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Sinéad OʼConnor schwelgt in “Erinnerungen” – die offizielle Autobiografie

Sinéad OʼConnor   -  Erinnerungen  -  VÖ: 01.06.2021

Wer viel erlebt, hat viel zu erzählen. Sinéad OʼConnor legt hier eine äußerst umfangreiche Biografie mit dem Titel “Erinnerungen” vor. Und der Name ist Programm. Auf 250 eng beschriebenen Seiten beschreibt sie ihr Leben von der schwierigen Kindheit bis in den Lockdown der Jetztzeit. Schonungslos offen und mit der Ehrlichkeit, die man von ihren öffentlichen Auftritten kennt.

Sinéad OʼConnor, geboren 1966 in Dublin, ist eine der weltweit erfolgreichsten Musikkünstlerinnen und Songwriterinnen. 1990 stürmte sie mit ihrer Interpretation des Prince-Songs “Nothing Compares 2 U” die weltweiten Hitlisten. Seitdem hat sie mehr als 7,7 Millionen Tonträger verkauft. Ihre zehn Studioalben wurden mit zahlreichen Platin und Goldenen Schallplatten ausgezeichnet.

Sie lebt in Irland – und sie ist die Frau mit dem kahl rasierten Kopf, die vor laufenden Kameras ein Foto von Papst Johannes Paul II. zerriss und zur meistgehassten Person wurde. Diese Eckpunkte dürften viele kennen, aber es gibt noch viel mehr zu erzählen. Sinéad OʼConnor hat immer das gemacht, was sie für richtig hielt – egal, ob ihr das Nachteile brachte oder nicht. Auch in ihren Erinnerungen nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Spricht über ihre schmerzhafte Kindheit, musikalische Erfolge und persönliche Niederlagen. Aber auch über das Glück, Mutter zu sein, ihre fortwährende Suche nach spiritueller Erfüllung – und die Kraft der Musik, mit deren Hilfe sie überlebte und zu sich selbst fand.

Das Buch ist wie ein Tagebuch aufgebaut – chronologisch und mit prägnanten Überschriften. Der Leser erfährt viele intime Geheimnisse, von der Tante mit Down-Syndrom, von den Nonnen in der Schule, vom Selbstmordversuch der Mutter, die das Auto inklusive Tochter mit Absicht in den Gegenverkehr steuerte. Sinéad erzählt so spannend, dass man das Buch wie einen Roman lesen kann. Schon mit 13 arbeitete sie im Nachtclub und hatte mit 14 den ersten Sex. Missbrauch und Vernachlässigung dominierten ihr Leben.

Auf der anderen Seite definiert sie ihre Liebe zur Musik und vor allem zum Singen. Die verschiedenen Alben bilden die Eckpunkte der Künstlerkarriere und werden entsprechend beleuchtet. Auch Statements wie Sinéads Kopfrasur, die ewige Zerreißprobe in der Öffentlichkeit, Licht und Schattenseiten des Ruhms. Wer Gedanken und Taten der extravaganten Sängerin verstehen will, bekommt hier klare Hinweise auf ihre Philosophie. Das Buch enthält viele Momente, die Gänsehaut erzeugen – und dann legt man am besten eine Platte wie “I Do Not Want What I Haven’t Got” auf und lässt sich ganz ein auf diesen wunderbaren Menschen.