Es mag erstaunlich klingen, dass eine Band, die seit 1993 ganze vier Alben veröffentlicht hat, Legendenstatus besitzt. Bei Quicksand erklärt sich dieses Phänomen durch zwei Dinge. Zum einen ist jedes dieser vier Alben, angefangen bei „Slip“ über „Manic Compression“ und „Interiors“ bis hin zu „Distant Populations“ eine Offenbarung und zum anderen löste sich die Band bisher zweimal auf und fand 2012, nach einer Pause von dreizehn Jahren, zum dritten und bislang letzten Mal zusammen. Vor kurzem haben Quicksand einen Vertrag bei Equal Vision Records unterschrieben und für den 17.07. ein neues Album namens „Bring On The Psychics“ angekündigt, das erste seit fünf Jahren. Damit läutet das Trio um Gitarrist und Sänger Walter Schreifels, Bassist Sergio Vega und Schlagzeuger Alan Cage eine neue Ära ein. „Bring On The Psychics“ fungiert als klangliche Brücke zwischen dem schweren und einflussreichen Sound der Band in den Neunzigern und den ambitionierten, experimentellen Werken ihrer jüngeren Schaffensphase. Das wird auch in Köln deutlich.
Wer dachte, dass die Hitzeglocke, die seit Tagen über der Domstadt hängt, an diesem Abend ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, der wird spätestens mit dem Auftritt der Vorgruppe Yeahrs eines Besseren belehrt. Eine gute halbe Stunde lang überzeugen die Berliner die Fans im nicht ganz ausverkauften Luxor mit allerfeinstem Heavy-Shoegaze und Post-Punk. Fast fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt, als Alben wie „Ten“, „Nevermind“ oder „Badmotorfinger“ das Licht der Welt erblickten. You know what I mean. Ganz nebenbei steigt die Temperatur auf und vor der Bühne trotz einer tapferen Klimaanlage auf gefühlt 45 Grad und man spürt schon jetzt wie der Schweiß langsam vom Nacken in die Schuhe läuft. Da hilft nur ein kaltes Kölsch (nach dem anderen). Also alles so wie es sich für ein Konzert dieser Güteklasse gehört.
Um 20.45 Uhr übernehmen dann schließlich Walter Schreifels, Sergio Vega (in einem „Listen To Bad Brains“ T-Shirt) und Alan Cage das musikalische Zepter und lassen den Kölnern keine Sekunde Zeit zum Luftholen. Die Drei ballern einen Song nach dem anderen mit einer solchen Wucht und Präzision in den Kultclub an der Luxemburger Straße als wäre das Curfew-Gespenst hinter ihnen her. Frei nach dem Motto „Let the music do the talking“ beschränkt sich die Kommunikation mit den Fans auf ein paar abgeklatschte Hände und fröhliches Dauergrinsen. Denn diejenigen, die hier sichtlich den allergrößten Spass haben, stehen nicht vor, sondern auf der Bühne. So schaffen es Quicksand in den ersten knapp 60 Minuten ihres Sets 18 ebenso atemlose wie grandiose Songs unterzubringen. Angefangen beim nagelneuen „Get To It“ über Klassiker wie „Dine Alone“ oder „Thorn In My Side“, dem ein oder anderen Cover („How Soon Is Now?“ von The Smiths) bis hin zu „Landmine Spring“. Walter Schreifels schreit, singt und hüpft dazu, während Sergio Vega auf Tuchfühlung mit den klatschnass geschwitzten Fans geht und Alan Cage im Hintergrund durch sein punktgenaues Schlagzeugspiel den Rhythmus dieses wild pulsierenden Soundgebildes zusammenhält.
Die einzige Atempause gönnt Schreifels sich, seinen Bandkollegen und den Kölnern, als er die abenteuerliche Geschichte von Alan Cage erzählt, der all seine Klamotten in Holland vergessen hat und „so langsam anfängt zu stinken“. Schließlich lädt er die Fans noch auf ein paar kostenlose Shots ins „Stereo Wonderland“ ein, wo nach dem Konzert die Aftershow Party steigt, bevor „Delusional“ das Ende dieses absoluten Vollgasabends markiert. Mit 75 Minuten fällt er zwar viel zu kurz aus, aber vielleicht hatten die drei Vollblutmusikanten auch das bevorstehende WM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Elfenbeinküste im Hinterkopf, das direkt im Anschluss im Luxor live gezeigt wird. Dieser Abend wird aus zweierlei Gründen noch lange im Gedächtnis bleiben. Zum ersten aufgrund der über alle Zweifel erhabenen Erkenntnis, dass Quicksand ihren Legendenstatus völlig zu Recht innehaben. Und zum zweiten weil Julian Nagelsmann spätestens heute begriffen haben sollte, dass Deniz Undav in die Startelf gehört.















