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Coldplay – es fehlt die frühere Magie

Coldplay  •  Everyday Life
Veröffentlichungsdatum: 22.11.2019
Unsere Bewertung: 5 von 9 Punkten

Wenn man Coldplay vorgeworfen hat, mit den letzten Alben dem Mainstream und Chartplatzierungen zu frönen, kann man ihnen mit diesem Werk diesen Vorwurf sicher nicht machen. Kaum ein Song eignet sich als Single-Auskopplung, zumindest nicht für einen Airplayhit. Und das, obwohl jeder Song im Schnitt nur drei Minuten lang ist (16 Songs, 48 Minuten Spielzeit), also bestens ins Radioformat passt.

Schon das Cover lässt erahnen, dass man hier kein gewöhnliches Werk von Coldplay erwirbt. Es zeigt im Fuß ein kleines Orchester, von der Optik her könnte die Aufnahme noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Das Motiv erscheint dann noch mal im Kopf gespiegelt. Dazwischen steht der Albumtitel “Everyday Life”, den Namen der Band sucht man vergeblich, fast so, als wolle Coldplay nicht mit diesem Album in Verbindung gebracht werden oder der Hörer die Musik nicht allzu sehr mit Coldplay vergleichen solle.

Obwohl das Cover auf Nostalgie getrimmt ist, findet sich über den Titel ein arabischer Schriftzug, als wolle die Band der gefühlten Islamisierung des Abendlandes Tribut zollen. Auf dem Album findet sich auch ein بنی آدم betitelter Song. Die Mühe einer Übersetzung bzw. Transkription in arabische(!) Buchstaben hat sich die Band bzw. der Coverdesigner nicht gemacht. So bleibt der Song leider nur ein Lückenfüller, ein unaussprechliches Irgendwas.

Kontrovers zum nostalgischen Cover stehen die Songs, die aktuelle Themen aus dem Alltag, Politik und Weltgeschichte beinhalten. Das ganze säuselt ohne im Ohr hängen bleibende Musik dahin, trotzdem langweilt die Musik nicht und hat, von ein paar penetranten Bläsereinsätzen und einem Ausrutscher ins Hiphop abgesehen, eine beruhigende Wirkung, ja teilweise geradezu besinnlich, aber wie gesagt, ohne Nachgang. Veröffentlicht im November wollte die Band vielleicht auch einen besinnlichen Teil zur Weihnachtszeit abliefern, ob das Album aber auch noch nach dem Jahreswechsel oft in meinem CD-Player rotiert, bleibt abzuwarten.

Vielleicht wollen Coldplay aber auch bloß, wie seinerzeit die Beatles, einen neuen Weg einschlagen. So beginnt das Album mit einem orchestralen, instrumentalen Intro. “Sunrise” ist damit wohl der untyptischste Coldplaysong. Ob die Fans den Wandel mit „Yeah“ schreien begleiten werden? Die ersten Alben von Coldplay haben mich emotional tief bewegt, unabhängig von den eingängigen Melodien, dieses Album vermag das nicht. Es scheint so, als habe Sänger und Songwriter Chris Martin mit der Trennung von Schauspielerin Gwynneth Paltrow die Magie, bewegende Hymnen und Evergreens zu schreiben, verloren.