Neal Morse auf Pilgerreise in Luxemburg

Photo credit: Simon Engelbert
DATUM» 04.04.2017
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Manch einer dürfte sich vergangenen Dienstag vor der Rockhal gewundert haben, da das Publikum so „zweigeteilt“ war, denn es traten parallel zwei Bands in der Main Hall und dem kleineren Club auf. Auf der einen Seite schwarzgewandete Fans der Band Ghost, deren Bandmitglieder als Ghouls auftreten und deren Sänger sich als Papa Emeritus III. bezeichnet. Auf der anderen Seite Fans des Progressive Rock Propheten Neal Morse, die zum größten Teil deutlich älter waren und hauptsächlich Dream Theater- und Spock’s Beard-Shirts trugen.

Dream Theater deshalb, weil in Neals Band Mike Portnoy aktiv ist, ehemaliger umjubelter Schlagzeuger genannter Progmetal-Band. Und Spock’s Beard, weil Neal Morse Gründungsmitglied dieser Vorzeige-Progger war und bis 2002 an deren Mikro stand. Er ist übrigens nicht im Streit aus der Band gegangen, sondern weil er die Berufung spürte, dass Gott andere Pläne mit seinem Leben hatte (eigene Aussage). Seitdem macht er zum einen christliche Songwriter-Musik, zum anderen aber auch weiterhin starken Prog, der sehr an die Glanztaten von Spock’s Beard erinnert.

So war dann an diesem Abend das aktuelle Konzeptwerk „The Similitude of a Dream“ der Neal Morse Band an der Reihe. Und der Gute macht da keine halben Sachen! Das 110minütige Werk wurde nicht etwa in Auszügen vorgestellt, sondern komplett gespielt. Die Fans nahmen diese Tatsache begeistert auf. Nicht wie bei anderen Bands, wo während des dritten neuen Titels schon ungeduldig nach irgendeinem Klassiker geschrien wird.

Es war ein ordentliches Schauspiel, das Neal bot. Er hat auf der Bühne ein unheimliches Charisma und eine enorme Präsenz. Diese konnte er auch in der Rockhal gut zur Schau stellen, indem er beispielsweise beim Intro im Gewand eines Pilgers die Bühne betrat und den Laden sofort im Griff hatte. Ein altes Buch wurde bildhaft aufgeschlagen. Die ersten Bilder wirkten wie ein nostalgischer Super-8-Film. Video-Einspielungen illustrierten mit aussagekräftigen Bildern und Symbolen die Geschichte der spirituellen Reise eines Mannes, die in der Stadt der Zerstörung beginnt und an einen Ort der Erlösung führt.

Im letzten Jahr war Neal Morse als Gast bei Spock’s Beard auf der Loreley zu Gast und interpretierte mit den Ex-Kollegen das Konzeptwerk „Snow“. In der Rockhal kam ich mir vor, als ginge diese exorbitante Show in eine zweite Runde. Die beiden Alben sind sich sehr ähnlich und Neal wechselte vom Überschwang der Prog-Gefühle in eine bisweilen atmosphärische Songwriter-Ausrichtung mit starken Balladen. Danach wieder bis zum Hardrock ausufernde energische Klänge einer Ausnahmeband mit hervorragenden Instrumentalisten – es war ein Wechselbad der (positiven) Gefühle.

Mike Portnoy dirigierte die Band oft mit seinem Drumstick und gab Einsatz um Einsatz. Er und Neal sind ein perfekt eingespieltes Team. Man muss nur die Liste der gemeinsamen Projekte lesen, um zu erkennen, dass sich hier zwei Seelenverwandte gefunden haben. Der Supergroup Transatlantic sei Dank. Teilweise gab es zwei Keyboards oder wahlweise drei Gitarren. Neal glänzte als Multi-Instrumentalist. Mir gefiel der bisweilen mehrstimmige Gesang und jedes Bandmitglied konnte sich auf verschiedenste Weise einbringen. Das ist so Usus bei Neal Morse – und dem Publikum blieb oft nichts übrig, als andächtig nickend dem Geschehen zu folgen.

Nach „Breath Of Angels“, dem Abschluss von Part 1, folgte zunächst einmal eine 20minütige Pause, um der Fanschar Gelegenheit zum Durchatmen zu geben. Danach ging es zu „Slave To Your Mind“ umgehend mit elegischen Keyboard weiter. Oft bedeutet Neals Musik ein Vermischen und Zitieren eigener musikalischer Themen. So zelebrierte er seine Mischung aus Hymnen und verjazzten Passagen bis zum  großen Finale. Nur einmal verließ er das Konzept, als er seinen 21jährigen Sohn Will per Smartphone anrief und die Zuschauer ein Geburtstagsständchen singen ließ.

Neal Morse ist ein Meister des Progressive Rock und sein neustes Werk eine Offenbarung. Nachdem es gespielt war, folgten zwei Songs seiner älteren Solowerke, um das Geschehen abzurunden. „Agenda“ und „The Call“ wurden diesmal gespielt und das Publikum feierte Neal Mose und seine Mitstreiter gigantisch ab.

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Letzte Aktualisierung am 17.12.2017 um 18:11 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API