Sido schmeißt die Fuffies durchs Palladium in Köln

Sido Köln 2014
DATUM» 15.03.2014
ARTIST»
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Als Sido mit der Unterstützung von seinem Kumpanen Bass Sultan Hengzt und seiner Band am 15.03. im Kölner Palladium auftritt, ist das Konzert des Rappers restlos ausverkauft. Unter den viertausend Gästen sind viele jüngere Fans dabei, was auch Sido auffällt, der sich keinen Kommentar verkneifen kann: „Ja gut, dann spielen wir jetzt die ganzen Kindersachen, damit die gehen können und danach geht die Erwachsenenparty weiter!“. Aber gerade bei einem so jungen Publikum dürfte es ihm besonders viel Spaß machen nach dem Opener „Hier bin ich wieder“ seinen Klassiker „Schlechtes Vorbild“ zu performen – natürlich mit einem Augenzwinkern.

Dass Sido allerdings in musikalischer Hinsicht noch immer ein gutes Vorbild ist, beweist er sowohl mit seinen neuen Liedern im poppigeren Gewand,  als auch mit seinen Evergreens: Bei „Fuffies im Club“ gehorchen die Fans und winken mit ihrem Wertsachen, „Mein Block“ verwandelt die gesamte Konzerthalle in einen Plattenbau. Den Refrain auswendig zu kennen ist hierbei  Ehrensache, was scheinbar jedoch nicht alle Gäste verinnerlicht zu haben scheinen: Als diejenigen, die auf den Emporen ihre Plätze haben, den Refrain im Alleingang rappen sollen, schweigen alle Beteiligten schlicht und schämen sich ihrer Unkenntnis unter den Buh-Rufen des Restes und den hämischen Witzen des Rappers.

Für viele Konzertbesucher ist „Mein Block“ der Höhepunkt des Abends, welcher sich allerdings in eine lange Reihe weiterer Highlights gesellt: Helge Schneider wird für den Track „Arbeit“ über eine Leinwand live-geschaltet und bei „Bilder im Kopf“ werden eingeschickte Fan-Fotos auf die Wand hinter Sido projiziert. Der Musiker kann es aber auch ohne viel Schnickschnack, was er mit ruhigen und emotionalen Songs wie „Einer dieser Steine“ und „Bergab“ beweist. Ganz besonders gefühlvoll wird es dann bei „Herz“: Es ist Romantik pur als Sido einen Konzertgast namens Lukas auf die Bühne holt und auch seine Herzensdame Jenny dazu bittet. Was folgt, ist ein Heiratsantrag und die Menge schmilzt dahin vor der Schönheit des Moments. Und das auf einem Sido-Konzert. Wer hätte das gedacht? Selbst Sido ist sichtlich gerührt und lädt die frisch Verlobten prompt in den Backstagebereich ein: „Auf einen Jägermeister, damit ihr erst mal verkraften könnt was gerade passiert ist!“.

Nachdem was dann noch geschieht, könnten alle im Publikum einen Jägermeister vertragen, denn das Palladium tobt, als ganz unverhofft das Hip Hop – Duo Genetikk die Bühne betritt, um mit Sido den gemeinsamen Song „Maskerade“ zu performen. Auch für den Hauptact des Abends ist der Titel Programm und so – man möchte es kaum glauben – trägt Sido während des Liedes seine Totenkopfmaske.

Es ist ein Abend voller Wendungen und besonderer Augenblicke, der für alle Gäste, ob jung oder alt, etwas bereit hält. Wer gerade erst zu Sido kennen gelernt hat und durch den neuen Sound des Rappers in die Halle gelockt wurde,  kommt durch Songs wie „Fühl dich frei“, „Liebe“ und „Papa, was machst du da“ auf seine Kosten. Alteingesessene Hörer erfreuen sich an  Liedern wie „Mein Testament“ (das besonders mit der letzten Strophe die Stimmung explodieren ließ), und an den bereits erwähnten „Schlechtes Vorbild“, „Fuffies im Club“ und „Mein Block“.

Auch die Elternteile und die großen Geschwister, die die jüngeren Fans zum Auftritt des ehemaligen Skandal-Rappers begleiten, können etwas wichtiges mit nach Hause nehmen: Die Lieder „Augen auf“ und „So wie du“ appellieren nämlich an die Vorbildfunktion von Vater, Mutter, Bruder und Schwester, die sich mittlerweile wohl auch Sido eingesteht. Obwohl der Track „Hol doch die Polizei“ vom „Blutzbrüdaz“-Soundtrack erahnen lässt, dass es mit der Straßenjungen-Attitüde noch nicht so ganz vorbei ist.

Die Zugabe, bei der die Erwachsenenparty weiter geht, sprengt zum Schluss noch einmal den Rahmen und sorgt trotz Maske und Verlobung für den vielleicht epischsten Augenblick dieses Samstagabends. Welches Lied? Nun, ich sage nur soviel: Dadadadaadaaa, Dadadadaadaaa – gesungen von den grölenden Kehlen vieler tausend Menschen. Hach,  es gibt Momente, die sind schlicht und einfach perfekt.