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Martina Straten "Das Dorf der toten Kinder"

Ein Thriller als geheimnisvolle Hommage an den Hunsrück

Düstere Wolken liegen über dem Dorf, dessen Kirchturmspitze gespenstig durch den Bodennebel ragt – so das Cover des Thrillers. Im Vordergrund liegt ein rotes Kinderfahrrad, das eine wichtige Rolle spielt. Die Autorin war mir bislang nur als Radio-Salü-Moderatorin bekannt, dies ist der erste Thriller, den ich von ihr gelesen habe.

Julia Guthenberg hat als junge Frau ihrem Heimatdorf im Hunsrück den Rücken gekehrt. Ihr fünfjähriger Sohn Ben, Resultat einer Vergewaltigung nach einem Disco-Besuch, wurde entführt und getötet. Die Tat wurde nie aufgeklärt. In Amerika hat sie ein neues Zuhause gefunden, sich eine Zukunft aufgebaut und einen Nativ American geheiratet. Den Verlust des Kindes konnte sie nie überwinden und hat sich eigentlich geschworen, nie wieder nach Deutschland zurückzukehren. Nun liegt ihre Mutter im Sterben und Julia kehrt in ihr Heimatdorf zurück, um ihre Mutter bis zu ihrem Tod zu pflegen. Die Begegnung mit ihrem Ex-Freund und anderen Dorfbewohnern, die ihr zusehends feindlich gesinnt sind, reißen alte Wunden auf. Als weitere Kinder verschwinden und tot aufgefunden werden, aufgebahrt im Wald wie seinerzeit Ben, halten die Bewohner Julia für die Verursacherin, ja sogar für die Täterin.

Handelt es sich bis zu dem zweiten toten Kind um einen Psychothriller, treten von da an mit dem Erscheinen des Ermittlerduos , das sich zunächst missgünstig gegenübersteht und statt miteinander eher nebeneinander ermittelt, Krimi-Attribute zutage. Auch wird der Zeichnung der Nebenfiguren mehr Raum geboten. An der Aufklärung der seltsamen Kindesmorde sind die beiden Kommissare eher passiv beteiligt. Der Leser erfährt vor ihnen, wer hinter diesen Morden steckt.

Manchmal lese ich einen Roman auch als E-Book, so diesen hier. Mangels Seitenzahlen war ich von dem plötzlichen Ende überrascht, zumal auch die Prozentzahl der gelesenen Seiten ab 51 Prozent nicht mehr von meinem Reader angezeigt wurde. Der Roman hat auch eine esoterische Komponente. Durch die Heirat mit einem Native American ist Julia Guthenberg mit dem Schamanentum in Berührung gekommen. Das transferiert die Autorin in den Hunsrück, was einerseits eine originelle Idee darstellt, andererseits in meinen Augen bemüht wirkt. Die Handlung könnte ebenso in Arizona spielen und würde in dieser Konstellation vielleicht auch besser dorthin passen. Wie ich im Nachwort erfahren habe, wohnt die Autorin nicht in der Nähe von Saarbrücken und ihres Senders Radio Salü, sondern seit rund 20 Jahren eine gute Autostunde davon entfernt in einem Dorf am Rande des Hunsrücks. Somit ist dieser Thriller bestimmt auch eine Hommage an ihr neues Zuhause, ihre Heimat ist das frohmütige Rheinland, insofern ist auch der geheimnisvolle Hunsrück mit seinen eher zurückhaltenden Einwohnern ein Kontrast.

Obgleich man mit ein paar Cliffhangern die Szenenübergänge durchaus spannender hätte gestalten können, finde ich den Roman überaus gelungen. Er ist an keiner Stelle langweilig, die Handlung ist schlüssig und ohne Umwege auf den Punkt gebracht, die Charaktere der Nebenfiguren glaubhaft gezeichnet. Ich weiß nicht, wie es anderen Lesern ergeht: ich hatte bis zur Auflösung keine Ahnung, wer hinter den Kindsmorden steckt. Mir erging es aber so wie den Dorfbewohnern im Roman, die mit zunehmender Lesedauer in Julia Guthenberg den Schlüssel vermuteten. Der erste Straten-Roman wird definitiv nicht mein letzter gewesen sein und hat Neugierde auf ihre früheren Werke geweckt.

Wer den Thriller lieber als Buch lesen will: die Taschenbuchausgabe ist mit 310 Seiten angegeben. Eine Verlagsangabe konnte ich nicht entdecken, wahrscheinlich als Selfpublisher erschienen.

Martina Straten - Das Dorf der toten Kinder

Letzte Aktualisierung am 31.03.2023 um 23:37 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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