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Queen-Superstar Roger Taylor veröffentlicht neues Soloalbum “Outsider”

Roger Taylor - Quelle: Promoteam Schmitt & Rauch

Roger Taylor hatte in den zurückliegenden Monaten sehr viel Zeit zum Nachdenken – über sein bisheriges Leben und seine Ausnahmekarriere als Musiker. Nachdem die Tour-Aktivitäten von Queen + Adam Lambert bis 2022 pandemiebedingt auf Eis gelegt wurden, nutzte er die freigewordene Zeit anderweitig: Er schrieb während der Lockdown-Phase an neuem Material. Taylors erste Soloveröffentlichung nach acht Jahren mit dem Titel „Outsider“ erscheint am 01. Oktober 2021 auf CD, LP, MC und digital.

Seine vielen Talente als Komponist, Sänger und Multiinstrumentalist seien während dieser Phase der Selbstisolation besonders wichtig und nützlich gewesen, kommentiert Taylor. Denn wie schon bei seinem allerersten Soloalbum „Fun in Space“ (1981) schrieb, sang, spielte und produzierte er die Songs von „Outsider“ größtenteils alleine. Einzig für spezielle Gastauftritte holte er nach und nach angestammte Mitstreiter*innen und befreundete Kolleg*innen an seine Seite. Basierend auf dem Erfahrungsreichtum von 50 Jahren im Rampenlicht, ist „Outsider“ ein spätes, reifes Karriere-Statement, getragen von einer herbstlichen Stimmung. „Oh ja, herbstlich, das ist ein guter Ausdruck dafür“, findet er. „Es hat diese Nostalgie, diese Wehmut, und es klingt eher reif, schon etwas erwachsener als meine letzten Alben.“

Outsider vereint ein gewaltiges Panorama: Klangliche Landschaften, introspektive, wunderschön arrangierte Titel, in denen er philosophische Gedanken über die Flüchtig- und Zerbrechlichkeit des Lebens, die wenige Zeit auf Erden, die uns bleibt, reflektiert. Komponiert in Cornwall während des ersten Lockdowns im Jahr 2020, handelt schon der melancholische Eröffnungstitel „Tides“ von der Sterblichkeit.

„‘Tides’ basiert letztlich nur auf so einem Gefühl“, erläutert Roger. „Mein Haus liegt am Meer, und die Gezeiten kommen und gehen, du kannst die Uhr danach stellen. Du kannst dich dermaßen auf sie verlassen, dass man sie fast schon als eine Art Freund bezeichnen könnte. Es geht um die zwangsläufige Kürze unseres Gastspiels, um unser sicheres Hinscheiden.“

Dabei klingt „Outsider“ insgesamt keineswegs düster oder betrübt. Überdruss und Melancholie setzt er immer wieder Optimismus und pure Leidenschaft entgegen – mitunter sogar Ausblicke auf bessere Zeiten, die noch vor uns liegen. Klar vom Lockdown inspiriert ist dabei der introspektive Song „Isolation“, bei dem am Schluss die Hoffnung gewinnt: Die Wunden der Einsamkeit würden bestimmt bald verheilen, wenn menschliches Miteinander wieder möglich sein wird. Auf der neuesten Single „We’re All Just Trying To Get By“ teilt sich Roger das Mikrofon mit KT Tunstall, und auch hier geht es um das Dasein selbst – genauer gesagt: um das Überleben.

„Ein ganz simples Statement ist das“, holt Roger aus. „Es geht um das, was jedes Lebewesen auf diesem Planeten letztlich tut: Irgendwie versuchen, über die Runden zu kommen, sich zu vermehren, einfach zu existieren. Das ist doch im Kern das, was wir hier machen: Ob du dir nun die Pflanzen, die Tiere oder die Menschen anschaust – alle wollen sie weiterleben. Und ja, natürlich stecken wir mitten in dieser verfluchten Pandemie… tja, wahrscheinlich kann man sagen, dass auch das Corona-Virus im Grunde genommen bloß überleben will!“

Selbst der optimistische Titelsong erinnert daran, dass Underdogs und Außenseiter es früher oder später schaffen, aufzustehen und den Sieg doch zu erreichen: „‘Outsider’ dreht sich um Mobbing, darum, wie es ist, nicht Teil der coolen Clique zu sein“, so Roger. „Das führt gewissermaßen bis zum Schulhof zurück, aber letztlich kennt das doch jeder in irgendeiner Form aus dem eigenen Leben. Jeder ist irgendwann mal ein Außenseiter und hat das Gefühl, nicht dazuzugehören und schikaniert zu werden.“

Insgesamt mag Roger Taylor auf diesem Album zwar ruhiger als sonst klingen, seinen Hang zur vertonten Sinnesfreude und hart rockendem Hedonismus lebt er stellenweise doch aus: So zum Beispiel im Lied „I Know I Know I Know“. „Das ist eine bluesige Entschuldigung für einen sehr menschlichen Fehltritt“, so der Musiker. „Und ob das autobiografisch ist? Ich glaub, das sollte jeder für sich entscheiden.“

Der Erzähler der mit harten Riffs daherkommenden Blues-Rocknummer „More Kicks“ zeigt hingegen keine Reue, sondern feiert die eigene Jugend und seinen unstillbaren Durst. „Das ist eine bluesige Anti-Entschuldigung“, fügt er lachend hinzu. Ganz klar der lauteste und druckvollste Song auf Outsider, dreht Roger zum Schluss richtig auf und prügelt wie ein Wahnsinniger auf sein Instrument, das Schlagzeug, ein. „Oh ja, ich kann immer noch richtig hart draufhauen“, grinst er. „Allerdings mache ich dieses Eindreschen inzwischen mit etwas mehr Feingefühl. Vielleicht nicht ganz so hart, dafür technisch versierter.“

Auch politische Themen hat Roger Taylor auf seinen Alben nie ausgeklammert

Mit dem luftig produzierten, absolut eingängigen Stück „Gangsters Are Running This World“ ist auch dieses Mal eine Art Protestsong auf dem Album vertreten – flankiert vom dazugehörigen Funkrock-Gegenstück „Gangsters (Purple)“. Der vernichtende Songtext zielt auf alle autoritären Regimes und deren Oberhäupter – Putin, Lukaschenko, Bolsonaro & Co. „Mit Queen haben wir immer versucht, uns möglichst unpolitisch zu geben“, meint er nickend, „nur wenn du dann die Freiheit hast, dich als Einzelner zu äußern, dann kannst du sagen, was dir gerade verdammt noch mal in den Sinn kommt! Und genau das habe ich schon immer versucht. Es gibt einfach so viele Gangster, die momentan in irgendwelchen Ländern an der Macht sind!“

Eher unerwartet und quasi per Wildcard ist „The Clapping Song“ auf „Outsider“ vertreten: Bekannt in der Aufnahme von Shirley Ellis, die damit 1965 die US-Top-10 aufmischen konnte, war die Komposition 1982 auch in England ein Hit – in der Version von Belle Stars. Strahlend, bläserbesetzt und funky, sagt diese Wahl eigentlich alles über den Musikgeschmack des heranwachsenden Roger Taylor: „Ich habe das Original von Shirley Ellis einfach geliebt. Es ist so ausgelassen, so schlicht! Es hat diesen Swing, und ich wollte genau diesen Schwung auch in meine Version einbringen, indem ich ein uraltes Drumset benutzt habe. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, diesen Song aufzunehmen – der funktioniert wie so ein Kinderlied, das man eher auf einem Spielplatz erwarten würde.“

Schließlich ist auf „Outsider“ auch für ausgewählte Highlights aus seinem Solo-Backkatalog Platz, die er noch einmal neu arrangiert und überarbeitet hat. Die emotionale Ballade „Absolutely Anything“ war ursprünglich Teil des Soundtracks zur gleichnamigen Sci-Fi-Komödie der inzwischen verstorbenen Monty-Python-Ikone Terry Jones (mit Simon Pegg und Kate Beckinsale). Ebenfalls aus dem Archiv stammt die Idee zu „Foreign Sand“ – eine Gemeinschaftshymne, komponiert mit dem japanischen Kollegen Yoshiki. Die Originalversion war in Großbritannien schon 1994 ein Top-30-Hit, aber mit dem neuen „English Mix“ verwandelt er das Stück in eine schnörkellose, aufgeräumte Akustikballade.

„Ich fand einfach, dass die Leute endlich den wahren Kern dieses Songs hören sollten“, meint Roger. „Ich fand die Originalversion immer schon etwas zu überladen arrangiert, die Orchestrierung war zu dick aufgetragen. Ich mag diesen Ansatz à la John Lennon, einfach alles abzustreifen und freizulegen, bis man den Kern einer Idee zu hören bekommt, anstatt alles zu sehr zu verschleiern.“

„Outsider“ endet, wie es begonnen hat: Mit reumütigen Reflektionen über die unbegreifliche Größe des Universums – gegenüber der kurzen, endlichen Spanne eines Menschenlebens. Ursprünglich schon vor vier Jahren als Single und Kurzfilm veröffentlicht, ist das siebenminütige „Journey’s End“ der perfekte Schlusspunkt für Roger Taylors neues Album, zum ambitioniertesten Werk seiner Karriere. „Der Song hat so eine seltsame, fast schon fatalistische Stimmung“, sagt er über den Schlusstrack mit seinen düsteren Anklängen, seinem symphonischen Arrangement. „Im Grunde genommen geht’s da um Gedanken über die Sterblichkeit. Darum, die Tatsache zu akzeptieren, dass das hier eine Reise ist – und dass auch diese Reise zu einem Ende kommen wird. Es ist eine Komposition, die dieses Gefühl der Endlichkeit beschreibt, aber es ist ein optimistischer Blick auf diese Endlichkeit.“

Live wird „Outsider“ im großen Rahmen Premiere feiern, wenn Roger und seine Band ab dem 02. Oktober eine exklusive Tour durch Großbritannien mit 14 Shows antreten. Mit einem Mix aus Solo-Highlights und ausgewählten Queen-Klassikern versprechen die Konzerte genau das, worauf die Fans seit vielen Monaten im Lockdown gewartet haben.

„Alle sollen richtig Spaß haben“, so laute die Mission. „Ich glaube kaum, dass ich das hier noch besonders lange machen werde – aber momentan kann ich das noch, und deshalb gebe ich auch alles dafür. Ob ich auch Songs von Queen spielen werde? Unbedingt sogar! Ich mag Künstler nicht, die genau das ausklammern, wofür sie von den Leuten geliebt werden. Mach schon, steh zu dem, was dich ausmacht!“

Roger Taylor mag sich auf Outsider insgesamt eher in einer herbstlichen Stimmung präsentieren – aber er geht deswegen noch längst nicht „gelassen in die gute Nacht“ (um es indirekt mit Dylan Thomas zu sagen). Seine einzigartige Reise als Musiker ist noch längst nicht vorbei.