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Urheber/Fotograf: Embassy of Music

Madeline Juno "Anomalie Pt. 2"

Unsere Wertung: 9 von 9 Punkten.

Von der Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten und sich neu zu entdecken

Vor einem Jahr erschien der erste Teil des Doppelalbums „Anomalie“ – und jetzt legt Madeline Juno nochmal eine Schippe drauf. Ihre Geschichte beginnt im elterlichen Bandkeller, den sie mit 11 zum Kinderzimmer erklärt. Mit 13 uploadet sie Songs auf YouTube, von denen sie zu Hause niemandem erzählt, die aber die Produzenten von Tokio Hotel auf den Plan rufen. Die Zusammenarbeit beginnt noch vor ihrem 15. Geburtstag und direkt nach dem Abi erscheint das erste Album „The Unknown“.

Seit sich die Offenburgerin entschieden hat, von der englischen zur deutschen Sprache zu wechseln, gehört sie zu meinen absoluten Favoritinnen in der poetischen Popmusik. Das war im Jahr 2017 mit dem Longplayer „DNA“ schon so und inzwischen ist ihr sechstes Album mit deutschen Lyrics erschienen. Sie vereint klugen Pop, innovative Sounds und eine offene, ehrliche Haltung. Es ist eine Einladung, über das Leben nachzudenken, aber auch zum Tanzen und Feiern.

Maddie beschreibt „Anomalie“ als eine Abweichung von der Norm, ein Ausdruck ihrer Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten und sich selbst neu zu entdecken. Zum Selbstbewusstsein beigetragen haben sicher ihre aktuelle Beziehung und die daraus resultierende Schwangerschaft (wie man auf den aktuellen Konzerten unschwer erkennen konnte).

Wie der Titel bereits vermuten lässt, war „Anomalie Pt. 1“ nie als abgeschlossenes Kapitel gedacht und so folgt mit „Anomalie Pt. 2″ der nächste Schritt – ein Nachfolger, der an die introspektive Klangwelt, die ambivalenten Gefühle und vielschichtigen Lyrics des Vorgängers anknüpft. Produktionstechnisch wagt sie sich in dieser Reihe weiter nach vorne und experimentiert mit neuen Einflüssen und klanglichen Elementen. So ist es ein sehr erwachsenes Popalbum geworden, dass sich in seiner Klangfülle nicht hinter internationalen Produktionen verstecken muss.

Schon die Vorab-Singles machten deutlich, wohin die Reise geht: „Indigo“ zeichnet das Bild einer Liebe, die längst verblasst ist, deren Spuren aber noch immer nachwirken. Zwischen melancholischen Synthesizern und einem hymnischen Refrain entfaltet sich einer der stärksten Momente des Albums. „Suffering In Style“ schlägt dagegen einen leicht ironischen Ton an. Madeline Juno verpackt Selbstzweifel und Schmerz in eine überraschend leichte Pop-Produktion. Das ist ein Kunstgriff, den sie mittlerweile perfekt beherrscht.

Zu den berührendsten Liedern gehört „Frieden im Herz“. Der Song verzichtet auf Pathos und beschreibt stattdessen den Wunsch, nach all den emotionalen Umwegen endlich bei sich selbst anzukommen. Gerade diese Reduktion macht den Titel so wirkungsvoll. Auch Songs wie „Funkstille“ und „Untertitel“ zeigen, wie präzise Madeline Juno Beziehungen sezieren kann. Es geht um unausgesprochene Worte, Missverständnisse und die Distanz, die manchmal größer wird, obwohl eigentlich niemand gehen wollte.

„Anomalie“ erfährt in seinem zweiten Teil eine konsequente Fortsetzung, die es zwischen Melancholie und feinen Beobachtungen der Lebenswelt noch stärker macht. Madelines Umgang mit Worten und Wahrheit wirft überlebensgroße Schatten, hinter denen alle Gefühle ihren Platz haben.

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