Fury In The Slaughterhouse unplugged in Düsseldorf

Neuer Bericht 2017: Fury In The Slaughterhouse - 03.11.2017 - Tonhalle - Düsseldorf

DATUM» 03.11.2017
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In ihrer Bandgeschichte haben Fury In The Slaughterhouse über vier Millionen Alben verkauft und sind mit Preisen förmlich überhäuft worden. Als eine der wenigen deutschen Bands schafften sie den Durchbruch auch auf dem amerikanischen Markt. Nach ihrer Trennung 2008 widmeten sich die Bandmitglieder anderen musikalischen Projekten. Besonders die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder feierten mit ihrem Projekt „Wingenfelder“ große Erfolge. Mitte März 2017 luden die sechs Vollblutmusiker in die TUI Arena in Hannover ein. 35.000 Fans sorgten für drei ausverkaufte Abende und den Entschluss daraus ein Album („Little Big World“) und eine Tour zu machen. Laut Webseite der Band ist dies jedoch nicht der Beginn einer Reunion, sondern lediglich als Reminiszenz an die Fans zu verstehen. Ich habe mir vor der Fahrt nach Düsseldorf die Mühe gemacht und meinen Karton mit Konzertkarten durchwühlt. Demnach hat meine letzte Begegnung mit Fury In The Slaughterhouse am 4. Juni 1991 im Kölner E-Werk stattgefunden. Es wird also mal wieder Zeit.

Ein Konzert war dann besonders gut, wenn man die Songs auch zwei Tage später noch vor sich hin summt. Zum Zeitpunkt dieses Reviews liegt der Auftritt von Fury In The Slaughterhouse bereits drei Tage zurück und mir schwirren immer noch die Versionen von „Radio Orchid“ oder „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ durch den Kopf. Dieser 3. November ist in der Tat ein besonderer Abend, was nicht zuletzt an der wundervollen Location liegt. Die Tonhalle besticht durch eine tolle Akustik und ein familiäres Ambiente, wie man es sich für eine Unplugged-Show nicht schöner wünschen kann. Publikum und Band sind sichtlich älter (und etwas rundlicher) geworden und Kai Wingenfelder bezeichnet den Konzertreigen deshalb auch nur halb-ironisch als „Betreutes Rocken“.

Unter Vogelgezwitscher vom Band und tosendem Applaus von den Fans betreten Kai und Thorsten Wingenfelder, Schlagzeuger Rainer Schumann, Keyboarder Gero Drnek, Bassist Christian Decker und Gitarrist Christof Stein-Schneider die Bühne und starten mit „My Little World“ in ihr 23 Songs starkes Set. Unterstützt werden sie unter anderem durch Anne de Wolff, die von Trompete bis Geige alleine schon gefühlte 34 Instrumente beherrscht. Stein-Schneider erinnert dabei optisch wie schon 1991 an den leicht verschrobenen Leiter des Jugendzentrums um die Ecke. Das Bühnenbild ist eine Melange aus dem Cover des letzten Albums und grossen Lampen in Ballonform. Eine sparsame Lichtshow unterstreicht die intime Atmosphäre. Was folgt sind zweieinhalb Stunden pure Freude.

Die Setlist ist eine gelungene Mischung aus neuen Songs („Words“, „Last Order“), alten Songs und Klassikern aus 30 Jahren Bandgeschichte. Ein Song wie „Every Generation Got Its Own Disease“ hat auch drei Jahrzehnte nach seiner Entstehung nichts an Aktualität verloren. Dessen eindringliche und verfremdete Version sorgt für den ersten Gänsehautmoment. Kai Wingenfelders Stimme versprüht erfreulicherweise immer noch die gleiche raue Kraft und Unverwechselbarkeit. Zwischen den Stücken sorgt er mit launigen Ansagen für einige Lacher, wobei der Schuss allerdings auch mal nach hinten losgeht. Vor „Then She Said“ verleiht Thorsten Wingenfelder seiner Freude darüber Ausdruck, dass er mit seinen Bandkollegen das grossartige Handwerk „Musik“ ausüben darf, worauf der erste (und einzige) Verspieler des Abends folgt. Spätestens ab „When I’m Dead And Gone“ hält es die Fans in der ausverkauften Tonhalle zumindest phasenweise nicht mehr auf ihren Sitzen und es wird getanzt und aus voller Kehle mitgesungen. Daneben gibt es solche Momente wie während „In Your Room“, in denen man eine Stecknadel fallen hören könnte.

Zu den zahlreichen Höhepunkten gehören auch das Fischer Z-Cover „Protection“ oder „Seconds To Fall“, das von Thorsten Wingenfelder mit einem Brief von Wolfgang Niedecken eingeleitet wird, in dem der BAP-Frontmann die Erlaubnis erteilt die zweite Strophe auf Kölsch zu singen. Die Düsseldorfer tragen es mit Fassung. Zum Abschluß des Mainsets wird die Tonhalle zu „Down There“ von hunderten Handytaschenlampen erleuchtet. Nicht umsonst bezeichnet sich die geschmackvolle Halbkugel auf ihrer Webseite selbst als „Planetarium der Musik“. Wahrscheinlich ist dieser Begriff niemals passender gewesen als heute abend. Zu den Zugaben lässt sich die Band nicht lange bitten und die haben es nochmal in sich. Mit „Milk And Honey“, „Time To Wonder“ und „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ halten Fury In The Slaughterhouse drei weitere Kracher bereit. Das Ende markiert dann mit “It’s A Long Way To The Top” von AC/DC ein weiteres Coverstück. Die fantastische und bis auf ihr Akustikgerippe reduzierte Version ist der krönende Abschluß eines Konzertes, das allen Beteiligten sicherlich noch viel länger als drei Tage in Erinnerung bleiben wird. Fury In The Slaughterhouse verbinden bestes musikalisches Handwerk mit emotionaler Tiefe und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass es diese Band noch gibt.

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1 Kommentar

  1. Ein toller Bericht. Auf den Puknkt gebracht. Als Augen- und Ohrenzeuge dieses besonderen Konzertes in Düsseldorf stimme ich zu 100% zu.

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