Vor 23 Jahren erblickten Jet mit ihrem Debütalbum „Get Born“ das Licht der musikalischen Welt und räumten aus dem Stand alles ab, was es abzuräumen gab. Bis dahin hatte man Rock aus Australien in erster Linie mit den Übervätern AC/DC, den Pionieren von The Easybeats und bestenfalls Midnight Oil verbunden. Plötzlich waren Songs wie „Are You Gonna Be My Girl“, „Rollover DJ“ oder „Look What You’ve Done“ in aller Ohren. Dass danach mit „Shine On“ (2006) und „Shaka Rock“ (2009) nur zwei weitere Alben folgten, lag auch daran, dass die Band im März 2012 ihre Auflösung bekannt gab. Abgesehen von einer kurzen Episode zwischen 2016 und 2019 kam es erst 2023 zu einer echten und bis heute andauernden Reunion. Ein neues Album wurde bereits 2024 angekündigt, aber bis heute nicht veröffentlicht.
Über welch treue Fanbase Jet trotzdem (oder gerade deswegen) verfügen, zeigt sich am heutigen Abend in Köln. Der kleine und sehr feine Club Volta im Stadtteil Mülheim ist offiziell ausverkauft. Das verwundert ein wenig, denn vor Ort zeigen sich deutliche Lücken vor der Bühne, was angesichts einer gefühlten Innentemperatur von mindestens 35 Grad allerdings kein Nachteil ist und der guten Stimmung keinerlei Abbruch tut. Zunächst dürfen sich Liquid Zoo aus Sydney als zusätzliche Anheizer versuchen und machen ihre Sache dabei gut. Jedenfalls hört es sich vom angrenzenden Biergarten aus so an, in den wir uns verzogen haben, um uns dankbar dem kühlen Wassernebel zu widmen, der dort aus kleinen Düsen über den Kölschgläsern verteilt wird.

Um 21.15 Uhr starten schließlich Jet mit „Last Chance“ in ihr Set, gefolgt von „Put Your Money Where Your Mouth Is“. Das beherzigen wir gleich mal mit zwei erfrischenden Bechern Kölsch. Dass Jet zu Recht ein Ruf als exzellente Live-Band vorauseilt, ist spätestens dann klar, als sich alle bei „Get What You Need“ singend in den Armen liegen. Auch das ein Song vom eingangs erwähnten Debütalbum, das am Ende mit neun gespielten Stücken auch den Großteil des Sets ausmachen wird. Auf den Plätzen folgen mit deutlichem Abstand „Shaka Rock“ (vier Songs) und „Shine On“ (drei Songs). Sänger Nic Cester richtet erste Worte an die Kölner und ist ansonsten mehr mit sich und der Musik beschäftigt. Neben Cester gehören noch Gitarrist Cameron Muncey und Bassist Mark Wilson zum Rampensau-Trio, das sich mit dem Cover „It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock’n’Roll)“ gekonnt vor seinen Landsleuten mit den vier Buchstaben verneigt. Es folgt der eigene Über-Hit „Are You Gonna Be My Girl“ und treibt die Stimmung (und Temperatur) ihrem Siedepunkt entgegen. Sogar eine erste Crowd-Surferin wird gesichtet und sicher auf Händen bis zur Bühne getragen. Dazwischen gibt es mit „Hurry Hurry“ den einzigen neuen Song des bis dato unveröffentlichten vierten Albums.
Die Zugaben geben Gelegenheit zum Luftholen. Das wunderschöne „Shine On“ zelebriert Nic Cester alleine mit seiner Akustikgitarre und sorgt trotz schweißnassem T-Shirt für einen Gänsehautmoment. Den Gesang beim folgenden „Come Around Again“ überlässt er dann Cameron Muncey, bevor sich die gesamte Band zum Abschluss mit „Rip It Up“ noch einmal in rockgetränkte Höhen schwingt und nach insgesamt 75 Minuten fröhlich winkend von der Bühne fliegt. Ein wenig kurz könnte man meinen, aber angesichts der Sauna, in die sich der Club Volta in dieser Zeit verwandelt hat, sind so ziemlich alle froh, wieder frische Kölner Abendluft atmen zu dürfen. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Jet auch 25 Jahre nach ihrer Gründung noch in der Lage sind allen Bands, die seitdem versucht haben ihnen nachzueifern, kräftig in den Allerwertesten zu treten und dabei immer noch so lebendig zu klingen, als hätten sie sich gestern erst gegründet. Und wer weiß? Vielleicht folgt ja noch in diesem Jahr Album Nummer Vier. Nach heute Abend kann man sich darauf nur freuen!











