Es war eine große Sache, als Helloween am 16. September 2023 im Budokan in Tokio auftraten. So groß, dass man dieses offizielle Tourfinale jetzt auf der CD/DVD „Live At Budokan“ veröffentlicht. Es gab noch einen Auftritt der „United Forces Tour“ im November in Mexiko – doch geschenkt. Der krönende Abschluss in Japan war nicht zu überbieten.
Dabei hat es lange Zeit gar nicht so rosig ausgesehen um die Band aus Hamburg. Seltsame Alben in den 90ern, Besetzungskarussell, die Hallen und Festivals wurden immer kleiner. Doch spätestens 2015 war all das vergessen, als die große „Pumpkins United World Tour“ angekündigt wurde. Ein erster Triumphzug, dem noch weitere folgen sollten. Die Wiedervereinigungstour sah die Band nämlich nicht nur in der Urbesetzung – bis auf den 1993 verstorbenen Ingo Schwichtenberg -, sondern gleich mit sieben Metalhelden (Andi Deris, Michael Kiske, Michael Weikath, Kai Hansen, Markus Grosskopf, Sascha Gerstner und Daniel Löble). Ein wahres Fest für Fans der Band, wobei es schon immer so war, dass die Feierstimmung weltweit noch um einiges größer ausfiel als in der deutschen Heimat.
2021 gab es mit dem selbstbetitelten Album und drei Frontmännern die erste Nummer 1 in Deutschland. Alle Kräfte vereint – so sollte die Erfolgsgeschichte weitergehen. Gemeinsam mit Hammerfall hat man 2022 und 2023 die großen Arenen der Welt gerockt und das aktuelle Album war stark genug, um es mit vier Songs in die Setlist einfließen zu lassen.
Fotocredit: Masayuki Noda
Mir liegt zur Review die DVD vor und es ist ein Genuss, die alten Recken am Bildschirm zu erleben. Fast genau ein Jahr vor der Japan-Aufnahme hatte ich das Gespann in der Rockhal Esch (Luxemburg) selbst erleben dürfen, wusste also, was mich an musikalischem Feuerwerk erwartet. Das Setting für das visuelle Erlebnis ist gigantisch: 29 Kameras fangen jegliche Bewegung aus sämtlichen Perspektiven ein, womit das Produktionsteam sicherstellte, dass jeder Moment des Konzerts bestmöglich festgehalten wurde.
Was die Stimmung angeht, sind Helloween mit ihren so unterschiedlichen Frontern, die sympathisch als große Einheit auftreten, eine Bank. Die Setlist startet mit den neuen Hits „Orbit“ und „Skyfall“, doch natürlich kommen auch die Klassiker nicht zu kurz: „Future World“, „Dr. Stein“ und „Keeper Of The Seven Keys“ lassen kein Auge trocken. Im Budokan wurde Geschichte geschrieben – und wir dürfen im heimischen Wohnzimmer mit dabei sein. Ein starkes Statement!
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Erst kürzlich ist ein gelbes Reclam-Heft mit Songtexten von DIE ÄRZTE erschienen – und schon gibt es erneut ein „Rock Classics“ Sonderheft mit dem Untertitel „Die Historie der besten Band der Welt“. Die Ärzte sind mal wieder in aller Munde und Understatement war sowieso noch nie ihr Ding. Die Zeitschrift mit 100 Seiten im SLAM Media Verlag wurde von Chefredakteur Bernhard Kleinbruckner zusammengestellt und beschreibt die Geschichte der Band anhand ihrer Musikalben in chronologischer Reihenfolge.
Als sich 1980 ein gewisser Jan Vetter und ein damals ebenso unbeschriebenes Blatt namens Dirk Felsenheimer kennenlernten, konnte noch niemand ahnen, dass damit der Grundstein für eine der erfolgreichsten Punkbands Deutschlands gelegt wurde. Das Austesten von Grenzen und vor allem ihr Humor waren von Anfang an Teil von DIE ÄRZTE, die bereits mit ihrem Debüt das erste (und beileibe nicht letzte) Mal die Indizierungsbehörde auf den Plan riefen. Besagter Humor ist es auch, der Farin Urlaub und Konsorten immer zu etwas Besonderem, wenn nicht gar leichten Außenseitern in der Punkszene machte – ganz zu schweigen von ihrem Erfolg.
Nachdem die ursprüngliche Ausgabe der Zeitschrift, die sich BelaFarinRod widmete, längst vergriffen ist, begibt sich Rock Classics in Form einer aktualisierten Neuauflage wieder auf die Spuren dieses einzigartigen Trios und beantwortet vielleicht sogar die Frage, ob es sich hier wirklich um „die beste Band der Welt“ handelt. Es gibt nur einen Gott: BelaFarinRod!
So beginnt man mit einer Biografie der drei Protagonisten und beschäftigt sich historisch mit den beiden Vorgängerbands Soilent Grün und Grenzdebil. Die Geschichte von DIE ÄRZTE erschließt sich dann in Abhandlungen über alle Alben von „Debil“ (1984) bis „Dunkel“ (2021). Dabei geht man ausführlich auf die jeweilige Bandsituation ein, beschreibt einzelne Songs und lässt in spannenden Anekdoten die Geschichte lebendig werden. Das Heft liest sich dabei sehr gut als Ganzes und gibt durchaus intime Einblicke, die nicht jedem bekannt sein dürften.
Die 2007 gegründete Band DeWolff aus den Niederlanden hat ein Faible dafür, sowohl ihre Musik als auch das Artwork der Alben sehr retro wirken zu lassen. So wird jedes Werk ein Fest für Freunde handgemachter Musik. Die Mischung aus Psychedelic und starkem Blueswock weiß immer wieder neu zu überzeugen.
Das aktuelle Album trägt den Titel „Muscle Shoals“, benannt nach einer Stadt in Alabama. In den 60er Jahren wurde sie mit Hilfe zweier Aufnahmestudios, dem FAME und dem Muscle Shoals Sound Studio, zum Herz und zur Heimat des Soul of America. Dort haben Aretha Franklin, Wilson Picket und Etta James aufgenommen. Später waren Cher, die Stones, Bob Dylan und The Black Keys an Bord.
Fotocredit: Satellite June
Nun war es ein neues Abenteuer, als sich DeWolff nach Alabama begaben, um in beiden Studios aufzunehmen. „Noch bevor wir uns für Southern Rock interessierten, bekam Luka als Kind ein Album mit Southern Soul, und das meiste davon wurde bei FAME aufgenommen. Das war unsere Einführung in die Soulmusik“, sagt Sänger/Gitarrist Pablo van de Poel über seinen Bruder. „Wir haben nicht mit James Brown angefangen, sondern mit Leuten wie Wilson Pickett. Das Muscle Shoals Sound Studio war schon lange geschlossen, bis die Black Keys gekommen sind und ihr Album ‚Brothers‘ dort aufnahmen. Dieses Album ist eine unserer Lieblingsplatten, seit sie herauskam, also war es schon lange ein Traum, ebenfalls nach Muscle Shoals zu gehen.“
Das Album beginnt mit „In Love“, einer wirbelnden, funkigen Soul-Ode an das Fremdgehen. „Es geht darum, wenn man lange mit jemandem zusammen ist und dann einen anderen kennenlernt, der deine Welt auf den Kopf stellt, indem er die Versprechen, die du deinem Partner in einer Langzeitbeziehung gibst, in Frage stellt. Es gibt all diese Dinge, die man gerne tun würde. Es gibt eine Zeile, die lautet ‚tell me babe why can’t we meet, at the dark end of the street‘ – eine Anspielung auf Dark End of the Street, geschrieben von Muscle Shoals Songwriter Dan Penn.“
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Der grüblerische Lowdown-Soul-Funk von „Out on the Town“ wurde durch einen Roman inspiriert. „Der musikalische Teil entstand, als wir jammten, und der Text wurde von einem Buch beeinflusst, das Chris Robinson empfahl, als wir mit den Black Crowes auf Tour waren. Wir sprachen viel über Literatur, und er gab mir eine Liste von Büchern, die er sehr mochte. Eines davon war The Man with the Golden Arm von Nelson Algren. Auf jeder Seite stand ein verrücktes Zitat. Als ich den Text schrieb, lehnte er sich stark an dieses Buch an. Er beschreibt einen Haufen zwielichtiger Gestalten, die sich jeden Abend in einer Spelunke treffen und alle möglichen Dinge anstellen.“
„Let’s Stay Together“ ist einer der persönlichsten Songs, den Pablo je geschrieben hat. „Es ist der Trennungssong auf der Platte. Das hat zum Glück nicht zu einer Trennung geführt. Es ist eines der direktesten emotionalen Liebeslieder, die ich je geschrieben habe. In einer langen Beziehung macht man manchmal schwere Zeiten durch. Ich machte gerade eine durch, als wir das Album schrieben, also ist dieser Song wirklich sehr autobiografisch.“
In „Ophelia“ erschaffen sie ihre eigene mythologische Geschichte, in der Ophelia alle Geheimnisse und Lügen der Welt bewahrt. In „Truce“ geht es um den ständigen Streit in einer Beziehung und den Wunsch, nur einen Tag ohne Streit auszukommen. Auf diesem Song ist der Saxophonist Brad Guin, der früher mit Bobby Blue Bland und Clarence Carter gespielt hat zu hören. „Snowbird“ ist eine sanfte, aber epische 8-Minuten-Reise über eine Person, die von einem kalten Ort, wie einer Beziehung, flieht und nach einem wärmeren Ort sucht, und wurde auf einem LSD-Trip geschrieben, während die Jungs John Coltrane hörten.
Fotocredit: Satellite June
‚Ships in the Night‘ handelt davon, dass man denjenigen vermisst, den man liebt. Hier ist Singer-Songwriter Dylan laBlanc zuhören. „Dylan kam um sechs Uhr ins Studio, wir hatten etwas Spaß, um sieben Uhr begannen wir mit den Aufnahmen, und um acht Uhr war er wieder weg. Es war wunderschön. Wir haben es zu dritt live gesungen, in einem Raum, und es war eine ganz magische Art, das Album abzurunden.“
Der Albumabschluss „Cicada Serenade“ ist etwas ganz Besonderes. Im Mai 2024 tauchten in Alabama Milliarden von Insekten auf, die Zikaden genannt werden, eine Zikadenbrut, die alle 13 Jahre stattfindet. Dies war das erste Mal seit 1803, dass zwei Zikadenbruten gleichzeitig auftauchten. DeWolff war vor Ort, um dieses Geräusch einzufangen. „Das war sehr cool, und wir wollten das unbedingt einfangen. Vor 221 Jahren konnten die Menschen noch keine Tonaufnahmen machen, das ist also etwas ganz Besonderes.“
Starke Klanglandschaften, schwebende Melodien, harte Gitarren – wieder sind alle Markenzeichen der Band vertreten. Der charismatische Gesang von Luka und Pablo van de Poel tut sein übriges dazu. Und sie liefern hier eine Art von Konzeptalbum, das durch den Ort in Alabama zusammengehalten wird. Da, wo Musikgeschichte geschrieben wurde, gehen DeWolff den nächsten Schritt.
Gringo Mayer aus Ludwigshafen ist ein begnadeter Performer, ein mitreißender Interpret seiner Musik, ein absoluter Showmann mit süffisantem Humor, direkt aus der Mitte des Lebens. Dennoch ist Gringo Mayer kein Klamaukbarde. Was er singt und textet, bedeutet ihm nicht weniger als alles. Sonst könnte er diese Lieder gar nicht mit dieser unvergleichlichen Inbrunst singen. Nach „Niemand wie du“ und „Wasn Los“ veröffentlicht Gringo Mayer mit „Kä Beweise“ eine neue Single aus seinem kommenden Album „Laav“, welches am 17. Januar 2025 erscheinen wird.
„Kä Beweise“ ist wahrscheinlich der Gringo Mayer-Song schlechthin auf seiner neuen Platte. Ein intensiver Gospel, wärmestrahlend und unverfälscht, eine Ode an die scheinbar trostlosen Orte dieser Republik, die vom Licht nie so richtig gefunden werden. Mit seiner dritten Single schlägt er das nächste Kapitel seines kommenden Albums auf. Darauf blickt der Mann, den ein Journalist mal „eine Mischung aus fleißigem Arbeiter, tollkühnem Cowboy und liebenswürdigem Casanova“ nannte, tief unter glitzernde Oberflächen und durchmisst die Liebe in allen Aspekten.
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Mit „Kä Beweise“ liefert Gringo eine Hymne über Außenseitertum und die gesellschaftliche Abgeschiedenheit. Man könnte fast meinen, damit sei der Song ein düsteres Lied. Aber das Gegenteil ist der Fall – „Kä Beweise“ strahlt eine mitreißende Wärme aus. Weil darin nicht mit dem Schicksal gehadert wird, sondern offen und schonungslos über jene Orte gesungen wird, die viele ihre Heimat nennen.
Es ist einiges passiert, seitdem im September 2023 das zweite Gringo-Mayer-Album »Ihr liewe Leit« erschienen ist: Die erste Deutschland-Tour war ein voller Erfolg, im Frühjahr 2024 folgte eine weitere Tournee, mit ausverkauften Highlight-Shows in Städten wie Berlin, Mannheim und Köln. Gringo war mit Voodoo Jürgens auf Tour und hat einen umjubelten Auftritt beim Haldern Pop Festival gespielt.
Da ist er wieder, der Gringo Mayer, der im kurpfälzischen Idiom auf absolut unvergleichliche Art kleine und große Geschichten aus seiner Umgebung erzählen kann, mit seiner Sprache, seinen ureigenen musikalischen Mitteln. Er meint es absolut ernst mit uns und seinen Liedern – und das wird auf »Laav« eben deutlicher als je zuvor.
Odd Couple kündigen mit ihrer Single „2 Leute“ ihr neues Album „Rush-Hour des Lebens“ für den 04. April 2025 via Clouds Hill an.
„2 Leute“ vereint treibende Upbeat-Elemente mit sphärisch-melancholischen Klängen und reflektiert den verwirrenden Kosmos unverbindlicher Dates. Können sich zwei Menschen wirklich erkennen – zwischen Bindungsangst und YOLO-Attitüde? Inspiriert von der motorischen Energie eines Michael Rothers entsteht die Sehnsucht nach einem eigenen Universum – einem Ort, den nur zwei zusammen erschaffen können und an dem das Hier und Jetzt alles ist, frei von dem Gefühl, anderswo etwas zu verpassen.
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Matthias Reim gehört nicht zu den Sängern, die sich auf ihren alten Erfolgen ausruhen. Obwohl der Millionenseller „Verdammt ich lieb dich“ seit dem Solo-Karrierestart 1990 unerreicht ist, bringt er seit dieser Zeit unermüdlich und in steter Regelmäßigkeit neue Alben auf den Markt, die zwar immer einen Hauch Schlager in sich tragen, aber durchaus eine rockige Attitüde liefern. Dazu trägt seit langem eine formidable Band bei, die live immer wieder ein besonderes Erlebnis ist – so auch am 7. Dezember in Trier, wo man für die aktuelle „Zeppelin“-Tour groß aufgefahren hatte.
Die SWT Arena war sehr gut gefüllt, mit einem extrem großen Front of Stage-Bereich, weiteren Stehplätzen in der Halle und Sitzplätzen auf den Rängen. Besonders gefiel mir die prominent angebrachte „Rolli-Tribüne“, bei der die Gäste mit Beeinträchtigungen wirklich mitten im Geschehen waren und mitfeiern konnten.
Das Konzert startete mit „Zeppelin“, dem Titelsong des aktuellen Albums. Um die Stimmung anzuheizen gab es ein Medley älterer Stücke, wobei „Ich hab‘ geträumt von dir“ den meisten Raum einnahm und ordentlich abgefeiert wurde. Der inzwischen 67jährige Künstler ist stimmlich voll auf der Höhe und musste sich keineswegs hinter seiner Band und den Backgroundsänger*innen verstecken. Die Setlist zog sich durch alle Jahrzehnte seines Musikschaffens – und man muss Matthias zu Gute halten, dass er immer wieder neue Lieder kreiert, während es manchen Kollegen ausreicht, von Schlagernacht zu Ballermann-Party zu tingeln. In seinen Ansagen wurde deutlich, wie viel Spaß es dem Nordhessen macht, mit eigenen Songs für ein komplettes Konzert auf der Bühne zu stehen.
Das Publikum war bunt gemischt aus allen Altersgruppen. Es dankte ihm die fulminante Show mit viel Enthusiasmus und schon ab dem vierten Song „Ich hab‘ mich so auf dich gefreut“ stand man auch in den Rängen. Wenn dann der „Trierer Jung“ Michael Brettner, bekannt als Bretti, ein Gitarrensolo einlegte, war kein Halten mehr und er wurde ebenso lautstark abgefeiert wie Matthias Reim selbst.
Im Backgroundchor fand sich neben zwei Sängerinnen zudem auch Julian Reim, der Sohn des Meisters, der inzwischen selbst im Schlagermetier zuhause ist und vor zwei Jahren das Album „In meinem Kopf“ rausbrachte. Vater und Sohn leben mit ihren Familien am Bodensee und haben genügend Zeit, neue musikalische Taten auszuhecken. In Trier bekam Julian im ersten Teil einen Solopart mit dem Titel „Eine Welt entfernt“. Dann übernahm wieder Matthias, der neben den lauten Titeln auch nachdenkliche Stücke wie „Im Himmel geht es weiter“ und „Einsamer Stern“ interpretierte.
Klar – Matthias Reim ist im Schlager verwurzelt. Spätestens wenn die obligatorischen Dancefloor-Keys und der Beat einsetzen, kommt man nicht umhin, dies zu bemerken (sei es nun anerkennend oder bemängelnd). Es gibt kaum einen Musiker, der das Genre Schlager/Deutschrock in den vergangenen drei Jahrzehnten so entscheidend mitgeprägt hat wie Matze. Seine legendäreren, zeitlosen Song dürfen auf keiner Party fehlen und werden von Generationen textsicher mitgesungen. Und live wirken sie noch stärker.
Nach einer Stunde gab es eine kurze Pause. Danach ging es mit „Dieses Herz“ weiter. Wieder gab es Rockschlagermusik vom Feinsten. Selbst der kleine Akustikpart in „Ich bin nicht verliebt (unverwundbar)“, bei dem Matthias selbst zur Gitarre griff, zeigte die Band in wundervoller Spiellaune und schaffte eine heimelige Bühnenatmosphäre. Die Ballade „Wer nie durch Scherben ging“ erzählte von persönlich schwierigen Zeiten. Und dann war es Zeit für das Vater-Sohn-Gespann, die im Duett sehr passend „Pech und Schwefel“ sangen. Den Solosong „Euphorie“ übernahm Julian dann wieder alleine.
Zum Ende des regulären Sets wurde erneut eine geniale Rockshow aufgefahren. Die Gitarren waren stets im Vordergrund und lieferten gemeinsam mit Drums und Keyboard ein starkes Brett ab. „Sowieso (Für dich das Letzte)“ und „Nächsten Sommer“ ließen auch die letzten Fans mitrocken und tanzen.
Der 20minütige Zugabenblock startete um 22.15 Uhr. Da war man schon über zwei Stunden auf der Bühne. Und bis zum großen Finale gab es mit „Hallo, ich möcht‘ gern wissen wie’s dir geht“ und „Du Idiot“ noch zwei Publikumslieblinge. Aber ein Song fehlte noch, der jedes Konzert der aktuellen Tour (und vieler Touren vorher) beenden muss. Matthias machte es spannend, indem er zunächst seinem Gitarristen die Bühne überließ und ihn als Trierer vorstellte: „Das ist deine Stadt, Hier kommst du her. Also mach sie fertig, Bretti“. Dieser ließ sich auch nicht lumpen und zeigte mit einem floydesken Solo sein Könen.
Dann endlich die Erlösung mit „Verdammt, ich lieb‘ dich“ in einer gitarrenlastigen Rockversion. Es ist immer schön, Matthias Reim mit verrauchter Stimme und den bekannten Textzeilen zu hören, wobei er das Stück jedes Mal zu etwas Besonderem macht. Er ist es ebenso wenig leid wie sein Publikum – und das ist ein gutes Zeichen zum Abschluss eines perfekten Konzertabends.
Zeppelin
Medley inkl. Ich hab‘ geträumt von dir
Echte Helden
Ich hab‘ mich so auf dich gefreut
Was ist nur los?
Ich liebe dich
Ganz egal
Der doch nicht
Eine Welt entfernt – Julian Reim
Blaulicht
Im Himmel geht es weiter
Tief in mir
Einsamer Stern
Dieses Herz
Lebenslänglich
Bon Voyage
Ich bin nicht verliebt (unverwundbar)
Wer nie durch Scherben ging
Pech und Schwefel – Matthias und Julian Reim
Euphorie – Julian Reim
Küssen oder so
Sowieso (Für dich das Letzte)
Träumer
Nächsten Sommer
Hallo, ich möcht‘ gern wissen wie’s dir geht
Du Idiot
Verdammt, ich lieb‘ dich
„Do They Know It’s Christmas?“ gehört zu den Titeln, die jedes Jahr im Dezember wieder den Weg in die Radio-Playlisten finden. 1984 wurde der Song von Bob Geldof und Midge Ure geschrieben, um Spenden für die Hungersnot in Äthiopien zu sammeln. Die Liste der beteiligten Künstler*innen war phänomenal, man nenne nur U2, Sting, Phil Collins, Tony Hadley, Paul Young und George Michael. Der Bandname BAND AID war gut gewählt, steht er im Englischen doch auch für ein Heftpflaster, mit dem man Verletzungen versorgen und Wunden heilen kann.
Der Song wurde in der Folge mehrfach mit jeweils aktuellen Stars neu aufgenommen, so 2004 („Band Aid 20“), und 2014 („Band Aid 30“). Zum 40jährigen gibt es diesmal allerdings keine Neuaufnahme, sondern einen Mix aus dem Original und den beiden genannten Jubiläumsversionen. Gemischt und produziert wurde diese Version von Trevor Horn.
Jetzt mag man von dieser Neuverwurstung halten, was man will – der Song ist einfach zeitlos. Und mir persönlich gefallen vor allem das Original und die ebenfalls auf der Vinyl enthaltene Liveversion aus dem Londoner Wembley Stadion 1985. Die Vinyl mit dem roten Herz auf dem Cover ist schön aufgemacht und schreibt wieder Musikgeschichte. Erneut will man Geld für hungernde Menschen sammeln, denn das Motto „Feed The World“ ist heute so aktuell wie in den letzten Jahrzehnten.
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Der Metal-Nikolaus kommt gerne schon mal am Vorabend – und das war gestern in der Rockhal Esch/Alzette (Luxemburg) definitiv der Fall. Within Temptation waren auf der Zielgeraden ihrer „Bleed Out 2024 Tour“ und spielten den vorletzten Gig. Jedes Jahr wird die Rockhal zum „Temple of Metal“ und vereint Genregrößen in ihrer Arena. Diesmal sollten mit Blind8, Annisokay und Within Temptation drei ziemlich unterschiedliche Acts in Erscheinung treten. Die Halle war sehr gut gefüllt mit Fans aller Generationen. Beste Voraussetzungen für ein Konzert der Extraklasse.
Die Ukrainer von Blind8 hatte ich leider aufgrund erhöhten Stau-Aufkommens verpasst, doch pünktlich zu Annisokay war ich am Start. Die Band wurde 2007 in Halle/Saale gegründet. Mit Michael Jackson haben sie nur gemein, dass sein Song „Smooth Criminal“ Pate für den Bandnamen stand. Musikalisch liefern sie starken Metalcore – knallhart, modern und bisweilen auch ganz melodisch. Der Wechsel von aggressiven Shouts und Cleangesang macht den besonderen Reiz der Band aus. Da gab es fantastische Riffs, einen hymnischen Überbau wie bei Parkway Drive und immer wieder sehr melodische Parts, die die Zuschauer*innen auf den Boden zurück holten.
Zu „Like a Parasite“ kam gar Sharon den Adel mit auf die Bühne und sang den Titel im Wechsel mit der Band. Grandios! Danach gab es zur Freude aller das Cover „One Step Closer“ von Linkin Park und die Halle stand Kopf. Shouter Rudi Schwarzer und Sänger Christoph Wieczorek hatten es wirklich drauf, das heilige Zusammenspiel von Mike und Chester fulminant darzustellen. Am Ende bot man ein Stück von der brandaktuellen EP „Abyss Pt I“. Für den Song „Calamity“ haben sie Leonys Smashhit „Remedy“ in eine düstere Metalcore-Version verwandelt. Kräftiger Applaus war ihnen sicher und sie haben nach dem halbstündigen Gig einige neue Fans gewonnen.
Credit: Within Temptation
Dann aber war es an der Zeit für Within Temptation. Für die Präsentation von „Bleed Out“ wurde die Bühne in eine Säulenhalle verwandelt, die mit großen LCD-Leinwänden gespickt war. So konnte das visuelle Erlebnis direkt vom ersten Ton an losgehen, auch wenn man das bei der instrumentalen und stimmlichen Klasse gar nicht gebraucht hätte.
Zu „We Go To War“ kam Sharon mit Dornenkranz auf die Bühne und gleich ging es mit dem Titelsong „Bleed Out“ weiter. Das aktuelle Werk, das deutlich im Mittelpunkt der Performance stand, ist ein sehr politisches Album, das sich in vielen Tracks den aktuellen Ereignissen in der Welt widmet. „We Go To War“ und „Wireless“ behandeln den Krieg in der Ukraine, „Bleed Out“ erzählt von den Protesten im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini, „Ritual“ reflektiert die Rolle der Frau in einer männerdominierten Welt. Die dazu abgespielten Videos waren intensiv und verstärkten das musikalische Geschehen.
Sharons Stimme war grandios und wie immer über alle Zweifel erhaben. Sie sang nicht opernhaft, sondern klar und emotional. Damit hebt sie sich von anderen Vertreter*innen des Symphonic Metal ab. „Shed My Skin“ wird auch im Original von Annisokay gefeatured, so stieß die Band natürlich dazu. Und es gab einen weiteren Gast: Für „What Have You Done“ und „A Fool’s Parade“ kam der ukrainische Sänger Alex Yarmak auf die Bühne, um mit Sharon zu performen und den Härtegrad nochmal ordentlich hochzufahren.
Sehr intensiv und emotional erlebte man Sharons glasklaren Gesang in „The Promise“, der die Sängerin in fantastische Höhen führte. Hier war der symphonische Anteil deutlich auf dem Höhepunkt und machte den Song zum emotionalen Highlight. Im Zugabenblock gab es mit „Our Solemn Hour“, „All I Need“ und „Mother Earth“ drei Bandklassiker, die die Herzen der Fans höher schlagen ließen. Der Metaltempel in Luxemburg kann auch bestehen, wenn eine Frau die Priesterin gibt. Es war ein Fest!
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Setlist – Within Temptation, Rockhal Esch/Alzette, 5.12.2024
We Go to War
Bleed Out
Ritual
Shed My Skin
Wireless
What Have You Done
Shot in the Dark
Stand My Ground
A Fool’s Parade
The Promise
Supernova
Angels
Faster
Paradise (What About Us?)
Vor zwölf Jahren erschien zum ersten Mal ein Album der „Giraffenaffen“. Das Konzept war von Beginn an stimmig: Stars der deutschen Musikszene präsentieren beliebte Kinderlieder in neuem Sound. Und es waren immer einige Highlights dabei. Logisch, sonst hätte es die Reihe nicht bis zu Folge 9 geschafft, die nun unter dem Titel „Weltreise“ auf den Markt kommt. Neben den poppigen Kinderhits war man in der Reihe auch schon mit eigenen Rapsongs unterwegs und machte in Folge 7 gar einen Ausflug in die Gefilde des Schlagers. Diese Mischung hat der Reihe aber keineswegs geschadet. Im Merch gibt es neben den Alben auch erfolgreiche Kinderbücher, Hörspiele, einen Tonie und sogar Plüschfiguren.
Die neue Folge funktioniert als Mischung aus Hörspiel und Songs – wie ein kleines Kindermusical. Die kindlich aufgepeppte Sprache in den erzählten Zwischenkapiteln kann manchmal etwas nervig sein, dafür entschädigen aber die fantasievollen Lieder. Als besonderes Highlight begleiten viele prominente Musiker*innen die Giraffenaffen auf ihrer Reise und sorgen mit ihren einzigartigen Stimmen und musikalischen Talenten für fröhliche Rhythmen und mitreißende Klänge, die Kinder und Eltern gleichermaßen begeistern. Mit an Bord sind unter anderem MoTrip & Lary, Céline, SDP & DIKKA, Tim Bendzko, Elif und 1986zig, die einige ihrer größten Hits extra umgetextet und speziell für und mit den Giraffenaffen neu interpretiert haben. Jede Station und jeder Song auf dieser Reise bietet eine neue Klangwelt und spannende Abenteuer.
Zur Story: Die Giraffenaffen Nalu, Taki und Bo brechen zu einer spannenden Reise auf. Angetrieben von ihrer Fantasiemaschine und dem Wunsch, der Langeweile ein Ende zu setzen, reisen unsere drei Held*innen durch die verschiedensten Länder und erleben die Vielfalt der Welt. Mit viel Selbstbewusstsein im Gepäck steigen sie hoch auf den Mount Everest und feiern eine Party in der riesigen Roboter-Stadt. Zur Stärkung geht’s nach Italien, wo die drei sich natürlich mit einer riesengroßen Pizza mit extra viel Käse den Bauch vollschlagen, ehe es für die Lieblingsgang, ausgestattet mit jeder Menge Tipps gegen Langeweile, wieder ins Traumbaumhaus zurückgeht. Mit jedem Zwischenstopp entfaltet sich ein neues musikalisches Kapitel, das Kinderherzen höher schlagen lässt und Eltern zum Mitsummen bringt.
„Wenn ich groß bin“ ist die erste Single-Auskopplung und bildet den Auftakt. Für diese besondere Version ihres beliebten Songs haben SDP gemeinsam mit DIKKA den Track neu interpretiert und kindgerecht umgeschrieben. Mit seiner verspielten Melodie und den fantasievollen Lyrics spricht der Song sowohl kleine als auch große Hörer*innen an. Er vermittelt auf humorvolle Weise die Träume vom „Großwerden“ und feiert gleichzeitig die Freiheit und Freude der Kindheit.
Tim Bendzko hat seinen Weltretter-Song aktualisiert und macht für „Du wolltest doch die Welt retten“ klar, dass noch viel zu tun ist, um den Planeten vor der Menschheit zu retten. Elif hält ein Plädoyer an die „Fantasie“ und Céline erzählt von dem besonderen Moment, wenn man Musik tief im Innern spürt. Oft geht es um Ermutigung und Selbststärkung, wenn MoTrip und Lary erklären: „Du bist cool wie du bist“, und die Giraffenaffen kindliche „Superpower“ erläutern oder den „Schummeltag“ ausrufen.
Das erste Mal seit Bestehen der Reihe finden sich auf „Weltreise“ auch launige eigene Songs der Giraffenaffen, die genau wie die Beiträge der Featurekünstler durch unterhaltsame und lehrreiche Hörspiel-Skits verbunden werden. So wirkt dieses neue Giraffenaffen-Abenteuer nachhaltig auf verschiedenen Ebenen, liefert schöne Geschichten, stärkt Kinderherzen und lässt alle Erwachsenen für kurze Momente wieder jung werden.
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Mit 80 Jahren bringt Songwriter-Legende Albert Hammond sein erstes Weihnachtsalbum auf den Markt. Man wird halt besinnlich im Alter, was dem großen Künstler nicht zu verdenken ist.
Viele Worte muss ich vermutlich nicht über den Briten verlieren. In den 70ern wurde er mit Hits wie „It Never Rains in Southern California“, „The Free Electric Band“ und „Down by the River“ weltberühmt. Später schrieb er Charthits für Leo Sayer („When I Need You“) und Whitney Houston („One Moment in Time“). Sein Einfluss auf die Popmusik ist legendär, somit wurde er zurecht 2008 in die „Songwriters Hall of Fame“ aufgenommen.
Doch nun geht es um sein Album „Christmas“, das fast nur Titel enthält, die für mich zum englischsprachigen Xmas-Kanon gehören. Allein „God Rest Ye Merry, Gentlemen“ und das triefende „Blue Christmas“ kannte ich bisher noch nicht, was aber auch kein großer Verlust war.
Die Zusammenstellung ist sehr rockig gehalten, mit Country-Anleihen und recht frischen Klängen. „O Come, All Ye Faithful“ funktioniert auch mit verlebter Stimme und etwas knirschend in den Höhen. „Happy Xmas (War Is Over)“ wird zum Kaminfeuer-Song und „Last Christmas“ kann man in dieser akustischen Gitarrenversion durchaus neu anhören.
„Rudolph the Red-Nosed Reindeer“ wird zum großen Spaß mit Sprechgesang und Kinderchor, „Here Comes Santa Claus“ überzeugt mit beschwingten Klängen und „Driving Home for Christmas“ ist einfach unkaputtbar, wobei sich Hammond sehr an die Singsprache von Chris Rea anlehnt.
Zum Schluss dann zwei Klassiker, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Die amerikanische Hymne „White Christmas“ mit Streichern und Schmalz, das europäische Pendant „Silent Night“ sehr sphärisch moduliert und mit intensiven Spoken Words. Kann man so machen.
Albert Hammond bietet uns hier eine gute Dreiviertelstunde weihnachtliche Musik, wie man sie nicht alle Tage hört. Keine wirklichen Überraschungen, aber grundsolide – musikalisch astrein und mit charismatischer Stimme vorgetragen.
Wie viele andere Fans auch bin ich gestern mit sehr gemischten Gefühlen in die Trierer SWT Arena gegangen. Eine „Originalshow“ mit dem Orchester Pepe Lienhard und dem großartigen Udo Jürgens nicht leibhaftig auf der Bühne sondern über LCD-Leinwand eingespielt? Wird das passen? Wird die Stimmung eines echten Konzerts aufkommen? Werden wir mehr geboten bekommen, als einen Kinofilm mit Livemusik? Die Ticketpreise waren ja doch ganz ordentlich – trotzdem war die Arena ordentlich gefüllt, was sich schon bei der Parkplatzsuche zeigte.
Es ist jetzt fast zehn Jahre her, dass Udo Jürgens plötzlich im Alter von 80 Jahren verstarb. Auf seinen Live-Konzerten präsentierte er sich immer als großer Sänger und Charmeur. Sicher nicht stimmlich perfekt, aber stets mit einem Augenzwinkern, mit sehr sympathischem Auftreten und in ständiger Kommunikation mit seinen Fans. Man bekam ein Bild von ihm als ehrlicher Künstler, der nicht übertreibt, der sich nicht bei seinem Publikum einschleimt, der sich aber von der Begeisterung tragen lässt und in emotionalen Momenten auch mal feuchte Augen bekommt. Dabei wusste vor allem der emotionale und nachdenkliche Udo zu gefallen, der viele persönliche Songs interpretierte.
Credit: BMCMedia
In Trier endete die erste Staffel der „Da Capo“ Shows, die ab April 2025 fortgesetzt werden. Und man hatte bei dieser Produktion einiges aufgefahren: Das große Orchester mit Bläsern und Streichern unter der Leitung des Saxofon-Meisters Pepe Lienhard, ein vierköpfiger Backgroundchor, Udos Duettpartnerin Dorothea Lorene als Stargast und Tobias Licht als Moderator des Abends. Das alles versteckte sich zunächst hinter einem Vorhang, der dann schnell zu einem instrumentalen Medley der größten Udo-Hits fiel und das Orchester im besten Glanze zeigte.
Es ging nicht direkt mit den großen Hits los, sondern mit Stücken wie „Hautnah“ und „Alles aus Liebe“. Die meisten Mitschnitte stammten vom letzten Konzert, das Udo am 7. Dezember 2014 in Zürich gespielt hatte. Zunächst fand ich es etwas befremdlich, das Orchester live und Udo nur aus den Boxen zu hören, doch die Bildregie hatte ganze Arbeit geleistet. Livebild und Einspieler wurden perfekt zusammengeschnitten und ich ertappte mich immer wieder dabei, das reale Geschehen mit der Aufnahme in Einklang bringen zu wollen. Dennoch war ich in den ersten 20 Minuten nicht wirklich emotional gepackt, doch spätestens mit „Ich würd es wieder tun“ war es dann um mich (und viele andere) geschehen:
Von Zeit zu Zeit werf ich den Blick Auf meinen bunten Weg zurück Auf das was war, und dabei wird mir klar Ich würd es wieder tun, ich würd es wieder tun
Die Berg- und Talfahrt durch die Zeit Selbst alles das, was ich bereut An dem ich hing – und das in Brüche ging Ich würd es wieder tun, ich würd es wieder tun
Fast als hätte Udo geahnt, dass er hier ein abschließendes Statement singt. Dazu war er dann oft in Großaufnahme zu sehen. Man konnte seiner Mimik und den Blicken folgen, auch manche Ansagen wurden im Konzertablauf belassen. So folgte zu „Der Mann ist das Problem“ eine durchwachsene Lebensbeichte von Udo und passend sang Tobias Licht, der selbst ausgebildeter Musicaldarsteller ist, eine Kurzversion von „Frauen“. So war die Show hervorragend von Track zu Track abgestimmt.
Credit: Pepe Lienhard by Dominik Beckmann
Dorothea Lorene sang das Duett „Ich will – ich kann, I can – I will“ live mit Udo von der Leinwand und rief erste Begeisterungsstürme hervor. Sie ist einfach eine stimmgewaltige Erscheinung. Es gab viel Abwechslung im Geschehen, denn Tobias interpretierte als smarter Sänger ein Medley aus Udo-Klassikern und dann wurde der ganz neue Song „Als ich fortging“ aufgeführt, den das Orchester live spielte während Udo aus dem Off dazu sang. Dieses Stück hatte man im Nachlass des verstorbenen Künstlers gefunden und zu Ende produziert.
Vor der Pause gab es noch viele weitere Highlights wie das berührende „Mein Bruder ist ein Maler“, „Immer wieder geht die Sonne auf“ mit Sängerin Julia Schiwowa, den gefeierten Klassiker „Ein ehrenwertes Haus“ und den Superhit „Griechischer Wein“. Bei letzterem wurde deutlich, wie sehr Udo diesen Song liebte und auf der Bühne zelebrierte. In Großaufnahme konnte man seine feuchten Augen bei der Interpretation sehen und spüren, wie er die Einsamkeit des Gastarbeiters nachempfand. Ganz großes Kino – im wahrsten Sinne des Wortes – mit dem nach 75 intensiven Minuten die Pause eingeläutet wurde.
Auch im zweiten Teil gab es immer wieder kleine Anekdoten aus Udos Leben. Vor allem Pepe Lienhard hatte einiges zu erzählen und schilderte auch die letzte Begegnung der beiden am Abend vor Udos Tod.
Mit Dorothea gab es ein glanzvolles Mash-Up aus „Ich war noch niemals in New York“ und dem englischen „New York, New York“. Wenn Udo von der Leinwand manchmal seine kleinen Ansprachen an das Publikum richtete, war es bisweilen extrem still in der Arena. Alle hingen an seinen Lippen – und das waren wahrhaft magische Momente. Und dann ein Song wie „Der gekaufte Drachen“. So intensiv, so stark, so kritisch.
Während er so erzählte mit dem Glas in der Hand Sah niemand den Kleinen, der im Türrahmen stand Als er anfing zu reden, war es plötzlich ganz still Denn er sagte: „Papa ich weiss nicht, ob ich das will“
Ich will mit Dir einen Drachen bau’n Mit Dir einen Drachen bau’n Für so was hast Du niemals Zeit
Udo hatte neben seinen Schlagern auch immer ein Gespür für emotionale und hintergründige Texte. Schön, dass diese in die DA CAPO Show Einzug gehalten haben und man sich nicht allein auf die Gassenhauer verlässt. Auch Udos Songwriter-Tätigkeit für andere Künstler wurde nicht vergessen, so sang Dorothea Lorene den englischen Titel „If I never sing another song“, den Udo ursprünglich für Frank Sinatra geschrieben hatte, der dann aber hauptsächlich von Sammy Davis Jr. performt wurde. Ein grandioses Beispiel für Udos Kompetenzen in Jazz und Swing.
Fotocredit: Marc Vorwerk
Inzwischen waren viele Zuschauer*innen von den Sitzen und hatten sich zum Happening direkt vor der Bühne eingefunden – so als könnten sie dem Meister wahrhaftig zujubeln. „Mercie Cherie“ und „Mit 66 Jahren“ beendeten den Hauptset des Abends, aber jeder weiß doch, dass Udo immer im Bademantel zurückkam und weitere Hits am Piano spielte. Würde das auch jetzt der Fall sein? Ja! Das Orchester hatte schon Feierabend, aber von der Leinwand gab es Udo ganz allein am Klavier mit einem Medley aus „17 Jahr blondes Haar“, „Vielen Dank für die Blumen“ und „Liebe ohne Leiden“. Er forderte das Publikum zum Mitsingen auf und alle waren folgsam. Zum Schluss verblasste der Konzertfilm und es wurde ein bewölkter blauer Himmel gezeigt. So bewegend endete das Konzert und viele Fans gingen mit Tränen in den Augen nach Hause, voller Trauer und schöner Melancholie. Ob ich das Konzert empfehlen kann? Auf jeden Fall! Ein schönes Andenken an einen großen Künstler, absolut glanzvoll umgesetzt. 2025 geht’s weiter:
Die dreifache GRAMMY- und siebenfache BRIT Award-Preistägerin Dua Lipa kündigt ihr neues Live-Album „Dua Lipa Live From The Royal Albert Hall“ an. Es enthält eine neu gestaltete Version von „Radical Optimism“, die sie komplett von vorne bis hinten aufführt, sowie einige ihrer früheren Hits, begleitet vom 53-köpfigen Heritage Orchestra unter der Leitung von Ben Foster, einem 14-köpfigen Chor und ihrer 7-köpfigen Band. Das Album erscheint am 6. Dezember vor ihrem Primetime-Konzert-Special „An Evening with Dua Lipa“, das am Sonntag, den 8. Dezember auf ITV und am Sonntag, den 15. Dezember auf CBS ausgestrahlt und auf Paramount+ gestreamt wird.
„In der Royal Albert Hall aufzutreten, war etwas ganz anderes als alles, was ich je gemacht habe“, erzählt Dua. „Schon lange hatte ich die Idee, meine Musik mit einem Orchester neu zu interpretieren. Als ich Radical Optimism aufnahm, dachte ich ständig über das Live-Element nach und darüber, wie sich diese Songs auf der Bühne verwandeln würden. Als sich die Royal Albert Hall-Show anbot, war das die perfekte Gelegenheit, diese Songs nicht nur zu rekonstruieren, sondern sie auch auf eine so schöne und intime Weise zu feiern. Die Erfahrung war absolut aufregend und ebenso lohnenswert. Es war ein wahr gewordener Traum und etwas, das ich immer mitnehmen werde.“
Zusätzlich zu Duas Konzert, das am 17. Oktober in der Royal Albert Hall in London aufgezeichnet wurde, wird das begleitende Primetime-Special des Albums von intimen Interviews begleitet, in denen Dua die entscheidenden Momente reflektiert, die ihr Leben und ihre glanzvolle Karriere geprägt haben. Während sie persönliche Momente Revue passieren lässt, von der Reise nach New York City, die den Verlauf ihrer Karriere veränderte, bis hin zu ihren liebsten Urlaubserinnerungen in London, teilt Dua ihre Gedanken und Emotionen in Echtzeit und gibt dem Publikum einen Einblick in die Frau hinter dem Superstar.
Die hinreißende Show in London wurde von Billboard, Variety, der Times, dem Daily Telegraph, dem London Standard und anderen Zeitungen mit begeisterten Kritiken bedacht. Sie krönten Dua als „Großbritanniens regierenden Popstar“, der in einer „beeindruckenden, einmaligen Show“ eine Performance „voller Pop-Perfektion“ bot, die „ihre Talente in einem neuen Licht erscheinen ließ“. Das Album enthält ein Überraschungs-Duett von „Cold Heart“ mit Musik-Ikone Elton John sowie die ersten Live-Performances von „Dance The Night“aus dem Barbie-Soundtrack.
Nach ihrem elektrisierenden Auftritt als Headliner auf der Pyramid Stage des Glastonbury 2024 und ihrer triumphalen Show in der Royal Albert Hall, hat Dua nun ihre „Radical Optimism World Tour“ begonnen, die bis ins Jahr 2025 andauern wird und zwei Shows im Wembley-Stadion beinhaltet, die sofort ausverkauft waren.
Credit: Universal Music
DUA LIPA LIVE FROM THE ROYAL ALBERT HALL
Akt 1
Overture (Live from the Royal Albert Hall)
End Of An Era (Live from the Royal Albert Hall)
Houdini (Live from the Royal Albert Hall)
Training Season (Live from the Royal Albert Hall)
These Walls (Live from the Royal Albert Hall)
Whatcha Doing (Live from the Royal Albert Hall)
French Exit (Live from the Royal Albert Hall)
Illusion (Live from the Royal Albert Hall)
Falling Forever (Live from the Royal Albert Hall)
Anything For Love (Live from the Royal Albert Hall)
Maria (Live from the Royal Albert Hall)
Happy For You (Live from the Royal Albert Hall)
Akt 2
Love Again (Live from the Royal Albert Hall)
Pretty Please (Live from the Royal Albert Hall)
Levitating (Live from the Royal Albert Hall)
Sunshine (Live from the Royal Albert Hall)
Cold Heart (PNAU Remix) (Live from the Royal Albert Hall)
Wer wissen will, wie es ist, sich ganz leicht zu fühlen, ist hier richtig: Nina Chuba erzählt davon in ihrer neuen Single „Fliegen“. Der Song als Liebeserklärung an eine Person, die einen hält, wie keiner sonst, aber auch als Erinnerung. Und zwar daran, dankbar dafür zu sein, sich mit unvergleichbarer Sicherheit zu einem Menschen verbunden zu fühlen, bedingungslos. Erinnerung auch daran, das eigene Herz zu öffnen. Darin Platz zu machen für jemanden, ihn für immer dort einzufassen, no matter what. „Seitdem ich dich kenn’, weiß ich ganz genau was gemeint ist / Wenn jemand von Liebe redet“.
Ob Liebesbeziehung oder liebende Freundschaft, es spielt keine Rolle, weil es in „Fliegen“, die zweite Single der EP „Farbenblind“, erschienen bei Jive Germany, um eine Verbindung geht, die über sich selbst und den äußeren Rahmen hinauszuwachsen scheint. Denn egal was passiert, da ist dieser jemand, der einen hält, auffängt, der einen fliegen lässt, weil mit dieser Person an seiner Seite, die jede Ecke, jede Kante an einem annimmt, sich alles leicht und so sicher anfühlt wie sonst noch nie: „Und plötzlich fühlt sich freier Fall wie fliegen an / Du schaffst Dinge, die sonst niemand kann“, singt Nina Chuba.
Fotocredit: Jakob Marwein
Der Song ist pur, geht nah, ihr nah, auch die Musikerin selbst bewegt er. Und vielleicht ist es ja auch eines der größten Geschenke, sein zu dürfen, wer man (gerade) ist: „Dass du mich überhaupt so lieben kannst / Das sind Dinge, die sonst niemand kann“. Der Song zeichnet eine Art Katharsis in seinen Zeilen, ist voll Aufbruch und kraftvoll, aber auch zart und fein in seinen Beobachtungen. Die Hook, ein bisschen wie Zeitlupe, eine Filmszene, die tiefe Emotion mit nur wenigen Worten in ihrer Intensität zeigt, wechselt sich ab mit Sprudeln in den Verses, die alles erzählen. Wie schön es ist, solche Gefühle füreinander empfinden zu können, sie überhaupt zu fühlen, weich zu werden, sich selbst ganz echt zu zeigen. Mit „Fliegen“ erzählt Nina Chuba, wie groß die Bedeutung von den Menschen ist, denen man vertraut, alles anvertraut, sein Leben.
„Fliegen“ ist ein Lied über bedingungslose Liebe, Vertrauen und das Gefühl, wenn man sich bei einem Menschen geborgen fühlt – sowohl freundschaftlich als romantisch – und erzählt davon, wie eine solche Verbindung Sicherheit gibt. Nach „Fata Morgana“ ist „Fliegen“ die zweite Singleauskopplung aus der kommenden Nina Chuba EP Farbenblind, welche am 06.12. erscheinen wird.
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Gespannt wartet man schon auf das Biopic zur Karriere von Robbie Williams. BETTER MAN kommt am 2. Januar 2025 in die deutschen Kinos. Auf dem Telluride Festival wurde der neue Kinofilm von Regisseur Michael Gracey das erste Mal dem Publikum vorgestellt – mit begeisterten Reaktionen! Michael Gracey hatte zuletzt den Kinohit THE GREATEST SHOWMAN mit Hugh Jackman inszeniert.
Kürzlich hat Robbie seine brandneue Single „Forbidden Road“ veröffentlicht, die in „Better Man“ zu hören ist. Der Song, den Robbie gemeinsam mit Freddy Wexler und Sacha Skarbek geschrieben hat, wird von einer Akustikgitarre und einem nachdenklichen Text begleitet, bevor er sich zu einem bewegenden Crescendo mit hochfliegenden Streichern aufbaut. Der Song ist am Ende des Films zu hören.
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Das Album Better Man (Original Motion Picture Soundtrack)“ wird am 27. Dezember digital über Columbia Records veröffentlicht und kann ab sofort vorbestellt werden. Das Artwork des Soundtracks spiegelt das kürzlich enthüllte Filmposter wider – eine Hommage an Williams‘ unvergessliches Albumcover „Life Thru a Lens“. Das Original-Albumcover wurde von dem renommierten Musik- und Porträtfotografen Andy Earl aufgenommen, der für über 120 kreative, denkwürdige Cover und Plattenhüllen verantwortlich ist und mit Künstlern wie Robbie, Pink Floyd, Johnny Cash, Madonna und Prince zusammengearbeitet hat.
Das Filmplakat und das Soundtrack-Artwork zeigen Williams so, wie er im gesamten Film zu sehen ist – als CGI-Affe. In einem Gespräch über den Film hob Regisseur Michael Gracey hervor, dass Robbie sich selbst immer wieder als Affe bezeichnete. Er sagte: „Robbie sagte Dinge wie: ‚Ich bin hinten und tanze wie ein Affe‘. Nach einer Weile dachte ich: ‚Wäre es nicht toll, Robbie als Affen im Film darzustellen?‘ Denn Robbie erzählt diese Geschichte – und so sieht er sich selbst.“
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Vermutlich hat jeder so seine Lieblings-CDs, die jedes Jahr wieder zum Advent den Weg ins heimische Wohnzimmer finden und nach Weihnachten sorgfältig weggeräumt werden. Ich muss nicht lange überlegen: Da ist zum einen „Christmas With My Friende“ von Nils Landgren und zum anderen „Zeit der Wunder“ mit der A-cappella-Band Viva Voce und den Latvian Voices. Als Dritte im Bunde findet sich auch das „Wilde Winter Songbook“ immer wieder im Player.
Kimberly Smith alias Kim Wilde ist eine der größten Ikonen des britischen Pop, Aushängeschild des 80er-Jahre-Rock, Traumfrau einer ganzen Generation. Ihre Hits „You Came“, „You Keep Me Hanging On“ und „Kids In America“ sind unvergessen. Seit Ende der 80er Jahre ist zwar der wirklich große Erfolg ausgeblieben, doch in längeren Abständen erschienen immer wieder respektable Alben, beispielsweise „Here Come The Aliens“ aus dem Jahr 2018 – und im Januar 2025 wird mit „Closer“ ein neues Studioalbum am Start sein, dessen erste Auskopplungen bereits sehr vielversprechend sind.
Schon lange stand es auf meiner Bucket List, Kim Wilde mit ihrer Weihnachtsshow live zu sehen. Und gestern, im ausverkauften Capitol Mannheim, war es endlich soweit. Das Konzert wurde rein akustisch gespielt, an den Gitarren von Neil Jones, Kims langjährigem Bandmitglied, und ihrem Bruder Ricky Wilde, der sie schon seit den 80ern als Songwriter und Bandmitglied begleitet. Um das Familienunternehmen komplett zu machen, war außerdem Kims Nichte Scarlett Wilde als Duettpartnerin und zweite Sängerin mit an Bord, wobei diese nicht nur schmuckes Beiwerk ist, sondern ebenfalls eine hervorragende Vokalistin und Songwriterin.
Als erstes Stück gab es „Have Yourself a Merry Little Christmas“ und adventliche Stimmung machte sich breit. Direkt im Anschluss kam „Hope“, eine Eigenkomposition von der oben erwähnten weihnachtlichen CD. Ich finde es immer schön, neue Weihnachtssongs zu hören statt der immer gleichen Klassiker – und so wurde man hier zudem mit „New Life“, „Song for Beryl“ und „Hey Mister Snowman“ belohnt, die ebenfalls als Originalsongs vom „Wilde Winter Songbook“ stammen. Und der Set brachte (endlich) auch einen Ausflug in die 80er, nämlich mit „European Soul“, einem nicht ganz so bekannten Song vom Erfolgsalbum „Close“.
Die erste Konzerthälfte dauerte 50 Minuten und enthiel auch Mitsing-Stücke wie „Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“ und „Winter Wonderland“. Letzteres singt Kim auf dem Album mit Rick Astley, doch hier erfüllte Ricky Wilde den Job ebenso glänzend (nur nicht ganz so schmachtend). Zudem eine Überraschung: „Keeping The Dream Alive“. Die Melodie kennt man doch irgendwoher… Es ist eine englischsprachige Version von „Solang man Träume noch leben kann“ der Münchner Freiheit. Sehr schön umgesetzt.
Nach der Pause zeigten Scarlett und Ricky verstärkt ihre vokale Klasse. „Winter Wonderland“ gab es komplett a cappella mit drei Stimmen. Nur Neil hielt sich dezent zurück. Das Zusammenspiel des familiären Trios war einfach grandios und der zweite polyphone Song „White Winter Hymnal“, ein Cover der Fleet Foxes, setzte nochmal einen drauf.
Zwischendurch würdigte Kim noch „Last Christmas“ als weihnachtliches Geschenk aus den 80ern und einen ihrer liebsten Songs für diese Jahreszeit. Die Akustikversion war dann auch sehr erfrischend und zeigte den Song keineswegs abgenudelt. Aber apropos 80er: Endlich wurden die Fans mit einigen Hits belohnt! „Cambodia“ sowie „Chequered Love“ aus 1981, natürlich „You Came“ (1988) und das Supremes-Cover „You Keep Me Hangin‘ On“ (1986). Nur der Fanruf nach „Kids in America“ wurde vorerst noch nicht erhört.
Das geschah dann aber bei der Zugabe, die mit Standing Ovations eingefordert wurde. Kim Wilde hat eine große Fangemeinde, die die inzwischen 64jährige Britin auch gut pflegt. Beziehungsweise umgekehrt, denn Kim wurde regelrecht mit Blumen und Geschenken überhäuft, sobald ein Musikblock beendet war. Das habe ich in dieser Quantität noch nicht einmal bei Udo Jürgens erlebt. Die Stimmung auf der Bühne war familiär, atmosphärisch und adventlich. Man schmückte sich mit Accessoires wie Weihnachtsmützen und Rentier-Ohren. Nur der angedeutete Weihnachtsbaum im Miniformat, der als Deko-Element inmitten der Band stand, wurde mitleidig belächelt. „Okay. Seize doesn’t matter“, meine Kim, was zu einem Lachanfall bei ihrer Nichte führte.
Der Zugabenblock startete fetzig mit „Rockin‘ Around the Christmas Tree“. Dann hielt Kim eine Lobeshymne auf Nena, die 2002 dafür gesorgt hatte, dass Kim Wilde wieder aus dem Katakomben der Musikgeschichte auftauchte, als sie ihr mit „Anyplace, Anywhere, Anytime“ einen Platz auf dem Album „20 Jahre – Nena feat. Nena“ gab. Diese englischsprachige Coverversion von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ fand dann ebenso ihren Platz im Set wie das abschließende „White Christmas“, das alle mit frommen Wünschen in die eisige Nacht entließ.
Ja, Kim Wildes „Wilde Winter Songbook“ ist es immer wieder wert, im Dezember gehört zu werden. Und die dazu gehörige Show ist einfach wundervoll. Das kann ich jetzt unumwunden bestätigen. Zugleich wächst die Vorfreude auf den 31. Januar und das kommende Album „Closer“. Die Geschichte um Kim Wilde ist noch lange nicht zu Ende erzählt!
Fotocredit: Cherry Red Records
Setlist – Kim Wilde, 30.11.2024, Capitol Mannheim
Have Yourself a Merry Little Christmas
Hope
Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!
New Life
Time
Song for Beryl
European Soul
Winter Wonderland
Keeping the Dream Alive
Hey Mister Snowman
Winter Song
Last Christmas
White Winter Hymnal
Cambodia
Chequered Love
You Came
You Keep Me Hangin‘ On
Rockin‘ Around the Christmas Tree
Anyplace, Anywhere, Anytime
Kids in America
(I’m Dreaming of a) White Christmas
Irgendwas haben sie an sich, die Bands aus dieser Stadt namens Köln. Egal ob es die alteingesessenen wie BAP, Bläck Föös, Brings oder die Höhner sind – oder Vertreter jüngeren Kalibers wie Kasalla und Cat Ballou. Sie singen in einem Dialekt, den man 300 km weiter nur noch schwer versteht. Trotzdem sind sie im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich. BAP haben Kölsch als Singsprache salonfähig gemacht und alle, die nachzogen, hatten spätestens mit ihrem ersten Karnevalshit den entsprechenden Erfolg. Das macht Köln keine andere deutsche Stadt nach.
Und – oh Wunder – selbst Cat Ballou, die noch so jung und energiegeladen wirken, feiern schon 25jähriges Bühnenjubiläum. Seit ihrem Sieg beim „Köln Rockt“ Bandcontest 2011 ging es steil bergauf für die Band und „Et jitt kei Wood“ rangiert im kölschen Liedkanon längst auf einer Höhe mit „Veedel“ und „Verdamp lang her“. So war die Europahalle in Trier auch erwartungsfroh gefüllt, als Sänger Oliver Niesen um 19.45 Uhr auf der Bühne erschien, um den Support Nico Gomez anzusagen.
Der 34jährige Songwriter aus Köln war zu Beginn seiner Karriere eher im Hintergrund tätig und hat Titel für andere Künstler*innen geschrieben. The Voice of Germany führte ihn aber selbst ans Mikro und da hat er jetzt einen festen Platz. Allein zu instrumentalem Playback sang er deutschsprachige Popsongs wie „Keine Lust“ und „Barcelona“. Die Stimmung war top, auch als er sich in der zweiten Hälfte des 30minütigen Sets ans Piano setzte und unter anderem den aus seiner Feder stammenden Tabaluga-Titelsong „Königreich der Liebe“ interpretierte. Zum Song „Liebe für mich“ drang seine Stimme zum Schluss sogar ohne Mikro durch die Halle. Nico Gomez hat hier ein dickes Ausrufezeichen gesetzt!
Der Umbau dauerte nur fünf Minuten (sehr lobenswert) und Cat Ballou kamen um 20.20 Uhr zu den Klängen von „Genesis“, dem sphärischen Opener des aktuellen Albums, auf die Bühne. Etwas Pyrotechnik und dann startete mit „Paradies“ die Show. Schon zu „Mer fiere et Levve“ sang der ganze Saal unisono mit – die Vorzeichen standen also sehr gut. „Immer immer wieder“ widmete sich dem wichtigen kölschen Thema Karneval. Zumindest musikalisch hat Köln dem politischen Karneval in Mainz längst den Rang abgelaufen, was sich hier wieder eindrucksvoll zeigte.
Zu „Dabei sein“ kam Nico nochmal als Duettpartner auf die Bühne. Mit „Oh wie schön“ gab es einen respektablen Post-Corona-Song („mir wore vill zo lang allein“) und Songs wie „Gute Zeit“ boten neben allen karnevalistischen Schwelgereien zur Abwechslung auch etwas Funk und Disco. „Liebe deine Stadt“ ist ein grandioser Rap für Köln und ich glaube, dass keine andere kölsche Band so viele Liebeslieder an ihre Heimatstadt im Programm hat, wie Cat Ballou. Jedenfalls sang ganz Trier mit, rot-weiße Fahnen wurden geschwenkt – als Eifeler empfindet man ohnehin Köln als Hauptstadt der ganzen Region.
Zwischenzeitlich wurde es etwas ruhiger und „Ming Stadt“ sowie „Heimweh“ erklangen akustisch, doch der Sturm folgte ziemlich schnell im Anschluss: „Et jitt kei Wood“, Superhit und Dauerbrenner, wurde nur kurz angespielt und schon sang das Publikum die erste Strophe plus Refrain ganz allein. Die Band setzte nochmal von vorne ein und zum Schluss gab es einen zweistimmigen Chor, den Oliver Niesen gekonnt dirigierte. So zelebriert man seine Erkennungsmelodie. „Kumm loss uns fiere“ als Lied vom Zusammenhalten beschloss dann auch passend den Hauptset.
„Su noh bei dir su jot“ bot Oliver im Zugabenblock zunächst ganz allein mit Gitarre. Dann gab es das Höhner-Cover „Schenk mir dein Herz“ im Speedformat und mit „Guter Stern“ den Titelsong vom aktuellen Album. „Lass uns nicht geh’n“ wurde mit einem Regen aus Luftschlangen garniert und „Hück steiht de Welt still“ brachte die Menge als rockige Hymne nochmal zum springen, bevor die Show mit „König“ nach fast zwei Stunden endete.
Cat Ballou sind live definitiv eine Wucht. Sie hatten das Trierer Publikum den ganzen Abend über fest im Griff und die 25 Jahre auf der Bühne merkte man der jugendlichen Truppe absolut nicht an. So kann das noch lange weiter gehen – vielleicht bald wieder in der ältesten deutschen Stadt, die sich Köln so verbunden fühlt.
Setlist – Cat Ballou, 28.11.2024, Trier
Genesis
Paradies
Mer fiere et Levve
Die Stääne stonn joot
Immer immer widder
Dabei sein
Oh wie schön
Du bes nit allein
Wir lieben das
Gute Zeit
Liebe deine Stadt
Süße Lügen
Ming Stadt
Heimweh
Wasser im Rhing
Et jitt kei Wood
Kumm loss uns fiere
Su noh bei dir su jot
Schenk mir dein Herz
Guter Stern
Lass uns nicht geh’n
Ich liebe Krimis, die nicht mit einem Band zu Ende erzählt sind, sondern bei denen man den Ermittlern über mehrere Bände folgt und eine Entwicklung der Protagonisten gezeigt wird. Das war schon bei Miss Marple so und später bei Elizabeth Georges Inspector Lynley mit Barbara Havers. Heute fesseln mich vor allem die Romane von Nele Neuhaus und Andreas Gruber – und erst sehr spät habe ich Michael Robotham entdeckt.
Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren und lebt inzwischen in Sydney. Er war lange als Journalist tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit seiner ersten Romanreihe um den an Parkinson erkrankten Psychologen Joe O’Loughlin stürmt er ebenso regelmäßig die Bestsellerlisten wie mit der neueren Reihe um Cyrus Haven (seit 2019).
Bei der Haven-Reihe ist vor allem das Zusammenspiel mit der jungen Evie Cormac interessant und spannend, die als Missbrauchsopfer hinter einem Wandschrank gefunden wurde und die erkennen kann, ob Menschen lügen. In den ersten drei Bänden nimmt sich Cyrus ihrer an – als Psychologe und Freund. Zugleich wird Havens eigene Familiengeschichte enthüllt, die nicht weniger schrecklich ist, da sein geistig verwirrter Bruder die ganze Familie ermordet hat.
Neben dem jeweils aktuellen Kriminalfall gibt es also stets einen roten Faden um Cyrus, Evie und deren Beziehungsgeflecht. In Band 4 „Die Totgeglaubte“ ist der Untergang eines Flüchtlingsschiffs auf dem Weg zwischen Frankreich und England eng mit dem Schicksal von Evie verknüpft, die ebenfalls als albanisches Flüchtlingsmädchen nach Großbritannien kam und dabei ihre Familie verlor.
Zunächst war ich nicht so begeistert von dem Setting, das weniger an einen klassischen Krimi erinnert und vielmehr gesellschaftspolitische Themen behandelt. Doch die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und hat einige Überraschungen zu bieten. In traumhaften Zwischenerzählungen bekommt man parallel zur Handlung der Gegenwart auch Evies Geschichte erzählt, was diese wundervolle Figur noch interessanter werden lässt.
Zu Beginn hielt ich diesen Band 4 noch für den schwächsten Band der Reihe, doch am Ende war ich absolut gefesselt. Michael Robotham versteht es einfach, Spannung zu erzeugen und seine Protagonist*innen zum Leben zu erwecken. „Die Totgeglaubte“ steht den anderen Haven-Büchern in nicht nach und man sollte sie unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen. Meine Voraussage: Wer erst einmal mit „Schweige still“ (Band 1) angefangen hat, wird ohnehin nicht mehr aufhören können.
Die US-Alben der Beatles sind für viele Fans ein Mysterium und auch geübten Sammlern gelingt es nicht immer, den Überblick zu behalten. Grund für die Existenz dieser Alben sind unterschiedliche Plattenfirmen und Vermarktungsstrategien. In Großbritannien wurden die Beatles von EMI/Parlophone betreut, während in den USA Capitol Records die Rechte an den Veröffentlichungen hatte. Capitol entschied, die Alben der Beatles anders zu gestalten, um besser den US-amerikanischen Marktbedürfnissen gerecht zu werden. So waren in den USA grundsätzlich mehr Tracks auf den Alben – und es war dem Vertrieb wichtig, dass auch Singlehits, die in England gar nicht auf ein Album gelangt sind, dort ihren Platz fanden. Zudem hatte sich Capitol Records in vielen Fällen für eine neue Stereo-Abmischung entschieden.
Beispiele für US-exklusive Alben sind „Meet the Beatles!“ (1964) und „The Beatles‘ Second Album“ (1964), die nicht mit britischen Veröffentlichungen übereinstimmen. Diese Unterschiede führten dazu, dass die Beatles in den USA eine andere Diskografie hatten als in Großbritannien. Erst 1987, mit der Einführung des CD-Formats, wurde die britische Originaldiskografie zum Standard und die speziellen US-Alben wurden weitestgehend obsolet. Trotzdem genießen die US-Alben bei Sammlern und Fans bis heute Kultstatus und gelten seit 1995 als vergriffen.
Umso schöner also, dass Apple Corps Ltd./Capitol/UMe sich für eine Neuauflage der sieben Alben entschieden haben, die zwischen Januar 1964 und März 1965 erschienen sind (und ja: über die Frequenz der Veröffentlichungen kann man 60 Jahre später wirklich nur staunen). Alle sieben Alben – „Meet The Beatles!“ (01-1964), „The Beatles‘ Second Album“ (04-1964), „A Hard Day’s Night – Original Motion Picture Sound Track“ (06-1964), „Something New“ (07-1964), „The Beatles‘ Story – 2LP“ (11-1964), „Beatles ’65“ (12-1964) und „The Early Beatles“ (03-1965) – sind von den originalen Mono-Masterbändern analog für 180-Gramm-Vinyl geschnitten worden und verfügen über originalgetreu reproduzierte Artworks und neue vierseitige Einleger mit Essays des amerikanischen Beatles-Historikers und Autors Bruce Spizer. Die neuen Vinyl-Lackfolien der Alben wurden von Kevin Reeves in den East Iris Studios in Nashville geschnitten. Das fette Box-Set enthält alle sieben Alben, die bis auf „The Beatles‘ Story“ auch einzeln erhältlich sind.
Zur Review liegt mir „A Hard Day’s Night“ vor. Es ist deshalb eine Besonderheit in der Diskografie der Beatles, weil es in den USA nicht von Capitol Records, sondern von United Artists Records veröffentlicht wurde. UA hatte die Rechte am Soundtrack zum gleichnamigen Film und veröffentlichte eine eigene Version des Albums.
Trackliste der US-Version:
A Hard Day’s Night
Tell Me Why
I’ll Cry Instead
I Should Have Known Better (instrumental)
I’m Happy Just to Dance with You
And I Love Her (instrumental)
I Should Have Known Better
If I Fell
And I Love Her
Ringo’s Theme (This Boy) (instrumental)
Can’t Buy Me Love
A Hard Day’s Night (instrumental)
Der Film ist ein Meilenstein in der Popkultur und ein Klassiker des Musikfilms. Er folgt John, Paul, George und Ringo an einem Tag ihres Lebens, während sie sich auf einen Fernsehauftritt vorbereiten. Die Handlung ist halb-fiktional und zeigt eine Mischung aus Comedy- Episoden, rasanten und skurrilen Abenteuern sowie Musikauftritten.
Die Haptik der neuen Vinyl-Ausgabe ist sehr schön und die edle Aufmachung wird dem Release absolut gerecht. Ein Fest für Musikliebhaber!
Schon seit einigen Jahren erklären „Ella & Ben“ mit Hilfe des Autors William Wahl die wichtigsten Bands der Musikgeschichte. Bisher waren das internationale Acts wie ABBA, Queen, die Beatles und die Rolling Stones. Es wurde also Zeit, dass der Blick mal nach Deutschland geht – und wer wäre da besser geeignet als Kraftwerk?
Story und Zeichnungen sind wie immer absolut kindgerecht aufgearbeitet. Wichtige Änderung: Es ist nicht mehr Wilm Lindenblatt, der für die Zeichnungen sorgt, sondern Anna Breitling-Stenner. Das tut der künstlerischen Gestaltung aber keinen Abbruch, denn auch Anna erweckt sowohl die Bandgeschichte von Kraftwerk als auch die Familiengeschichte von Ella & Ben mit gehaltvollen und detaillierten Zeichnungen zum Leben.
Die Rahmenhandlung ist wie stets hervorragend und kindgerecht ausgearbeitet: Eigentlich wollen Ella und Ben in den Urlaub – aber uneigentlich sitzen sie im Stau. Wie gut, dass Mama und Papa dafür genau die richtige Musik haben: Kraftwerk! Während das Auto also stillsteht, machen sich Ella und Ben auf zu einer spannenden Reise zu Robotern, Verkehrshütchen und elektronischer Sternenmusik.
Logisch also, dass es mit „Autobahn“ losgeht. Und die Geschichte führt von „Radioaktivität“ und „Trans Europa Express“ über „Die Roboter“ und „Boing Boom Tschak“ bis hin zu „Tour de France“ und (natürlich) „Das Model“. Dabei erfährt auch der geneigte Musikliebhaber noch viel Neues, beispielsweise von dem deutschen Astronauten Alexander Gerst, der 2018 aus dem Weltall bei einem Kraftwerk-Konzert mitspielte.
Die Bandbiografie startet mit Ralf Hütter und Florian Schneider, zu denen sich später Wolfgang Flür und Karl Bartos hinzu gesellen. Das wird auch anhand einer Zeitleiste gut dargestellt, die die Höhepunkte der großen Karriere erklärt. Anekdoten zur Idee elektronischer Musik und der Entstehung einzelner Songs ergänzen die Geschichte.
Ich muss sagen, dass die Erzählung diesmal nicht so einfach zu verstehen ist wie bei den vier Vorgängergeschichten. Das liegt vermutlich daran, dass die Bandgeschichte von Kraftwerk um einiges komplizierter ist und auch ihr Backkatalog viel sprunghafter. Autor William Wahl hat das dennoch gut gelöst und wieder ein spannendes Kinderbuch verfasst, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben werden. Band 6 wird übrigens im Mai erscheinen und sich „AC/DC“ widmen. Auch das wird wieder grandios. Wetten?
Kürzlich konnte Wolf Biermann seinen 88. Geburtstag feiern. Kein bisschen leise ist er – bis heute. Was könnte man alles über den politischen Liedermacher erzählen? Geboren wurde er in Hamburg. Sein Vater war Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Krieg zog der Künstler nach Ost-Berlin, weil er an die Idee des Sozialismus glaubte. Er hat am Berliner Ensemble mit Bertolt Brecht gearbeitet und wurde bekannt für seine gesellschaftskritischen Lieder, die bis heute Bestand haben und zu einem Auftrittsverbot in der DDR führten. 1976 wurde er gar während einer Tournee in der Bundesrepublik ausgebürgert und durfte nicht mehr nach Ostdeutschland zurückreisen. Spätestens seit diesem Skandal war sein Name in aller Munde und seine Musik erlebte einen regelrechten Boom auch auf westlicher Seite.
Warum aber jetzt dieses Coveralbum? Ein besonderes Jubiläum steht ja nicht ins Haus (oder vielleicht zur runden 90 in zwei Jahren). Clouds Hill, das Hamburger Indie-Label um Produzent und Autor Johann Scheerer, hat die Rechte am Gesamtwerk Wolf Biermanns gekauft, das sich auf etwa 300 Lieder beläuft – mit dem Ziel, seine Musik wieder zugänglich zu machen. Doch hier geht es nicht um eine Expansion des Labelkatalogs: Wolf und Pamela Biermann haben im engen Dialog mit Johann Scheerer einen Plan entworfen, eine Brücke zu schlagen von Biermanns Werk in die heutige Zeit.
Ziel ist es, diese immer noch relevante Musik, die in einem von Krisen gebeutelten Europa heute aktueller denn je wirkt, einem breiteren Publikum zugänglich zu machen für eine nachwachsende Generation. So wird im Clouds Hill-Studio in Hamburg intensiv an diversen Coverstücken gearbeitet, von denen noch viel zu hören sein wird. Seine Texte, die heute noch so aktuell sind wie damals, machten ihn zum Symbol für Widerstand und Meinungsfreiheit, seine Songs inspirieren bis heute Generationen. Mit der Neuinterpretation von Biermanns Liedern will dieses Cover-Projekt das Werk zelebrieren und seine Musik einem neuen Publikum zugänglich machen.
Um dieses Projekt zu verwirklichen, hat man sich viele Künstler*innen der Gegenwart mit ins Boot geholt, mit mehr oder weniger hohem Bekanntheitsgrad. Moritz Krämer ist dabei, Mola, Haity und Balbina. Jan Plewka, Sänger von Selig, singt „Das kann doch nicht alles gewesen sein“. Alligatoah widmet sich dem „Hugenottenfriedhof“. Lina Maly singt mit wundervoller Stimme das „Barlach-Lied“ und Ina Müller verleiht „Bin mager nun und fühle mich“ eine ganz neue Atmosphäre.
Ganz stark kommt die neue Songpoeten-Generation mit Betterov und Maxim, doch auch einige Altmeister lassen es sich nicht nehmen, an dem Projekt beteiligt zu sein: Katharina Franck von den Rainbirds singt mit ihrer charismatischen Stimme die „Ballade vom preußischen Ikarus“, Wolfgang Niedecken interpretiert „Und als wir ans Ufer kamen“, während Meret Becker sich dem „Stillepenn Schlufflied“ widmet.
Vielfalt ist Trumpf, das kann bei der illustren Riege gar nicht anders sein, und die Lyrics sind einfach genial – für ihre originale Zeit ebenso wie für die jetzige. Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit, um Heimatlosigkeit und Exil. Vielleicht fehlen einige wichtige Stücke wie die „Stasi-Ballade“ oder „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“. Auch „Deutschland. Ein Wintermärchen“ hätte ich in heutigen Zeiten gern gehört, doch vermutlich hätte man einfach alle 300 Texte auswählen können. Grandios einfach, wie sie hier in neuen Arrangements und mit anderen Stimmen wieder zum Leben erweckt werden, auch wenn die Originale natürlich am besten klingen.