainischen Kulturschaffenden bekundete.
Im Anschluss stellte Ellie Goulding live ihre neue Single „Easy Lover“ vor, bevor Moderatorin Hadnet Tesfai die Jury des internationalen Musikpreises ANCHOR auf die Bühne bat, die die Nominees des diesjährigen Wettbewerbs präsentierte. Die Rapperin und ANCHOR 2019-Gewinnerin Alyona Alyona bestritt die zweite Live-Performance des Abends und leitete direkt zu einer bewegenden Keynote der ukrainischen Singer-Songwriterin und Aktivistin Natalia Klitschko über, die eindringlich die Auswirkungen des Krieges auf die Kulturlandschaft ihres Landes und die Zerrissenheit aller Künstler*innen im Exil beschrieb, fernab der Heimat zu versuchen, dennoch mit ihrem Schaffen Zuversicht und Mut zu spenden.
Zoe Wees leitete mit ihrer Single „Daddy´s Eyes“ über zu Ellie Gouldings glühendem Redebeitrag über eine nachhaltigere Gestaltung der globalen Musikindustrie. Das diesjährige Partnerland USA wurde von US-Botschafterin Dr. Amy Gutmann vertreten, die in ihrer Keynote die musikalische Vielfalt und Kreativität ihres Landes als eine der wichtigsten Stützen des transatlantischen Dialogs erkannte und von der stimmgewaltigen deutschen Cast des in Kürze startenden Broadway-Erfolgsmusicals Hamilton gleich einen beeindruckenden Beleg dazu lieferte.
An besonderen Momenten mangelte es bei diesem Opening als auch dem ersten Festivaltag ohnehin nicht: Bei seiner Liveperformance des Lindenberg-Klassikers „Reeperbahn“ wurde Hamburgs Chefstyler Jan Delay auf der Bühne von niemand geringerem als Udo Lindenberg selbst überrascht!
Und nachdem Ellie Goulding die Gäste des Openings mit ihrem Welthit „Love Me Like You Do” in den Trubel des 17. Reeperbahn Festivals entließ, kam durch den Secret-Gig von Kraftklub auf der abgesperrten Reeperbahn dann auch gleich gehörig Festivalstimmung auf, besonders in dem Moment, als sich nach dem ersten Überraschungsgast Casper plötzlich ANCHOR-Juror Bill Kaulitz überraschend zur gemeinsamen Live-Premiere der Kraftklub/Tokio Hotel-Kollaboration „4X4“ auf die Bühne gesellte (Foto).
Das offizielle Eröffnungskonzert spielte anschließend der britische Rapper Loyle Carner im Operettenhaus.
„Als Partnerland des Reeperbahn Festivals im Jahr 2022 bringen die Vereinigten Staaten die Vielfalt und Innovation ihrer Musik- und Kreativwirtschaft nach Hamburg. Diese transatlantische Partnerschaft stärkt und erweitert die kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen, Künstler*innen und der Musikindustrie. Solche Verbindungen sind ein wesentlicher Bestandteil der deutsch-amerikanischen Freundschaft, denn Musik kann kulturelle Unterschiede und Sprache überwinden und Menschen aus aller Welt zusammenbringen.” (Dr. Amy Gutmann, Botschafterin der Vereinigten Staaten in Deutschland)
„Das Reeperbahn Festival ist das größte Treffen der Musikclub-Szene und der Musikwirtschaft in Europa. Es zieht bekannte Künstlerinnen und Künstler, neue Talente und Branchenvertreter aus aller Welt an. Neben erstklassiger Live-Musik bietet es Raum für Vernetzung und thematisiert die Herausforderungen, vor denen der Musik- und Kulturbetrieb derzeit steht. Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und allen Gästen des Reeperbahn Festivals 2022 wieder viel Freude, einen guten Austausch und schönen Aufenthalt in Hamburg.” (Dr. Peter Tschentscher, Hamburgs erster Bürgermeister)
„Ich fühle mich geehrt, Teil des diesjährigen Reeperbahn Festival Openings sein zu dürfen. Mich beeindruckt, dass es auf dem Reeperbahn Festival neben der Musik um so viel mehr geht, wie beispielsweise die gemeinsame Suche nach Lösungsansätzen für eine nachhaltigere Gestaltung der Musikwelt – ein Thema, das mich seit langem beschäftigt und das hier den Rahmen bekommt, den es verdient! Dennoch kann das Bewusstsein hierfür niemals groß genug sein, weshalb sich auch meine Keynote im Rahmen des Openings mit unserem verantwortungsvolleren Umgang mit natürlichen Ressourcen auseinandersetzt! Ich weiß, dass es insbesondere in unserer Industrie schwer ist, in diesen Zeiten neue Wege einzuschlagen – aber gerade wir können den Unterschied besonders gut sichtbar machen!” (Ellie Goulding, Singer Songwriterin)
Wenn ich mir schon aussuchen darf, ob ich Kraftklub lieber in Köln oder in Düsseldorf sehen will, wähle ich natürlich die Mitsubishi Electric Halle. Sorry Köln, aber im Palladium wirkt das einfach nicht. Dann also Düsseldorf – da fahre ich auch gerne mal eine Stunde mit der Bahn hin.
Letztes Mal habe ich mir das Konzert von den seitlichen Sitzplätzen aus angesehen, mit der kleinen Schwester habe ich dieses Mal ein schönes Plätzchen ganz vorne ergattert. Ich war auch gar nicht nur für Kraftklub da, muss ich zugeben, denn Funfact: Seitdem Faber das erste Mal in Köln in der Wohngemeinschaft gespielt hat, versuche ich schon ihn live zu sehen. Das hat aber leider aus Termingründen nie funktioniert. Jetzt aber #Vorbandlove! Auch wenn die Teenager um mich rum zu einem großen Teil nicht so begeistert waren – ich mag Faber auch live sehr. Das Album ist eh super. Wer das also doch interessant fand, am 05.10. spielt er in Köln im E-Werk. So groß schon. Mal sehen, ob ich es da schaffe, ihn zu fotografieren.
Apropos Fotos, ein bisschen froh bin ich schon, dass ich dieses Mal nicht mit der Kamera unterwegs war, denn Kraftklub waren so gut wie die ganze Zeit in rotes, rotes Licht getaucht. (Und das sieht auf Fotos bekanntlich scheiße aus.) Stattdessen hatte ich die Hände frei und konnte trinken, keine schwere Tasche dabei und konnte tanzen. Ein guter Abend.
Auch wenn man mit der Musik von Kraftklub nie so ganz warm geworden ist, kann ich die Herren live immer nur empfehlen: das macht nicht nur beim Zuschauen Spaß, da muss man sich einfach bewegen. Und auch wenn ich das Gefühl hatte, dass den Herren da noch ein kleiner Kater in den Knochen saß und sie nicht ganz so flink über die Bühne geflitzt sind wie sonst (Instagram-Storys gucken, you know what I mean), haben sie trotzdem ab dem ersten Ton das Publikum in Bewegung versetzt. Pausen gab es dabei auch eigentlich so gut wie keine. Zwei Stunden durchspringen und -tanzen, puh, das brauchte ich mal wieder.
Die Songs vom neuen Album passen da übrigens ganz großartig rein. Auch wenn ich wie viele andere wirklich froh bin, dass Kraftklub die erste Single „Dein Lied“ nur kurz in einem Medley anspielen. Haben sie dann doch selbst noch gemerkt … Am beeindruckendsten ist es übrigens, wenn sie „Chemie Chemie Ya“ starten und die ganze Halle nicht nur die ersten Zeilen, sondern den ganzen Song ohne Musik singt und sich die Herren verdutzt anschauen. Und mein Herzchen schlägt eh höher, wenn sie als Coversong „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten spielen, den besten Song der Welt natürlich, und den auch wirklich alle in der Halle auswendig können, egal ob 14 oder 54. Diesmal gab es übrigens noch ein Cover – für „I love it“ von Icona Pop holen Kraftklub noch mal Faber auf die Bühne, inklusive wilder Knutscherei.
Am Ende ging es, das kennt man von Kraftklub ja schon, noch mal auf eine Empore in die Mitte des Publikums. Da spielen sie dann „Randale“ (für meine kleine Schwester) und crowdsurfen um die Wette zurück auf die Bühne. Als Abschluss gibt es Konfettiregen und „Songs für Liam“ und dann ist man kaputt und glücklich und es ist gar nicht so schlimm, dass man sich noch eine Stunde für seine Jacke anstellen muss.
Fazit: Das Konzert vor zwei Jahren in der Mitsubishi Electric Halle fand ich tatsächlich noch eine Spur besser. Ich habe diesmal die großen Choreografien im Publikum vermisst. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn das war wie immer bei Kraftklub ein ganz großer und kraftvoller Abend. (Mit K)
Kraftklub werden regelmäßig zu einer der besten Live-Bands Deutschlands erklärt. Keine Überraschung also, dass die Mitsubishi Electric Hall in kürzester Zeit ausverkauft war. Kraftklub waren die letzten Jahre fast ununterbrochen auf Tour – komischerweise noch nie in Düsseldorf, wie sie verwundert feststellen. Bei der gemütlichen Kennenlernrunde stellt sich dann aber auch schnell heraus: die meisten hier kommen gar nicht aus Düsseldorf, sondern von weit weg, um die Band zu erleben. Wer Kraftklub einmal live gesehen hat, dem muss man das auch nicht mehr erklären.
Obwohl, im Vergleich zum letzten Jahr im Kölner Palladium, muss ich sagen, die Jungs wirken müder. Die Sprünge sind nicht mehr ganz so hoch, sie sind nicht mehr ganz so viel auf der Bühne unterwegs. Wer soll es ihnen übel nehmen… Touren ist harte Arbeit.
Dafür aber, meine Herren, was für ein Publikum! Ich stand vorausahnend auf der Tribüne und konnte das Treiben in seiner vollen Pracht bewundern. Von der ersten Minute an („Wie ich“, „Eure Mädchen“, „Ich will nicht nach Berlin“) wurde von vorne bis hinten getobt, gesprungen, gerudert, gemosht, gepogt, gecyclet und sich über die Menge geschoben. Düsseldorf hat gesungen, getanzt, geklatscht und geschwoft. Wie toll, das Publikum stiehlt die Show!
Kraftklub freut das. Die Jungs beziehen bei ihrer Show das Publikum immer viel mit ein, sei es durch ein Glücksrad, mit dem Jana den nächsten Song auswählen darf („Lieblingsband!“), dem Ausleihen diverser Kopfbekleidungen für „500 K“ oder dem gewohnten Um-die-Wette-Stagediven nach „Meine Gang“ (Hat mich da gerade einer mit Sauerkraut beworfen?!).
Bei Kraftklub haben auch die Securitys Spaß, und beim Vorband-Song springt auch mal der Drummer der Toten Hosen mit auf die Bühne. Die Party, die Düsseldorf da feiert, wird schwer zu überbieten sein. Kraftklub bedanken sich mit Konfettiregen und der Ankündigung, dass sie dieses Jahr keine Konzerten und Festivals mehr spielen werden. Sag ich doch, müde sind sie.
Und die Fans diskutieren draußen von der möglichen Band-Auflösung bis zum neuen Album alles rauf und runter, wären sie im Zug sitzen und sich auf den Weg nach Hause machen. Nach Essen, nach Köln, nach Dortmund, nach Siegburg und ein paar auch nach Düsseldorf.