Kultsänger spricht in Monheim über den ESC, fehlende Eigenständigkeit und seine Ideen für den Wettbewerb
Der Eurovision Song Contest polarisiert seit Jahrzehnten – und kaum ein deutscher Künstler steht so sehr für die schillernde, unberechenbare Seite des Wettbewerbs wie Guildo Horn. Mit „Guildo hat euch lieb!“ landete der Musiker 1998 nicht nur auf Platz sieben beim ESC in Birmingham, sondern wurde endgültig zur Kultfigur einer Veranstaltung, die zwischen Musik, Pathos und Popkultur bis heute Millionen Menschen fasziniert.

Bei der Gameshow-Talkreihe „Hab‘ ich nicht gesagt!?“ in der Merkur Spielbank Monheim (NRW) sprach Horn als Star-Gast jetzt ausführlich über seine Sicht auf den heutigen Eurovision Song Contest und fand dabei klare Worte zum aktuellen deutschen Beitrag.
Sängerin Sarah Engels bezeichnete Horn zwar als „wahnsinnig gute Interpretin“, kritisierte jedoch Song und Inszenierung des diesjährigen deutschen ESC-Auftritts deutlich. Ihm fehle vor allem die Eigenständigkeit. „Das sieht aus wie Shakira und ist einfach irgendeine Kopie“, erklärte der Musiker auf der Bühne. Gerade beim Eurovision Song Contest brauche es Künstlerinnen und Künstler mit Wiedererkennungswert und Haltung statt austauschbarer Inszenierungen.

Damit sprach Horn einen Punkt an, der die ESC-Debatte seit Jahren begleitet. Zwischen internationalen Popstandards, perfekt kalkulierten Choreografien und immer aufwendigeren Bühnenshows stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Individualität im Wettbewerb überhaupt noch Platz hat. Der Sänger machte deutlich, dass ihn weniger die geplante Perfektion interessiert als die
Geschichte hinter einem Act.
Guildo Horns Traum vom ESC
Besonders emotional wurde es, als Horn über Inklusion in der Musik sprach. Würde er heute selbst einen deutschen ESC-Beitrag auswählen dürfen, wäre seine Entscheidung eindeutig: „Wenn ich verantwortlich wäre und dürfte für unser Land einen ESC-Act hinschicken – dann wäre es definitiv eine inklusive Band mit Behinderten. So ein ganz bunter Haufen. Wo jeder denken würde: ‚Wow, so etwas gab es noch nicht. Das hier fegt alles weg‘“, sagte Horn im Merkur-Talk.

Für den Musiker wäre ein solcher Auftritt weit mehr als nur Unterhaltung. Im Gegenteil: „Alles, was beim ESC stattfindet, muss ein Thema in sich tragen“, erklärte Horn. „Wenn eine junge Dame, die gut aussieht, im Lederrock durch die Gegend springt, dann ist das kein Thema.“
Eine inklusive Band dagegen würde Diskussionen auslösen und Menschen emotional erreichen. „Dann hast du ein Thema: Was ist Inklusion? Was sind das für Menschen? Das beschäftigt einen. Darüber wird geredet“, sagte Horn unter dem Applaus des Publikums in der Merkur Spielbank Monheim. „Und jeder unterhält sich, und jeder fiebert mit. Das ist doch eine ganz andere emotionale Bindung zu so einem Act.“

Ganz neu ist diese Idee für Horn nicht. Bereits vor einigen Jahren engagierte er sich als Pate einer inklusiven Band aus Hamburg, die sich für den deutschen ESC-Vorentscheid bewerben wollte. Laut Horn stieß das Projekt damals allerdings auf wenig Interesse bei den damaligen Verantwortlichen beim NDR.
(Quelle: Merkur Spielbanken)











