Über Zauberstrassen bis an den Rand der Galaxis… Wolf Maahn solo am 25.10.2013 in der Bonner Harmonie

DATUM» 25.10.2013
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Im vergangenen Jahr feierte Wolf Maahn mit dem grossartigen Solo Live-Album „Lieder vom Rand der Galaxis“ seinen 30. Geburtstag. Natürlich rein musikalisch gesehen. „Deserteure“ hieß sein Erstlingswerk von 1982 und es ist bemerkenswert, wie aktuell seine Texte, sogar viele aus den 80er Jahre-Songs, auch heute noch sind. Auf Solopfaden wandelt der 58-jährige Wahl-Kölner tourmäßig allerdings erst seit 2005. Als „Ein-Maahn-Band“ verlässt er sich dabei ganz auf seine Spontaneität, seinen direkten Zugang zu den Fans und die Unberechenbarkeit seiner gerne mal etwas längeren Ansagen. Wolf Maahn hat die seltene Gabe die Leute emotional mitzunehmen. Er wirkt authentisch, witzig und immer ein klein wenig verpeilt.

Die Bonner Harmonie ist heute überraschenderweise bestuhlt. Im Saal herrscht eher Kneipen- als Konzertatmosphäre. Diejenigen, die keinen Sitzplatz mehr ergattert haben, müssen halt stehen, was sich im Verlaufe des Abends bewegungstechnisch jedoch als Vorteil erweist. Auf der Bühne bilden fünf Gitarren, ein Barhocker, eine Cajoon und ein stilisierter Mond den stimmungsvollen Rahmen. Wolf Maahn spielt als Linkshänder von jeher Rechtshändergitarren, die er einfach umdreht ohne die Saiten umzuspannen und so in aller Regel die hohen Töne zuerst anschlägt.

Um kurz nach 20 Uhr wird er mit lautem Jubel begrüsst. Eine Gitarre, ein stampfender Fuß und dann geht es los mit „Treibsand“ von seinem 2004er „Zauberstrassen“-Album, das am 15.11. übrigens in einer um 16 Songs erweiterten Neuauflage erscheint. Ungewöhnlich früh im Set findet sich der Klassiker „Rosen im Asphalt“. Wolf Maahn sprüht vor Wortwitz und Spielfreude. Als er sich bei „Vereinigte Staaten“ doch mal verhaspelt, überspielt er das gewohnt nonchalant und mit einem breiten Grinsen. „Wie war euer Tag?“ fragt er vor „Durch alle Zeiten“ und zieht seine Jacke aus. Es beginnt warm zu werden in der Harmonie. „Kind der Sterne“ sorgt für den ersten Kloß im Hals, bevor das nicht minder gänsehautintensive „Total verliebt in dich“ nach 55 Minuten eine kurze Pause einläutet. Zeit um Durchzuatmen, ein frisches Bier zu holen und den Gefühlshaushalt neu zu sortieren.

„Selbstrespekt“ ist der Auftakt zum zweiten Teil. Danach erzählt Wolf Maahn von einem Dialog zwischen Angela Merkel und Barack Obama, die ja anscheinend seit Jahren in engem Handykontakt stehen, ohne es zu wissen und lässt „Irgendwo in Deutschland“ folgen. Das Stück wird von den Fans würdig abgefeiert und so langsam beginnen die Stühle beim Tanzen zu stören. Spätestens zu „Kathedralen von Zahlen“ mit einem beeindruckenden Gitarrenintro gibt Wolf Maahn endgültig Gas und die anschließenden „Freie Welt“ und „Blinder Passagier“ (aus dem zwischendurch „Knockin‘ On Heavens Door“ wird) singen die Bonner lautstark mit. Zuvor bekomme ich mit „Ich wart‘ auf dich“ noch meine ganz persönliche Heulnummer. Man hat fast den Eindruck, als würde man zuhause im Wohnzimmer sitzen, mit guten Freunden die alten Schallplatten anhören und in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen.

Zum ersten Zugabenblock erscheint Wolf Maahn mit Zigarette. Nach „Der Clown hat den Blues“ und „Wenn der Regen kommt“ ist er wieder weg. Doch er hat die Rechnung ohne Bonn gemacht. „Direkt ins Blut“-Sprechchöre fordern eine weitere Zugabe. Hier will schon lange keiner mehr sitzen! Wolf Maahn lässt sich angesichts der herrschenden Begeisterung natürlich nicht lumpen und schiebt „Stunde um Stunde“ und „Kleine Helden“ hinterher. Nach fast zweieinhalb Stunden verabschiedet er sich von einem „5-Sterne-Publikum“ (O-Ton), das ihm für ein 5-Sterne-Konzert mit stehenden (!) Ovationen dankt.

Die grosse Kunst und das grosse Geheimnis von Wolf Maahn ist, sich zwar immer wieder neu zu erfinden, dabei aber stets unverwechselbar zu bleiben. Und das mit der ihm eigenen schmunzelnden Lässigkeit. Hoffen wir, dass ihm seine lyrischen Geniestreiche nie ausgehen. In der Harmonie hat er einmal mehr bewiesen, dass man für einen wundervollen Abend nicht viel mehr braucht als fünf Gitarren, einen Barhocker und eine Cajoon.

3 Kommentare

  1. Großer Künstler und genialer Musiker, der nie die Anerkennung erhalten hat, die ihm eigentlich zusteht. Es ist wohl ein Phänomen unserer Zeit, dass Menschen, die eine Botschaft haben und Werte vermitteln, die der Gesellschaft dienlich sind, keine Plattform im TV, Radio etc mehr geboten bekommen und stattdessen Sendungen wie DSDS, Das Supertalent etc gefördert werden. Aber wahrscheinlich ist er auch einfach zu gut um mainstream zu sein!

    • Inwiefern? Ich meine er hat selbst in der Soap „Unter Uns“ mitgespielt, um sein Album zu promoten, weil es im Fernsehen sonst kaum Plattformen für einen alternden Deutschrocker gibt.

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