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Lennart Schilgen macht “Populärmusik”

Lennart Schilgen  •  Populärmusik
Veröffentlichungsdatum: 09.04.2021
Unsere Bewertung: 7 von 9 Punkten

Wer “Populärmusik” als Gattung in den Albumtitel schreibt, hat definitiv Großes vor. Da liegt der Liedermacher und musikalische Kabarettist Lennart Schilgen schon einmal ganz gut mit seiner neuen EP: in 21 Minuten Länge gibt es fünf bemerkenswerte Popsongs mit Tiefgang.

Die Texte sind ungewöhnlich, aber sehr stark. Lennart Schilgen schreibt Lieder, die Geschichten erzählen. So gibt es den nostalgischen Beziehungssong “Wir verstehen uns blind”, der beide Partner mit geschlossenen Augen zurück lässt. Und ganz schön rührselig wird es im Gassenhauer “Müssten wir uns nicht küssen”, der mit wildem Rock’n’Roll-Feeling startet. “Ich lass es nur geschehen” berichtet von Gruppenzwang und zwangsläufigem Determinismus, sei es bei Saufgelagen oder Seitensprüngen.

Es sind alltägliche Konflikte, aus denen Schilgen seine Mini-Dramen strickt: Das Telefonat mit einer Festivalbekanntschaft nach Jahren der Funkstille (“Lea”). Die melancholische Verträumtheit einer stillen Anbetung, die sich dann als kleiner Kriminalfall entpuppt (“Ich bleib hier”).

Was überrascht, ist die Leichtigkeit, die er dabei versprüht. Hier ein beatlesquer Background-Chor, da eine spielerische Umdeutung der Sprache.

Das Pendeln zwischen Rock’n’Roll und Chanson, Ernsthaftigkeit und Komik machte es Schilgen nie leicht, eine passende Schublade zu finden. So landete seine zu Schulzeiten gegründeten Band Tonträger, die sich zunächst durch die Berliner Club-Szene spielte, irgendwann in Theatern und auf Comedy-Bühnen. Dort nahm in den letzten Jahren auch seine Solo-Karriere Fahrt auf: Zwei abendfüllende Programme, Fernsehauftritte, renommierte Kleinkunst-Preise wie der „Prix Pantheon“ und mehr als 200 Konzerte im gesamten deutschsprachigen Raum.

Mit dem Album “Populärmusik” kehrt er nun zur Band-Besetzung zurück. Die detailverliebten, fast ausschließlich in Eigenregie entstandenen Arrangements machen deutlich, dass seine Lieder auch weit über den Kleinkunst-Rahmen hinaus Bestand haben. Lennart liefert gefühlvollen, intelligenten Pop, der auf Anhieb Spaß macht, aber noch viel mehr ein genaues Zuhören belohnt.

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