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Gregory Porter – “All Rise”: Das 6. Album einer der besten Jazz-Stimmen

Gregory Porter  •  All Rise
Veröffentlichungsdatum: 28.08.2020
Unsere Bewertung: 8 von 9 Punkten

Beinahe vier Jahre sind verstrichen, seit Gregory Porter mit “Take Me To The Alley” sein letztes Album mit frischem Eigenmaterial herausgebracht hat. Vier Jahre, in denen der Sänger natürlich nicht untätig war. Denn in diesem Zeitraum nahm er für Decca den wunderbaren Nat-King-Cole-Tribut “Nat King Cole & Me” (2017) auf und veröffentlichte zudem zwei europäische Konzertmitschnitte: “Live In Berlin” (2016) und “One Night Only: Live At The Royal Albert Hall” (2018).

Doch mit seinem sechsten Studioalbum “All Rise”, das einen brillanten Mix aus Jazz, Soul, Blues und Gospel bietet, kehrt er jetzt endlich wieder zurück zu von ihm selbst verfassten neuen Songs, in denen er sein Herz auf der Zunge trägt. Die Lyrics sind von Porters Alltagsphilosophie durchtränkt und handeln vom wahren Leben. Es strotzt nur so vor Liedern über unerschütterliche Liebe, enthält aber auch ein paar aufmüpfigere Songs, weil der Weg zur Heilung schließlich nicht eben ist.

“Ja, man könnte sagen, dass ich hier aufs Ganze gegangen bin”, meint Porter über sein jüngstes Werk. Für dessen Einspielung vereinte er die Talente seiner langjährigen treuen Bandkollegen mit einer handverlesenen Bläsersektion, einem zehnköpfigen Chor und den Streichern des London Symphony Orchestra. “Aber wenn ich die Musik im Kopf komponiere, passiert alles zunächst nur mit Stimme und Klavier und entwickelt sich von da aus weiter. Es fühlt sich gut an, wieder zurückzukehren zu den Rhythmen und Stilen und Gefühlen und der Art und Weise, wie ich meine eigene Musik von Anfang bis Ende festlege.”

Die Phrase “All Rise” bekommt man in den USA zu hören, wenn Richter oder Präsidenten den Raum betreten. Doch Porter will sie auf eine neue Ebene führen: Alle sollen sich erheben! “Wir sind alle bedeutend und werden von Liebe beflügelt. Das ist mein politischer Glaube und meine echte Wahrheit. Beides rührt von meiner Persönlichkeit her, von der Persönlichkeit meiner Mutter, der Persönlichkeit des Blues und der Schwarzen.”

Die Texte sind zum Teil durchaus sozialkritisch: In “Merchants Of Paradise” geht es um die Versklavung und den Handel mit Kindern aus Kriegsgebieten. Im prachtvollen Opener “Concorde” staunt der jetsettende Porter darüber, dass er es geschafft hat, solch seltene Höhen — im übertragenen wie buchstäblichen Sinn — zu erreichen, während er sich einfach nur danach sehnt, zu Hause bei seiner Familie zu sein. Das mit einem galaktischen Video versehene Stück hatte Porter ursprünglich während eines Übernacht-Fluges an Bord eines Jumbos komponiert.

Im von sanften Streichern unterlegten Pop-Crooner-Juwel “Merry Go Round” singt er von unerwiderter Liebe. Auch in Stücken wie “Faith In Love” und “Thank You”, das allen gewidmet ist, die Porter auf seinem Weg geholfen haben, geht es um die Komplexität der Liebe, wenngleich auf andere Art. “Ich mache immer wieder Anspielungen, die sowohl weltlich sind als auch den Allerhöchsten betreffen”, erklärt Porter. “Spreche ich von Gott oder von den Menschen, die hier mit mir auf der Erde sind? Spreche ich von meinem tatsächlichen Vater, der tot und im Himmel ist, oder spreche ich von meinem Himmlischen Vater?”

Die ruhigen Songs sind Balsam für die Seele, mit den hymnischen, energischen Stücken lässt er sein ganzes stimmliches Kraftpaket auf die Zuhörer los. Porters fesselnder und souliger Bariton funktioniert schafft Atmosphäre und kann jeden Hörer mitnehmen. Der kleine Gregory hat in jungen Jahren die Plattensammlung seiner Mutter rauf und runter gehört: Nat King Cole und John Coltrane. Jetzt zeigt er sich würdig, mit diesen großen Namen in einem Atemzug genannt zu werden.

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