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Markus Behr "Strassenmusik"

Die Macht der Musik

Der Roman „Strassenmusik“ erzählt die Geschichte zweier Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind und die sich dabei von der Musik leiten lassen. Ausgangspunkt ist ein Trip der beiden – unabhängig voneinander – nach Amsterdam. Sie treffen erstmals im Zug aufeinander und begegnen sich danach immer wieder. Das Schicksal scheint sie zusammen zu führen, auch wenn sich beide mitunter dagegen wehren.

Jonas ist gerade aus seiner Band geflogen, als die ersten Erfolge zählbar waren. Chiara hat sich gerade von ihrer Freundin getrennt und ist auf der Suche nach neuen sozialen Kontakten. Beide werden prägnant mit ihren kleinen Fehlern geschildert. Jonas stottert bisweilen, hat wenig Selbstbewusstsein und ist eher still. Chiara kämpft mit ihrer Neurodermitis und kann von null auf gleich sehr aufbrausend werden, weshalb sie ständig aneckt.

Das mehrfache Zusammentreffen der beiden ist sehr kurios, denn Jonas findet Chiaras Gitarre und nimmt sie mit, was diese als Diebstahl auslegt. Später setzt er sich tollpatschig auf das Instrument und es hat einen Riss. Jede Begegnung der beiden hat mit Musik zu tun – und am Ende machen sie gemeinsam Strassenmusik. Der Erfolg stellt sich auch durch das Zusammenspiel ihrer Eigenheiten ein.

Der musikalische Roadtrip ist sehr schön zu lesen. Durch häufigen Wechsel der Perspektive zwischen Jonas und Chiara bekommt man Einblick in beide emotionale Welten und ihre Motive. In Rückblicken und Snapshots wird die Vorgeschichte der beiden erzählt. Und ob der jeweiligen Pechsträhne fiebert man am Ende mit, dass sie weiter gemeinsam Musik machen und ihren Erfolg ausbauen können.

Das Buch erzählt keine komplette Biografie und endet nicht mit einer heilen Welt aus Zweisamkeit und purem Glück. Vielmehr begleitet es zwei Menschen am Wendepunkt ihres Lebens, die eine Entscheidung für die Zukunft treffen müssen. Man bekommt interessante Einblicke in das Leben und Wirken von Straßenmusikern, aber auch allgemein hinter die Kulissen der Musikindustrie. Und auch die Besonderheiten von Corona und Lockdown bekommen ihren Platz, ohne zuviel Raum einzunehmen.

Autor Markus Behr hat einen schönen Stil, der dafür sorgt, dass der Leser sich mit den Protagonisten identifizieren kann. Die 224 Seiten sind wie im Flug vorbei gerauscht und liefern ein zeitloses Lesevergnügen.

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