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Musicheadquarter.de – Internet Musikmagazin

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Loyle Carner "Hugo"

Unsere Wertung: 7 von 9 Punkten.

Von Hass und starken Emotionen

Auch wenn der britische Rapper Loyle Carner noch nicht ganz oben in der Liga mitspielt, haben es seine beiden Alben „Not Waving, but Drowning“ (2019) und das kürzlich erschienene „Hugo“ doch jeweils auf Platz 3 der UK-Charts geschafft. Mir war der Mittzwanziger aus London kein Begriff – bis er das Reeperbahn Festival in Hamburg vor wenigen Monaten eröffnete und gut 1.200 Musikfans begeisterte. Neben den Elphi-Konzerten war es das größte Einzel-Event des Festivals. Eindringlich und gewaltig legte Loyle Carner im Operettenhaus eine fantastische Show hin. Den muss man im Auge behalten!

Drei Jahre sind seit seinem letzten Longplayer vergangen. Vieles hat sich verändert, diese und seine Welt ist nicht mehr die gleiche. Da war viel Schmerz und Wut. Und daneben: Hoffnung, Schönheit, Licht. Loyle Carner hat sie alle gesammelt, die großen Emotionen der letzten Jahre und daraus gemacht, was er am besten kann: Musik. Dabei herausgekommen ist mit „Hugo“, eine berührende Sammlung von Poesie und Geschichten über Familie, Identität und Gesellschaft, über Hoffnung im Angesicht des Schmerzes. Es ist ein Manifest, das in seiner ebenso persönlichen wie politischen Wirkung lange nachhallt.

Seinen Ursprung findet das Album in Loyles junger Vaterschaft, seiner Mixed-Race-Identity und dem Sommer der Black-Lives-Matter-Proteste, die ihn mit der Frage nach seinem Platz in der Welt konfrontieren. Seine Suche führt ihn durch vielschichtige und lebendige Klangwelten, in denen berührende, tiefgehende Texte ihren Platz finden. Darin Fragen, Antworten, Anklagen und Versöhnungen. Loyle Carner eröffnet Konversationen, vor denen er sich zuvor zu sehr gefürchtet hatte. Er konfrontiert sich mit der schwierigen Beziehung zu seinem Vater, mit seiner Racial-Identity und der Verantwortung gegenüber seinem Sohn.

Das Album bietet zehn Songs in knapp 35 Minuten mit enormem Flow. Schon der Opener „Hate“ bietet melodische Passagen und magisch darüber gewebte Texte. Neben seinen eigenen Lyrics gibt es dazwischen Samples von Gedichten und Vorträgen bekannter Poeten. Loyle tut alles dafür, sein Album zum Gesamtkunstwerk zu machen. Dazu tragen Gospelchöre in „Nobody Knows (Ladas Road)“ und ein Feature von John Agard in „Georgetown“ bei.

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Jazz-Elemente und elektronische Spielereien lassen immer wieder aufhorchen. Das Album ist gewiss nicht leicht zu konsumieren – man muss sich auf nervenaufreibende Momente einstellen. Loyle richtet sich vor allem an junge schwarze Männer, aber eigentlich an jede und jeden, die*der es hört, denn er bleibt bis zum emotionalen Ende authentisch.

Wer sich von der musikalischen Klasse des Rappers überzeugen will, höre nur mal die sinfonische Version von „Nobody Knows (Ladas Road)“ mit dem WDR Funkhausorchester. Das ist ganz großes Kino!

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HUGO Tour 2023

  • 20.01.2023 – Berlin, Columbiahalle
  • 24.01.2023 – Köln, Carlswerk Victoria
  • 31.01.2023 – München, Tonhalle

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