Anna Depenbusch und das Kaiser Quartett – Tourabschluss in Neunkirchen
Seit Mai 2025 war Anna Depenbusch mit den Streichern vom renommierten Kaiser Quartett unterwegs. Das letzte Konzert der „Zwischen Liebe und Kummer“ Tour führte sie ins Saarland, nämlich nach Neunkirchen in die Neue Gebläsehalle. Hier sind und waren momentan bei der sogenannten „Female Edition“ der Reihe „Neunkircher Nächte“ eine Reihe von Acts mit Frontfrauen wie Vanessa Mai, Beyond The Black, Alice Hoffmann & Bettina Koch, sowie Nicole am Start. Und eben die Singer/Songwriterin Anna Depenbusch.
Anna Depenbusch ist eine Liedermacherin, auf gleichzeitig altmodische und zeitlose Weise. Mit ihren poetischen Texten zwischen ironischer Alltagsbeobachtung und philosophischer Melancholie, verpackt in chansonartige Melodien, hat sie schon früh ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Und der funktioniert sowohl solo am Klavier als auch mit der Klangfülle eines Streichquartetts. Das jetzt endende Programm brachte einen Querschnitt aus den sieben Studioalben der Hamburgerin.

Zunächst war das Quartett für ein kurzes Intro auf der Bühne, dann kam Anna zu „Tag im Mai“ hinzu. Den zweiten Song „Engel“, den sie für ihr Patenkind geschrieben hat, brachte sie allein am Piano dar. Was direkt auffiel: Annas Stimme ist eine Wucht! Sie singt laut und leise, sanft und energisch. Als Begleitung reicht das Piano locker aus, aber die Streicher schaffen schon eine ganz eigene Atmosphäre, was die Gäste in der gut besetzten Halle zu schätzen wussten.
Die Lieder waren gewohnt locker, mit ironischen Geschichten wie der buchstabierten Story von „Alphabet“ und der Yoga-Stunde für ihre Freundin namens „Kopf frei“. Es wurde aber auch melancholisch, als „Tanz mit mir (Haifischbarpolka)“ die Seefahrer-Sehnsucht nach Hamburg thematisierte.

Danach überließ Anna dem Kaiser Quartett für zwei Songs die Bühne. Jansen, Amanda, Ingmar und Martin stammen ebenfalls aus Hamburg und sind bekannt für ihre Interpretation zeitgenössischer Musik. Hier spielten sie zwei Stücke vom aktuellen Album „Empire“, nämlich den Titel „Schnell“, der eben so klang, und „Etude“, den Schrecken für alle Musikschüler, bei dem Violinistin Amanda sich in enervierenden virtuosen Wiederholungen üben musste. Ein fantastisches Intermezzo!
Beim Song „Benjamin“ kam Anna schier zum Orgasmus auf der Bühne, zum Instrumental „Fräulein im Walde“ sollte man sich die dazu gehörige, recht morbide Erzählung einfach selbst vorstellen, „Wenn du nach Hause kommst“ erklang voller Energie und bei „Was wäre wenn“ pfiff Anna am Ende gekonnt wie Ilse Werner, bevor der Lovesong „Nichts klingt so wie du“ nach einer Stunde des ersten Teil des Abends beendete.

Die Pause dauerte eine halbe Stunde, dann starte das Quartett allein mit „N.n.“ und „Schramm“. Es zeigte sich auch hier, dass die vier mehr waren als nur eine einfache Begleitung. Sie konnten das Publikum ebenso begeistern wie Anna Depenbusch – und beim letzten Konzert überschütteten sich die Künstler zudem gegenseitig mit Lobeshymnen.
„Alles auf Null“ brachte Anna mit viel Schwung zurück auf die Bühne, dann gab es „Eisvogelfrau“, den wundervollen Song für die Mathematikerin Emmy Noether. „Astronaut“ bezeichnete Anna als ihr eigenes Lieblingslied. Schließlich folgten der stimmgewaltige Chanson „Madam Cliquot“ und zum Schluss der Song, mit dem bei „Ina’s Nacht“ die Karriere der Depenbusch erst so richtig Schwung bekam: das überaus traurige „Kommando Untergang“.

Natürlich mussten noch Zugaben folgen – und es waren drei an der Zahl: Publikumsliebling „Tim liebt Tina“ wurde textsicher mitgesungen. Für das in Island geschriebene „Heimat“ kam das Quartett wieder hinzu und den letzten Titel „Tretboot nach Hawaii“ interpretierte man akustisch ohne Mikrofone, während Anna Depenbusch an der Ukulele für den entsprechenden Sound sorgte.
Um 22.20 Uhr endete ein großartiges Konzert ebenso wie die wundervolle Tour dieser Künstler, die sich so gut ergänzten. Ein fantastischer Abend, der die „Female Edition“ in Neunkirchen hervorragend bereicherte!

(Credit für alle Fotos: Atelier3Bären)



