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Von R.E.M. erscheint am 29.10. “New Adventures In Hifi” neu remastert

R.E.M.  -  Quelle: Promoteam Schmitt & Rauch

Das nächste Highlight im Jubiläumsjahr bahnt sich an: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums wird Craft Recordings das 10. Studioalbum von R.E.M., „New Adventures In Hi-Fi“, am 29. Oktober 2021 als erweiterte Deluxe-Edition veröffentlichen.

Erhältlich in einer Vielzahl von Konfigurationen, sind die remasterten Neuauflagen des R.E.M.-Meilensteins mit reichlich Bonusmaterial ausgestattet. Die 2CD/1Blu-ray Deluxe Edition beinhaltet neben dem remasterten Album gleich 13 B-Seiten und weitere seltene Songs sowie einen bislang unveröffentlichten Film der 64 Minuten lang ist und ursprünglich nur zu Promo-Zwecken in fünf Metropolen auf Häuserwänden projiziert wurde. Außerdem vereint das audiovisuelle Paket ein ebenfalls unveröffentlichtes EPK aus jenen Tagen.

Die Blu-ray bietet das Album passend zum Titel „New Adventures in Hi-Fi“ zudem in bester Hi-Res- und 5.1 Surround Sound-Audioqualität. Dazu gibt es fünf HD-bearbeitete Musikvideos zu Albumhighlights wie „Bittersweet Me“, „Electrolite“ und „E-Bow the Letter“. Präsentiert in einem 52-seitigen Hardcover-Buch, besticht die Edition obendrein mit reichlich Fotos aus dem Archiv – viele davon bislang unveröffentlicht – und neuen Liner Notes von Mark Blackwell. Abgerundet wird die Lektüre mit Erinnerungen der vier Originalmitglieder sowie Beiträgen von Patti Smith, Thom Yorke und dem Produzenten Scott Litt.

Die erweiterte (Expanded) Edition, erhältlich als 2CD und digital, vereint das Originalalbum (remastered) mit B-Seiten und Raritäten. Dem 2CD-Set liegt außerdem ein exklusives Poster bei (ca. 60x60cm groß) sowie vier Sammelpostkarten und ein Booklet mit den neuen Liner Notes und vielen Archivfotos. Dazu wird das neu gemasterte Album auch als 2LP-Set in den Handel kommen, erhältlich auf 180g-Vinyl. Im offiziellen Unboxing-Clip werden die verschiedenen physischen Editionen vorgestellt. Eine limitierte Vinylpressung auf Clear- bzw. schwarz-marmoriertem Vinyl wird exklusiv über den offiziellen R.E.M.-Store erhältlich sein (limitiert auf 1.000 Stück weltweit). Dort gibt es auch neue Merchandise-Produkte zum „New Adventures in Hi-Fi“-Jubiläum.

Aktuell ist bei allen digitalen Partnern die erste Single „Leave – Alternate Version“ erhältlich. Ursprünglich für den Soundtrack von „Lebe lieber ungewöhnlich“ (A Life Less Ordinary) aufgenommen, handelt es sich um eine eindringlich-minimalistische Version des New Adventures-Stücks „Leave“, für das Micheal Stipe neue Vokalteile aufgenommen hat (außerdem kommt die Version ohne Sirenen aus). „Vielleicht finde ich diese Version sogar besser als die auf dem Album“, meint Stipe, „oder, sagen wir so: nicht unbedingt besser, aber sie erzählt eine ganz andere Geschichte mit diesem Text.“

Ursprünglich im September 1996 veröffentlicht, zählt „New Adventures in Hi-Fi“ bis heute zu den erfolg- und einflussreichsten Alben von R.E.M. Von der Band und ihren Fans gleichermaßen als Meilenstein bezeichnet, entpuppte sich das 10. Album als globaler Hit: #2 in den US-Albumcharts, dazu Platinstatus. In UK, Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie vielen weiteren Ländern erreichte der Longplayer sogar direkt Platz 1. Auch von den Kritikern durchweg gelobt, landete „New Adventures in Hi-Fi“ damals zum Jahresende ganz oben in den Jahresbestenlisten bei Spin, Mojo, dem US-Rolling Stone, Entertainment Weekly und dem NME. Auch in den Jahren seit der Veröffentlichung wurde das Album in Rückblicken immer wieder als eine der absoluten Meilenstein-Veröffentlichungen von R.E.M. gewürdigt.

„New Adventures in Hi-Fi“ ist dabei das letzte Album, das R.E.M. zusammen mit Gründungsmitglied Bill Berry am Schlagzeug einspielten. Im Jahr darauf verließ Berry einvernehmlich die Band. Noch wichtiger und prägender war dabei womöglich ein anderes Detail: Weite Teile ihres 10. Albums schrieben und komponierten R.E.M. nämlich auf Tour, zwischen den vielen, vielen Stationen ihrer großen „Monster“-Tour aus dem Jahr 1995.

Zwar war das Unterwegs-Arbeiten nicht ganz ungewöhnlich für die Band um Michael Stipe, aber bei „New Adventures…“ gingen sie damit deutlich weiter als zuvor: Zum Tourstart fassten sie den Plan, einen abstrakten Reisebericht zu erstellen, in dem sämtliche Eindrücke und Erlebnisse der Konzertreise festgehalten werden sollten. „Wir wollten ein Album übers Auf-Tour-Sein machen – ohne aber davon zu singen, wie es ist, auf Tour zu sein“, so Bassist Mike Mills in den Liner Notes. „Die Idee war vielmehr, dieses Gefühl einzufangen. Dieses Unterwegs-Gefühl sollte sich im Sound äußern und im Feeling, der Stimmung des gesamten Albums.“

Unterwegs war die Band damals mit einem mobilen Aufnahmestudio, wodurch sie die jeweils neuesten Ideen zwischen den Soundchecks gleich auf einem Achtspur-Gerät festhalten konnten (wie auch in diversen Backstage-Bereichen oder im Tourbus). „Die Idee lautete: Wir müssen uns richtig herausfordern“, bringt Gitarrist Peter Buck die Sache im Gespräch mit Journalist Blackwell auf den Punkt. „Mein Gefühl sagte mir, dass diese Aufnahmen sehr viel genauer zeigen würden, wo wir an dem Punkt wirklich standen – was einem mit anderen Aufnahmen zum Teil nicht wirklich gelingt. Diese Platte war letztlich der Versuch einzufangen, wer wir an diesem Punkt gerade waren.“

Die einjährige Tournee, die im Januar 1995 begann, war genau genommen die erste Tour nach sechs Jahren für R.E.M. Und natürlich standen für eine der größten Bands der Welt, die sie inzwischen waren, nur ausverkaufte Stadien auf dem Programm – in Nordamerika, Europa, Australien und Japan. Im Vorprogramm spielten Sonic Youth und Radiohead. Allerdings gab es unterwegs gleich mehrere medizinische Zwischenfälle: Schon im März kollabierte Berry auf der Bühne; ein Aneurysma zwang ihn dazu, den nächsten Monat eine Auszeit zu nehmen. Mills hingegen musste im Juni am Magen operiert werden. Und nur einen Monat folgte eine Notfall-OP bei Mr. Stipe. Er zog sich einen Leistenbruch zu – laut eigener Aussage genau während ihrer Performance des Songs „Undertow“ (zu Deutsch: Sog).

Nachdem die Band die lange, aufregende und erfolgreiche Tournee beendet hatte, ging sie gleich mit dem angestammten Produzenten Scott Litt ins Studio, um dort ein paar weitere Songs aufzunehmen und andere Titel zu finalisieren. Dazu zählten unter anderem der epische 7-Minuten-Song „Leave“, „E-Bow The Letter“ (mit Background-Vocals von Patti Smith), „New Test Leper“, das Peter Buck später zu seinem absoluten Lieblingssong von R.E.M. erklärte, und „How The West Was Won And Where It Got Us“ – übrigens eines von vielen Songs auf dem Album, die von Stipes Beobachtungen in Los Angeles inspiriert waren.

Am Tag der Veröffentlichung stellten R.E.M. einen persönlichen Rekord auf: Mit 65 Minuten Laufzeit war „New Adventures in Hi-Fi“ das längste Werk ihrer Karriere. Gespickt mit packenden Geschichten, eindringlichen Effekten und Mut zu dissonanten Klängen, bewegten sich R.E.M. im Verlauf ihres 10. Albums auf ganz unterschiedliches Terrain. Ein Stück wie „Low Desert“ beschreibt Berry dementsprechend als „einfach nur staubig und irgendwie gedrosselt und sumpfig… Ich fühl mich komplett allein, wenn ich mir den Song anhöre – aber im positiven Sinne.“ Stipe verbindet mit dem Lied eine Reihe von Fragen: „‘Was machen wir hier in der Wüste? Was tun wir hier eigentlich im Westen der USA? Was haben wir eigentlich an diesem unbewohnbaren Ort verloren?’“ Ganz anders klingen hingegen Songs wie „Departure“ und „The Wake-Up Bomb“ – wenn R.E.M. auf ihren klassischen Rocksound setzen.

Rückblickend sind die Bandmitglieder stolz auf das Album „New Adventures in Hi-Fi“. Peter Buck erzählt hierzu: „Bei den meisten Alben ist es doch so, dass du ins Studio gehst und einfach deinen Job machst. Jahre später kann man sich dann bestenfalls noch daran erinnern, wie die Unterkunft war, und natürlich an die Songs, den Aufnahmeprozess. Bei diesem Album jedoch erinnere ich mich an jedes einzelne Detail. Es war ein richtiges Erlebnis! Es war verdammt noch mal schwierig, aber wir haben ein Album gemacht. Es war vermutlich eine der größten Herausforderungen, der ich mich je stellen musste.“