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Gazpacho: Ein Feuerwerk sphärischer und mystischer Musik

Gazpacho  •  Fireworker
Veröffentlichungsdatum: 18.09.2020
Unsere Bewertung: 8 von 9 Punkten

Seit 20 Jahren stehen die Norweger von Gazpacho für atmosphärischen und stilvollen Artrock. Damit treten sie in die Fußstapfen von Marillion und überflügeln diese bisweilen, was hypnotische und psychedelische Passagen angeht, die sie in sanfte Klangcollagen fassen.

Das elfte Studioalbum “Fireworker” fasst alles zusammen, was Gazpacho bisher abgeliefert haben. Songdienliche Stücke wie in “Night”, das Storytelling von “Tick Tock” sowie die düstere Stimmung von “Demon” und “Molok”.

Diesmal geht es nicht um ein echtes Konzept – stattdessen nimmt man den Hörer mit auf eine Reise in die Psyche. So startet die Band zur Freude der Progressive- und Artrock-Fans mit einem epischen 20minüter. “Space Cowboy” bietet komplexe Songstrukturen, Tempowechsel, Klangmalereien und chorische Passagen. Es geht um den instinktiven Teil jedes Menschen, den Keyboarder Thomas Andersen “Space Cowboy” oder “Fireworker” nennt – Freud würde vielleicht “Es” dazu sagen, aber hier hat dieser innere Geist eine dämonische Struktur.

Nach so viel Mystischem folgen drei kürzere Stücke, die balladesk eine beruhigende Wirkung entfalten. Verträumt und bisweilen verzweifelt singt sich Jan-Henrik Ohme durch die Songs. Erst das Titelstück – mittig in der Tracklist platziert – trägt einen Funken Optimismus in sich.

Zum Schluss bringt “Sapien” die hypnotische Wirkung der Musik zurück und entfacht ein weiteres Feuerwerk. Psychedelisch und aufwühlend endet die Reise in das innere Selbst.

Sicher – es ist mal wieder ein sehr verkopftes Album. Und es erreicht nicht die erzählerische Klasse von “Tick Tock”. Doch Gazpacho führen ihren Weg unbeirrt fort und es gelingt ihnen immer wieder eine Steigerung. Dass sich manche Passagen dabei wie ein Aufguss älterer Alben anhören – geschenkt. Gazpacho sehen “Fireworker” als den Überbau, als eine Zusammenfassung der letzten Werke. Das gelingt ihnen musikalisch und thematisch.