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40 Jahre Aufbegehren – Die Story von Bad Religion

Bad Religion  -  Die Bad Religion Story - Do what you want  -  VÖ: 18.08.2020

1980 gründeten vier Freunde in Los Angeles die Band Bad Religion, um ihrem Frust über das herrschende System musikalisch freien Lauf zu lassen: Punk kam nicht nur aus New York und London! Bei Bad Religion ging es dabei weniger hedonistisch zu als bei den Sex Pistols oder den New York Dolls, dafür verarbeiteten sie in ihrer Sozialkritik sogar literarische und philosophische Einflüsse. Und sie waren stets der Auffassung, dass die Revolution nicht nur laut und ruppig, sondern auch melodisch sein darf, ein Umstand, der ihnen in den USA, aber auch in Europa schnell eine große Fangemeinde einbrachte.

Heute blicken Bad Religion auf 40 Jahre Bandgeschichte zurück und lassen sie in “Die Bad Religion Story” (Originaltitel: “Do What You Want”) noch einmal Revue passieren. Der Journalist Jim Ruland hat dazu ausführlich mit allen direkt oder indirekt Beteiligten gesprochen, die Chemie innerhalb der Gruppe auf lebendige Weise eingefangen und sich auch mit dem prägenden Einfluss auseinandergesetzt, den Bad Religion auf viele große Bands der Neunziger und Nullerjahre hatten: Ohne sie hätte es Weltstars wie Nirvana, Green Day oder auch Linkin Park wohl nicht gegeben.

Seit 1980 sind die Punkrocker aus Los Angeles nun schon für ihre kurzen, knackigen Songs und bissigen, sozialkritischen Texte bekannt. Das Buch beschreibt ihren Werdegang über 40 wilde Jahre in chronologischer Reihenfolge und beginnt mit den Anfangsjahren als Garagenband in Los Angeles. Gespickt mit Originalzitaten der Bandmitglieder erfährt der Leser hautnah vom Weg aus dem Tal (San Fernando Valley) bis hin zum Gipfel der größten Festivals weltweit.

Es gibt einen guten Einblick hinter die Kulissen und vor allem in das Zwischenmenschliche der Bandmitglieder. Auch die Drogenproblematik wird nicht ausgespart. Sehr spannend finde ich auf jeden Fall Rulands Hintergrundanalyse ausgewählter Songtexte. Langatmig wird er aber manchmal in der Aufzählung lexikalischer Fakten, die den Lesefluss aufhalten.

Jim Ruland ist definitiv ein Fan der Band und alles andere als objektiv. Als “Punk aus Überzeugung” darf der Musikjournalist auch eine vorgefasste Meinung haben. Es werden ohnehin hauptsächlich Fans der Band sein, die seinen Ausführungen folgen. Alles in allem ist das Buch trotz kleiner Stolperer und einem “Zuviel” an aufzählendem Hintergrundwissen gut lesbar. Nicht spannend, aber elementar. Viele Schwarz-weiß-Fotos und eine Diskographie (leider ohne Jahreszahlen) runden dieses neue Standardwerk zur Bandgeschichte ab.