Mit Peter Gabriel auf Zeitreise – 02.05.2014, Lanxess Arena, Köln

DATUM» 02.05.2014
ARTIST»
VENUE»

Im vergangenen Jahr waren die Konzerte von Peter Gabriel’s „Back To Front“-Tour innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft. Kein Wunder, feiert der Brite doch (noch immer) das 25-jährige Jubiläum seines Erfolgsalbums „So“ von 1986. Dabei wird er vom damaligen Original Line-Up begleitet, bestehend aus David Rhodes an der Gitarre, Tony Levin am Bass, Keyboarder David Sancious sowie Manu Katché hinter dem Drumkit. Aufgrund der grossen Nachfrage ist er jetzt für fünf Zusatzkonzerte erneut im Land. Nach Frankfurt und München ist Köln heute die dritte Station. Es folgen noch Hannover (03.05.) und Berlin (25.05.).

Auch die Lanxess Arena ist pickepacke voll, obwohl es noch einige wenige Restkarten an der Abendkasse gibt. Das Publikum ist mit Peter Gabriel älter geworden und so fällt dann auch in weiten Teilen der Show die Stimmung aus. Doch dazu später. Erst einmal genehmigen wir uns ein lokales Kaltgetränk und beobachten die ausnahmslos in Rot gekleideten Roadies bei ihren letzten Vorbereitungen. Gegen 20 Uhr betritt Peter Gabriel unter grossem Jubel die Bühne und sagt in bestem Deutsch (das er allerdings von einem Spickzettel abliest) Jennie Abrahamson und Linnea Olsson an, denen für die nächsten zwanzig Minuten die ungeteilte Kölner Aufmerksamkeit gilt. Das minimalistische Cello- und Xylophonspiel der beiden Schwedinnen, der glockenhelle Gesang und ihre wallenden Glitzergewänder lassen sie wie zwei Elfen wirken, die aus einer anderen Welt gefallen sind. Dennoch (oder gerade deswegen) wissen sie mit ihren Eigenkompositionen („What“ oder „Phoenix“) durchaus zu begeistern und werden mit fleißigem Händeklatschen belohnt.

Wiederum zwanzig Minuten später ist es dann soweit. Peter Gabriel kehrt in Begleitung von Tony Levin zurück und gemeinsam starten sie mit „O But“ ins Set. Vorher hat Gabriel auf Deutsch noch den Ablauf des Abends erklärt. Die Kölner Fans erwartet demnach ein „3-Gänge-Menü aus Vorspeise, Hauptgang und Dessert“. Erstere im halbakustischen Stil und bei voller Hallenbeleuchtung, was zwar etwas ungemütlich wirkt, laut Peter Gabriel aber so eine Art Proberaumatmosphäre erzeugen soll. Nun ja, in der grössten Konzerthalle Deutschlands ist das wohl eher schwierig. Nach „O But“ bekommt David Rhodes erstmal ein tausendfaches Geburtstagsständchen (er wird heute 58 Jahre alt), bevor die Band mit „Come Talk To Me“ und „Shock The Monkey“ zum Hauptgang übergeht. Dazu gehen dann auch die Lichter aus.

Es folgt ein Mix aus Peter Gabriel’s ersten Soloalben, darunter „Digging In The Dirt“, „Secret World“ und natürlich der unvermeidliche Klassiker „Solsbury Hill“. Die kleinen Tanzeinlagen, die Gabriel, Rhodes und Levin nicht nur dabei vollführen, wirken ein kleines bißchen hüftsteif. Doch halten wir den Dreien an dieser Stelle mal ihr Alter zugute und werten das Ganze als ironische Anspielung auf den Genesis-Hit „I Can’t Dance“. Beeindruckender sind jedoch auf jeden Fall die in dezenten schwarz-weiß Tönen gehaltene Lightshow und die akzentuiert eingestreuten Visuals auf den drei Leinwänden. Zu „Red Rain“ explodiert das Licht dann in einem (logischerweise) roten Funkensturm und markiert gleichzeitig den Beginn des Desserts, das aus sämtlichen „So“-Songs in leicht veränderter Reihenfolge besteht. Dummerweise zeigt sich insbesondere bei „Red Rain“ und dem darauffolgenden „Sledgehammer“ einmal mehr die katastrophale Akustik der Lanxess Arena. Der Sound ist ein einziger Matsch und Peter Gabriel’s Gesang kaum zu verstehen. Was wohlgemerkt nicht an seiner Stimme liegt. Die ist zwar hier und da leicht brüchig, ansonsten aber so charakteristisch wie eh und je. Alle, die das Konzert nochmal in perfektem Klang genießen möchten, können sich übrigens auf petergabriel.com eine Aufnahme in Soundboardqualität bestellen.

Das wunderschöne „Don’t Give Up“ (im Duett mit einer grossartigen Jennie Abrahamson) und „Mercy Street“ entschädigen anschließend wenigstens etwas für den entstandenen Soundbrei. Während „Mercy Street“ liegt Peter Gabriel wie ein Käfer auf dem Rücken und erwehrt sich der wie Krakenarme um ihn herum schwirrenden Lichtmasten. Über „Big Time“ und „In Your Eyes“ geht es dem Ende des „So“-Desserts entgegen. Ihr vermisst ein Wort zur Stimmung? Ich empfinde sie als sehr verhalten, um es vorsichtig auszudrücken. Andere, weniger vorsichtige Leute würden sie womöglich sogar als „lahm“ bezeichnen. Bis zu „In Your Eyes“ ist es zumindest auf den Tribünen ein reines Sitzkonzert. Erst gegen Ende des Abends tauen die Kölner endgültig auf und es wird auch im Ober- und Unterrang der Arena getanzt. Immerhin verlangt man lautstark nach einer Zugabe.

Die gibt es dann in Form der eingedeutschten Version von „Here Comes The Flood“ („Hier kommt die Flut“), die in Köln ihre Tourpremiere feiert. Bei „The Tower That Ate People“ wird Peter Gabriel von einem überdimensionalen Stoffturm verschluckt. Als krönenden Abschluß serviert er schließlich noch „Biko“, zu dem 15.000 Menschen ihre Arme in die Luft strecken und so dem 1977 ermordeten Stephen Bantu Biko gedenken, der für seinen Widerstand gegen das Apartheid-Regime in Südafrika sterben musste. David Sancious verabschiedet sich als Letzter und knipst dabei symbolisch die Hallenbeleuchtung wieder an, während die Fans weiter „Oh, oh, ooooooooh“ singen.

An diesem Punkt wird gerne das Wort „zeitlos“ bemüht. Tatsächlich klingen die Songs von Peter Gabriel auch heute noch genauso druckvoll wie bei ihrer Entstehung, was sicherlich auch an seinen exzellenten Mitmusikern liegt. Seine politischen Botschaften haben ebenfalls kaum an Schärfe und Aktualität eingebüßt. Natürlich ist die Bühnenshow nicht mehr so energetisch wie noch vor 25 oder mehr Jahren, aber immer noch spannend genug, um zweieinhalb Stunden lang zu fesseln. Auf dem Heimweg klingt jedenfalls nicht nur „Biko“ noch lange im Kopf nach.

Setlist:

  • O But
  • Come Talk To Me
  • Shock The Monkey
  • Family Snapshot
  • Digging In The Dirt
  • Secret World
  • The Family And The Fishing Net
  • No Self Control
  • Solsbury Hill
  • Why Don’t You Show Yourself
  • Red Rain
  • Sledgehammer
  • Don’t Give Up
  • That Voice Again
  • Mercy Street
  • Big Time
  • We Do What We’re Told (Milgram’s 37)
  • This Is The Picture (Excellent Birds)
  • In Your Eyes
  • Hier kommt die Flut
  • The Tower That Ate People
  • Biko

Und hier gibt es unsere Foto-Galerie vom Peter Gabriel-Konzert in Köln!