Als die H-BLOCKX um Henning Wiehland vor zwei Jahren ihr langes Schweigen brachen und endlich wieder bei ROCK AM RING in Erscheinung traten, war es wie in alten Zeiten und Erinnerungen wurden wach. 1995 gab es den ersten Gig der deutschen Crossover Pioniere am Ring und deren damaliger Hit „Risin‘ High“ ist bis heute im Ohr. Jetzt gibt es sogar ein neues Album – das letzte ist 14 Jahre her – und prompt mit Platz 3 die höchste Chartplatzierung ever.
Die neue Platte der Münsteraner erscheint über Solitary Man-Records, das von den DONOTS geführt wird: Beide Bands verbindet eine lange Historie und Donots-Sänger geht soweit, „FILLIN_THE_BLANK“ das „zweite Album der Band“ zu nennen: „Denn so unbeschwert, leicht, direkt, hittig und ja, cool, war das Quartett ehrlich seit Jahrzehnten nicht.“
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Das sieht auch Sänger Henning Wehland so: „Ingo hat uns mit diesem Satz einen Gefallen getan: Unser Debüt war sehr bedeutend und hat in der Szene einiges bewegt – im Positiven wie im Negativen. Wir haben 30 Jahre gebraucht, um alle anderen Wege auszuprobieren, und jetzt verstanden, dass das unsere DNA ist. Es fühlt sich so an, als wären wir jetzt wieder dort angekommen, wo wir hingehören.“
In diesem Sinne führt das Album gradlinig und überzeugend zurück in die 90er. Rau und roh, mit viel Groove und starken Gitarren. Es erinnert bisweilen thrashig an Metallica und Co, hat aber daneben genug Platz für die ordentliche Portion Rock, Funk und Rap. Elf Songs in 32 kurzweiligen Minuten bieten viel Power und eine Menge Ohrwürmer.
So, als wären sie nie weg gewesen: viel Retro mit dem Potential, sich neue Hörerschichten zu erschließen!
Vier Tage lang zeigte der Platz vor der Porta Nigra, dem kultigen römischen Denkmal in Trier, mal wieder eine großartige musikalische Bandbreite beim „PORTA HOCH DREI“ Open Air. Das steht in jedem Jahr für eine Mischung von Pop über Rock bis Punk. Fast alle musikalisch Interessierten werden hier einen Abend finden, der ihren Bedürfnissen genügt. Und wer mehr auf Klassik steht, hat ja am Sonntag immer noch das Picknickkonzert des Philharmonischen Orchesters (Theater Trier), das traditionell den Abschluss macht.
Die Location ist einfach wundervoll. Im Hintergrund das alte römische Stadttor, für das Trier europaweit bekannt ist. Eine durchsichtige Rückwand an der Bühne, damit man das Bauwerk stets voll im Blick hat. Die Künstler*innen zeigen sich beeindruckt und thematisieren Triers Geschichte – mal mehr, mal weniger ironisch. Der Platz fasst knapp unter 3.000 Zuschauern, doch darüber hinaus ist auch immer die Fußgängerzone mit „Zaungästen“ gefüllt, die das Geschehen zumindest akustisch verfolgen können. In 2025 gab es zudem vier Tage Sonnenschein – fast schon zu warm, doch nach 20 Uhr wehte auch vor der Porta ein kleines Lüftchen und man wurde gut mit Flüssigkeiten versorgt.
Am Donnerstag ging es mit dem Support MYLE los. Ein sympathischer Songwriter, allein an der Gitarre. Mit smarten und überraschend hohen Vocals sang er Stücke wie „Not Ready“ und sorgte von Beginn an für gute Stimmung. In den dreißig Minuten seines Auftritts hat er ganz sicher einige neue Fans gewonnen. Das Kreischen der Mädels war zumindest genau so laut wie beim späteren Topact. MYLE stammt aus Ravensburg („wer puzzelt gerne?“). Das kann man sich merken. 2026 wird er allein auf Tour gehen und in vielen deutschen Clubs spielen. Ist sicher lohnenswert, wenn ihr irgendwo in der Nähe seid.
Um 20.30 Uhr war dann Alvaro Soler mit einer starken Begleitband am Start. Von Beginn an Vollgas und spanisches Feeling. Er freute sich über den Sonnenschein und die unfassbare Kulisse. Am Tag hatte er schon Blumen in Trier verteilt, als Geste an die Fans, und davon waren auch einige im Publikum zu sehen. Bei Alvaro wirkt einfach nichts aufgesetzt. Er ist ein bodenständiger und authentischer Künstler, den fast nichts aus der Ruhe bringen kann.
Als die Technik mehrfach ausfiel, wurde er zum Stand Up-Moderator. Man merkte zwar, dass er improvisieren musste, aber die ausgiebige Bandvorstellung war famos. Multiinstrumentalistin Charlie wurde ausgiebig gewürdigt, und das Publikum durfte für die japanische Keyboarderin einer kleinen Sprachkurs machen. Man wollte zwar lieber Musik hören, aber langweilig wurde es in der Überbrückungszeit nicht.
Alvaro Soler ist ein Weltstar mit Gold- und Platin-Alben rund um den Globus, seine Musik sprüht vor Lebensfreude. Geboren in Barcelona, aufgewachsen in Japan, lebt der Popmusiker heute in Madrid und Berlin, spricht sieben Sprachen und ist in der Welt zu Hause. Schon früh lernte er, wie Musik Menschen und Kulturen verbindet, Grenzen überwinden lässt. Spätestens seit der Sendung „Sing meinen Song“ ist seine deutsche Fangemeinde riesig, seit 2021 ist er als Coach bei „The Voice Kids“ zu sehen und die Kids himmeln ihn an. Auch in Trier war viel Jungvolk unterwegs.
Musikalisch gab es Klassiker wie „El mismo sol“, „Magia“ und „Sofia“, viele neue Stücke, unter anderem das gerade erschienene „Regalo“, den aktuellen Hit „Con Calma“ und viele unveröffentlichte Songs vom neuen Album, das im Herbst erscheinen wird. Als Trio gab es neben den groß angelegten Hymnen auch drei Songs unplugged. Die Fans feierten alles mit und einige nutzten das Pflaster rechts und links des Platzes zum Tanzen.
Es war ein beschwingter erster Abend mit sommerlichem und südländischen Flair. Alvaro hat sich hier in die Herzen der Trierer gesungen und auch sein eigenes großes Herz weit ausgebreitet.
Am Freitagabend gab es ein magisches Duo. Max Herre und Joy Denalane, seit Jahrzehnten ein Paar, sind mit ihrem Album „Alles Liebe“ gemeinsam unterwegs und verbreiten eine liebevolle Stimmung. Dabei könnte die Bandbreite des Repertoires kaum vielseitiger sein. Die Mischung aus Soul und Rap war Garant für einen perfekten Abend.
Es ging los mit den aktuellen Titeln „Alles Liebe“ und „Skyline“. Und dann schon „Esperanto“ von Freundeskreis. Eine Erlösung für alle Fans mit dem Wissen, dass auch die Klassiker der großen Hop-Hop-Band nicht vergessen werden. Hier war ebenfalls eine sehr gute Band mit am Start und es gab schon zu beginn Szenenapplaus für das Background-Duo, das stimmlich in Topform war und die Protagonist*innen unterstützte.
In der Setlist wurde es sehr persönlich, wenn die Beziehung von Max und Joy mit „Day One“ und „1ste Liebe“ ausgiebig thematisiert wurde. Dann kam Joy mit drei ihrer Signature-Songs allein zur Geltung und thematisierte darin unter anderem Südafrika und die Apartheid („Im Ghetto von Soweto“), während Max im Anschluss mit „Nachts“ und „Wolke 7“ glänzte und in „Dunkles Kapitel“ klare Kante gegen rechte Tendenzen zeigte: „Fuck AFD!“.
Je später der Abend, desto stärker die Rap-Parts. „Rap ist“, „Wenn der Vorhang fällt“ und „Tabula Rasa“ zeigten Max in Topform. Und als dann die Klänge von „A-N-N-A“ über den Platz hallten, war kein Halten mehr. Die Party hatte ihren Höhepunkt erreicht und es konnte nur noch romantisch werden. „Bisschen mehr als Freundschaft“, „Alles leuchtet“ und „Mit dir“ beendeten den Set. Das ist der Song, mit dem die Geschichte von Max & Joy begonnen hat – und sie zelebrierten ihn mit dicker Umarmung und Knutscher. Ein Liebesmoment für alle, die diesen Abend voller Liebe erleben durften.
Für die dritte und größte Hitzeschlacht am Samstag war dann ein furioses Doppel angekündigt. H-Blockx mit Henning Wehland an der Front sind seit einem Jahr wieder groß im Kommen. Da werden Erinnerungen an alte Tage wach, als die Crossover-Pioniere aus Deutschland Anfang der 90er zu Wegbereitern für einen neuen Musikstil wurden.
Inzwischen ist das letzte Album der Band schon wieder 13 Jahre alt, doch sie zeigten sich hier in grandioser Form – und das Publikum machte alles mit, was Henning wollte. Als er schließlich zum Megaphon griff und die Hymne „Rising High“ anstimmte, war der 50minütige Set auf dem Höhepunkt und alle fühlten sich jung wie vor dreißig Jahren. Dann noch die Cover „Power“ und „Ring of Fire“ zum Abschluss und man konnte sich selig in den Armen liegen.
Aber nicht für lange, denn die DONOTS hatten sich vorgenommen, die Porta Nigra zerbröckeln zu lassen: „Auf sie mit Gebrüll“, „Keiner kommt hier lebend raus“, „Wake the dogs“. Sänger Ingo war in stetiger Bewegung, oben, unten, mittendrin – mit ständigem Kontakt zu den Fans, wie man ihn kennt.
Die Donots konnten den Hunger der Trierer nach Party und Attitüde stillen und feierten eine Wahnsinnsshow, die Maßstäbe setzen sollte. Neben den deutschsprachigen Gassenhauern gab es auch englische Songs wie „Whatever Forever“ und „Dead Man Walking“. Als Ingo zu „Hunde los“ alle Kids auf die Bühne bat und sich die Reihen unendlich mit strahlenden Gesichtern füllten, wurde er selbst von den Emotionen übermannt und war den Tränen nahe. So etwas erlebt man nicht oft.
Aber trotz dieser emotionalen Momente war vor allem Party angesagt und es gab immerwährende Circle Pits. Was wohl die alten Römer dazu gesagt hätten? Vermutlich „Fuck, Sparta!“, meinte Ingo. Und den obligatorischen Mittelfinger für alle Nazis vergaß er natürlich auch nicht.
Zum Ende der fulminanten Show wurde gemeinsam mit H-Blockx ein Song von Blur gecovert. Dann – ebenfalls gemeinsam – „Fight for your right“ der Beastie Boys und schließlich kam der Donots-Rausschmeißer „So long“. Am Ende waren alle fix und fertig – die Band und das Publikum. Vermutlich die intensivste Show, die PORTA HOCH DREI je erlebt hat.
Der Abend endet heute mit einer Gala des Philharmonischen Orchesters, hoffentlich ohne Gewitter, die es regional bedingt geben kann. Die Bühne vor der Porta ist immer einen Besuch wert und wird am nächsten Wochenende beim Altstadt fest auch Guildo Horn ein Zuhause geben. Wem es dann zu voll ist, der freut sich auf PORTA HOCH DREI 2026, wie immer im Juni!
Es geht zum Endspurt. Auch der dritte Tag bei ROCK AM RING 2024 war wettermäßig ein Traum. Tagsüber nur Sonnenschein, bei klarem Himmel in der Nacht allerdings recht kühle Temperaturen. Glück für alle, die an eine dickere Jacke gedacht haben. Die Sause zum Finale startete dann mit den unverwüstlichen H-Blockx.
Die Band um Henning Wehland ist in den letzten Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Doch am Ring feierte man mit dem ersten Slot am Nachmittag Wiederauferstehung. Das letzte Album ist 17 Jahre alt. Als Opener gab es dessen Titelsong „Countdown to Insanity“. Dabei war der 52jährige Henning topfit und zeigte sich viel agiler als bei den Söhnen Mannheims oder seinen Solokonzerten. Zwölf Jahre war der letzte Auftritt bei Rock am Ring her – 1995 gab es den ersten Gig der deutschen Crossover Pioniere, doch deren damaliger Hit „Risin‘ High“ ist bis heute im Ohr. Daneben ertöntem in dem kurzweiligen Set auch Cover wie „The Power“ und ganz zum Schluss „Ring of Fire“, womit die Band klarstellte, was ihnen der Ring bedeutet. Jetzt soll es schnell wieder auf Tour gehen, denn das Debüt mit dem kultigen Haifisch-Cover feiert 30. Geburtstag. Die ersten Konzerte sind schon ausverkauft.
Im Anschluss hatten die Leoniden zunächst Mühe, die gute Stimmung vor der Utopia Stage zu halten. Die Indierocker aus Kiel, die sich nach dem herbstlichen Sternschnuppenschwarm benannt haben, sind schon seit 2005 aktiv und werden demnächst ihr viertes Album „Sophisticated Sad Songs“ veröffentlichen. Das Publikum war am dritten Tag sehr müde und es war heiß. Dennoch legten die Leoniden einen mitreißenden Auftritt hin, der als Weckruf auch das Cover „Teenage Dirtbag“ bereithielt.
Eine coole Aktion war es, mitten in der Menge ein Klavier aufzubauen, an dem sich Sänger Jakob Amr niederließ. Es gab unter anderem „Take On Me“, stimmgewaltig von den Ringrockern mitgesungen. Als Vorgeschmack auf das neue Album brachten die Leoniden ihre brandaktuelle Single „Balance Of Love“ mit Ohrwurm-Hook und schönem Klanggerüst.
Apropos schön: Weniger gediegen ging es bei Hanabie zur Sache, einer Metalcore Band aus Japan. Wer jetzt wieder eine liebliche Tanz-Choreo wie bei Babymetal erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die Sängerinnen Yukina und Matsuri lieferten vor allem hohen Gesang und verstörende Screams. Das war dann doch zuviel des Guten, also zurück zur Hauptbühne.
Auf der Utopia Stage waren jetzt mehrere Stunden Deutschrock angesagt. Das hatte man in letzter Zeit selten am Ring, zumindest in dieser Konzentration. Den Anfang machten MADSEN, seit 13 Jahren endlich mal wieder vor Ort. Die Brüder aus dem Wendland waren sichtlich hungrig, den Fans ihre nach wie vor vorhandene Energie zu zeigen. Und sie haben’s noch drauf!
Der Set startete passend mit „Ein bisschen Lärm“ und „Mein Herz bleibt hier“. Der Schlagzeuger sang crowdsurfend aus der Menge. „Macht euch laut“ hieß die Devise, bevor nach „Nachtbaden“ das Robbie-Cover „Angels“ alle zum Mitsingen brachte. Pünktlich zur Europawahl gab es den neuen Song „Faust hoch gegen Faschismus“, der den Nerv der Menge traf. Und eine ganz wichtige Botschaft zum Schluss: „Lass die Musik an“, eine Hymne mit magischer Wirkung, bei der auch schon mal Polonäse getanzt wurde. Dieser Gig hat einen Riesenspaß gemacht und MADSEN haben hoffentlich viele Freunde (zurück)gewonnen.
Wanda aus Österreich überzeugten mit energischem Gitarrenrock und Hits wie „Jurrassic Park“, „Ich will Schnaps“ und „Columbo“. Das neue Album „Ende nie“ ist erst am Freitag erschienen. Die noch ganz frischen Songs drücken das Lebensgefühl einer Generation aus. Auch am Ring hatte man sich jetzt auf den deutschsprachigen Block eingestimmt und feierte kräftig mit.
So war es äußerst passend, dass die Donots nach ihrem furiosen Auftritt am Samstag noch eine Überraschung für Sonntag in petto hatten. „Wir haben vergessen, die Zugabe zu spielen“, hieß es von Ingo und Guido Knollmann. Man hatte sich auf einer Hebebühne auf der rechten Seite der Stage platziert, wo der Aufbau für Kraftklub in vollem Gange war. Unter Riesenjubel wurde die Hydraulik nach oben gefahren und sichtbar für alle gab es einen Set mit tanzbaren Rockern wie „Fight For Your Right“ und „We’re Not Gonna Take It“. Die Party wurde nur von den aktuellen Wahlergebnissen für die AfD getrübt: „Ein Tag, an dem ich kotzen könnte“, vermeldete Ingo.
Kraftklub hatten sich traditionell in Schwarz-weiß gekleidet und starteten mit „Unsere Fans“. Es gab einen eleganten roten Vorhang, der immer wieder geöffnet und geschlossen wurde. Gleich zum Start wurde eine Riesenladung Konfettibänder in die Luft geschossen. Dann ging es weiter mit Songs wie „Wittenberg ist nicht Paris“, „Chemie Chemie Ya“ und „Wie ich“. Zwei Zuschauerinnen namens Emma und Greta durften sich auf der Bühne einfinden und am Glücksrad drehen. Gewonnen hatte der Titel „Am Ende“.
Als Revanche gingen Kraftklub ins Publikum für ein Bad in der Menge und ein Akustikset. „Kein Liebeslied“ war der Beweis dafür, dass neben aller Härte auch emotionale Töne möglich sind. „Angst“ schlug ebenfalls in diese Kerbe – und war zudem passend, als es wieder eine Anspielung auf das Wahlergebnis gab. „Nazis raus“ aus der Kehle von fast 90.000 Menschen brachte die Band zu einem Statement gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie. Gegen die verkackte AfD helfe wohl nur noch die Antifa, hieß es. Vor der Zugabe dann der Song „Randale“ und der Aufruf, alles in die Luft zu schmeißen, was man bei sich trägt.
Der Auftritt von Måneskin war weniger spektakulär als erwartet, aber man brauchte auch nicht viel Brimborium, um die Masse zu begeistern. Was hat diese Band für eine Karriere hingelegt? 2016 waren sie noch Schulband – und dann der Sieg 2021 beim „Eurovision Song Contest“. Für die meisten ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung der Todesstoß, doch für Måneskin ging es erst richtig los. Eine Welttournee mit ausverkauften Konzerten war das Ergebnis. Am Ring sorgten sie vor zwei Jahren am frühen Abend für Furore – jetzt waren sie Headliner.
Das Konzert hatte einen beeindruckend geilen Sound, egal ob es Stimme, Gitarren oder Schlagzeug betraf. „Don’t Wanna Sleep“ war die Devise, dann gab es „Gossip“ und schon früh den ESC-Song „Zitti E Buoni“. Das Cover von „Beggin'“ war ein erstes Highlight, wobei Sänger Damiano David diesem Hit ganz neuen Glanz verlieh. Bassistin Victoria De Angelis ließ sich von den Zuschauer*innen auf Händen tragen. Bei „I Wanna Be Your Slave“ tobte das komplette Infield. Ein grandioser Gig in kalter Nacht.
Parkway Drive sorgten auf der Mandora Stage für hitzige Stimmung, um die geringen Temperaturen auszugleichen. Die Band aus Australien setzte auf Pyros und Growls – ein düsterer Abschluss für RAR 24. Der Bühnenaufbau mit Podesten für Schlagzeug und Gitarren war sehr wirkungsvoll. Bei „Idols and Anchors“ fand sich Shouter Winston McCall inmitten der Crowd, für „Crushed“ gab es ein Violinen-Intro und nach dem letzten Song „Wild Eyes“ ein großes Feuerwerk.
ROCK AM RING 2024 ging so mit einem heftigen Knall zu Ende. Jetzt stehen die Zeichen bereit für das Jubiläum im nächsten Jahr. Was bleibt von der aktuellen Auflage? Es war insgesamt (hard)rockiger. Die Rufe der Fans sind also erhört worden. Back to the roots? Nicht wirklich. Im Jahr 1992 waren beispielsweise neben Pearl Jam auch Elton John, Bryan Adams und Marillion am Start. Heutzutage undenkbar.
Was mir jetzt im Ohr bleibt, ist der gelungene Start mit Querbeat. Karneval am Ring? Funktioniert. Dann waren die Ärzte nicht in Plauderlaune, was ihrem Auftritt hörbar gut tat. Donnerstags war ich von Against The Current überrascht. Electric Callboy haben definitiv den Vogel abgeschossen und die beste Performance des Festivals hingelegt. Das war einfach grandios – was für eine Liveband! Green Day haben aktuell mit zwei Jubiläumsalben eine hervorragende Setlist. Der Sonntag war solide, aber wirklich herausragend fand ich niemanden. Vielleicht MADSEN, die nachmittags richtig Schwung in die Bude brachten.
Ausblick 2025
Viel Zeit, sich auszuruhen, bleibt nicht: Das Jubiläumsjahr steht vor der Tür – und damit ein herausragendes Festivalwochenende, das in der langen Geschichte von Rock am Ring und Rock im Park einen Ehrenplatz einnehmen wird. Vom 6. bis 8. Juni 2025 feiert Rock am Ring vierzigstes und Rock im Park dreißigstes Jubiläum. Ein besonderer Anlass, zu dem die Veranstalter sich einiges haben einfallen lassen, so soll es 100 Acts und erstmals vier (!) Bühnen geben.
Das Beste: Der erste Headliner steht bereits fest. So lassen es sich die US-amerikanischen Metal-Helden von Slipknot nicht nehmen, persönlich zu gratulieren – sie sind als einer der Headliner bei Rock am Ring und Rock im Park 2025 bestätigt und feiern gleichzeitig ihr eigenes großes Jubiläum. Vor 25 Jahren veröffentlichten die maskierten Ikonen ihr legendäres Debütalbum „Slipknot“. Ein Grund mehr zum Feiern. Der Vorverkauf startet sofort.
Die Fotogalerie vom Finale am Sonntag bei ROCK AM RING 2024 mit Biohazard, Hatebreed, H-BlockX, Madsen, Parkway Drive, Donots, Fear Factory, Machine Head, Of Mice And Men, While She Sleeps, Polyphia, The Art Is Murder – Fotos: Rainer Keuenhof