Mit „AUF AUF – Live im Theater des Westens“ haben sich Silbermond im Herbst des letzten Jahres einen Traum erfüllt. Am 30. September 2023 gab die Band zwei exklusive Konzerte auf der wunderschönen Bühne des Theaters des Westens in Berlin-Charlottenburg. Zum ersten Mal in einem voll bestuhlten Theater und mit zehn Gastmusiker*innen. Im Gepäck alle zwölf Songs ihres aktuellen Albums „AUF AUF“ sowie einige ihrer größten Hits in einem besonderen Arrangement. Ein einmaliger und besonderer Moment – für Band und Publikum gleichermaßen.
Entstanden ist ein wirklich magisches Livealbum. Die Stücke des aktuellen Albums kommen in emotionalen und besonders facettenreichen Versionen nochmal ganz anders zur Geltung – mit Backing Vocals, Streicher*innen, Keyboards und Percussion. Sehr warmherzig und grandios umgesetzt. Man hört Stefanie ihre Emotionen auch beim Audiomitschnitt, der mir zur Review vorliegt, jederzeit an.
Hinzu gesellen sich Klassiker wie „Leichtes Gepäck“, das durch den Backgroundgesang und im Dialog mit dem Publikum enorm gewinnt, die melancholischen Akustik-Versionen von „Durch die Nacht“ und „Irgendwas bleibt“ sowie eine eindringliche, ganz reduzierte Variante von „Krieger des Lichts“. All diese Songs erfahren ganz besondere Arrangements, die mich einfach umhauen. So hört man Silbermond von einer ganz neuen Seite, ohne dass der hymnische Charakter ihrer Musik verloren geht.
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Mit „AUF AUF – Live im Theater des Westens“ haben sich Silbermond im Herbst des letzten Jahres einen Traum erfüllt. Die Band zwei exklusive Konzerte auf der wunderschönen Bühne des Theaters des Westens in Berlin. Zum ersten Mal überhaupt in einem voll bestuhlten Theater und mit zehn Gastmusiker:innen. Im Gepäck alle zwölf Songs ihres aktuellen Albums „AUF AUF“ in einem besonderen Arrangement. Kürzlich erschien daraus “Zusammen Abschied”.
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„Wir hatten schon immer den Traum einer so besonderen Show“, erzählt Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß. „Am Anfang war es nur eine kleine Idee. Aber dann haben wir uns einfach getraut. Raus aus der Komfortzone und auf unser Bauchgefühl hören. Gemeinsam groß denken und schauen, wo es uns hinträgt. Erst nur als Band, aber dann mit immer mehr Musiker:innen, die mit ihrer Leidenschaft und ihrem Vertrauen, musikalisch, aber auch menschlich, dazu beigetragen haben, dass am Ende diese so besonderen und in der Tat einmaligen Konzerte entstanden sind“.
Denn für „AUF AUF – Live im Theater des Westens“ arrangierte die Band alle Songs gänzlich neu. Unterstützt von Backings, Streichern, Keyboards, Percussions und einem weiteren Gitarristen sind so emotionale, facettenreiche Versionen der zwölf Songs von „AUF AUF“ entstanden.
Auch in 2023 wurde vor der altehrwürdigen Porta Nigra in Trier wieder eine der schönsten Kulissen Europas bespielt. Das war in der Vergangenheit stets ein optischer und akustischer Genuss und die Reihe „PORTA HOCH DREI“ hat sich seit Jahren fest in der ältesten Stadt Deutschlands etabliert. Traditionell wurde die „DREI“ im Titel der Open-Air-Reihe nicht so ernst genommen, denn von Mittwoch bis Samstag sollten gleich vier Topacts die Bühne stürmen, bevor am Sonntag das Philharmonische Orchester des Trierer Theaters sein traditionelles Picknick-Konzert gibt.
Den Anfang machte am Mittwoch, 14.6.2023, der Mann der Stunde: Peter Fox. Eigentlich muss man ihn gar nicht vorstellen, doch es sind immerhin 15 Jahre vergangen, seit sein erstes Soloalbum „Stadtaffe“ durch die Decke ging. Pierre Baigorry ist im Hauptberuf einer von inzwischen nur noch zwei Frontmännern der Berliner Reggae-Crew SEEED. Doch solo konnte er 2008 den Erfolg der Band gar noch toppen, hatte er doch ein Konsensalbum vorgelegt, das in allen Generationen seine Fans fand. Aber Peter Fox stieg der Erfolg nicht zu Kopf. Er kehrte nach einer umjubelten Tour brav zu SEEED zurück und teilte sich die Bühne wieder mit den Kollegen. Lange sah es so aus, als würde „Stadtaffe“ ein Einzelstück bleiben, doch nach 15 langen Jahren meldete sich Peter Fox wieder zurück. Wie groß die Vorfreude im Land war, zeigten die euphorischen Reaktionen auf die vorab veröffentlichte Single. „Zukunft Pink“ hielt sich im Oktober letzten Jahres insgesamt fünf Wochen auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Singlecharts – und im Mai 2023 folgte endlich das zweite Album mit dem schlichten Titel „Love Songs“.
Die ersten vier Songs beim ausverkauften Open Air vor der Porta Nigra in Trier waren dann auch neue Stücke, die viel sanften Groove in sich trugen. Peter Fox und sein Publikum waren in Topform. Er hatte eine formidable Band mit zwei Backgroundsängerinnen dabei und spätestens als die vertrauten Klänge von „Kopf verloren“ erklangen, wurde die Stimmung noch besser – keiner musste sich mehr Sorgen machen, dass das alte Album zu kurz kommt. Ein erstes Highlight war „Schwarz zu blau“, das ungewöhnliche Liebeslied an Berlin. Und der Song schlug in vielerlei Hinsicht gekonnt die Brücke von Trier nach Berlin. Nicht nur, dass sich jetzt eine Reihe von SEEED Songs im Set fanden. Peter Fox machte die Bühne vor der Porta kurzerhand zu einem Liveclub. Das Bühnenbild sah eine Galerie im Hintergrund vor und hier versammelte sich eine große Gruppe von Tänzer*innen. Neben der professionellen Tanzgruppe aus Berlin, die die Tour begleitet, darf sich in jeder Stadt auch eine regionale Tanzgruppe unter die Profis mischen. Fortan gab es bis Konzertende Party vor und hinter der Bühne.
Die Stimmung war hervorragend und das Publikum ging über 90 Minuten lang euphorisch mit. Man konnte sich von der Stimmung tragen lassen, wozu nicht nur die geniale Show beitrug, sondern auch das effektvoll beleuchtete Weltkulturerbe Porta Nigra. Es macht jedes Jahr wieder Spaß, auf diesem Platz zu feiern. Songs wie das mit viel Groove versehene „Stadtaffe“, die Bewegungs-Hymne „Schüttel dein Speck“ und ein grandios performtes „Zukunft Pink“ trugen ihr Übriges dazu bei. So hält man ein Publikum am Tanzen!
Im Zugabenblock gab es neben dem orchestralen Klassiker „Alles neu“ auch ein entspanntes „Haus am See“ in der 2023er Version, die ein beseeltes Publikum in die Nacht entließ. Peter Fox hatte zu „Toscana Fanboys“ noch bemerkt, dass er sich in das Flair von Trier verliebt hat und sich hier sehr wohl fühlt. Dem will man dann auch nichts hinzu fügen.
Am Donnerstagabend sah es ganz anders aus vor der Porta. Das Konzertgelände war nun nämlich bestuhlt und lockte mit dem Liedermacher und Weltmusiker Hubert von Goisern (benannt nach seinem Geburtsort in Oberösterreich) ein ganz anderes Publikum an, das im Schnitt eine Generation älter war als am Vortag. Der Mann, der sich dem sogenannten „Alpenrock“ verschrieben hat, steht seit mehr als drei Jahrzehnten auf den Bühnen Europas – und erfindet sich dabei immer wieder neu. So hat das aktuelle Album „Zeiten & Zeichen“ eine breite Palette sehr unterschiedlicher Musikrichtungen zu bieten, womit wohl manche Zuschauer*innen nicht gerechnet hatten. Als nämlich „El Ektro“ als Techno-Hymne mit stampfenden Bässen erklang, gab es einzelne Menschen, die sich in den hinteren Publikumsbereich zurückzogen. Das sollte aber die Ausnahme bleiben.
Hubert von Goisern ist als Person grandios und er hatte hervorragende Mitstreiter bei sich, an allen voran die Sängerin und Multiinstrumentalistin Maria Moling, die eine enorme Bereicherung für die Show war. Oft gelang es Hubert im Duett mit Maria, eine wundervolle Atmosphäre zu erzeugen. Dabei störte es gar nicht, dass sich die erste Konzerthälfte unumwunden den neuen Songs von „Zeiten & Zeichen“ widmete, sind hier doch einige Perlen versteckt. „A Tag wie heut“, das gejodelte „Eiweiß“, „Novemberpferde“ und „Brauner Reiter“ nahmen das Publikum mit auf eine Reise in Huberts Welt. Da fanden sich sehr rockige Klänge, Elemente der neuen Volksmusik – auch mal mit Akkorden und Flöte – und durchaus sphärische Stücke.
Das Publikum hing dem Sänger vor allem an den Lippen, wenn es politisch wurde und er zum Beispiel vom jüdischen Schriftsteller Bedřich Löwy erzählte, der das Libretto zu Franz Lehárs Operette „Giuditta“ schrieb und 1942 in Auschwitz ermordet wurde. Vom Band erklang Tenor Andreas Schager mit dem Stück „Freude, das Leben ist lebenswert“ und dazu gab es eine eindringlich gerappte Geschichte, die das Lied durch die schweren Zeiten der Judenverfolgung bis in die Gegenwart führte. Es ist fantastisch, wie von Goisern diese Elemente zu einem Paradestück künstlerischen Schaffens verbunden hat.
Es gab Lieder zu Klimawandel und Umweltzerstörung und den mit bewegenden Trompetenklängen versehenen Gospel „Sinner Man“, der hier ganz schlicht „Sünder“ hieß und mit klaren Worten in die Neuzeit geführt wurde. Im Duett mit Maria konnte Hubert beeindruckend zeigen, wie man hymnisch jodelt. Stücken wie dem „Kohler Jodler“ hätte man ewig zuhören können. Doch auch an rhythmischen Gassenhauern, die die Zuschauer*innen in der zweiten Konzerthälfte in Fahrt brachten, wurde nicht gespart.
Ein langer Zugabenblock startete nach 90 Minuten und es gab ein Stück aus von Goiserns weltmusikalischer Zeit, als er vermehrt in Ägypten (Asyut) und Westafrika aufgetreten ist. Das brachte ebenso wundervolle Klänge vor die Porta wie das bekannte Stück „Weit, weit weg“, das im Zusammenspiel mit Maria Moling an neuen Facetten gewann und sehr emotional vorgetragen wurde. Das Generationen verbindende Konzert endete nach über zwei Stunden – und ich muss sagen, dass ich sehr überrascht war. Hubert von Goisern hat doch um einiges mehr zu bieten als den Alpenrock, in dessen Schublade er so gern gesteckt wird.
Am dritten Abend vor der Porta gab es dann Silbermond um Frontfrau Stefanie Kloß. Auch hier war wieder ausverkauft und 3.000 Zuschauer*innen gaben sich der Mischung aus poppigen und rockigen Klängen hin. Die Geschichte der Band begann so richtig im Jahr 2004. Mit der Veröffentlichung des Debütalbums katapultierten Silbermond aus dem Stand ganz nach oben. Das lag sicher auch daran, dass ihr Werdegang Inhalt einer Dokusoup des Fernsehsenders Sat1 war. Mehr als eine dreiviertel Million Exemplare wurden vom Erstling seither verkauft und der Titel „Symphonie“ wurde zur Hymne des Jahres 2004. Es folgten ausverkaufte Konzerttourneen, etliche Hits, Preise und Ehrungen und viele weitere Studioalben. Zuletzt „Auf auf“ – und mit Songs dieses Albums wurde das Konzert in Trier auch eröffnet. Viele waren textsicher, was zeigt, dass Silbermond immer noch relevant sind. Dazu beigetragen hat sicher auch Stefanies enorme Medienpräsenz, zeitweise bei „The Voice“, zuletzt in der neuen Staffel von „Sing meinen Song“.
Mit der Hymne „Meer sein“ ging man dann über zu älteren Stücken und spätestens „Irgendwas bleibt“ brachte die Leute vor der Porta zum gemeinsamen Singen. Und es ist schon ganz besonders, diesen Song vor einem rund 1850 Jahre alten Wahrzeichen zu schmettern. Stefanie Kloß als kleine quirlige Frontfrau nahm die Zuschauer*innen durch ihr mitreißendes Wesen von Anfang an gefangen. Sie erzählte gern Geschichten aus der Anfangszeit der Band, als Familie und Freunde das Musikmachen noch für Zeitverschwendung hielten. Mit dem Song „Verschwende deine Zeit“ ließ Stefanie sich von der Menge auf Händen bis zu einem Podest auf der Mitte des Platzes tragen.
Der Unplugged-Set war sehr emotional und die Sängerin – ohnehin nah am Wasser gebaut – brach mehrfach in Tränen aus. Als sie sich beim Publikum für seine Treue bedankte, aber auch, als sie den neuen Titel „Hey Mama“ für ihre Mutter sang, die nun in zwei Tagen in Pension geht und hoffentlich ihr Leben genießen kann. Anfangs war Stefanie noch allein auf dem Podest, zu weiteren Songs wie „Das Beste“ und „Krieger des Lichts“ kam die Band dazu. Zurück ging es mitten durchs Publikum. Silbermond haben die Nähe zu den Fans nie verloren, auch als die Konzerte immer größer wurden.
Das Wetter vor der Porta Nigra war an allen drei Abenden bisher perfekt und auch an diesem Freitag machte die laue Sommernacht ein wohliges Gefühl. Im Set fand sich als Coverversion der Montez-Song „Engel“, den Stefanie bei „Sing meinen Song“ performt hatte und der perfekt zu ihr passt. Dann gab es ein fulminantes Triple aus „Symphonie“, „Leichtes Gepäck“ und „Durch die Nacht“ – alles Hymnen, die das Publikum chorisch in die Länge zog. So ließ man sich auch zu später Stunde nicht lange bitten, um einen ausgiebigen Zugabenblock abzuliefern. Ein gelungener Konzertabend mit einer hervorragend aufgelegten Band!
Weiter geht es heute übrigens mit DANGER DAN, bevor dann morgen das Philharmonische Orchester der Stadt Trier den Abschluss macht. Die Bühne mit transparenter Verkleidung (um die Porta Nigra zur Geltung zu bringen) bleibt aber noch stehen und liefert dem Altstadtfest am nächsten Wochenende die passende Kulisse unter anderem für Lokalmatador Guildo Horn. In Trier spielt die Musik!
Die altehrwürdige PORTA NIGRA in Trier wurde wieder zur wundervollen und atmosphärischen Kulisse für ein Open Air der Spitzenklasse. Seht hier unsere Fotos von Silbermond bei PORTA HOCH DREI, 16.6.2023 in Trier, Porta Nigra. Credit: Simon Engelbert – Photogroove
Manchmal stoppt die Realität die Veröffentlichung eines Songs, um ihm später dann ungewollt ganz neuen Auftrieb zu verleihen.
Seit mehr als einem Jahr beherrscht ein Thema unser aller Leben. Kein BESTES LEBEN für wohl niemanden. Die Pandemie hat uns erschreckt, eingeschränkt und unseren Alltag verändert. Über das, was das mit uns macht, wird zurecht viel gesprochen. Dabei tut es gut, sich auch damit zu beschäftigen, was sich wohl nie ändert, uns alle zusammenhält und was wir jetzt offenbar endlich alle wieder Schritt für Schritt zurückgewinnen:
Mit BESTES LEBEN veröffentlichten SILBERMOND am Freitag, den 04.Juni 2021, exakt 14 Monate und zwei Wochen nach dem ursprünglich geplanten Release-Datum (20.03.2020) eben diesen Song, erinnern uns an die Glücksgefühle von vor der Krise und werfen uns nun einen starken und hellen Lichtstrahl ans Ende des Tunnels:
„Als wir BESTES LEBEN geschrieben haben, gab es noch keine Pandemie. Der Moment, den wir mit diesem Song feiern, besteht aus Begegnungen mit Menschen. Menschen, die uns nah sind und mit denen wir im Hier und Jetzt Zeit verbringen können. Zeit, die uns guttut. Niemals hatten wir geahnt, dass Corona uns allen viele dieser kostbaren Momente so lange entreißen würde. Mit dem Release des Songs möchten wir einfach Vorfreude machen auf genau diese Begegnungen, die wir alle bald wieder frei von Ängsten gemeinsam erleben können.“ (Stefanie Kloß)
Momente, wie die auf der Arenatour von SILBERMOND, auf der Fans und Band das aktuelle No.1-Album „Schritte“ euphorisch zusammen gefeiert haben, und für die sich Stefanie, Thomas, Johannes und Andreas mit der „Schritte Extended“-Version des Albums inklusive zwei Stunden Livematerial und vier neuen Songs 2020 ausgiebig bedankt haben.
Nachdem SILBERMOND mit „Machen wir das Beste draus“ und „Ein anderer Sommer“ Songs aus ihrem ganz persönlichen Lockdown-Gefühl geteilt haben, ist nun die Zeit gekommen, im neuen Jahr auch ein neues Kapitel aufzuschlagen: Eines, in dem es auch um Demut in der aktuellen Zeit und echte Zuversicht auf die Zukunft geht. Und wie die aussehen könnte, zeigt das wunderbare Video zu BESTES LEBEN, das die Band erneut selbst unter der Regie von Drummer Andreas Nowak gedreht hat. Schlicht und tiefenentspannt vergeht darin ein goldener Sommertag mit Freunden, handgemachter Musik und viel Lachen – denn am Ende sind wir dieselben geblieben, wie vor der Pandemie: Wir brauchen vor allem einander, um Glück zu empfinden!
„Wär jeder Tag wie der, ey, das wär – bestes Leben.“
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Im November 2019 veröffentlichten Silbermond ihr sechstes Studioalbum „Schritte“, welches auf Anhieb Platz 1 der Deutschen Charts, Platz 4 der Schweizer Charts und Platz 5 der österreichischen Charts eroberte. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass dieses Werk auf dieser Seite gar nicht reviewt wurde. Schande über mich, denn es ist ein gewohnt formidables Album mit poetischen und nicht ganz so rockigen deutschsprachigen Songs. Der balladeske Stil tut der Band auf jeden Fall gut – da passt Stefanies Stimme perfekt. Schade nur, dass die Laufzeit mit zehn Songs und 35 Minuten doch recht begrenzt war.
Ende Oktober erschien nun die um vier Songs erweitere Neuauflage unter dem Namen „Schritte – extended“. Neben den zehn Songs des Originalwerks liefert die Band uns auf dieser Version zwei Corona-inspirierte Songs: „Ein anderer Sommer“ und „Machen wir das Beste draus“. Zu letzterem erschien zudem ein emotionales Homerecording-Video, das trotz aller Einschränkungen einen positiven Geist versprüht. Dazu gibt es den reflektiert-emotionalen Song „Mein Osten“ und das neue melancholisch pulsierende „Genauso“. Jetzt hat das Werk endlich wahre Albumlänge und wirkt immer noch wie aus einem Guss.
Als eine der wenigen Bands konnten Silbermond im Frühjahr 2020 ihre Arenatour „Schritte live“ noch vor dem Lockdown zu Ende spielen. Um ihren Fans in diesen besonderen Zeiten das Liveerlebnis ein Stück zurückzugeben, veröffentlichen sie eine 3CD-Variante, die mit „Live in Berlin“ zusätzlich mehr als zwei Stunden Livematerial dieser Tour beinhaltet. 22 Live-Tracks mit Songs aus allen sechs Alben führen uns zurück zu allen Emotionen eines echten Konzerts, die man bei einer der besten Live-Bands des Landes erlebt. Stefanie glänzt mit ihren sympathischen Ansagen und das Publikum feiert die bekannten Hits der Band hörbar ab. Allein dieser Mitschnitt lohnt den Kauf!
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Fast genau zwei Jahre nach Erscheinen des fünften Albums „Leichtes Gepäck“ im November 2015 veröffentlichen Silbermond nun auf ihrem bandeigenen Label Verschwende Deine Zeit ihre zweite Live-CD „Leichtes Gepäck – Live in Dresden“. Und ich kann kaum glauben, dass es erst die zweite Liveplatte sein soll, sind Silbermond doch eine Band, die erst auf der Konzertbühne so richtig aufdreht und zur Geltung kommt.
Aber tatsächlich: Vor fünf Jahren erschien „Himmel auf – Live in Dresden“, ebenfalls in der sächsischen Heimat aufgenommen. Und das war’s. Allerdings gab es schon zu „Laut gedacht“ eine Premium Edition mit live-DVD. Das wollen wir nicht verschweigen.
Sei’s drum. Silbermond bieten hier (mal wieder) eine Live-Doppel-CD, die dem Titel Livealbum auch gerecht wird. Sie spielten in 2016 und 2017 gleich drei ausverkaufte Heimspiele am wunderschönen Dresdner Elbufer. An den zwei Konzertabenden am 25. und 26. August 2017 entstanden die hier vorliegenden Aufnahmen.
Bassist Johannes Stolle beschreibt den Prozess mit blumigen Worten: „Wie ein Song bei uns entsteht, quasi aus dem Nichts, wie er sich dann entwickelt, später vielleicht auf dem Studioalbum landet, um sich danach auf der Bühne nochmals zwei Jahre weiter zu entfalten – das wird für uns Vier immer eines der faszinierendsten Dinge unserer Arbeit bleiben. Eine Reise. Eine echte Metamorphose. Es macht uns froh und auch ein wenig stolz, dass nun aus 22 dieser Entwicklungen diese schöne Konzertaufnahme entstanden ist.“
Und es ist ein echtes Live-Konzert, das hier auf aufgenommen wurde. Die Setlist, die die Band an den Abenden in Dresden spielte, findet sich auf dem Album nahezu identisch wieder. Die Dramaturgie dieser besonderen Abende kann man nun in aller Tiefe nachspüren. Die Band wollte ein Album, das den Fans dieses Erlebnis zurück auf die Ohren und in die Herzen bringt. Nah, emotional, aufwühlend, rockiger als auf dem Studioalbum und erstmals mit Fabian Richter an den Keyboards, der auch dazu beiträgt den Silbermond-Sound zur vollständigen aktuellen Reife zu führen.
„Leichtes Gepäck – Live in Dresden“ beinhaltet mit 22 Songs einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band – und als Schwerpunkt die Songs vom aktuellen Studioalbum. Die Band hat es dabei geschafft, die älteren Titel mit feinen musikalischen Ideen ins Jetzt zu holen und intensiviert damit die Wirkung der ursprünglichen Version.
Als besonderen Track haben Silbermond mit Moses Pelham dessen Version von „Meine Heimat“ – dem Song, den er bereits mit Stefanie Kloß bei Sing meinen Song in Südafrika von Lena interpretierte – mit aufs Album genommen, den sie am 26. August in Dresden live gemeinsam auf die Bühne gebracht haben. Eine wunderbar passendes Puzzlestück, wenn Heimat auf Heimat trifft. Und allein dieser emotionale Moment ist den Kauf des Livealbums wert.
Noch vor dieser unrühmlichen Bundestagswahl ist der vorliegende Sampler erschienen. Eine Zusammenstellung von Songs zum Thema „500 Jahre Reformation“. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ heißt eine der wichtigsten reformatorischen Schriften Martin Luthers und heute sollte das für uns vielleicht übersetzt werden als „Von der Freiheit eines jeden Menschen“. Oder eben vom Traum davon.
29 Tracks wurden von den unterschiedlichsten Künstlern für diese Doppel-CD beigetragen. Und es sind meist nicht die Chart-Erfolge, sondern bewegende Kleinode, die sich im engen oder entfernteren Sinne mit der Freiheitsthematik beschäftigen.
„Ich mach mein Ding“ singt Udo Lindenberg. Philipp Poisel gäbe „Für keine Kohle dieser Welt“ seine Freiheit auf. Die Sportfreunde Stiller erinnern an ein Flüchtlingsdrama an einem „Dienstag im April“. Und Laith Al-Deen proklamiert in seinem aktuellen deutschen Remake von George Michaels „Freedom90“, dass wir alle zur Freiheit geboren sind.
Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Kunst und der Wissenschaft, Glaubensfreiheit, Gewissensfreiheit, Bekenntnisfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit, Berufsfreiheit – das sollten sich alle hinter die Ohren schreiben, die meinten, aus Protestgründen eine rechtsradikale Partei wählen zu müssen. Auch Kunst braucht diese Freiheit. Und so macht es Mut, zu hören, wie viele Künstler sich mit diesem Thema beschäftigen und ihre Songs für die gute Sache zur Verfügung gestellt haben.
Meine Favoriten: „Wellenreiter“ von BAP, Alex Diehls „Nur ein Lied“ und der bewegende Song „Fahnenfluch“ von dem afghanischen Flüchtlingssohn Sorab Jon Asar, der von diesem Traum handelt, frei zu sein, eine Heimat zu haben und nicht gefühlt seit 26 Jahren auf der Flucht zu sein.
Zwei CDs voller wertvoller Songs, die man sich getrost anhören und dabei etwas guten Willen tanken kann.
Der Platz vor der Congresshalle Saarbrücken hatte sich schnell gefüllt. Ein schönes Ambiente in der saarländischen Hauptstadt. Und an dem lauen Sommerabend konnten auch die Besucher der angrenzenden Kneipen und Cafés in der Fußgängerzone das Konzert von Silbermond zumindest akustisch genießen.
Vermutlich geben die Richtlinien der Stadt eine Sperrstunde für 22 Uhr vor. Zumindest startete die Band bereits um 19.50 Uhr, um ihren 140minütigen Set nicht kürzen zu müssen. Das ist eine der Tatsachen, die Silbermond so sympathisch machen. Nach 18 Jahren im Geschäft (vier Jahre lang unter anderen Bandnamen) sind die vier immer noch sehr bodenständig. Und Stefanie Kloß, als kleine quirlige Frontfrau nimmt die Zuschauer durch ihr mitreißendes Wesen von Anfang an gefangen.
Die Geschichte der Band begann so richtig im Jahr 2004. Mit der Veröffentlichung des Debütalbums katapultierten Silbermond aus dem Stand ganz nach oben (Platz 2 der deutschen Charts). Das lag sicher auch daran, dass ihr Werdegang Inhalt einer Dokusoup des Fernsehsenders Sat1 war. Mehr als eine dreiviertel Million Exemplare wurden vom Erstling seither verkauft und der Titel „Symphonie“ wurde zur Hymne des Jahres 2004. Es folgten ausverkaufte Konzerttourneen, etliche Hits, Preise und Ehrungen und vier weitere Studioalben. Zuletzt „Leichtes Gepäck“ im November 2015.
Mit dem Intro „Die Mutigen“ von eben diesem neuen Album startete auch das Konzert in Saarbrücken. Und Stefanie rollte das Feld von hinten auf: Im Bereich des Mischpult-Turms war eine kleine Innenraum-Bühne installiert, auf der die Sängerin ihren Song begann und sich dann den Weg durch die Massen bahnte. Ein beeindruckender Start, der vom Publikum enthusiastisch aufgenommen wurde.
Es waren Generationen an Fans da. Eltern mit ihren Kindern – sehr charmant eine ca. 10jährige, die sich dicht hinter mir platziert hatte und jeden Song textsicher mitträllerte. Konzerte von Silbermond sind in der Regel sehr balladenlastig. Doch es gab auch in Saarbrücken immer mal wieder Ausreißer auf die Deutschrockschiene. Zum Beispiel „Indigo“, der letzte Song im regulären Set, zudem sich Stefanie zudem crowdsurfend auf Händen tragen ließ.
Die Song-Zusammenstellung war die gewohnte Mischung aus neuen Titeln, um auf das aktuelle Album aufmerksam zu machen („Langsam“, „B96“, „Heut hab ich Zeit“, „Das Leichteste der Welt“), und den Klassikern, mit denen man die Anwesenden um die Finger wickelte. Meine ersten Highlights waren „Meer sein“, „Irgendwas bleibt“ und „Himmel auf“.
Doch auch „B96“, das atmosphärisch das Leben im sächsischen Hinterland beschreibt, gefiel mir als wunderschöne Hommage an die Bandheimat in Bautzen und entwickelte sich zum Ohrwurm. Die Band verließ die Bühne im zweiten Drittel des Konzerts, um einen Akustik-Set auf der Innenraumbühne zu performen. Als Stefanie hier „Das Beste“ zu Gehör brachte, machte sich ergriffene Stille breit und selbst die Smalltalk-Gemeine um die Getränkestände konnte mal für kurze Zeit die Klappe halten.
Auf der Bühne ging es weiter mit „Krieger des Lichtes“, „Nichts passiert“ und dem überwältigenden „Symphonie“. Man konnte mal wieder staunen, wie die Zuhörer an Stefanies Lippen hingen und ihren Ansagen folgten. Auch wenn es um Themen wie Zusammenhalt und Demokratie ging. Ihre kleine Statur glich die Sängerin durch große Worte aus. Und für die Optik gab es ein Bühnenpodest, das allen Anwesenden einen guten Blick auf die Bautzenerin erlaubte, wenn sie von dort ihre Songs anstimmte.
Den Konzertabschluss machte ein Zugabenblock mit dem Titelsong „Leichtes Gepäck“ und Silbermonds Karrierestart „Durch die Nacht“. Ein gelungener Konzertabend mit einer hervorragend aufgelegten Band.