Seit 50 Jahren ist der Sänger, Schauspieler und Erzähler Klaus Hoffmann mit seiner unverwechselbaren Art zu texten und komponieren präsent. Seine Lieder handeln von Sehnsucht nach Ferne und Nähe, von Aufbegehren und Akzeptieren und immer wieder von der Liebe. Stets im neuen musikalischen Gewand, mit Spielfreude, mal poppig, mal Uptempo, mal Low. Das aktuelle Album trägt den Titel „Ich bin“ und mit diesem Programm war er am 22. Februar 2026 in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Credit für die Fotogalerie: Atelier3Bären
Selbst der große Chansonnier unter den deutschen Liedermachern wird nicht jünger. 73 Jahre hat der Berliner Klaus Hoffmann schon auf dem Buckel, was man ihm aber absolut nicht anmerkt. Am Montag war er im eleganten Kulturzentrum „opderschmelz“ im luxemburgischen Dudelange. Knapp 250 Zuschauer fanden den Weg dorthin. Das sind natürlich weniger, als sich normalerweise zu seinen Konzerten einfinden, aber in Luxemburg hat er auch nicht den hohen Bekanntheitsgrad. Sei’s drum. Er nahm die Situation mit Humor: „Es sind nicht so viele, aber es sind die wichtigsten“, vermerkte er zur Freude des Publikums.
Wie ein guter Wein wird Klaus Hoffmann von Jahr zu Jahr besser. Seit Jahrzehnten irgendwie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimtipp und Star. Die Alben nie so ganz weit vorn in den Charts, aber immer im Auge der Medien. Er singt Lieder von Jacques Brel, spielt mit Wortwitz und seiner Berliner Schnauze, doch seit einigen Jahren schon werden die Alben schwermütiger und sehnsuchtsvoller.
Bei der Liveperformance ist von Schwermut allerdings nichts zu bemerken. Was sich die Luxemburger so anhören mussten, war schon sehr spitz und launisch: „Die rennen ja nur mit Edelsteinen rum und sind alle reich“, meinte er. Auch die aktuelle politische Weltlage bekam ihr fett weg: „50 Kriege auf der Welt! Wo sind die Tyrannenmörder, wenn man sie braucht?“ Ein El Hotzo verliert für solche Sprüche seinen Medienvertrag, doch Klaus Hoffmann steht halt über den Dingen.
Man muss einiges ertragen, wenn man auf seine Konzerte geht, aber das will ich ganz positiv verstanden wissen. Er ist, wer er ist, und nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Manchmal wirkte er etwas verloren zwischen den Musikern, verhaspelte sich, verlor sich in Ansagen, tat ein wenig senil und kraftlos. Doch dann war er wieder voll da und ließ die Menschen merken, dass das alles nur Show ist. Schon beim zweiten Song „Kinder“ vom aktuellen Album „Flügel“ stand er vor der Bühne und verpasste Fans in der ersten Reihe Streicheleinheiten. Nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich.
Das aktuelle Album bietet eine eigene musikalische Mixtur aus Pop, Jazz und akustischem Folk, gepaart mit feinen Streicherarrangements, die hier anhand eines Keyboards einflossen. Da findet sich eine Reihe von sanften Juwelen im Songwriting, mal mit akustischer Gitarre, mal am Piano begleitet. Die Texte folgen dem Puls der Zeit. „Neuer Morgen“ versprüht noch Optimismus und „Kinder“ baut auf die nachfolgende Generation, doch „Bin nicht Meer, bin nicht Strand“ liefert Erinnerungen an die Nachkriegszeit und einen verzweifelten Blick auf den Krieg in der Ukraine. „Im Osten geht die Sonne auf, in Odessa leider nicht“, heißt eine Songzeile kurz vor der Pause und lässt die Zuhörer*innen bedrückt und nachdenklich zurück.
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Klaus Hoffmann füllt lässig zwei Stunden mit seiner Musik. Inklusive Pause war das Konzert gegen 22.30 Uhr zu Ende und schon vor den Zugaben gab es stehende Ovationen für diesen wundervollen, manchmal auch etwas skurrilen Künstler, der die Anwesenden mit sonorer Stimme und einer Atmosphäre zwischen Feierstimmung und Melancholie durchweg mitgenommen hatte.
Natürlich gab es nicht nur neue Songs. Auch viele Klassiker wurden zur Freude des Publikums eingestreut, beklatscht und auch textsicher mitgesungen. „Weil es dich gibt“, natürlich. „Wenn ich’s hier schaff, schaff ich’s überall“ und das wundervolle „Marieke“ als deutsch-flämische Coverversion von Jacques Brel. Auch die Ballade „Blinde Katharina“ war mit dabei und im Zugabenblock gab es mit „In meinem Kiez“ und „Derselbe Mond über Berlin“ zwei heimatverbundene Stücke über die deutsche Hauptstadt.
In der zweiten Hälfte ließen neue Stücke wie „Was dir dein Herz erzählt“ und der alte Lovesong „Wegen dir“ die Herzen schmelzen, aber damit es nicht zu rührselig wurde, ging zwischendurch die Publikumsbeschimpfung weiter („Sie lachen auch über jeden Mist“ – natürlich ganz liebevoll gemeint). „Wer achtet schon auf Erektionen?“, fragte Hoffmann unvermittelt. „Vielleicht Trump?“, gab er sich selbst zur Antwort und hatte alle wieder mit im Boot. „Bitte geh nicht fort“ als weiteres Brel-Cover passte dann auch als Wunsch der Fans, dass dieser Klaus Hoffmann noch lange weitermacht und die Menschen zum Nachdenken bringt. In Dudelange hat er das ganz sicher geschafft.
„Flügel“ wurde als 50. Album des Berliners beworben. Müde klingt er jedenfalls nicht. Vielmehr erweist Klaus Hoffmann sich als großer Geschichtenerzähler und feinsinniger Beobachter. Die Welt zeigt ihren verstörenden Charakter – seine Lieder aber tragen immer einen Hauch Zuversicht in sich. Bleibt zu hoffen, dass er Recht hat und uns noch lange mit solch schöner Musik beglückt.
Selbst der große Chansonnier unter den deutschen Liedermachern wird nicht jünger. 72 Jahre hat der Berliner Klaus Hoffmann schon auf dem Buckel. Und wie ein guter Wein wird er von Jahr zu Jahr besser. Seit Jahrzehnten irgendwie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimtipp und Star. Die Alben nie so ganz weit vorn in den Charts, aber immer im Auge der Medien. Er singt Lieder von Jacques Brel, spielt mit Wortwitz und seiner Berliner Schnauze. Doch seit einigen Jahren schon werden die Alben schwermütiger und sehnsuchtsvoller. Man nehme das melancholische „Aquamarin“ aus dem Jahr 2018 und die wundervolle Magie von „Septemberherz“ im Jahr 2020.
Auch das neue Album „Flügel“ bietet eine eigene musikalische Mixtur aus Pop, Jazz und akustischem Folk, gepaart mit feinen Streicherarrangements. Da findet sich eine Reihe von sanften Juwelen im Songwriting, mal mit akustischer Gitarre, mal am Piano begleitet. Die Texte folgen dem Puls der Zeit. „Neuer Morgen“ versprüht noch Optimismus und „Kinder“ baut auf die nachfolgende Generation, doch „Bin nicht Meer, bin nicht Strand“ liefert Erinnerungen an die Nachkriegszeit und einen verzweifelten Blick auf den Krieg in der Ukraine.
Für Hoffmannsche Verhältnisse ist es ein lautes Album. Laut auch in den Texten. Texte die sich, selbst wenn sie Unterschiedliches benennen, aufeinander beziehen, ergänzen und verstärken – wie Ying und Yang. „Kein Held“ liefert ein beschwingtes Arrangement zu bedrückenden lyrischen Zeilen. Der Protagonist weiß, was es heißt, fremdbestimmt in Konflikte geschickt zu werden, welche nicht die eigenen sind.
Da ist der Jüngere, 20-Jährige, der sich naiv und arrogant eine Welt erfand („Ich versuch’s“), und den dennoch oder gerade deshalb so viel mit dem fragenden und vertrauenden Älteren („Was machst Du mit dem Rest dieser Zeit“) eint. Einem Älteren, dem aller vergeblichen Sehnsucht zum Trotz, gerade deshalb die Hoffnung innewohnt („Im nächsten Sommer sehen wir uns wieder“). Und dennoch steht über allem der Klaus Hoffmann der Gegenwart. Hoffmann, der spürt, wenn eine zweite Singstimme der atmosphärischen Tiefe eines Liedes dienlich ist: Caroline von Brünken auf „Oh mein Gott ist weit“.
Hoffmann hatte sich immer stilistisch dem Chanson verschrieben. Auch hier stehen zwei Songs von Charles Aznavour und Michel Legrand Pate, denen er einen deutschen Text verliehen hat. So klingt er meist wie der Barpianist von nebenan. Doch es gibt auch südländische Klänge wie bei „Was dir dein Herz erzählt“. Und die Streicherarrangements in vielen Stücken klingen lieblich und durchdringend zugleich.
„Flügel“ wird im Promotext als 50. Album des Berliners beworben. Müde klingt er jedenfalls nicht. Vielmehr erweist Klaus Hoffmann sich als großer Geschichtenerzähler und feinsinniger Beobachter. Die Welt zeigt ihren verstörenden Charakter – seine Lieder aber tragen immer einen Hauch Zuversicht in sich. Bleibt zu hoffen, dass er Recht hat und uns noch lange mit solch schönen Alben beglückt.
Eine Ode an den Herbst hat Klaus Hoffmann da mit „Septemberherz“ verfasst. Und mit Schrecken muss man feststellen, dass auch der ewig junge Berliner langsam aber sicher auf die 70 zugeht und wie seine großen Liedermacher-Kollegen in den Herbst des Lebens eintritt.
Und was ist es für ein schönes, berührendes, melancholisches Album, das uns der Chansonier da beschert. Berlin, Charlottenburg, Westend – hier entstanden die ersten Lieder, liegen des Sängers Wurzeln, hierher kommt er oft und kehrt nun sogar mit neuen Liedern zurück. In der Wilmersdorfer Straße in Holger Schwarks A-Trane Studio nahm er 15 wunderbare Chansons mit den Musikern Hawo Bleich (Keyboard, Klavier und Streicherarrangement), Micha Brandt und Jo Gehlmann (Gitarren), Stephan Genze (Drums) auf. Aus der Schweiz spielte Peter Keiser seinen Bass dazu, die Bläser kamen von den Kick Horns aus London. Erstmalig arrangierte Conrad Oleak die Streicher einiger Lieder.
Auch das neue Album bietet eine eigene musikalische Mixtur aus Pop, Jazz und akustischem Folk. Nachzuhören in dem jazzig-relaxten Titelsong, einem Lied, das ganz wundervoll die musikalische Stimmung von Hoffmanns deutscher Version des Michel Legrand Klassikers „Windmills of your Mind“ (aus dem Film „The Thomas Crown Affair“) aufnimmt: „Wie sich Flügel dreh’n im Wind“.
Seine Haltung hat der Sänger seit seinem ersten Album nach außen getragen. Daher ist es nicht außergewöhnlich, wenn Hoffmanns Werben für Menschlichkeit und gegen Ausgrenzung sich auch auf dem aktuellen Album wiederfindet und sich in wohltuend, hoffnungsvollen Liedern wie „Ich glaube“, „Was sie trugen“ und „Basta“ widerspiegelt. Gemeinsam mit seiner Tochter singt er das wundervolle Duett „Asi est la vida“.
Die Liebe zu Berlin ist immer ein Thema („Ich kenne dich“) – nicht umsonst erhielt der Liedermacher vor einem Jahr den Verdienstorden des Landes Berlin für sein Engagement für die Stadt. Aber auch der frankophile Einschlag spielt eine große Rolle im Lebenswerk. Ohne Corona wäre Hoffmann zurzeit mit einem Programm aus Songs des Belgiers Jacques Brel unterwegs. Für das tröstlich-melancholische „Und ich weiß nicht, ob’s vorbei ist“ textete Hoffmann die Brel-esquen Zeilen „Ich könnte heute sterben, doch ich liebe noch so sehr. Und im Kopf schneit’s kleine Scherben und das Leben wiegt so schwer“.
„Septemberherz“ ist ein magisches Album voller kleiner und großer Impulse, wehmütig und pathetisch. Gitarre, Piano oder orchestrale Arrangements – Klaus Hoffmann gibt seinen Texten den Raum, den sie brauchen, und erreicht direkt das Herz seiner Hörer, egal ob es im Mai, im September oder im November verhaftet ist.
Konzerte von Klaus Hoffmann sind immer besonders. Zum einen ist er der charmante Chansonnier, zum anderen der ironische Erzähler. Und gerade wenn er in seiner Heimat Berlin ist, bekommen die Anekdoten einen ausgedehnten Charakter.
Hoffmann ist seit einem Jahr mit dem Album „Aquamarin“ unterwegs, das nach „Sehnsucht“ und „Leisen Zeichen“ eine melancholische Trilogie abschließt. Das Konzert, das am 15. November 2018 in der Berliner Philharmonie mitgeschnitten wurde, enthielt aber auch Klassiker wie „Melancholia“, „Für det bisschen Zärtlichkeit“, „Der König der Kinder“ oder „Hanna“.
Selbst wenn man am heimischen CD-Player sitzt, spürt man, wie das Publikum an seinen Lippen hing. Es ist schon enorm, mit welcher Leichtigkeit er hier eine Verbindung knüpft und wie er die Menschen auf seine Seite zieht – die Seite des 68jährigen Liedermachers, Schauspielers und Autors, der fast sein ganzes Leben in Berlin verbracht hat und eigentlich gern verschweigen würde, dass er mit Zweitnamen „Dieter“ heißt, es dann aber doch nicht tut.
Der Redefluss ist nicht zu stoppen und man könnte ihm stundenlang zuhören. Wenn er sich verhaspelt, vermeintliche Geheimnisse ausplaudert, der Berliner Schnauze freien Lauf lässt. Und dazwischen gibt es wundervolle Lieder und Chansons. Aus Jim Webbs „The Moon Is A Harsh Mistress“ wird „Die Mondin ist ein kalter Stein“. Als Hommage an Charles Aznavour gibt es „Du siehst aus wie Papa“. Und dann bringt er wieder alle zum Lachen, während er zuvor übers Älterwerden lamentiert hat: „Ich hatte mir die Nacht mit dir ganz anders vorgestellt.“
An Flügel und Keyboard ist wie (fast) immer der kongeniale Hawo Bleich mit dabei. Und auch das gehört einfach dazu, denn so stellt man sich eine Nacht oder einen Abend mit Klaus Hoffmann vor. Die ausverkaufte Philharmonie war an diesem Abend ein verzauberter Ort, und wir dürfen mit räumlichem und zeitlichem Abstand daran teilnehmen.
An Ruhestand denkt Klaus Hoffmann noch nicht: 2020 geht es weiter mit einer Konzertreihe zu Jacques Brel – natürlich mit Hawo am Flügel.
In „Mein Respekt“ huldigt Josef Hien seinem großen Vorbild Reinhard Mey. Und er tut dies auf sehr herzliche Art, damit kokettierend, dass er Meys Klasse niemals erreichen wird. Wenn man aber das aktuelle Album „Mit dir“ des Regensburgers hört, ist er schon verdammt nah dran – an diesen poetischen Zeilen des Kollegen aus Berlin. Und er schafft es, in einer Textstrophe vier bekannte Mey-Songs sehr wohltuend als Hommage zusammenzufassen.
Genug also, um aufzuhorchen und sich näher mit diesem Singer/Songwriter zu beschäftigen, den Konstantin Wecker für sein „Sturm & Klang“ Label entdeckt hat. „Ein gutes Lied denkt nach und macht das Angebot mitzudenken; für sich selbst um- oder eben weiterhin anders zu denken“, so umschreibt Hien seine Profession als Liedermacher. Und er scheint diese als Mittvierziger zu leben, wenn man der Biographie und den Songs Glauben schenken will.
Josef Hien war schon Spielzeugverkäufer, Opernsänger, Konzert- und Eventmanager, Tennistrainer, Marketingleiter und Koordinator für Altenheimumzüge. Dieser Welt hat er inzwischen den Rücken zugekehrt und schaut gesellschaftskritisch in die Zukunft. Inzwischen sagt er, er wolle fortan ohne Smartphone, Müll und Plastik durch’s Leben gehen.
„Der Adler, der ein Huhn war“ setzt eine Fabel aus Ghana um und erklärt, dass man nicht immer Huhn bleiben muss, nur weil man mit den Hühnern scharrt. „Schwarzes Gefieder“ beschäftigt sich mit Korruption und Karrieregeilheit. Und das nachdenkliche „Mitten im August“ beginnt als schreckliche Moritat, die sich aber nach einem Twist zum Ende des Lieds (den ich jetzt nicht spoilern will), sehr anschaulich selbst erklärt. Kein Wunder also, dass Wecker sich entschieden hat, dieses Debütalbum unter seine Fittiche zu nehmen.
Auf der anderen Seite sind da die Liebeslieder, die sehr eigen sind und doch zu Herzen gehen. „Genial“ beschreibt die üblichen Missgeschicke des Alltags im Gegensatz zum Glück, den richtigen Partner gefunden zu haben. „Wenn du nicht bei mir bist“ spricht von der Leere des Lebens, die eintritt, wenn der Partner fern ist. „Elitepartner“ behandelt die Unperfektheit echter Beziehungen und der Titelsong „Mit dir“ schließlich erzeugt Gänsehaut, wenn Josef Hien ans Sterben denkt und wie es dann mit der Liebe weitergehen kann.
Für mich ist „Mit dir“ ein wunderschönes Debüt in späten Jahren. Vergleichbar mit Tim Linde, der im Norden seine Stücke zum Besten gibt, während Josef Hien den Süden unsicher macht. Er hat einen genauen Blick für seine Umwelt entwickelt, gefühlsstark und lustig, böse und politisch, aber vor allem immer hoch persönlich.
Für Klaus Hoffmann ist „Aquamarin“ der dritte Teil einer Trilogie. Nach „Sehnsucht“ und „Leisen Zeichen“, wie die letzten beiden Alben hießen, schließt er nun den Kreis zwischen seinen Anfängen, der Zeit des Aufbruchs und der Reise zum heutigen Chansonnier und Entertainer. Fans wird es freuen, ein solch reifes und – trotz seiner deutschen Sprache – so frankophiles Album zu hören. Dabei ist Melancholie Trumpf. Ich muss nur das wunderbare „Sonnenallee“ hören, um Klaus Hoffmanns Liebe zu Berlin zu begreifen. Und dieses Lebensgefühl einer positiven Melancholie zieht sich durch das ganze Album wie ein roter Faden.
Der „Aquamarin“ gilt als Glücksstein fahrender Seeleute und steht für Ankunft und Aufbruch. Davon singt Klaus Hoffmann. Er scheint ganz bei sich angekommen zu sein (jetzt – wo die große 70 in greifbare Nähe rückt) und doch bleibt er ein ewig Suchender. “Es ist wirklich meine Handschrift. Pur, modern, unmodern, mit Kante und großen Balladen. Die Geschichte des Kindes in uns, getragen von zwei Menschen, die sich noch immer lieben”.
Klaus Hoffmann kann wundersame Geschichten erzählen. „Ich denk an dich“ widmet sich einer zerrissenen Liebe, „Du siehst aus wie Papa“ geht tief zu Herzen, „Was mir mein Herz erzählt“ und „Was uns zusammen hält“ liefern philosophische Gedanken, ohne zu abstrakt zu werden. Chansons und Balladen geben sich die Hand – zwischendurch gewürzt mit weltmusikalischen Klängen. Ein durch und durch bezauberndes Album.
Mit Hawo Bleich am Flügel, Micha Brandt an der Gitarre, Peter Keiser am Bass und Stephan Genze am Schlagzeug kommt Klaus Hoffmann 2018 auf seiner Aquamarin Tour wieder in die schönsten Konzerthäuser.
Livekonzerte von Klaus Hoffmann sind etwas ganz Besonderes. Manchmal hat man das Gefühl, als stünden dort zwei grundverschiedene Menschen auf der Bühne. Der extrovertierte Erzähler, immer mit einem kessen Spruch auf der Lippe, der sich in seinen Ansagen verhaspelt, von seltsamen Begebenheiten erzählt oder weit vom Thema abschweift. Dann der introvertierte Sänger und Songwriter, der seine „stille Musik“ so emotionsbeladen ans Publikum bringt und den schmalen Grat zwischen rührseliger Emotion und Nachdenklichkeit so gekonnt beschreitet.
In Trier war Klaus Hoffmann nicht zum ersten Mal. Hohe Polit-Prominenz hatte sich in der Europahalle eingefunden. Selbst Ministerpräsidentin Malu Dreyer wurde gesichtet. Das spielte aber für die Show des Chansonniers keine Rolle und war nicht einmal eine Erwähnung wert. Wenn Klaus Hoffmann auf der Bühne steht, lebt er ganz in seiner eigenen Welt, erzählt aus seinem Leben und immer wieder von der Heimat und dem Sehnsuchtsort Berlin.
Als Mann an den Tasten hatte Hoffmann seinen Langzeit-Sidekick Hawo Bleich mitgebracht, der sich aber auf die Begleitung an Flügel und Keyboard beschränkte und höchstens mal ein süffisantes Grinsen zu den quirligen Ansagen des Entertainers beitrug. Ein großer Teil des Programms wurde mit launigen Anekdoten bestritten und man ertappte sich gern dabei, sich mehr auf die nächste Ansage als auf den nächsten Song zu freuen.
Vielen Besuchern waren die neuen Titel (das Album „Sehnsucht“ erschien 2014) gar nicht sehr geläufig. Sie fieberten vielmehr der nächsten Jacques Brel-Interpretation entgegen. Doch das war auch kein Problem. Das Repertoire unendlich vieler Studioalben ist ohnehin kaum zu überblicken und Hoffmann bemühte sich, aus allen Epochen etwas zu bieten. Er zeigte sich als hervorragender Entertainer mit Berliner Schnauze und interpretierte seine poetischen Chansons mit einer Intensität, die nicht nur mir mehrfach Gänsehaut erzeugte.
Am kommenden Ostersamstag wird Klaus Hoffmann 65 Jahre alt. Ein bewegtes Leben hat er geführt – sein Schauspieltalent mit der Hauptrolle im Plenzdorf-Klassiker „Die neuen Leiden des jungen W.“ dürfte jedem Deutsch-Leistungskursler unvergessen sein. Wie seine großen Kollegen auf Augenhöhe, Reinhard Mey und Hannes Wader, kann der Jüngste in diesem Trio, der das Rentenalter quasi noch nicht erreicht hat, live durchweg überzeugen.
Und der Abend in Trier wollte mal wieder nicht enden. Im Zugabenblock hatten sich viele Zuhörer längst vor der Bühne versammelt und jubelten dem Künstler zu. Und der ließ sich nicht lumpen: Obwohl das Saallicht schon angeschaltet war und Rausschmeißer-Musik erklang, kam er noch ein letztes Mal auf die Bühne und entließ erst um viertel vor 11 ein begeistertes Publikum in die kalte Trier Nacht.
2014 wird ein gutes Jahr für Freunde von Liedermacher-Kunst in Trier. Konstantin Wecker und Hannes Wader waren schon im Theater Trier zu Gast und machten mir dort viel Freude. Reinhard Mey wird Ende Oktober die Arena Trier beglücken und Klaus Hoffmann fand sich vergangenen Sonntag nach krankheitsbedingter Absage im März endlich in der ehemaligen Reichsabteikirche St. Maximin ein. Die ganz großen deutschen Liedermacher allesamt innerhalb eines Jahres in der ältesten Stadt Deutschlands. Da muss man doch dabei sein!
Klaus Hoffmann brachte in das stilvolle Ambiente nur sich selbst, seine Gitarre und einen Flügel mit. Der wurde gespielt von Nikolai Orloff, einem jungen Mann, der sich das Repertoire schnell erarbeiten musste, da Stammpianist Hawo Bleich krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte. Der Russe machte seine Sache sehr gut und überzeugte mit grandiosem Spiel auf den Tasten.
Doch natürlich stand der charmante Klaus Hoffmann ganz im Mittelpunkt. Seit Jahrzehnten irgendwie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimtipp und Star. Die Alben nie so ganz weit vorn in den Charts, aber immer im Auge der Medien. Schließlich sieht er mit 62 noch gut aus (die Damenwelt liegt ihm zu Füßen) und hat immer noch das schauspielerische Talent, das wir seit „Die neuen Leiden des jungen W.“ von ihm kennen.
Auch in Trier präsentierte Hoffmann sich als Erzähler spannender Geschichten und die berüchtigte Berliner Schnauze kam immer wieder durch. Mit Wortwitz und sympathischen Einwürfen unterhielt er sein Publikum. Schon zum Start machte er sich über das weitläufige Areal der ehemaligen Kirche lustig und wollte gleich einen „Brief an die letzte Reihe“ losschicken. Auch improvisierte er im Text des ersten Songs und ließ ein „Verzeih – ich war krank“ mit einfließen, was erstes Gelächter auslöste.
Klaus Hoffmann war sehr wortgewandt, er lud aber auch zum Nachdenken ein. „Ich trage meine Geschichten mit mir rum“, sagte er. Die Stadt Berlin war thematisch oft im Mittelpunkt und die Lieder kamen meist chansonartig beim Publikum an, manchmal aber auch mit einer gehörigen Portion Swing. Schon früh machte er einen Ausflug zwischen die Zuschauer und ließ einen Kalauer Richtung „Wetten, dass…?“ los: Einer geht, kehrt nie mehr wieder. Es wurde gefeiert und gelacht, der ganze Saal sang „Wer soll das bezahlen?“ Richtung Limburg und Hoffmann tänzelte vergnügt über die Bühne.
Doch seine Stücke sind nicht nur witzig. Gerade die bewegenden Momente nahmen die Zuhörer ganz gefangen. Wenn er „Als wenn es gar nichts wär“ für den verstorbenen Vater anstimmte und seine große Liebe zum Ausdruck brachte. Wenn er „Ick hab Berlin in meim Herz“ verkündete oder seinen Klassiker „Jedes Kind braucht einen Engel“ sang, der vielen Tränen in die Augen trieb.
Er sang Lieder von Jacques Brel und im nächsten Moment eine Ode an den Lieblingskater Ferdinand. Ließ das Publikum pantomimisch einen Liedtext darstellen und freute sich über die Standing Ovations zum Konzertende. Zum Schluss war alles auf den Beinen und die treuesten Anhänger hatten sich vor der Bühne versammelt. Es gab Zugabe um Zugabe, doch um Viertel vor 11 war dann doch Schluss. Klaus Hoffmann hat sich sehr jugendlich gezeigt und machte Lust auf mehr. Ich habe ihn zum ersten Mal live gesehen, hoffe aber, dass es nicht zum letzten Mal war.