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Passenger – Ansichten eines Clowns

Passenger  •  Songs for the Drunk and Broken Hearted
Veröffentlichungsdatum: 08.01.2021
Unsere Bewertung: 9 von 9 Punkten

Wenn Passenger von einem Spaziergang in London erzählt, geht mir einfach das Herz auf. Es ist diese wunderbar sympathische und einnehmende Stimme, die mich vom ersten Moment an gefangen nimmt. Melancholische Stücke wie “London in the Spring” machen die Wärme und den Glanz von Mike Rosenberg aus. Und dabei ist es ganz egal, ob seine Songs durchproduziert sind oder einfach nur im akustischen Gewand daherkommen. Ich höre ihm gerne zu bei seinen Erzählungen von einfachen Begebenheiten und Begegnungen – den “Songs for the Drunk and Broken Hearted”.

Der Albumtitel drückt die Melancholie der zehn neuen Songs in klaren Worten aus. Und der traurige Clown auf dem Cover verstärkt diese Wirkung noch. Passenger ist ein Songwriter vom alten Schlag, der die Menschen mitnimmt in seine Gefühlswelt. Er veröffentlicht Album um Album. Pause? Fehlanzeige. Und eigentlich würde er auch durchgehend touren, wenn nicht diese vermaledeite Pandemie dazwischen gekommen wäre. Normalerweise macht Passenger an vielen Konzertorten, in denen er auftritt, auch noch Straßenmusik. Doch 2020 ist das alles schwierig geworden. Umso schöner, dass nun ein neues Album erscheint.

Die zehn Stücke sind in der Deluxe Edition doppelt vorhanden. Einmal als größer instrumentierte Versionen, dann aber auch allein mit Vocals und Gitarre – so wie Mike die Songs auf der Straße präsentieren würde. In dieser reduzierten Form gewinnen Balladen wie “Suzanne” nochmal an Intensität.

Das zwölfte Album in zwölf Jahren ist ein Album, das von betrunkenen Charakteren mit gebrochenem Herzen bevölkert wird und aus Songs besteht, die Rosenberg größtenteils geschrieben hat, als er noch Single war. Ursprünglich sollte das Album im Mai 2020 erscheinen, aber als die globale Pandemie die Welt auf den Kopf stellte, entschied Rosenberg, dass das Album doch noch nicht ganz fertig war. Ein paar Songs schienen nicht mehr zu passen und wurden gestrichen. Viel wichtiger ist, dass drei neue Songs hinzugekommen sind, darunter der Album-Opener “Sword from the Stone”, den er während der Quarantäne geschrieben und während einer seiner YouTube Isolation Sessions Anfang des Jahres zum ersten Mal aufgeführt hat.

Passenger hat vor kurzem eine Trilogie von begleitenden Videos veröffentlicht, die seine Fans mit verschiedenen Charakteren in seinem Drunk and Broken-Hearted-Universum bekannt machen. Die Serie begann mit dem Titelsong “A Song for the Drunk and Broken Hearted”, der in einer halb leeren Spelunke spielt, in der die Gäste ihre Sorgen ertränken, gefolgt von “Suzanne”, das die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf eine ältere Frau lenkt, die allein sitzt und über vergangene Tage nachdenkt, und endete mit “Remember To Forget”, über den nervigen Typen, der einen zu viel hatte und sich weigert, zu gehen.

Es ist nicht alles Herzschmerz und Melancholie. Es gibt auch vorwärts treibende, optimistisch anmutende Titel wie “Tip of My Tongue” und “What You’re Waiting For”, doch Passenger legt definitiv ein emotionales und zu Herzen gehendes Album vor. Vielleicht sein bestes! Es erinnert mich in seiner Homogenität und konzeptionellen Aussage an Bölls “Ansichten einer Clowns” oder an die Jester-Jahre von Marillion mit Leadsänger Fish, die vor allem in den ersten beiden Albumcovern der Neoprogger deutlich werden.

Passenger ist der nachdenkliche Entertainer – doch im Gegensatz zu seinen gescheiterten Charakteren trägt er die Hoffnung auf bessere Zeiten mit sich. Ein wundervolles Album für den Start in ein Jahr, das nur besser werden kann.

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