ROCK AM RING – Fotogalerie von The Linda Lindas, 4.6.2022
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Reeperbahn Festival 2021 – unsre Fotos von Muff Potter und Die höchste Eisenbahn
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Antje Schomaker und Francis of Delirium
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Katy J Pearson und Bohemian Betyars
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Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Eugenia Post Meridiem und Lamila
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Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Sharktank und Lonely Spring
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von OSKA und Some Sprouts
Reeperbahn Festival 2021 – unsere Fotos von Haevn, Fortuna Ehrenfeld, C’est Karma
Der Konzertsommer geht weiter – die Waldbühne Hardt wurde von waschechten Freibeutern gekapert. Mr Hurley und die Pulveraffen enterte die Bühne am Donnerstag vor gut gefüllten Reihen.
Wer wollte nicht schon mal ein Pirat werden? Vier Geschwister aus Osnabrück haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sind seit 2009 mit deutschsprachigem Folkrock unterwegs. Die Besonderheit daran: Das Piratenthema zieht sich durch das gesamte Programm. Von der Kleidung hin zum Auftreten bis zu den Texten, das Quintett lebt das Piratenleben. Dabei sind sie vor allem auch in der Mittelalterszene beliebt, aber auch bei Musikfestivals gern gesehene Gäste. Entsprechend findet man auch beim Konzert in Wuppertal nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum einige Piraten und Piratinnen. Schwarze Kleidung und Metal-Bandshirts – oder entsprechendem Merchandise der Pulveraffen – dominieren das restliche Bild der Gäste, die kurz vor dem Wochenende gut gelaunt den Untergang feiern.
Die Gute-Laune-Songs, die direkt zum Mittanzen einladen, drehen sich natürlich viel um alle möglichen Piraten-Klischees: Der Genuss von Alkohol in Form von Schnaps, Teeren, Federn, Kielholen und Plankenputzen, Schätze suchen und brandschatzen. Doch auch wenn all dies wie jede Menge Klamauk klingt, der eben einfach dazu gehört und für viele den Charme der Band ausmacht, so lohnt es sich doch, bei einigen Texten genauer hinzuhören. Denn Mr Hurley (Gitarre, Gesang), Buckteeth Bannock (Akkordeon, Klavier, Gesang), der einäugige Morgan (Schlagwerk, Gesang) und Pegleg Peggy (Bass, Gesang) beschäftigen sich auch mit gesellschaftskritischen Themen. In „Der Gouverneur“ etwa lässt Mr Hurley das Piratenleben hinter sich, um stattdessen Karriere in der Politik zu machen, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass er als armer, aber glücklicher Pirat wohl doch besser dran ist. Pegleg Peggy hatte auf dem jüngst erschienen Album „Seemannsgrab“ ihr Solo-Gesangsdebüt. Auf „Mann über Bord“ singt die Bassistin über den grassierenden Sexismus, der schließlich nicht nur auf dem Piratenschiff, sondern auch im richtigen Leben um sich greift und dem es sich entgegenzustellen gilt. Ähnlich wird auch gegen Rassismus Position bezogen.
Nichtsdestotrotz überwiegt aber ein derber (Piraten-)Humor, der in Liedern mündet, die man leicht mitsingen kann und der genau das richtige Angebot fürs kleine Wochenende am Donnerstag darstellt. Musikalisch solide, wenn auch ohne größere Überraschungen, liefern Mr Hurley und die Pulveraffen ein pfeffi-getränktes Programm ab.
Wenngleich das gastronomische Angebot den Rum oder den auf der Bühne ausgeschenkten Pfefferminzschnaps vermissen lässt, so hilft doch auch das Bier ganz gut dabei, (soweit es die Vorschriften zulassen) gemeinsam ein piratiges Konzerterlebnis zu schaffen. Mitsingende Menschen, die, in Teilen blau wie das Meer, auch mal eine kleine Duo-Tanzeinlage vor der Bühne einlegen und textsicher zumindest für einen Abend die See nach Wuppertal holen.
Und solange es sich bei dieser See nicht erneut um eine Flutkatastrophe handelt, heißt man dies auch gern willkommen. Die Veranstalter haben sich jedenfalls dazu entschieden, über die hiesige kostenlose Stadtzeitung 25 Tickets für diesen Abend gratis an Flutopfer und Helfer zu vergeben.
Hier unsere Fotogalerie von Uncle Ho am 13. August 2021 in Wuppertal
Hier unsere Fotogalerie von Mr. Hurley & Die Pulveraffen am 12. August 2021 in Wuppertal
Während der Pandemie mal eben neu erfinden, das Ganze auf Platte pressen und anschließend mit Streicher-Verstärkung endlich wieder auf Bühnen stehen? Marathonmann aus München machen es vor – und funktionieren live vor Ort genauso wunderbar wie im Stream oder aus dem heimischen Lautsprecher.
Unbekannte sind Marathonmann schon lange nicht mehr. Das Münchner Quartett schreit seit 2011 seine Wut und Unzufriedenheit mit treibendem Post-Hardcore in die Welt hinaus und wird dabei durchaus gehört. Als Supportact für etliche namhafte nationale und internationale Bands, aber auch auf eigenen Headline-Touren, sind die Musiker gern gesehene Gäste. Kein Wunder, schließlich überzeugen Marathonmann nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrer sympathisch-amüsanten Art.
Beides haben sie im Lockdown nicht verlernt, sondern stattdessen ihr eigenes Werk aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet und neu angepasst. „Alles auf Null“ heißt die neue Platte, die ausschließlich alte Songs der ersten drei Alben beinhaltet – die dafür aber live aufgezeichnet und in einer neu arrangierten Akustik-Version inklusive musikalischer Verstärkung durch Violine und Cello.
Sänger und Bassist Michael Lettner tauscht dafür den Bass durch die Akustikgitarre und greift auf rauen Klargesang zurück. Elisa von Wallis und Saskia Götz unterstützen bei Auftritten nun an den Streichinstrumenten, während Jonathan Göres sich ans Keyboard setzt, Leo Heinz (Gitarre) und Johannes Scheer (Drums) bleiben an ihren gewohnten Instrumenten.
Die musikalische Entwicklung bedeutet allerdings nicht, dass es ab jetzt ruhiger zugeht – es ist lediglich eine angenehme Erweiterung des bisherigen Repertoires und wird auch in Zukunft die schwitzig-heißen Clubshows genauso wenig verdrängen wie den ursprünglichen Post-Hardcore.
Stattdessen ist es für die aktuelle Situation genau passend. Statt Pogo also Sitzkonzert. Das Konzept geht auf und das Düsseldorfer Publikum zeigt sich ausgehungert nach mehr. Textsicherheit sowohl bei Marathonmann-Songs als auch bei Fremdmaterial, jede Menge Lacher und gute Laune inklusive.
Die neu arrangierten Werke von der Platte und einige mehr werden in der Setlist untergebracht und passend zur Location – Open Air hinter der großen Mitsubishi Electric Hall inmitten des Südparks, vor allem aber in Düsseldorf – packen Leo und Jo zwischen den eigenen Stücken in die Evergreen-Kiste.
Mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen schaffen sie es, auch die nicht ganz textfesten Gäste mit einzubinden, und diverse Sing-A-Longs sind natürlich auch dabei. Das Ploppen der Bierflaschen beherrscht die Szenerie ebenso wie die gute Laune auf und vor der Bühne. Mit „Wir sind immer noch hier“ zeigt die auf ein Sextett angewachsene Band, das genau das der Fall ist: Trotz Lockdown, trotz Corona-Pandemie lässt man sich nicht unterkriegen, sondern erfindet sich schlicht neu. „Die Bahn“ erzeugt in der Akustik-Version nochmal mehr Gänsehaut.
Unplugged heißt gleichzeitig nicht leise – treibende Kraft besitzt die Musik von Marathonmann auch in dieser Form. Erst zu „Die Stadt gehört den Besten“ reißt es das Publikum allerdings von den Sitzen, so richtig scheint der neuen „Normalität“ noch nicht zu trauen. Gleichbleibend ist jedoch die charmant-verpeilte, flachsende Art der Münchner, die den Abend zu einem rundum gelungenen Start ins Wochenende werden lässt.
Support an diesem Abend sind übrigens die Newcomer Raum27 aus Bremen. „Oft gesagt“ ist der aktuell meistgehörte Song des Duos, bestehend aus Mathis Schröder und Tristan Stadtler. Der lockere Pop-Rock, der von der tiefen Stimme Stadtlers getragen wird, lässt diverse Assoziationen zu bereits etablierten Gruppen und Musikern nahe wirken. Im Auge behalten sollte man die Bremer dennoch.
Marathonmann sind in den kommenden Wochen noch auf „Alles auf Null“-Tour und damit akustisch und unplugged unterwegs.
Im März 2022 soll es dann auf der Clubtour laut weitergehen. Goldmucke, die Veranstalter des Abends, organisieren in Düsseldorf übrigens weitere Konzerte:
(August siehe https://goldmucke.de/)
Marathonmann waren am 16.7.2021 live in Düsseldorf – Hier unsere Fotogalerie vom Vier Linden Open Air