Endlose Klangwelten – Warpaint am 23.02.2014 in der Live Music Hall, Köln

DATUM» 23.02.2014
ARTIST»
VENUE»

“Ich frage mich, warum ihr euch nicht bewegt”. Das Konzert ist schon eine knappe Stunde in Gang als Emily Kokal diesen bedeutungsvollen Satz sagt. Ob das Publikum tanzt, ist vorrangig abhängig vom Geschehen auf der Bühne. Auf diese banale Einsicht sollte eine Band nicht hingewiesen werden müssen. Ist Warpaint der schnelle Aufstieg etwas zu Kopfe gestiegen?

Ein deutliches Zeichen für die vermehrte Aufmerksamkeit, die Warpaint zuteil wird, ist die Verlegung des Kölner Konzertes vom Gloria in die Live Music Hall. Und selbst die scheint am heutigen Abend zu klein. Nachdem All We Are aus Liverpool mit ihrem psychedelischen Pop stimmungsvoll den Abend eröffnet haben, sind die Voraussetzungen für die vier Musikerinnen aus Kalifornien also bestens. Ihr Set besteht zu Beginn in der Hauptsache aus neuen Songs ihres aktuellen und selbstbetitelten Albums. “Keep It Healthy” ist ein passender Opener und besonders “Love Is To Die” weiß zu gefallen. Viel Hall und Elektronik prägen die Atmosphäre, die jedoch nicht gerade zu exzessiven Tanzeinlagen einlädt. Jedenfalls nicht beim dichtgedrängten Kölner Publikum am heutigen Abend. Irgendwie dämmert die Erkenntnis, dass diese intime Musik nicht unbedingt in größeren Hallen funktioniert. Damit wir uns richtig verstehen: Der Sound ist hervorragend, die Vocals top und die Songs bekanntermaßen bestechend. Aber der Mehrwert eines Live-Erlebnisses der Band im Vergleich zur Sofa-Rezeption erschließt sich einem nicht unmittelbar.

Der Frage nach der mangelnden Bewegung im Publikum lässt Kokal die Aufforderung zum Tanzen zu “Undertow” folgen. Und siehe da, es funktioniert hier und da. Kein Wunder, denn der Song hat Beat und Riffs. Die Phase des angenehmen psychedelischen Waberns ist beendet. Warum Bassistin Jenny Lindberg ausgerechnet ab jetzt im Sitzen spielt, erschließt sich mir nicht. Vielleicht tut sie das häufiger, vielleicht hat sie Rücken. Man weiß es nicht, ich schon gar nicht, denn ich hab das Quartett bei seinem letzten Auftritt in der Domstadt nicht erlebt, als es in der Kölner Kulturkirche spielte. Auch Kokal erwähnt jenen Abend und fügt hinzu, dass die heutige Spielstätte ja auch eine, wenn auch andere Art Kirche sei. Das kann man jetzt so oder so interpretieren. Jedenfalls schließt “Disco//very” das einstündige Mainset mit animierenden Grooves ab. Mit “Elephants” legen Warpaint dann doch noch die erwartete Schippe drauf. Diese Version hat von allem etwas. Mit seiner Komplexität und Dynamik drückt sie beim Publikum die richtigen Knöpfe. Und so endet der Abend für manche versöhnlich. Andere, denen es gelungen war, schon früh im Set in die endlosen Klangwelten von Warpaint einzutauchen, wissen womöglich gar nicht, was es zu meckern gab. Nicht aufregen, einfach weiter genießen!