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Pohlmann reflektiert mit “falschgoldrichtig” sein Leben

Pohlmann  •  falschgoldrichtig
Veröffentlichungsdatum: 11.09.2020
Unsere Bewertung: 8 von 9 Punkten

Auf seinem neuen Album reflektiert Ingo Pohlmann sein bisheriges Leben. Er ist so ehrlich und aufrichtig wie nie zuvor und scheut sich auch nicht davor, unangenehme Dinge anzusprechen. Elf Songs sind entstanden, und diese Songs sind ein Nachspüren, ein Herausfiltern von Essenzen, Wahrheiten, Meinungen, die Pohlmann etwas bedeuten und die das Gegenteil leerer Worthülsen sind.

Ganz vorn steht sicher der Titel “In deinen Schuhen”, den er seinem vor 23 Jahren verstorbenen Bruder widmet. Dass daraus eine tanzbare Uptempo-Nummer entstanden ist und keine traurige Ballade, ist eines der großen Geheimnisse von Pohlmanns Musik. Wie kein anderer schafft er es, Emotionen auszudrücken und dem Hörer nahe zu bringen.

Auch die übrigen Songs nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und in Pohlmanns Biographie. “Noch kann ich verstehen” erklärt der kleinen Tochter, warum die Beziehung zur Mutter zerbrochen ist. “Schulweg” erzählt vom Highschool-Film der Jugend, in den sich jeder einfühlen kann, der in den 80ern seine Schulzeit durchlebte. “Glashaus” spricht von der Ambivalenz des richtigen Handelns im Hinblick auf die Zerstörung der Welt. Ein sozialkritischer Song wie “14 Stunden” berichtet von prekären Arbeitsverhältnissen aus der Sicht eines LKW-Fahrers. Ebenso streift “Taxischein” das Leben eines anderen Menschen.

Besonders stark finde ich “Unterwasser Atmen”, das sich anhört, als sei Pohlmann kurz bei Kettcar in die Lehre gegangen. In emotionalem Sprechgesang erzählt er vom Entstehen einer neuen Beziehung. Die emotionale Darstellung und die philosophischen Gedanken gehen zu Herzen.

Pohlmann lässt uns nah an sich ran. Das ist mutig, stark und wertvoll. Denn es birgt die Chance, dass wir in den Songs etwas erspüren, das uns Geborgenheit und Kraft schenkt, das wir uns zu eigen machen können. Schwächen zeigen, Verletzlichkeiten zulassen, emotionale Erinnerungen teilen – dabei geht es um etwas, und dann kann Musik richtig gut werden. Auf “falschgoldrichtig” kommen zu den schlauen, manchmal auch etwas düsteren Texten noch die stimmungsvollen Instrumentierungen, die optimistischen Melodien, die ausgewogenen Kompositionen hinzu, die einen immer wieder auffangen, einen positiv und hoffnungsvoll stimmen und einen am Ende der Platte beseelt zurücklassen.

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