Wer heute an Filmmusik denkt, kommt an dem Frankfurter Hans Zimmer kaum vorbei. Nicht erst seit er den Oscar für „König der Löwen“, den Golden Globe für „Gladiator“ und den Grammy für „The Dark Knight“ gewonnen hat – kaum ein Hollywood Blockbuster (vor allem aus dem Hause Walt Disney), bei dem er nicht für die Musik verantwortlich war. Die Liste ist lang und reicht von „Crimson Tide“ über „Rain Man“ und „Black Hawk Down“ bis hin zum „Simpsons Movie“, „Inception“ und „Interstellar“. Der inzwischen 68jährige hat ein glückliches Händchen dafür, Emotionen zu transportieren und die Handlung mit musikalischen Themen zu illustrieren. Das funktioniert auch umgekehrt, wenn man den Soundtrack zuhause hört und das Kino im Kopf zu neuem Leben erweckt wird.
Ich würde ja gerne mal eine Reise 100 Jahre in die Zukunft machen um zu erfahren, wie man dann über Hans Zimmer denkt. Wird er den gleichen Stellenwert haben wie die klassischen Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts? Wie Mozart, Beethoven und Schubert? Okay – seine Sinfonien sind „nur“ Filmmusik. Doch sie werden schon heute von renommierten Orchestern gespielt und es kommt vermehrt zu groß angelegten Aufführungen, bei denen die Musik live gespielt wird, während der Film oder Ausschnitte davon auf großer Leinwand dazu laufen Bei diesen Events hat die orchestrale Musik der Filmhandlung längst den Rang abgelaufen.
In Trier war am Freitag „The World of Hans Zimmer“ mit dem Odesa Orchestra zu Gast. Mit „The Immersive Symphony“ erhält die international gefeierte Konzertreihe im Jahr 2026 ihren jüngsten Neuzugang. Für die Produktion zeichnet Hans Zimmer persönlich als musikalischer Leiter und Kurator verantwortlich – auch wenn er selbst nicht auf der Bühne steht. In einem Videoeinspieler leitet er die Show ein und tritt auch am Ende wieder in Erscheinung.
Die SWT Arena in Trier war fast ausverkauft und man durfte sich auf eine grandiose Produktion freuen. Auf der Bühne fanden sich das Orchester und eine grandiose Liveband, dazu eine Reihe fantastischer Solist*innen. Für die visuellen Effekte griff man auf den Trick zurück, einen Vorhang vor dem Orchester als zweite Leinwand zu nutzen, wie man dies aus vielen Theaterproduktionen kennst. Das verlieh den Visuals und Filmausschnitten eine Räumlichkeit, die sehr wirkungsvoll war.
Die herausragenden instrumentalen Solist*innen waren Josh Plotner an der Querflöte, Timothée Berte-Renou am Cello und Maya Levy an der Violine. Schon der Opener „Man of Steel“ zeigte filigrane Passagen gepaart mit einer bombastischen Klangfülle des Orchesters. Und als sich dann Superman zu hymnischen Klängen in die Luft erhob, war das Publikum zum ersten begeisterten Applaus bereit.
Weiter ging es mit „The Rock“ und „King Arthur“. Zum historisch wichtigen „Pearl Harbour“ stand die Pianistin Nicole Johnson im Mittelpunkt, die zudem Musical Director der Show war. Es gab fließende Lichtprojektionen, ein Tanzpaar und Sängerin Carla Chamoun mit lautmalerischen Klängen ohne Text. Zu Beginn verwendete man nicht unbedingt Zimmers bekannteste Melodien, aber in Verbindung mit den Filmausschnitten (beispielsweise „Rush“ mit der Geschichte um die Formel-1-Rennfahrer James Hunt und Niki Lauda) machte die Show große Lust, sich diese Filme mal anzuschauen.
James Bond in „No Time To Die“ wurde mit einer genialen Cello-Melodie gewürdigt und brachte großartige Bilder von Eis und Feuer. „Wonder Woman“ zeigte Maya an der Geige im Glitzerkleid und mit virtuosem Können. Das „Dune“-Thema gab es von Joshs Flöte, eingebettet in fantastische Wüstenbilder. Dann „Interstellar“ mit Sternenlicht auf doppelter Leinwand. Die Visuels und der glasklare Sound verschmolzen zu einem immersiven Konzerterlebnis, das das Publikum in seinen Bann zog und es zu einem integralen Bestandteil dieser magischen Atmosphäre werden ließ.
Nach 60 Minuten erfolgte eine Pause, danach ging es mit Fahrgeräuschen und Sirenen aus Gotham City weiter. „The Dark Knight“ kam mir persönlich zu kurz, aber es sollten ja noch viele Filme gewürdigt werden. „Kung Fu Panda“ sorgte mit fernöstlicher Flöte und Mandoline für Erheiterung, als die Zeichentrick-Filmschnippsel zu sehen waren. „Sherlock Holmes“ brachte Stadtgeräusche im Surround Sound – man war buchstäblich mittendrin – zudem ein Akkordeon und Maya als Teufelsgeigerin. Carla am Gesang erklang erstmals mit Text und die Soli waren hier so hervorragend, dass es schon vor den Zugaben vereinzelt Standing Ovations gab.
Zur „Lion King Suite“ glänzte der schwarze Sänger Futurelove Sibanda am Gesang und performte am Ende spektakulär mitten aus dem Publikum heraus. Einfach wundervoll. Die Show war schon gut 150 Minuten zu Gange, als der Zugabenblock begann. Wir durften Hans Zimmer riesengroß auf Leinwand am Piano mit „Time“ aus „Interstellar“ erleben und er richtete aus der Ferne sympathische Dankesworte an die komplette Produktion. Zum Abschluss gab es dann wieder hymnische Klänge von „Pirates Of The Caribbean“ und Dirigentin Nicole am Akkordeon. Ein wunderbarer Abschluss für ein fantastisches Konzerterlebnis, bei dem das Publikum immer mitten im Geschehen war.
(Hier unsere Fotogalerie – Credit: Dietmar Schmitt)


























