Mit Vollgas durch Düsseldorf: Biffy Clyro am 01.12.2013 in der Mitsubishi Electric Halle

DATUM» 01.12.2013
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Ein nahezu beispielloses Jahr liegt hinter Biffy Clyro. Ende Januar erschien ihr von Fans und Kritikern gleichermaßen abgefeiertes Album „Opposites“ (hier unser Review), das aus dem Stand bis auf Platz 5 der deutschen Charts schoss. Im Sommer spielte das Trio aus Schottland dann rund 40 Festival-Shows, unter anderem bei Rock am Ring und Rock im Park, bevor die Band im Oktober einen sensationellen Telekom Streetgig im Stadionbad von Hannover hinlegte (unseren Bericht dazu findet ihr hier). Und last but not least wurde am vergangenen Freitag ihr neues Live-Album „Opposites – Live From Glasgow“ veröffentlicht, das nur hierzulande, in Österreich und in der Schweiz erhältlich ist. Passend zum Release kehren Biffy Clyro nun für fünf weitere Konzerte nach Deutschland zurück. Düsseldorf ist dabei nach Offenbach heute ihre zweite Station. Es folgen Hamburg (02.12.), Berlin (03.12.) sowie München (05.12.).

Biffy Clyro DD 1

In der rheinischen Landeshauptstadt werden Biffy Clyro gleich von zwei Vorgruppen unterstützt. Den Auftakt machen die aus Süd-London stammenden Arcane Roots, die der noch recht spärlichen Menge mit ihrer progressiven Mischung aus Grunge, Rock und Alternative zwanzig Minuten ordentlich einheizen. Im Anschluss daran gibt es mit Walking Papers eine Band höchster Güte, wie ein Blick auf das Line-Up der Formation aus Seattle beweist: Am Bass Duff McKagan (ehemals Guns N’Roses), am Schlagzeug Barrett Martin von den nicht minder legendären Screaming Trees und dazu noch Jeff Angell und Benjamin Anderson (beide The Missionary Position). Zusammen zelebrieren sie eine halbe Stunde lang vibrierenden Bluesrock der Extraklasse. Wenn ich da an den Kreisklassen-Support beim Biffy Clyro-Konzert Ende Februar im Kölner E-Werk zurückdenke (dessen Namen ich hier aus Höflichkeit verschweige), dann ist das heute Champions League.

Die Mitsubishi Electric Halle ist nicht ganz ausverkauft, aber viel fehlt wohl nicht mehr dazu. Fast pünktlich um 21 Uhr erklingt der Sister Sledge-Klassiker „We Are Family“ als Intro, dann legen Simon Neil und die Gebrüder James und Ben Johnston mit „Different People“ los. Der Sound ist zu Beginn etwas matschig, bessert sich dann jedoch schnell. Einzig Simon Neil’s Stimme merkt man die Belastungen der letzten Monate an, ansonsten präsentiert sich die Band den Fans in Topform und mit unbändiger Spielfreude. Stets umrahmt von einer geschmackvollen und gut dosierten Lightshow. Die Setlist erscheint mir ebenfalls deutlich ausgewogener als noch vor neun Monaten in Köln. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf den Songs von „Opposites“, aber auch „57“ vom ersten Biffy Clyro-Album „Blackened Sky“ kommt zu seinem Recht.

Biffy Clyro DD 2

Leider ist die Band nicht unbedingt dafür bekannt ihre allabendliche Songfolge grossartig zu variieren, doch in Düsseldorf fällt das nicht weiter ins Gewicht. „Who’s Got A Match?“, „Accident Without Emergency“ oder „Glitter And Trauma“ sorgen für allerbeste Stimmung. Zu „Bubbles“ regnet es Seifenblasen über die ersten Reihen im Innenraum und spätestens als Simon Neil alleine mit seiner Akustikgitarre „The Rain“ und „Folding Stars“ singt ist Gänsehaut angesagt. Als die Mitsubishi Electric Halle noch Philipshalle hieß, hat man zu diesen Gelegenheiten die Feuerzeuge gezückt. Heute illuminieren hunderte von Handydisplays die Szenerie. Über „Many Of Horror“, „Black Chandelier“ und „The Captain“ rockt man sich schließlich gemeinsam zum Ende des Mainsets. Die drei wie immer oberkörperfreien, schweißnassen und volltätowierten Herren aus Ayrshire haben sich die folgende Pause vollauf verdient. Und so manch Tanzwütiger im Publikum auch.

Zu Beginn der Zugaben glänzt Simon Neil einmal mehr nicht nur musikalisch, sondern zum wiederholten Mal mit einer Ansage in deutscher Sprache, bevor mit „Opposite“ mein ganz persönlicher Rotz-und-Wasser-Song folgt. „Stingin‘ Belle“ und „Mountains“ läuten dann nach gut 105 Minuten das Ende des Abends ein. Biffy Clyro haben ihre exzellenten Live-Qualitäten auch diesmal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Von Routine ist da trotz des diesjährigen Mammutprogramms nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Im Gegenteil. Das Trio schafft es scheinbar spielend seine Prog-Vergangenheit mit der eher mainstreamlastigen Gegenwart so in Einklang zu bringen, dass sich auch die Fans der ersten Stunde noch mit Biffy Clyro identifizieren können.

Als die Hallenbeleuchtung angeht, blickt man um sich herum jedenfalls nur in dauergrinsende Gesichter. Ich freue mich im Stillen sogar ein kleines bißchen für die Düsseldorfer mit. Schließlich haben sie fußballtechnisch im Moment eher weniger zu lachen. Da kommt so ein aufmunternder Besuch aus Schottland doch gerade zur rechten Zeit. Und während ich leise „Opposite“ vor mich hinsumme und die Halle langsam verlasse, schweife ich gedanklich endgültig ab. Mike Büskens hätte das heute hier eine „Vollgasveranstaltung“ genannt und sich dabei ausnahmsweise unserer uneingeschränkten Zustimmung sicher sein können.

(Alle Fotos: Torsten Schlimbach – Dream Out Loud Magazin)

Biffy Clyro DD 3

Setlist: Biffy Clyro 1.12.2013 Düsseldorf

  • We Are Family (Sister Sledge)
  • Different People
  • That Golden Rule
  • Who’s Got A Match?
  • Sounds Like Balloons
  • Biblical
  • Accident Without Emergency
  • God & Satan
  • Glitter And Trauma
  • Bubbles
  • Spanish Radio
  • The Joke’s On Us
  • The Rain (Simon Neil Solo Acoustic)
  • Folding Stars (Simon Neil Solo Acoustic)
  • Living Is A Problem Because Everything Dies
  • 57
  • Many Of Horror
  • Modern Magic Formula
  • Black Chandelier
  • Woo Woo
  • The Captain
  • Opposite
  • Stingin‘ Belle
  • Mountains

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