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Urheber/Fotograf: Olaf Heine

Marius Müller-Westernhagen 13.05.2024 LanxessArena / Köln

Auf Zeitreise mit Marius Müller-Westernhagen

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt“, singt Marius Müller-Westernhagen 1998 auf seinem Album „Radio Maria“. 26 Jahre später könnte dieser Song das Motto für seine aktuelle „75Live“-Tour sein. Es ist die Erste seit 2018. In der Zwischenzeit hat sich Marius Müller-Westernhagen allerdings nicht versteckt, sondern ein Buch mit Friedrich Dönhoff und ein neues Album veröffentlicht. „Wieder hier“ gehört für viele von uns zur musikalischen Sozialisation, die seit einem halben Jahrhundert untrennbar mit diesem Mann und seiner Musik verbunden ist. Das will, neben dem 75. Geburtstag, gefeiert werden. Und so entführt Marius Müller-Westernhagen die 15.000 Fans in der ausverkauften LanxessArena auf eine Zeitreise, die 1975 mit „Das erste Mal“ beginnt und 2022 nach 17 Millionen verkaufter Studioalben mit „Das eine Leben“ ihr vorläufiges Ende findet.

Als sich um kurz nach 20 Uhr der Rüschenvorhang hebt, tänzelt das „Alphatier“ Westernhagen im blütenweißen Seidenanzug als eine Art Elder Statesman auf die Bühne. Powackeln und Hüftekreisen funktionieren noch. Begleitet wird er von einer bestens eingespielten Band um die beiden Gitarristen Brad Rice und Connor Kennedy, Schlagzeuger Aaron Comess, Heidi Joubert an den Percussions und der dreiköpfigen Background-Truppe mit Ex-Weather-Girl Ingrid Arthur als Frontfrau. Leider lässt wie so häufig in der Kölner Arena der Klang zu wünschen übrig. Erst mit Beginn der Zugaben bekommt die Crew den Soundmatsch, in dem Marius Stimme zeitweilig untergeht, besser in den Griff. Die Fans in der komplett bestuhlten Halle scheint das nicht weiter zu stören. Spätestens ab „Fertig“ sitzt hier niemand mehr. Drei Videowände rechts, links und im Hintergrund der Bühne sorgen selbst unter dem Hallendach für beste Sicht.

Bei „Mit 18“ entledigt sich auch Marius Müller-Westernhagen seines Jacketts und nimmt die Mundharmonika zur Hand. Da ist er wieder in seinem Revier und man sieht ihn förmlich als Theo Gromberg auf der Suche nach seinem LKW durch die Straßen von Marseille irren. Seitdem sind wir alle nicht jünger geworden und so braucht der Theo von 2024 öfter mal eine Pause und „Luft um zu atmen“. Die bietet ihm der gleichnamige Song, den Westernhagen im Duett mit seiner Frau Lindiwe Suttle singt. So wechseln sich Knaller wie „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ immer wieder mit melancholischen Stücken wie „Alles im Wind“ ab, was an der ein oder anderen Stelle des Abends den Spannungsbogen etwas zerbröseln lässt.

Zum Glück wissen die Kölner damit umzugehen. Vor dem ersten Zugabenblock schallen „Oh, wie ist das schön“-Sprechchöre durch die Arena und während des Gänsehaut-Klassikers „Lass uns leben“ wird das weite Rund von einem Meer aus Handylichtern illuminiert. Westernhagen hat inzwischen ein schwarzes Jackett übergestreift. Zu „Schweigen ist feige“ feiern wir auf den Videoscreens ein Wiedersehen mit Anne Frank, Che Guevara, Martin Luther King, Nelson Mandela oder Greta Thunberg. Am Ende wird es dann noch einmal sentimental. In einer Art Unplugged-Session zelebriert Westernhagen zur Akustikbegleitung von Brad Rice und Connor Kennedy „Weil ich dich liebe“, den unverwüstlichen „Johnny W.“ und zum krönenden Abschluss „Freiheit“, währenddessen sich auf der Videoleinwand eine weiße Taube in die Lüfte erhebt. „Freiheit“ mündet in voller Bandbesetzung in einem amtlichen Jam, der die ganze Halle tanzen lässt. Nach fast zwei Stunden wirft Westernhagen noch eine Handvoll Küsse in die Menge und verschwindet wieder hinter dem Rüschenvorhang.

Damit findet die Zeitreise durch sein umfangreiches Werk ihr würdiges Ende und als wir uns in der Realität wiederfinden, die aus einer frühlingswarmen Nacht besteht, blicken wir in ausnahmslos zufriedene Gesichter. Irgendwo hinter mir höre ich jemanden sagen: „Marius ist der Mick Jagger des Deutschrock“ und irgendwie bringt das den Abend ganz gut auf den Punkt. Ähnlich wie die Rolling Stones kann auch Westernhagen aus einem reichhaltigen Fundus an Hits schöpfen und ähnlich wie deren Frontmann präsentiert er sich gesanglich nach wie vor in Bestform. „Ich bin wieder da, noch immer ein Star, noch immer ein Held, für kein Geld der Welt, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt, und eines ist sicher, ich geh nie wieder weg“, verspricht Marius Müller-Westernhagen am Schluss von „Wieder hier“ und nach dem heutigen Konzert nehmen wir ihn gerne beim Wort.

Marius Müller-Westernhagen -
Marius Müller-Westernhagen –
  • Das Eine Leben
  • Audio-CD – Hörbuch
  • 1991tm (Sony Music) (Herausgeber)

Letzte Aktualisierung am 22.05.2024 um 23:05 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Bezahlte ANZEIGE

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