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Urheber/Fotograf: Simon Engelbert

Tim Vantol im “Front of House” – ein Hauch von besseren Tagen

Tim Vantol  -  26.07.2020  -  Front of House / Arena / Trier

In den vergangenen Jahren hat sich Tim Vantol als umtriebiger Dauertourer einen festen Platz in der europäischen Musiklandschaft erspielt. Nicht zuletzt durch viele Konzerte im Vorprogramm von Größen wie Royal Republic, Donots, Chuck Ragan oder Itchy. Oder beim Festival “Rockaway Beach” in Losheim am See, wo er auch in der Region Trier einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wie er selbst sagt: “Jetzt ist es an der Zeit, etwas zurück zu geben.” Da Locations und Veranstalter große Schwierigkeiten haben, in Corona-Zeiten zu überleben, begibt sich der Niederländer, der inzwischen in Berchtesgarden lebt, auf “Donation Tour”, um die Menschen zu unterstützen, die ihn groß gemacht haben.

Der Eintritt ins “Front of House”, das kleine Restaurant im Erdgeschoss der großen Arena Trier, dessen Außengelände jetzt zum Open-Air-Gelände umfunktioniert wurde, war frei. Und es wollten viele kommen, um den Songwriter zu sehen. So viele, dass er gleich zweimal hintereinander spielen musste. Natürlich Open Air, natürlich mit Anmeldung und festen Sitzplätzen, natürlich nach den gängigen Hygienevorschriften. Wir sind es ja inzwischen gewohnt. Doch trotz aller Umstände war es einfach schön, mal wieder ein echtes Livekonzert zu erleben. Man lernt in diesen Zeiten, die kleinen Events zu schätzen. Und den Ideenreichtum der Veranstalter, um selbige möglich zu machen.

Trotz Corona veröffentlichte der niederländische Singer/Songwriter wie geplant im Mai sein neues Album, welches von seinem persönlichen Weg aus der Depression handelt.  “Better Days” ist ein lebensbejahender Soundtrack zwischen Country, Rock, Folk und Pop – gewürzt mit sehr viel Punk. Das neue Werk spielte auch die Hauptrolle im Konzert, das Tim allein an der Gitarre bestritt, neben weiteren Songs aus seinem vielfältigen Repertoire. Vielseitigkeit war Trumpf – und die Tempowechsel von Akustikballaden bis hin zum Punkkracher waren schon beeindruckend.

Das Publikum war mit Energie und singfreudig dabei. “Nothing” mit seiner Refrainzeile “Nothing is how it seems” wurde nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Spanisch, Holländisch und Deutsch mitgesungen (okay: eher gegrölt). Tim glänzte mit ehrlichen Ansagen. “Man sieht in diesen Zeiten, wer egoistisch ist”, sagte er. “Wer ein Arsch ist und wer ein gutes Herz hat.” Dafür gab es trotz aller Widrigkeiten der Gegenwart eine Punkversion von “Wonderful World”.

Der Künstler wollte nicht ins Jammern verfallen, doch er bemerkte schon, dass er eigentlich zunächst auf Clubtour gewesen wäre, um das Album zu promoten, und dann die Toten Hosen als Support auf ihrer inzwischen abgesagten Tournee begleitet hätte – ein Ereignis, auf das er sich schon lange gefreut hatte. So passte dann auch “It’s gonna hurt” als melancholische Anleihe an schwierige Zeiten.

Tim Vantols Stimme klingt immer “all in”. Wie der Rudelführer einer gutartigen Gang oder der letzte verantwortungsvolle Typ in einer verrückten Welt. Rau, aber eben nur so rau wie ein Wollpullover und nicht wie Schmirgelpapier. Vor allem klingt sie mitreißend – und das wiederum passt zur einer Musik, die fast nur den Vorwärtsgang kennt.

Nach siebzig Minuten Konzertlänge gab es noch zwei Stücke im Zugabenblock: “The River” als Cover von Bruce Springsteen und die seiner Frau gewidmete Hymne “If we go down we will go together”, mit der Tim gerne seine Konzerte beendet und die in diesen Tagen vielen aus dem Herzen sprach.

Kurz noch auf Holz klopfen: Am 28. Oktober 2020 soll es das nächste Konzert in der Region geben, nämlich im Kleinen Club der Garage Saarbrücken. Und wenn das nicht klappt, dann zumindest beim nächsten “RIEZ Open Air” im Juli 2021.