Es war 1994 beim „Eurovision Song Contest“ in Dublin. Dort wurde als Pausenfüller eine Show aufgeführt, die der irische Tänzer Michael Flatley gemeinsam mit dem Komponisten Bill Whelan ins Leben gerufen hatte. Ihr Name war „Riverdance“ und just an diesem Tag begann ihr Siegeszug um die Welt. Noch heute wird die Mischung aus Stepptanz und keltischer Musik weltweit sehr erfolgreich und in unterschiedlichen Ausprägungen aufgeführt. Ganz vorne in der Hitliste steht dabei die Original-Show „Riverdance“, dicht gefolgt von Flatleys erfolgreichem Nachfolger „Lord Of The Dance“, bei welcher er als tanzender Protagonist noch stärker im Vordergrund stand. Das tänzerische Drama um Gut und Böse wird schon seit 1996 in den großen Arenen gespielt und feiert im Moment die Jubiläumstour zum 30jährigen Bestehen – so auch am 19. April in der SWT Arena Trier. Flatley steht schon seit 2016 nicht mehr als Tänzer auf der Bühne, doch der Geist seiner Idee steckt in jedem neuen Ensemble.
Das Bühnenbild in der aktuellen Produktion ist recht schlicht gehalten. LCD-Leinwände im Hintergrund und aufgebaute Treppen, damit sich das Geschehen auf verschiedenen Ebenen abspielen kann. Wechselnde Stimmungsbilder werden durch die häufig gewechselten Kostüme und die Lightshow aufgebaut. Während „Riverdance“ noch vom Siegeszug der keltischen Musik durch die Welt berichtete und den Einfluss dieser Musik auf viele modernere Spielarten zum Inhalt hatte, erzählt „Lord Of The Dance“ eine ziemlich banale Gut-gegen-Böse-Story, die auf einer irischen Legende beruht. Den roten Faden findet man in den klischeebeladenen Figuren, die entweder in strahlenden Kleidern oder als dunkle Gestalten mit Totenkopf-Masken und in Militär-Kleidung auftreten. So gibt es zwei Protagonisten, die sich als Anführer der Gruppierungen bekämpften, gut aussehende Mädels, die sich mal für die eine, mal für die andere Seite entscheiden, und eine bunte Sagengestalt mit Flöte, die bisweilen auf Seiten der Guten eingreift.
Ein nahezu ausverkaufte SWT Arena genoss die Show um den „Lord Of The Dance“ in Trier. Die fade Story war definitiv nur schmückendes Beiwerk. Es kam auf die tänzerischen Fähigkeiten an, die pure Artistik bedeuteten. Die Synchronität der Tänzer war stets aufs Neue faszinierend. Das betraf vor allem die wild und wirbelnd schnell über die Bühne stampfenden Männer, aber auch die Frauengruppe, die meist eher in Ballettfiguren schwebte, bisweilen aber ebenfalls in den Stepprhythmus verfiel. Gebremst wurde das Geschehen durch erzählende Elemente und die Gesangseinlagen einer irischen Sängerin.
Zu Beginn wurde als Video-Einspieler die Historie der Show und Flatleys Karriere nacherzählt. Im Zugabenblock gab es dann einen dreifachen Michael Flatley auf der großen Leinwand, der mit sich selbst um die Wette steppte. Sehr beeindruckend!
Zweimal 45 Minuten dauerte das Spektakel. Es gab einige wundervolle Momente, wie das erste Auftauchen der Flöte ganz zu Beginn, das mich umgehend in die musikalische Story entführte. Das hymnische Hauptmotiv war mitreißend und regte bei jedem Auftauchen zum Mitwippen und Mitklatschen an. Die Fähigkeiten der Tänzer lagen auf höchstem Niveau. Besonders beeindruckend fand ich stets den synchronen Reihentanz und die rhythmischen Stepp-Elemente. Die Frauen traten sehr anmutig auf, wenn auch die Passage in schwarzer Unterwäsche (nach dem Motto „Sex sells“) durchaus verzichtbar gewesen wäre. Eine bunte Disco-Aufmachung hingegen wirkte als willkommene Abwechslung im keltischen Einheitsbrei. Und in Sachen Gendergerechtigkeit wurden auch die Herren der Schöpfung mehrfach mit freiem, muskelbepacktem Oberkörper gezeigt, was den Fans hörbar gefiel.
Was etwas nervte war die nicht vorhandene Abwechslung im musikalischen Teil. Keltisch und immer wieder keltisch. Selbst die getragenen Gesangsstücke hörten sich alle gleich an. Bei der Originalshow „Riverdance“ hingegen darf man sich auf eine Abwechslung in Richtung Flamenco oder HipHop freuen. So etwas fehlt bei „Lord Of The Dance“ völlig. Einzig ein kurzer gitarrenrockender Moment zu Beginn der Zugabe war auszumachen. Am Ende gab es donnernden Applaus und stehende Ovationen der gut 2500 Zuschauer. Der Funke der Begeisterung war eindeutig übergesprungen!
(Credit für alle Fotos: Dietmar Schmitt)



























