Die deutsche Chansonsängerin und Schauspielerin Ute Lemper zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen des internationalen Musiktheaters. Geboren 1963 in Münster, wurde sie zunächst durch ihre Rollen in Musicals wie „Cabaret“ und „Chicago“ bekannt und machte sich später vor allem als Interpretin der Werke von Kurt Weill und Bertolt Brecht einen Namen. Ihre Karriere war dabei von Beginn an ungewöhnlich vielseitig: Lemper ist nicht nur Interpretin, sondern auch Tänzerin und Autorin mit engem Bezug zur europäischen Kabarett-Tradition. Dabei zeigt sie stets einen starken Hang zu politischen und historischen Themen.
Mit ihrer aktuellen Tour war sie am Dienstag in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen zu Gast und konnte im voll besetzten Haus glänzen. Im Programm „Die Zeitreisende“ knüpft sie genau an oben benannte Vielschichtigkeit an und treibt sie sogar noch weiter. Das Konzert ist weniger ein klassischer Liederabend als vielmehr ein kunstvoll komponierter Abend zwischen Konzert, Lesung und autobiografischem Theater. Ute Lemper greift dabei auf ihre 2023 erschienene Autobiografie zurück und verwebt persönliche Erinnerungen mit musikalischen Stationen ihres Lebens.
Die Sängerin betrat die Bühne nicht als bloße Interpretin, sondern als Erzählerin ihres eigenen Lebens. Zur musikalischen Begleitung hatte sie einen Pianisten und einen Kontrabassisten dabei. Sie startete mit dem jiddischen „Donna Donna“. Weiter ging es mit eigenen Stücken („Time Traveller“) und Musical-Highlights wie „All That Jazz“. Zwischen den Songs sprach sie über ihre Kindheit, ihre künstlerischen Anfänge in Europa und ihren späteren Weg nach New York. Diese narrative Struktur zog sich durch das gesamte Programm und verlieh dem Konzert eine filmische Dramaturgie, die durch kurze Einspieler auf der Bühnenrückwand noch ergänzt wurde. Es entstand der Eindruck einer gedanklichen und persönlichen Reise durch Zeiten, Orte und Emotionen.
Jazzig verspielt zelebrierte Lemper aoft ein lautmalerisches Singen. In der Art ihres Erzählens wirkt sie oft verträumt und weinerlich. Musikalisch bewegte sich die Sängerin aber souverän zwischen Genres und Epochen. Italienische Stücke wie „Madrigal escrito en invierno“ standen neben Chansons von Édith Piaf und Liedern aus ihrem eigenen Repertoire. Hinzu kamen die emotionalen Stücke von Kurt Weill, der Brecht und Kästner vertont hatte. Die Songs flossen zum Teil ineinander, wurden von erzählerischen Passagen getragen und bildeten so ein zusammenhängendes Ganzes. So entstand eine intime Atmosphäre, die ganz auf Stimme und Ausdruck konzentriert war.
Thematisch scheute Lemper auch vor schweren Stoffen nicht zurück. Erinnerungen an das geteilte Berlin, Reflexionen über Geschichte und persönliche Konflikte – all das fand seinen Platz im Programm. Gleichzeitig blitzen immer wieder humorvolle Momente auf, etwa wenn sie Anekdoten aus ihrer Karriere erzählte oder berühmte Weggefährten, vor allem Marlene Dietrich, porträtiert. Man konnte Ute fast mit Marlene gleichsetzen, wenn sie deren von Deutschland und dem Bühnenleben frustrierte Art nachmachte und viele gemeinsame Anekdoten erzählte.
Das Publikum honorierte den sehr persönlichen und oft berührenden Abend mit starken Applaus. Lemper zeigt auf der aktuellen Tour einmal mehr ihre Fähigkeit, Biografie, Geschichte und Kunst zu einem stimmigen Gesamterlebnis zu verschmelzen. Dabei gab es überraschend keine Pause, sondern 110 emotionale Minuten am Stück. Und der Abschluss mit „Blowin‘ In The Wind“ und „Imagine“ war absolut berührend.











