Die Comic-Strips mit den weltberühmten „Peanuts“ wurden am 2. Oktober 1950 von Zeichner Charles M. Schulz ins Leben gerufen und erschienen bis zum Tod des Zeichners ganze fünfzig Jahre in über 2.600 Zeitungen aus 75 Ländern, was eine Übersetzung in 21 Sprachen zur Folge hatte. Von weiteren Superlativen wollen wir gar nicht reden, denn natürlich gab es auch Werkausgaben in Buchform, Fernsehserien und Kinofilme mit den bekannten Figuren namens Charlie Brown, Snoopy, Lucy und Linus van Pelt, Schroeder, Peppermint Patty und Marcie. Zudem erfreute sich der kleine gelbe Vogel Woodstock großer Beliebtheit und wurde nach dem weltberühmten Musikfestival im Jahr 1969 benannt.
Zum 75jährigen Jubiläum der Peanuts erfährt die illustre Truppe auch vom Reclam-Verlag eine entsprechende Würdigung. Das nicht in Form eines Buches, sondern als Kalender, den man immer wieder verwenden kann, da er nicht mit einer Zeitleiste versehen ist. Das ist übrigens nicht die erste Hommage des Verlags an die Comicstrips, denn es gibt bereits einige der berühmten gelben Bücher mit Titeln wie „Snoopy für alle Lebenslagen“, „Peanuts für alle Lebenslagen“ und „Advent mit den Peanuts“.
Credit: Reclam Verlag
Jetzt aber wird gefeiert: „Feiern mit den Peanuts“ verspricht im Untertitel „Das Beste von Charlie Brown, Snoopy & Co.“. Vermutlich hätte man für den schönen Tischaufsteller fast alle Strips mit den Lebensweisheiten und lustigen Anekdoten der kleinen Truppe verwenden können. Es ist eine wunderbare Zeitreise durch die kultige Welt von all den unvergesslichen Figuren – Tag für Tag, Woche für Woche, oder einfach, wenn man sich von der guten Laune der Peanuts anstecken lassen möchte.
120 Seiten wurden gefüllt. Die Strips sind fast alle schwarz-weiß, die Rückseite zeigt in feinem Reclam-gelb einzelne Figuren in verschiedenen Ausführungen. Zur zeitlichen Einordnung ist jeder Strip mit dem ersten Erscheinungsdatum versehen, was mir sehr gut gefällt.
Mit seinen zeitlosen Bildern und tiefgründigen Weisheiten ist der Peanuts-Tischaufsteller ein amüsanter Begleiter, der den stressigen Alltag fröhlicher und entspannter macht. Ob zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zum 75. Ehrentag der Peanuts: ein wunderbar nostalgisches Geschenk für alle Fans von Snoopy und seinen Freunden.
Tausendsassa Olli Schulz war in der Europahalle Trier. Was hat der Musiker nicht schon alles gemacht? Indierock mit Olli Schulz und der Hund Marie, Sidekick für Joko & Klaas, seit zwölf Jahren ein Podcast mit Jan Böhmermann – und seit 2009 die Solokarriere, die beim letzten Album „Am Rande der Zeit“ mit einem Spitzenplatz in den deutschen Charts gekrönt wurde. Dabei ist Olli Schulz einfach grundsympathisch. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass ein Künstler seinen Support persönlich ansagt und damit enorm aufwertet. In Trier erschien Olli pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne, ließ den Applaus abebben und bat um Aufmerksamkeit für die junge Sängerin Morea.
Natürlich wurde es in der nächsten halben Stunde nochmal laut in der Halle und manche Zuschauer*innen übten sich lieber in Smalltalk, als der sanft und schüchtern auftretenden Interpretin zuzuhören. Schade, denn es wurde wirklich ein wunderschöner Set geboten, der Soul und Jazz im Retro-Style lieferte. Morea sang zunächst allein mit akustischer Gitarre und wurde am Schluss von ihrem Vater per Steel Guitar begleitet. Es war ein berührender Moment, als sie ihn als ihren Mentor vorstellte und die beiden sich nach dreißig Minuten unter großem Applaus verabschiedeten.
Nach kurzer Umbaupause startete Olli Schulz mit „Wenn die Music nicht so laut wär’“, einem Klassiker von Olli Schulz und der Hund Marie. Er war in Plauderlaune und machte sich erst einmal über die „Schulaula“ als Veranstaltungsort lustig, bevor er nachhörte, ob alle ihr Popcorn bekommen hatten, das im Foyer kostenlos verteilt wurde. Aber es war nicht alles locker-flockig. In „Falsch erzählt“ geht es um Fakenews und sogenannte Influencer bekommen ebenfalls ihr Fett weg („Da bleib ich lieber depressiver Indierocker“).
Mit dem warmherzigen „So schreibt man seinen Song“ hielt Olli ein Plädoyer für die Musik, schwärmte von Musikrichtungen, musikalischen Biographien und der Magie von Plattenläden. Trier war der „kleinste Laden auf der Tour“ und erfreute sich wahnsinnig an den prägnanten Songs mit klarer Botschaft: „Dann schlägt dein Herz“, das wundervolle „Als Musik noch richtig groß war“ und das Leben als Freigeist in „Schrecklich schöne Welt“. Neben diesem Indiepop gab es auch den NDW-geprägten Song „Phase“.
Roadie Lampe, der gerade selbst als Musiker in den Startlöchern steht, ersetzte Ina Müller im Duett bei „Stadtfest in Bonn“. Es gab einige Songs vom aktuellen Album, aber auch weitere Klassiker wie „Rückspiegel“. Im Lauf der Konzerts verwandelte sich die Atmosphäre vom Independent-Songwriting hin zum großen hymnischen Rock, denn auch dieses Metier beherrscht Olli Schulz in großen Songs wie „Einfach so“ und „Wenn es gut ist“.
Humorvoll, melancholisch und tiefgründig war der Set bis zum Zugabenblock, der nach 80 Minuten startete. Hier zog Olli nochmal seine satirischen Register, interpretierte auf Wunsch des Publikums allein an der Gitarre „Koks & Nutten“, feierte den „Phosphormann“ und überließ Lampe die Bühne, der seinen Hit „Immer muss ich alles alleine machen“ zum Besten gab. Am Ende gab es eine grandiose Kissenschlacht zu „So muss es beginnen“ und Olli Schulz war stets darauf bedacht, dass niemand in der Halle zu schaden kam.
Das wundervolle Konzerterlebnis endete um 22.25 Uhr. Der Weihnachtsmarkt in Trier hatte jetzt auch geschlossen, doch alle waren berauscht von der Musik. Der sympathische Außenseiter hatte mal wieder abgeliefert. Fazit: weitermachen!
Setlist – Olli Schulz, Europahalle Trier, 23.11.2024
Wenn die Music nicht so laut wär’
Wachsen (Im Speisesaal des Lebens)
Falsch erzählt
Hamse nich
So schreibt man seinen Song
Passt schon!
Ab jetzt tut’s nur noch weh
Dann schlägt dein Herz
Als Musik noch richtig groß war
Schrecklich schöne Welt
Phase
Stadtfest in Bonn
Bessere Version
Rückspiegel
Einfach so
Wenn es gut ist
Koks & Nutten
Phosphormann
Immer muss ich alles alleine machen (Lampe)
So muss es beginnen
Und nochmal New Wave aus der Hoch-Zeit des Genres 1984, diesmal von den Thompson Twins. Fast parallel zu „Sparkle In The Rain“ der Simple Minds erschien eine Woche später mit „Into The Gap“ der Briten aus Sheffield ein weiterer Meilenstein. Auch hier veranlasst das 40jährige Jubiläum die Plattenfirma, in diesem Fall BMG, zu einer erweiterten Neuauflage.
Was war das für ein Kracher! „Doctor, Doctor!“ war in aller Munde. Und weitere Singles wie „You Take Me Up“, „Sister Of Mercy“, „The Gap“ und „Hold Me Now“ bewiesen eindrucksvoll, dass der Radiohit keine Eintagsfliege war. Das kongeniale Trio Tom Bailey, Alannah Currie und Joe Leeway hatte alle Songs selbst geschrieben und eine grandiose Produktion auf die Beine gestellt. Das Album erreichte auf beiden Seiten des Atlantiks Multi-Platin-Status. Es hielt sich drei Wochen lang auf Platz eins in Großbritannien und eroberte auch die Top Ten in den USA.
Credit: BMG
Der vorliegende Digipack ist die umfassendste Neuauflage dieses Albums, remastered in den Abbey Road Studios und zusammengestellt mit dem Segen aller drei Bandmitglieder aus der klassischen Besetzung. Beide physischen Formate (3CD und Vinyl) verfügen über digital restauriertes Artwork und neue Linernotes, geschrieben von John Earls und mit Beiträgen aller drei Bandmitglieder. Das LP-Format auf begehrtem rotem Vinyl bildet die Originalveröffentlichung liebevoll nach, komplett mit ausklappbarem Einleger; das Dreifach-CD-Format umfasst 30 Titel, von denen 12 bisher unveröffentlicht sind, und ein 24-seitiges Booklet.
Als Bonus gibt es verschiedene Mixe und Edits der Albumtitel und – zur Freude aller Fans – die Maxiversionen und ausgedehnten Mixe, mit denen man früher die Tanzflächen zum kochen bringen konnte. Für Fans von New Wave und guter Popmusik der 80er Jahre ein absolutes Muss!
Die Simple Minds zählen seit über vier Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Rock-Bands der britischen Inseln. Anfangs geprägt von Punk und New Wave und später von hymnischem Rock gelangen der schottische Band um Sänger Jim Kerr internationale Top-Platzierungen in den Single- und Album-Charts.
Nach dem Megaerfolg von „New Gold Dream“ sollte es weniger als zwei Jahre dauern, bis mit „Sparkle In The Rain“ die grandiose Serie fortgesetzt wurde und den Schotten ihr erstes UK-Nummer 1-Album und einen 14. Chartplatz in Deutschland bescherte. Die Alben in der ersten Hälfte der 80er Jahre gelten als wegweisende Werke der Band und sind Meilensteine des New Wave und des Synthie-Pop. Viele Bands – darunter auch U2 – ließen sich von dem Sound begeistern und beeinflussen. Er zeichnete sich durch eine Kombination aus eingängigen Melodien, elektronischen Elementen und kraftvollen Texten aus, die häufig von Themen wie Sehnsucht, Verlangen und dem Streben nach etwas Höherem handeln. Die Musik war geprägt von pulsierenden Rhythmen, raffinierten Synthesizer-Arrangements und einer reichhaltigen Instrumentierung, die eine Atmosphäre von Melancholie und Euphorie zugleich erzeugte.
„Sparkle In The Rain“ hatte vielleicht nicht so viele Hits wie der Vorgänger und vor allem der Nachfolger „Once Upon A Time“, doch mit „Waterfront“ ist definitiv ein All-time-favourite dabei und auch „Speed Your Love To Me“ sowie „Up On The Catwalk“ haben ihren Platz in den Annalen der 80er-Musikgeschichte sicher. Was auffiel war eine noch stärkere Orientierung zu hymnischen, fast schon stadiontauglichen Songs. Das sollte die Band in ganz neue Sphären führen und sie für Pop, Mainstream und Airplay tauglich machen.
„Sparkle In The Rain“ hatte einen neuen Sound – dynamisch und rockig. Viele sahen es in der Tradition von Bands wie Big Country und die keltischen Elemente nahmen breiten Raum ein. Sänger Jim Kerr schrieb über die verschwindenden Werften in seiner Heimat Glasgow. Ein Track wie „Waterfront“ ist somit zugleich Rückbesinnung und hoffender Ausblick. Die britische Sängerin Kirsty MacColl unterstützte Kerr bei der Coverversion „Street Hassle“ und bei „Speed Your Love To Me“, das eine Hommage an Lou Reed darstellt. Die Simple Minds waren musikalisch ganz oben angekommen und der Karriereschub brachte bis Ende der 80er Jahren noch weitere fantastische Alben hervor.
Credit: Virgin Records / Universal Music
Jetzt erscheint „Sparkle In The Rain“ zum 40. Geburtstag in einer Box bestehend aus vier Discs, jede in einem aufklappbaren Digipack. Disc eins ist ein Remaster des Originalalbums (remastered in den Abbey Road Studios von Andrew Walters unter der Aufsicht von Charlie Burchill). Disc zwei enthält B-Seiten und Raritäten, darunter eine Live-Version von NGDs „Hunter And The Hunted“, die den sich entwickelnden Sound der Band zeigt. Dazu gibt es 12″-Remixe von „Waterfront“ (Steve Lillywhite hat das Schlagzeug geloopt, um ein erweitertes Intro zu schaffen, und entschlackte die Instrumentierung, um einen riesigen, ausladenden Track zu schaffen), „Speed Your Love To Me“, „Up On The Catwalk“ und „A Brass Band In Africa“ sowie „Bass Line“ – das ursprüngliche Instrumental, das zu „White Hot Day“ wurde.
Dazu kommen solide Liveaufnahmen. Disc drei enthält ein Konzert, das am 28. Februar 1984 im Barrowland in Glasgow, der Heimatstadt der Band, aufgenommen wurde. Disc vier enthält den Rest des Barrowland-Konzerts und eine BBC Radio 1-Session vom September 1983. Hier finden sich dann auch erste große Hymnen wie „Someon Somewhere In Summertime“ und „Promised You A Miracle“.
Die Box beinhaltet außerdem ein 36-seitiges Booklet mit ausführlichen Notizen von Simon Cornwell (Macher der Website SimpleMinds.org), Interviews mit Jim Kerr und Charlie Burchill sowie zahlreiche seltene Fotos der Band und Erinnerungsstücke aus dieser Zeit. So ist diese Jubiläumsbox eine absolut gelungene Aufarbeitung der vielleicht wichtigsten Phase in der Simple Minds-Bandgeschichte. Ein wertiges Geschenk für alle Fans und solche, die es (wieder) werden wollen.
Selbst der große Chansonnier unter den deutschen Liedermachern wird nicht jünger. 73 Jahre hat der Berliner Klaus Hoffmann schon auf dem Buckel, was man ihm aber absolut nicht anmerkt. Am Montag war er im eleganten Kulturzentrum „opderschmelz“ im luxemburgischen Dudelange. Knapp 250 Zuschauer fanden den Weg dorthin. Das sind natürlich weniger, als sich normalerweise zu seinen Konzerten einfinden, aber in Luxemburg hat er auch nicht den hohen Bekanntheitsgrad. Sei’s drum. Er nahm die Situation mit Humor: „Es sind nicht so viele, aber es sind die wichtigsten“, vermerkte er zur Freude des Publikums.
Wie ein guter Wein wird Klaus Hoffmann von Jahr zu Jahr besser. Seit Jahrzehnten irgendwie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimtipp und Star. Die Alben nie so ganz weit vorn in den Charts, aber immer im Auge der Medien. Er singt Lieder von Jacques Brel, spielt mit Wortwitz und seiner Berliner Schnauze, doch seit einigen Jahren schon werden die Alben schwermütiger und sehnsuchtsvoller.
Bei der Liveperformance ist von Schwermut allerdings nichts zu bemerken. Was sich die Luxemburger so anhören mussten, war schon sehr spitz und launisch: „Die rennen ja nur mit Edelsteinen rum und sind alle reich“, meinte er. Auch die aktuelle politische Weltlage bekam ihr fett weg: „50 Kriege auf der Welt! Wo sind die Tyrannenmörder, wenn man sie braucht?“ Ein El Hotzo verliert für solche Sprüche seinen Medienvertrag, doch Klaus Hoffmann steht halt über den Dingen.
Man muss einiges ertragen, wenn man auf seine Konzerte geht, aber das will ich ganz positiv verstanden wissen. Er ist, wer er ist, und nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Manchmal wirkte er etwas verloren zwischen den Musikern, verhaspelte sich, verlor sich in Ansagen, tat ein wenig senil und kraftlos. Doch dann war er wieder voll da und ließ die Menschen merken, dass das alles nur Show ist. Schon beim zweiten Song „Kinder“ vom aktuellen Album „Flügel“ stand er vor der Bühne und verpasste Fans in der ersten Reihe Streicheleinheiten. Nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich.
Das aktuelle Album bietet eine eigene musikalische Mixtur aus Pop, Jazz und akustischem Folk, gepaart mit feinen Streicherarrangements, die hier anhand eines Keyboards einflossen. Da findet sich eine Reihe von sanften Juwelen im Songwriting, mal mit akustischer Gitarre, mal am Piano begleitet. Die Texte folgen dem Puls der Zeit. „Neuer Morgen“ versprüht noch Optimismus und „Kinder“ baut auf die nachfolgende Generation, doch „Bin nicht Meer, bin nicht Strand“ liefert Erinnerungen an die Nachkriegszeit und einen verzweifelten Blick auf den Krieg in der Ukraine. „Im Osten geht die Sonne auf, in Odessa leider nicht“, heißt eine Songzeile kurz vor der Pause und lässt die Zuhörer*innen bedrückt und nachdenklich zurück.
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Klaus Hoffmann füllt lässig zwei Stunden mit seiner Musik. Inklusive Pause war das Konzert gegen 22.30 Uhr zu Ende und schon vor den Zugaben gab es stehende Ovationen für diesen wundervollen, manchmal auch etwas skurrilen Künstler, der die Anwesenden mit sonorer Stimme und einer Atmosphäre zwischen Feierstimmung und Melancholie durchweg mitgenommen hatte.
Natürlich gab es nicht nur neue Songs. Auch viele Klassiker wurden zur Freude des Publikums eingestreut, beklatscht und auch textsicher mitgesungen. „Weil es dich gibt“, natürlich. „Wenn ich’s hier schaff, schaff ich’s überall“ und das wundervolle „Marieke“ als deutsch-flämische Coverversion von Jacques Brel. Auch die Ballade „Blinde Katharina“ war mit dabei und im Zugabenblock gab es mit „In meinem Kiez“ und „Derselbe Mond über Berlin“ zwei heimatverbundene Stücke über die deutsche Hauptstadt.
In der zweiten Hälfte ließen neue Stücke wie „Was dir dein Herz erzählt“ und der alte Lovesong „Wegen dir“ die Herzen schmelzen, aber damit es nicht zu rührselig wurde, ging zwischendurch die Publikumsbeschimpfung weiter („Sie lachen auch über jeden Mist“ – natürlich ganz liebevoll gemeint). „Wer achtet schon auf Erektionen?“, fragte Hoffmann unvermittelt. „Vielleicht Trump?“, gab er sich selbst zur Antwort und hatte alle wieder mit im Boot. „Bitte geh nicht fort“ als weiteres Brel-Cover passte dann auch als Wunsch der Fans, dass dieser Klaus Hoffmann noch lange weitermacht und die Menschen zum Nachdenken bringt. In Dudelange hat er das ganz sicher geschafft.
„Flügel“ wurde als 50. Album des Berliners beworben. Müde klingt er jedenfalls nicht. Vielmehr erweist Klaus Hoffmann sich als großer Geschichtenerzähler und feinsinniger Beobachter. Die Welt zeigt ihren verstörenden Charakter – seine Lieder aber tragen immer einen Hauch Zuversicht in sich. Bleibt zu hoffen, dass er Recht hat und uns noch lange mit solch schöner Musik beglückt.
Mit dem 1983er Livealbum „Bess demnähx“ begann meine Liebe zur Musik von BAP. Daher hat es bis heute einen großen Stellenwert – ebenso wie die kultigen Studioalben „Für usszeschnigge!“ (1981) und „Vun drinne noh drusse“ (1982). Es waren die ersten Nummer-1-Alben der Band als Vorhut der vielen, die noch kommen sollten.
Beide Alben sind längst zu einem Stück deutscher Rock-Geschichte geworden, sie wirken über Generationen, sind von zeitloser Bedeutung. In den Jahrzehnten danach gelang BAP eine einmalige Karriere mit zahlreichen herausragenden Alben und Songs für die Ewigkeit. Man vergisst das zu oft, weil Niedecken niemand ist, der sich mit solchen Erfolgen brüsten würde: Zwölfmal erreichten BAP bis heute den ersten Platz der deutschen Albumcharts, das haben sonst nur die Beatles geschafft.
Und so ist die Mission klar, mit der BAP momentan auf Tour sind: Kein Song der Setlist ist jünger als vierzig Jahre. Fans sind aus dem Häuschen und die Konzerte allerorten ausverkauft. Am Wochenende beispielsweise in der Arena Trier und im Mannheimer Rosengarten. Konzertlänge natürlich solide drei Stunden – das war bei BAP immer schon gesetzt und wird in der Liveszene höchstens noch vom „Boss“ Bruce Springsteen übertroffen.
Für viele Fans gibt es momentan die perfekte Setlist. Zum Glück wird die Tour auch noch open air durch die kleineren Stadien gehen, so beispielsweise im August 2025 in St. Wendel. Die Arrangements der meisten Stücke sind fluide bei größtmöglichem Respekt vor den Originalversionen und der damaligen BAP-Besetzung. Sie leben, wie die Lieder selbst. BAP sind keine Jukebox ihres eigenen Katalogs, das würde nicht zu einer Band passen, die vor allem an der Gegenwart interessiert ist. Die aktuelle Besetzung mit (unter anderen) Ulrich Rode, Sönke Reich, Werner Kopal und Michael Nass macht einen hervorragenden Job.
Was soll man zur Zusammenstellung der Show viel sagen? Am besten lässt man die Musik sprechen. Und die Setlist hat es in sich: „Koot vüür aach“ als Hommage an die Minuten vor dem Auftritt und die legendären „Südstadt, verzäll nix“ sowie „Nemm mich met“. Der Mundart-Rock ’n‘ Roll von „Waschsalon“ funktioniert wie eh und je. „Nit für Kooche“ ist der ultimative Anti-Karnevals-Hit. Immer noch.
„Müsli-Män“ und „Wenn et Bedde sich lohne däät“ laden zum Mitsingen ein, doch es gab auch ruhige, fein arrangierte Klassiker wie „Wellenreiter“, „Jupp“ und natürlich „Do kanns zaubre“. Ein Akustik-Set wurde dazu genutzt, auch die seltenen Balladen wie „Fuhl ahm Strand“, „Weisste noch?“ und „Eins für Carmen un en Insel“ zu spielen. „Kristallnaach“ ist aktuell wie vor vierzig Jahren und wurde wie „Verdamp lang her“ abgefeiert. In den Ansagen wetterte Wolfgang gegen die AFD. Bei seinem Publikum musste er nicht mit Widerspruch rechnen.
Wenn man dachte, dass die besten Songs doch alle raus sind, gab es noch „Anna“, „Wahnsinn“ und „Helfe kann dir keiner“. Die Band mit Anne de Wolff an Geige und Cello, Axel Müller am Saxofon, Johannes Goltz an der Posaune, Benny Brown an der Trompete – das ergibt einen satten Sound. „Pause, Zugabe, alles Quatsch“, hatte Wolfgang schon zu Beginn gesagt – und Wort gehalten: „Wir spielen die dreißig Stücke einfach durch“. Es gab Hintergrundgeschichten zu manchen Songs, aber nicht zu viele. Alle Anekdoten hätten den Abend definitiv gesprengt und sind besser im Programmheft nachzulesen. Das Publikum verließ nach drei Konzertstunden beseelt die Halle – ja, so wollte man BAP nochmal erleben. Mission erfüllt!
Alle Fotos vom Konzert in Trier, 16.11.2024 – Credit: Simon Engelbert, PHOTOGROOVE
Der Neustart von Linkin Park mit Emily Armstrong war DER musikalische Paukenschlag im Jahr 2024. Die Ankündigung einer Tour durch wenige Arenen zeitgleich mit einem neuen Album ließ die Musikwelt fast durchdrehen – auch weil viele Fans dies als einen Verrat an Chester Bennington verstanden wissen wollten. Doch wir müssen der Realität ins Auge sehen: Der beliebte Frontmann ist seit sieben Jahren tot. Sollten Linkin Park ihre Arbeit wirklich komplett einstellen? Man hat sich für einen anderen Weg entschieden.
Eigentlich ganz schlau, die Leadvocals auf eine weibliche Stimme zu übertragen. Dann kommt man gar nicht erst in Versuchung, sie mit ihrem Vorgänger zu vergleichen. Und Emily ist keineswegs eine Verlegenheitslösung. Ihre Vocals sind kraftvoll und durchdringend. Sie beherrscht aggressive Passagen wie Klargesang. Und sie macht einen fantastischen Job als Frontfrau, wie ich auf einem ihrer ersten Konzerte mit Linkin Park in Hamburg vor wenigen Wochen erleben durfte.
Fotocredit: James Minchin III
Die neuen Songs sind Linkin Park pur. „The Emptiness Machine“ und „Heavy Is the Crown“ bieten Nu Metal mit ein klein wenig Pop-Appeal. Das reicht locker, um Fans harter Rockmusik zufriedenzustellen und die Hitparaden zu stürmen. Immerhin sind es Ohrwürmer ohnegleichen, die sogar ins Formatradio passen. Zudem zeigte „Over Each Other“ als dritte Single, dass auch ruhige Titel zum Repertoire der neu formierten Band gehören.
Die verbliebenen Bandmitglieder Shinoda, Delson, Farrell und Hahn begannen in den letzten Jahren, sich wieder häufiger zu treffen. Ohne viel Aufhebens und ohne feste Agenda – es ging ihnen nicht darum, „die Band neu zu starten“ oder Ähnliches. Sondern um den gemeinsamen Wunsch, wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen und die Kreativität und Kameradschaft wieder aufleben zu lassen, die seit den Collegejahren den Kern ihrer Freundschaft ausmachten.
Immer wieder luden sie bei ihren Treffen auch unterschiedliche Freund*innen und Weggefährt*innen ein, ihnen im Studio Gesellschaft zu leisten. Eine besondere Verbindung entwickelte sich zu Armstrong und Drummer Colin Brittain. Sie spürten eine natürliche Chemie zwischen sich, die sich immer mehr zu einer besonderen Magie entwickelte, je mehr Stunden sie gemeinsam im Studio verbrachten. Es war der Sound von Musikern, die Musik machen, so lange sie denken können – und nun die unbändige Energie eines Neuanfangs wiederentdeckten. Das war die Geburtsstunde von „From Zero“.
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Jetzt also das komplette neue Album mit einer guten halben Stunde Länge. Hört sich kurz an, bietet aber ein intensives Erlebnis von der ersten bis zur letzten Minute. „Two Faced“ ist ein absoluter Burner, dessen Liveumsetzung grandios werden dürfte. „Cut The Bridge“ erinnert an „Bleed It Out“, was als absolutes Qualitätsmerkmal zu verstehen ist. Bei „Casualty“ geht Shinoda mit in die Screams. Das melodische „Stained“ und der Abschluss „Good Things“ sind Ohrwürmer vom Feinsten.
Mike bringt es auf den Punkt: „Je länger wir mit Emily und Colin zusammenarbeiteten, desto mehr genossen wir ihre außergewöhnlichen Talente, ihre Gesellschaft und die Dinge, die wir gemeinsam schufen. Mit dieser neuen Besetzung und der neuen Musik, die so voller Leben und Energie ist, spüren wir wirklich eine ganz neue Kraft. Wir verweben die klanglichen Markenzeichen, für die wir bekannt sind, und brechen gleichzeitig zu neuen Ufern auf“.
Als nächsten Streich planen Linkin Park das Tour-Ereignis 2025, das vermutlich einige Rekorde brechen wird. „Wieder auf Tour zu gehen, war unglaublich“, sagt Shinoda. „Die Unterstützung der Fans ist überwältigend und wir sind bereit, diese Energie noch weiter in die Welt zu tragen. FROM ZERO ist ein neues Kapitel für uns, und wir freuen uns darauf, es mit allen in einem größeren Rahmen zu teilen.“
Linkin Park – From Zero World Tour 2025 | Deutschland-Termine
Haller, der gebürtige Aachener ohne Vornamen, macht seit Jahren Indiepop mit gehaltvollen Texten. Sein Hit „Schön genug“ erschien vor fünf Jahren. Seitdem gab es EPs, das Debütalbum „Kuss“ und jetzt ganz neu „Akademie der Ängste“ mit dreizehn Titeln. Haller hat stets die Gitarre griffbereit, verliert sich aber inzwischen auch gern in elektronischen Klängen. Doch keine Sorge – es sind keine hämmernden Beats, sondern es ist vielmehr ein sanftes Wabern, das seine Melodien umspielt.
Am wichtigsten sind, neben seiner charismatischen Stimme, die gnadenlos guten Lyrics voller Melancholie und Philosophie. Im Titelsong „Akademie der Ängste“ geht es um Kopfkino und Versagensangst. Ein Gefühl, das vermutlich viele nachempfinden können: „Ich geh‘ auf die Akademie der Ängste / Alle, die ich kenne, hab’n hier schon studiert“.
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Der Opener „Gott“ startet das Album ganz sanft und fast a cappella mit polyphonen Klängen. Ein fantastisches Liebeslied, das die Verzweiflung am Leben und den Glauben an ein überirdisches Leben thematisiert. Optimistischer kommt „Gut“ mit fast schon beschwingten Klängen und zu „Cool“ begibt sich Haller in ein überzeugendes Duett mit Sängerin Soffie.
Auch bei „Lonely“ gibt es weibliche Verstärkung, hier von Becky Sikasa. Die Mischung aus englischen und deutschen Textstellen ist sehr passend und wieder findet Haller genau die richtigen Worte für seine Melancholie: „Warum find‘ ich grade kein’n Song, der so traurig ist wie ich?“
Haller ist anders in seinem Songwriting. Nicht so gradlinig wie Max Giesinger, Wincent Weiss oder Johannes Oerding, Eher vergleichbar mit Lea, die sein weibliches Pendant sein könnte. Er nimmt die Hörer*innen mit auf eine gefühlvolle und durchweg ehrliche Reise in seine Gedankenwelt. Die Melodien plätschern manchmal, aber seiner Stimme muss man einfach zuhören, denn er hat viel zu erzählen. Meine Empfehlung!
Band Aid war eine Wohltätigkeits-Supergruppe, die 1984 von Bob Geldof und Midge Ure gegründet wurde, um Geld für die Bekämpfung der Hungersnot in Äthiopien zu sammeln. Die Single übertraf die Hoffnungen der Produzenten und wurde zu Weihnachten die Nummer eins in zahlreichen Ländern – unter anderem auch in Deutschland. Neuaufnahmen des Songs, um weitere Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln, erreichten ebenfalls die Spitze der Charts: die Version Band Aid 20 im Jahr 2004 und die Version Band Aid 30 im Jahr 2014.
Zum Gedenken an das 40-jährige Jubiläum der Originalaufnahme des Weihnachtsklassikers „Do They Know It’s Christmas?“ und, um weitere Spenden für den Band Aid Trust zu sammeln, werden am. 29. November neu zusammengestellte 1LP- und 1CD-Formate veröffentlicht.
Die neue 2024er Version enthält die Originalaufnahme von „Do They Know It’s Christmas?“ aus dem Jahr 1984, die späteren Versionen Band Aid 20 und Band Aid 30 sowie den 2024 Ultimate Mix – eine neue Bearbeitung, in der die Stimmen der vielen Künstler, die den Song im Laufe der Jahrzehnte aufgenommen haben, neu gemischt wurden. Der Mix wurde von Trevor Horn produziert. Zum ersten Mal auf CD und LP wird die 1985 im Wembley-Stadion aufgenommene Live-Aid-Final-Version des Songs auf der Titelliste der ultimativen Komplettsammlung zu finden sein.
Heute lebt die Hälfte der 600 Millionen hungernden Menschen auf der Welt in Afrika. Band Aid will wieder einmal so viel Geld wie möglich sammeln, um den Betroffenen zu helfen.
Der neue 2024 Ultimate Mix wird von einem neuen Musikvideo begleitet. Ein Kurzfilm, der ebenfalls veröffentlicht werden soll, ist die Weiterentwicklung des Videos, ein alternatives und erweitertes Stück, das die Entstehungsgeschichte der Single und ihre Reise über die letzten 40 Jahre vorstellt.
Titelliste CD
Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – 1984 Version
Band Aid 20 – Do They Know It’s Christmas? – 2004 Version
Band Aid 30 – Do They Know It’s Christmas? – 2014 Version
Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – 2024 Ultimate Mix
Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – Live at Wembley Stadium, 1985
Titelliste 12″
Side A
1. Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – 1984 Version
2. Band Aid 20 – Do They Know It’s Christmas? – 2004 Version
3. Band Aid 30 – Do They Know It’s Christmas? – 2014 Version
Side AA
1. Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – 2024 Ultimate Mix
2. Band Aid – Do They Know It’s Christmas? – Live at Wembley Stadium, 1985
Mit seinem zweiten Album „Forever Young“, das am 15. November 2024 digital erschienen ist, setzt der britische Musiker Adam Leon ein kraftvolles musikalisches Statement. Unter der Regie des mehrfach ausgezeichneten und renommierten Produzenten Brian Reeves aus LA-Hollywood (bekannt für seine Arbeit mit Künstlern wie Elton John, U, Billy Idol u.a.), Andy Hawkins (u.a. Kaiser Chiefs, Pigeon detectives) und Tom Savage erschafft Adam ein Werk, das sowohl seine eigenen Erfahrungen als auch die Bandbreite menschliche Emotionen reflektiert. „Forever Young“ vereint die Einflüsse von Pop-Rock-Größen wie The Script, U2 und One Republic und öffnet damit ein weiteres Kapitel in der aufstrebenden Karriere dieses vielversprechenden Künstlers.
Ein Album über Liebe, Verlust und mentale Gesundheit
„Forever Young“ ist mehr als nur ein Titel – es ist das Herzstück eines Albums, das sich mit Themen wie Liebe, Trauer und mentaler Gesundheit auseinandersetzt. Der gleichnamige Track, der auch das emotionale Zentrum des Albums bildet, erzählt die berührende Geschichte von Oscar Alberto Martinez und seiner Tochter Angie Valeria Martinez, die bei dem Versuch, den Rio Grande zu überqueren, ums Leben kamen. „Diese traurige Geschichte hatte einen großen Einfluss auf mich, und ich musste einfach dieses Lied für sie schreiben“, erklärt Adam Leon. Der Refrain – „Don’t let go of me and I won’t let go of you“ – fasst die untrennbare Bindung zwischen Vater und Tochter in herzzerreißende Worte und Melodien. Der Song steht stellvertretend für die tiefgehenden Emotionen und das große Mitgefühl, das Adam in seine Musik einfließen lässt.
Starke Singles mit Botschaft: „It’s gonna be alright“ und „Little Secret“
Bereits vor dem Albumrelease sorgten die Singles „It’s gonna be alright“ und „Little Secret“ für Aufsehen. Besonders das Musikvideo zu „It’s gonna be alright“ eroberte die Herzen der Fans im Sturm und verzeichnete innerhalb von nur vier Wochen über 70.000 YouTube-Views. Der positive Zuspruch zeigt, dass Adams optimistische Botschaft – das Versprechen, dass alles wieder gut wird – gerade in schwierigen Zeiten besonders wertvoll ist.
„Little Secret“, das während der Mental Health Week besondere Aufmerksamkeit erhielt, thematisiert ein weiteres bedeutendes Thema: die mentale Gesundheit. Adam Leon, der selbst diese Kämpfe durchlebt hat, reflektiert in diesem Song die Herausforderungen, vor denen viele Menschen stehen – insbesondere Männer, die oft zögern, Hilfe anzunehmen. „Es ist nicht einfach, über mentale Probleme zu sprechen, aber es ist so wichtig, dass man sich Unterstützung sucht und annimmt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das sein kann“, erklärt Adam. Die aufrichtige und kraftvolle Botschaft von „Little Secret“ hat vielen Betroffenen in der Mental Health Community Kraft und Hoffnung gegeben.
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Der aufstrebende Künstler Adam Leon: Eine Stimme, die gehört werden muss
Adam Leon ist längst kein Unbekannter in der Musikszene. Als Mitglied der Band Austin Gold hat er bereits bewiesen, dass sein musikalisches Talent weit über die Grenzen seines Soloprojekts hinausreicht. Mit „Forever Young“ zeigt er jedoch, dass er als Solokünstler in der Pop-Rock- und Britpop-Szene eine eigene Stimme gefunden hat – eine Stimme, die sich durch authentische Texte und gefühlvolle Melodien auszeichnet. Sein tiefes Engagement für seine Musik und die Themen, die ihm am Herzen liegen, machen Adam zu einem der vielversprechendsten Künstler seiner Generation.
Neben seinen musikalischen Erfolgen trat Adam Leon dieses Jahr auch als Moderator des Stilton Cheese Rolling Festivals in Erscheinung, was seine Vielseitigkeit und seine charmante Persönlichkeit unterstreicht. Diese verschiedenen Facetten machen ihn zu einem Künstler, der nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich beeindruckt.
Ein Blick in die Zukunft
Mit „Forever Young“ beweist Adam Leon, dass er nicht nur über Talent, sondern auch über die Tiefe und Authentizität verfügt, um sich langfristig in der Musikwelt zu etablieren. Während die digitale Veröffentlichung am 15. November 2024 den Beginn einer neuen Ära in seiner Karriere markiert, gibt es bereits Pläne für weitere Projekte und potenzielle Live-Auftritte, die seine wachsende Fanbase begeistern dürften.
„Forever Young“ ist ein Album, das die Zuhörer durch eine emotionale Reise führt – von den tiefsten Tiefen des Verlusts bis hin zur aufrichtigen Hoffnung und Heilung. Adam Leon hat es geschafft, seine eigenen Erfahrungen in Musik zu verwandeln, die berührt und bewegt.
Den US-Autoren John Grisham kennt man vor allem für seine spannenden Justizthriller, die zum großen Teil auch sehr erfolgreich verfilmt wurden. Ich denke da nur an „Die Firma“ und „Die Jury“, mit denen auch meine Leidenschaft für seine Romane begann. Und die ist bis heute ungebrochen, ist er doch ein regelrechter Vielschreiber, von dem mindestens ein Buch pro Jahr erscheint.
Für das neuste Werk hat er sich allerdings mit Jim McCloskey zusammengetan und es ist ganz anders als die bekannten fiktionalen Werke. Bereits im Jahr 2006 gab es das Buch „Der Gefangene“, in dem Grisham die Geschichte von Ronald Keith Williamson erzählte, der Opfer eines Justizirrtums wurde und elf Jahre lang im Todestrakt auf seine Hinrichtung warten musste.
Auch im neuen Band geht es um Menschen, die unschuldig hinter Gittern gelandet sind. Es ist Grisham ein echtes Anliegen, auf deren Schicksale hinzuweisen und die Unzulänglichkeiten des Justizsystems anzuprangern. Da kam ihm Jim McCloskey gerade recht, der vor vielen Jahrzehnten die Organisation „Centurion Ministries“ gründete, die sich für zu Unrecht verurteilte Menschen in den USA einsetzt. Seit 1983 haben sie über 70 unschuldige Menschen aus lebenslänglicher Haft oder der Todeszelle befreit.
Im Buch finden sich zehn spannende und in Teilen wirklich unglaubliche Geschichten. Im Wechsel niedergeschrieben von beiden Autoren. Man kommt aus dem Kopfschütteln einfach nicht mehr raus, wenn die sogenannten Gesetzeshüter beschrieben werden, die zu allerlei Schikanen, Tricks und Meineiden greifen, um vermeintliche Täter ins Gefängnis zu bringen. Unglaublich, dass solche Dinge überhaupt möglich sind.
Die Geschichten lesen sich wie True-Crime-Stories (man kennt ja entsprechende Podcasts oder das Magazin „Stern Crime“), doch es ist mehr als das, denn beide Autoren verlassen gerne mal den objektiven Blickwinkel und kommentieren rigoros, wie das System hier Menschen behandelt und der Einzelne ihm hilflos ausgeliefert ist. Den Glauben an die Obrigkeiten kann man da schnell verlieren.
„Unschuldig“ ist kein Roman, aber es sind zehn spannende Erzählungen vor realem Hintergrund. John und Jim sind engagierte Kämpfer für die Gerechtigkeit – und es tut gut, dass beide eine Stimme haben, die gehört wird. Hoffentlich auch dann noch, wenn der Meister der Fake News wieder in den USA das Ruder übernimmt.
Reinhard Mey kam die Ehre zuteil, Bob Dylan, demnächst wird Rio Reiser folgen. Es ist die moderne Form von Lyrikbänden, mit denen man früher Generationen von Schüler*innen gequält hat. Die gelben Reclamhefte waren günstig und wurden so zum Standard im Deutschunterricht. Heute kommen sie zumindest mit ordentlicher Coolness daher, wenn bald sogar „40 Songtexte aus Berlin“ der Ärzte mit im Regal stehen.
Damit sind die Texte der „besten Band der Welt“ jetzt auch ganz offiziell Klassiker im deutschen Kulturkanon. Gerade noch so zu Lebzeiten versammelt diese Universal-Bibliothek-Ausgabe sprachprägende, wortschöpfende, wichtige, freigeistige, manchmal verblüffend staatstragende Werke der Band. Und etliche lustige, randständige, offenherzige und -hosige, absurd-verspielte. Kurz: einmal quer durch den ganz normalen die-Ärzte-Kosmos, kuratiert und kommentiert von einem profunden Kenner von Mensch und Material, Michael Loesl.
Texte wie „Deine Schuld“, „Junge“, „Lasse redn“, „Männer sind Schweine“ und „Schrei nach Liebe“ gehören zum Zitate-Schatz nicht nur einer Generation. Nach jedem Text folgt die vergnügliche Einordnung und Interpretation durch Michael Loesl (Gitarrist, Komponist, Liedermacher, Chansonnier, Kolumnist, Autor, Moderator u.v.m.), der zudem im Nachwort versucht, dass Jahrzehnte lange Wirken der Band auf 20 Textseiten zu würdigen.
Eine Diskographie rundet das Heftchen ab, das mit einem Preis von 8 Euro reclam-mäßg unschlagbar ist und hoffentlich bald in vielen Regalen neben Goethe, Schiller und Heine steht. Verdient!
Nathan Evans war derjenige, der in der Corona-Zeit solide Folkmusic wieder hoffähig gemacht hat und Millionen Menschen dazu brachte, mit ihm den „Wellerman“ zu singen. Seine Geschichte hätte damit auch zu Ende sein können, denn der weltweite Überhit klang verdächtig nach einem One-Hit-Wonder. Aber weit gefehlt: Sein erstes Album wurde mit zeitgemäß arrangierten Shantysongs ebenfalls zum großen Erfolg. Egal, ob er die meist traditionellen Songs mit Folkband oder allein a cappella zu Rhythmusklopfen sang – alles war passend und trieb die Fans zum Mitsingen.
Aber es kommt noch dicker: Das zweite Album „1994“ (benannt nach seinem Geburtsjahr) hat der Schotte hauptsächlich zusammen mit Mitgliedern der SAINT PHX Band geschrieben und es sind alles Eigenkompositionen. Also nix mit „auf Nummer sicher gehen“, sondern „volles Risiko und vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten“.
Nathan singt eine Hommage auf sein „Highland Girl“, würde bedingungslos „100 Miles“ für seine große Liebe zurücklegen und widmet der „Heather on the Hill“ eine emotionale Liebeserklärung. Wo der Singer-Songwriter mit seiner Gitarre am Mikrofon steht, sind Songs mit Tiefgang und einem unverkennbaren Sound vorprogrammiert.
Es ist die Mischung aus emotionalen Lyrics, tanzbaren Shanty-Pop-Beats und dem unverkennbar schottischen Style, der „1994“ zu genau dem Must-Have-Album macht, das es ist. Voller Balladen, fetzigem Folk und Gitarrenhymnen im Stil von Ed Sheeran. Mit „Catch You When You Fall“ und „Days Of Our Lives“ zeigt er dann, dass auch waschechte Popsongs aus seiner Feder und seinem Mund kommen können.
„1994“ ist ein grandioses Album, das ich dem Schotten nicht unbedingt zugetraut hätte Hier kommt alles zusammen, was moderne Gitarrenmusik ausmacht, wobei die Vielfalt von Shanty bis beatlastigem Pop tatsächlich überwältigend ist. Allein ein A-cappella-Song im Stil von „Wellerman“ fehlt mir in dem illustren Reigen.
„Es war wirklich eine Freude, mein Herz und meine Seele in etwas zu stecken, das ich liebe. Zu sehen, dass ihr jedes Mal so positiv reagiert, wenn ich etwas veröffentliche, macht mich so glücklich!“ Emotionale Worte eines Künstlers, der sein Herz sprichwörtlich auf der Zunge trägt und sich nicht davor scheut, seinen Gefühlen freie Bahn zu lassen. Und so scheint es nur folgerichtig, dass in jedem 1994-Track nicht nur pure Liebe steckt, sondern auch ein purer Nathan Evans.
Tracklisting:
Bonfire
Flowers In The Water
Driving To Nowhere
Heather On The Hill
I’m A Man (Ft Foy Vance)
Highland Girl
100 Miles
Sweet Mountain Rose
Catch You When You Fall
Perfect Storm
Paper Planes
Days Of Our Lives
Fotocredit: Annika Yanura
Im März 2025 kommt Nathan Evans in Begleitung der Saint Phnx Band wieder auf Tour nach Deutschland, Tickets sind ab Mittwoch, 13.11.2024 sowohl bei Planetfans als auch im CTS Eventim Presale erhältlich, der offizielle Vorerkauf startet am Freitag, 15.11.2024 um 11:00 Uhr an allen autorisierten Vorverkaufsstellen.
Termine
05.03.2025 – Berlin, Columbia Theater
06.03.2025 – Hamburg, Fabrik
09.03.2025 – Frankfurt, Brotfabrik
10.03.2025 – Stuttgart, Im Wizemann (Club)
12.03.2025 – München, Technikum
13.03.2025 – Köln, Kantine
Es handelt sich um einen Soundtrack, also müssen wir zunächst über den Film reden. Viele werden ihn schon gesehen haben – noch mehr sind vermutlich aufgrund schlechter Kritiken abgeschreckt. Eine abschließende Beurteilung ist schwer, aber ich versuche es mal, möglichst ohne zu spoilern. Viele Zuschauer*innen sind enttäuscht, weil der zweite Joker-Film die grandiose und brutale Story des ersten Teils nicht wirklich weiter erzählt, sondern ihn zu einer Charakterstudie zweier grandioser Figuren macht, die halt irgendwie zufällig etwas mit dem DC-Universum zu tun haben. Wenn man den Film unabhängig von den Ideen „Batman“ und „Gotham“ betrachtet, ist er in meinen Augen wirklich grandios. Ein musikalisch vermittelter Film über zwei tragische Figuren, die sich kennen und lieben lernen – und aufeinander einwirken.
Die Musik ist das i-Tüpfelchen dabei. Lady Gaga war so von ihrer Rolle und den Songs angetan, dass sie gar ein eigenes Album mit Musical- und Theatersongs aufgenommen hat, die im Film vorkommen oder von ihm inspiriert wurden. Die Figur der Harley hat sie nicht los gelassen und sie hat ihr musikalisch ein weiteres Leben eingehaucht. Allein das ist grandios.
Neben Gaga und Phoenix wirkt im Soundtrack auch der fantastische Nick Cave mit, dessen Stimme und Haltung so perfekt zu diesem düsteren Film passt. Das OST-Album leistet genau das, was man von ihm erwartet: Es vermittelt in 16 Tracks die Atmosphäre des Films und lässt ihn auch ohne bewegte Bilder lebendig werden. Die Musik ist so ästhetisch wie der Film – und vielleicht wird in der Melancholie und den geradezu philosophischen Songs klar, warum „Joker: Folie à Deux“ nun mal kein Superheldenfilm ist, sondern die Antagonisten der DC-Filme in ihrer ganzen Verzweiflung und Dramatik inszeniert. Das funktioniert zeitgleich übrigens auch hervorragend mit „The Penguin“ als Serie. Für mich sind diese Geschichten aus der düsteren Welt von Gotham absolut sehens- und in diesem Fall auch hörenswert.
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Vor einem Jahr gab es ein neues Album der 80er-Ikonen Duran Duran. Kurz vor Halloween ließ der Titel „Danse Macabre“ aufhorchen und lieferte eine zum Gruseln geeignete Tracklist mit eigenen Songs und einigen Coverversionen. Das Album war ihr persönlicher Soundtrack für die dunkle Jahreszeit und wird nun ein Jahr später für die Neuauflage um drei Titel erweitert. „Danse Macabre De Luxe“ darf es nun heißen.
Den Anfang macht nun das düstere Instrumental „Masque Of The Pink Death“, das in der Art eines klassischen Horrorfilms in die Klangkulisse einleitet. Es folgt eine Neuaufnahme von „Nightboat“, das vom Debütalbum der Band stammt. Gut gealtert, kann man da nur sagen. Das brandneue „Black Moonlight“ ist ein elektronischer Kracher mit Tanzpotential. Danach geht es wieder in die Vergangenheit – diesmal nur dreißig Jahre zurück – und „Love Voudou“ fügt sich perfekt in das Albumkonzept.
„Bury A Friend“ ist das erste Cover und stammt im Original von Billie Eilish. Man erkennt den ursprünglichen Song kaum noch – die neue Version haben Duran Duran perfekt umgesetzt und sich ganz zu eigen gemacht. Der quirlige Cerrone-Klassiker „Supernature“ führt das Konzept gekonnt fort und belegt nochmal Simons stimmliche Fähigkeiten.
Fotocredit: Stephanie Pistel
Neu dabei ist ein Cover von ELOs „Evil Woman“, das seinen beschwingten Charakter erstaunlicherweise behält. und kaum verändert wird. Genau in der Mitte des Albums folgt der Titelsong. Unruhige Percussions geben das Tempo vor, während ein verzerrter, knurrender Synthesizer die Strophen von Simon Le Bon in eine hypnotische Hook mit Handclaps übergehen lässt. Auch „Secret October 31st“ als atmosphärische Neuaufnahme einer alten B-Seite macht einen guten Job.
Weiter geht es mit Covern: „Ghost Town“ (The Specials) ist mir in seinem kindlichen Gespenstersound etwas zu dick aufgetragen, aber dann kommt „Paint It Black“ und hier entfaltet sich wieder die Fähigkeit, bekannte Klassiker für eigene Belange zweckzuentfremden. Hört sich wirklich gut an – trotz Discofeeling.
„Super Lonely Freak“ ist ein Mash-Up aus Duran Durans „Loneley In Your Nightmare“ und „Superfreak“ (Rick James). Ganz okay, aber nicht innovativ. Der Riff von MC Hammers „U Can’t Touch This“ hat zumindest einen netten Wiederekennungseffekt. Danach folgt auf der DeLuxe-Variante „New Moon (Dark Phase)“, eine neu interpretierte Version ihres Klassikers „New Moon On Monday“ aus dem Album „Seven and The Ragged Tiger“.
Das abschließende Triple führt wieder in düstere Gefilde zurück. Victoria De Angelis von Måneskin ist als Feature dabei, was den Kracher „Psycho Killer“ definitiv nochmal aufwertet. „Confession In The Afterlife“ beendet das jetzt auf 60 Minuten ausgedehnteKonzeptalbum, das auf jeden Fall hervorragend in die dunkle Jahreszeit passt. Ein grandioser Einfall, dem diese Wiederverwertung gegönnt sei!
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Das selbstbetitelte Debütalbum von Nena erschien am 14. Januar 1983 und firmierte noch unter der gleichnamigen Band, die Ende der 80er Jahre von Nena als Solokünstlerin abgelöst wurde. Mit den unvergesslichen Klassikern „Nur geträumt“, „Leuchtturm“ und natürlich „99 Luftballons“ startete eine einzigartige Karriere, die Nena noch im gleichen Jahr in die US-Singlecharts brachte. Man schwamm auf der NDW-Erfolgswelle, konnte aber auch nach dem kurzzeitigen Aufflammen und Erlöschen dieses Genres nachhaltige Erfolge feiern.
Zum 40jährigen Jubiläum des Albums erscheint nun eine Neuauflage mit dem Titel „Remastered and Selected Works“. CD 1 enthält das ursprüngliche Album mit zwölf Songs. Alle Originaltitel wurden von den Originalbändern remastert, um eine exzellente Klangqualität zu gewährleisten und den Spirit von damals originalgetreu fühlbar zu machen.
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CD 2 wartet mit Livetracks und Raritäten auf. Die meisten Titel wurden 1984 in Berlin und 1985 in Köln mitgeschnitten. „Ganz oben“ war die B-Seite von „Nur geträumt“. Zudem sind mit „Just A Dream“ und „Amour Candide“ die englische bzw. französische Version von „Nur geträumt“ enthalten.
Die Musik von Nena ist einfach zeitlos – das spürt man, wenn dieses Album aus den Boxen tönt. Das Booklet enthält alle Songtexte. Für Fans und Nostalgiker absolut empfehlenswert.
Keine Sorge, es ist kein endgültiger Bühnenabschied der Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder. Ihre Stammband Fury in the Slaughterhouse hat schon vor Jahren ihr Comeback gefeiert, liefert solide neue Alben und ordentlich Präsenz beim Touren. Das Kapitel Wingenfelder begann in der Phase, als Fury sich eine Auszeit nahmen. Es ging los mit getrennten Soloalben beider Brüder und gipfelte in sehr erfolgreichen deutschsprachigen Alben als Duo. Vom Feeling her hören sie sich bis heute nach der Stammband an und liefern große Hymnen mit deutschen Texten.
Auch auf dem abschließenden Studioalbum gibt es rockige Kracher wie „Optimus Prime“ neben hymnischem Deutschpop („Hey Benni“) und ergreifenden Balladen wie „Der 5te Frühling“, das Kai für seine Frau schrieb.
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Die Texte sind diesmal besonders melancholisch und liefern nostalgische Rückblicke. „Wenn’s am schönsten ist“ bietet einen Karriererückblick, der zugleich Standortbestimmung ist und den Grund fürs Aufhören liefert: „und man geht, geht, geht, solang einen jemand noch vermisst“. Das Stück „Wetten dass“ erzählt von Verblödung in den Medien, egal ob früher bei diversen Fernsehformaten oder heute durch Insta und TikTok.
Kai Wingenfelder erzählt: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem soziale Medien und das Handy eine immer größere Rolle in unserem Leben und dem Leben unserer Kinder einnehmen. Da sie damit den Platz von Bildung, Kommunikation und Kreativität vereinnahmen, führt das unweigerlich zur Verblödung. Und wir schauen zu, oder schauen abgründige und noch blödere TV Formate. Wir sollten wissen, wohin das führt, aber eigentlich wissen wir gar nichts!“
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Das Leben ist wie ein ewiger Kreislauf – davon erzählen der Track „Fallobst“ und der Titelsong – und am Ende wird alles irgendwie gut. Zumindest beweisen Kai und Thorsten, dass sie noch viel gute Musik in sich haben. Bei Fury wird das jetzt (leider) wieder ausschließlich in englischer Sprache stattfinden. Aber egal. Hauptsache, die Reise geht weiter.
Wer im Musikgeschäft in irgendeiner Form tätig ist – sei es als Künstler*in, Promoter*in, Journalist*in – hat irgendwann schon mal von Marina Buzunashvilli gehört. Das ist nicht irgendeine Marina, sondern DIE Marina. Im ersten Moment hört es sich vermutlich vermessen an, wenn sie ihre Biografie „Die Bossin“ betitelt, doch wenn man dann in die Geschichte hineinliest, wird klar, warum dies die einzig richtige Bezeichnung sein kann.
Marina, 1981 in Wien geboren, wuchs als Tochter einer aserbaidschanisch-georgischen Familie in Berlin-Kreuzberg auf. 2004 begann sie in der Agentur Panorama3000 zu arbeiten, zuerst in der Buchhaltung, später dann in der Presse und im Künstlermanagement. 2012 gründete sie gemeinsam mit einer Agenturkollegin die Musik- und Filmagentur Musicism & Cinelove, aus der heraus 2017 DIE MARINA entstand, eine der einflussreichsten Künstleragenturen im deutschen HipHop. 2019 folgte der Wechsel zu Sony, wo sie zunächst als Head of PR und ab 2020 als Director of PR arbeitete, bevor sie sich 2024 erneut selbständig machte.
Marina gilt als eine der einflussreichsten Größen im deutschen Musikbusiness, ihr Weg an die Spitze aber war alles andere als leicht. Aufgewachsen in Kreuzberg, war ihr Umfeld geprägt von Gewalt und Verbrechen. Einzig ihre Liebe zur Musik ermöglichte ihr den Aufstieg, gegen alle Widerstände. Sie war maßgeblich daran beteiligt, den Deutschrap von Kool Savas, Xatar oder Haftbefehl groß zu machen und arbeitet regelmäßig mit Künstlern wie Robbie Williams und Adele zusammen. Erstmals erzählt sie jetzt ihre ganze Geschichte und teilt die zwanzig Rules, die sie zum Erfolg geführt haben.
In ihrer biografischen Geschichte geht die Autorin weitestgehend chronologisch vor, erzählt von ihrem Leben und hat viele Anekdoten aus dem Musikgeschäft zu bieten. Dabei zeigt sie viel Selbstwertgefühl, lässt aber auch die Schattenseiten der Karriere und ihre Misserfolge nicht aus. So entsteht eine authentische Beschreibung ihres Werdegangs – inklusive aller Rückschläge und ihrer Sprünge über die Karriereleiter.
Die zwanzig Kapitel sind gleichzeitig die „Rules“, von denen oben die Rede war. Also kleine halb-esoterische Sinnsprüche wie „Erkenne den Boss in dir“, „Sei dein größter Fan“, „Konkurrenz ist gut“, „Erfolg ist keine Einbahnstraße“ usw. Solcherlei Ratgeber-Getue wäre normalerweise nicht mein Ding, aber hier nutzt Marina die Überschriften tatsächlich, um wichtige Erkenntnisse weiterzugeben und ihre Ideen anhand solcherlei Erkenntnisse zu erklären. Es wird auch nicht viel drumherum geredet und alles ständig wiederholt, sondern Marina bleibt im Flow ihrer Geschichte und gibt einfach auf spannende Art weiter, was es zu berichten gibt.
„Die Bossin“ ist ein faszinierender Blick hinter die Kulissen des Musikgeschäfts und ein Leitfaden für alle, die ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben führen wollen – egal was andere davon halten!
Nana Mouskouri ist mehr als eine x-beliebige Schlagersängerin mit griechischem Akzent. Ihre musikalische Vielseitigkeit und ihre sprachliche Begabung verhalfen ihr zu einer weltweiten Karriere, die sie schließlich auch in die Politik führte. Sie hat Jazz gesungen und mit Rolf Zuckowski zusammengearbeitet, sie wurde UNICEF-Sonderbeauftragte, Abgeordnete im Europäischen Parlament und mit Ehrungen aller Art überhäuft. Ein grandioses Lebenswerk, auf das sie mit 90 Jahren zurückblicken kann.
Zwei Tage vor dem runden Geburtstag erschien das Geburtstagsalbum „Happy Birthday, Nana“, dass sich vor allem ihrer Schlagerkarriere widmet, ohne dabei aber zu seicht zu klingen. Dazu tragen vor allem die Neuaufnahmen mit dem Royal Philharmonic Orchestra bei, von denen sich gleich drei in der Tracklist finden: „Guten Morgen Sonnenschein“, „Weiße Rosen aus Athen“ und das „Ave Maria“ von Franz Schubert. Außerdem hat Nana Mouskouri einen neuen Song in griechischer Sprache eingesungen: „Pios échi Dakria“.
Die orchestralen Aufnahmen hat Nana aber nicht selbst neu aufgenommen, sondern es wurden ältere Mitschnitte ihrer Stimme genutzt: „Es war meine künstlerische Entscheidung, meine Stimme als junge Frau, die untrennbar mit dem Original verbunden ist, wiederzuverwenden, ich wollte, dass meine Fans, aber auch ich selbst, noch einmal auf Zeitreise gehen können“, erklärt sie heute. „Ich wollte, dass der gleiche Song noch einmal in einem neuen Gewand gehört werden kann.“
Fotocredit: Dennis Dirksen
„Weiße Rosen aus Athen“ war 1961 Nana Mouskouris erster Hit – und zugleich ihre erste von insgesamt drei Nummer−1-Singles in Deutschland. Quasi über Nacht etablierte sich Nana in Deutschland als Stimme. Der Song markierte zudem ihren internationalen Durchbruch – gerade einmal 16 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in welchem ihre Familie in Griechenland auf der Seite der Antifaschisten gestanden hatte. „Das erste Land, in dem ich zu einem Star wurde, war Deutschland. Meine Karriere begann ausgerechnet in dem Land, das mein Land nur wenige Jahre zuvor ins Unglück und ins Elend gestürzt hatte. Aber in Deutschland schlug mir diese Welle der Sympathie entgegen, dass ich geradezu gezwungen wurde, meine irgendwo ja doch in mir verankerte Meinung, dass die Deutschen meine Feinde wären, zu verwerfen. Und so wurde Deutschland für mich zu einem Land, das ich bis heute liebe.“
Die komplette Tracklist umfasst 21 Titel ihrer großen Karriere, darunter die grandiose deutschsprachige Version von „The Rose“ und „Gib einem Kind deine Hand“ von Reinhard Mey. Auch der Klassiker „Sag‘ mir, wo die Blumen sind“ hat es in die Zusammenstellung geschafft:
1: Guten Morgen Sonnenschein feat. Royal Philharmonic Orchestra
2: Weiße Rosen aus Athen feat. Royal Philharmonic Orchestra
3: Pios échi Dakria
4: La Provence (Du blühendes Land)
5: Lieder, die die Liebe schreibt
6: Ich schau den weißen Wolken nach
7: Lied der Freiheit
8: Glück ist wie ein Schmetterling
9: Die Welt ist voll Licht
10: Sieben schwarze Rosen
11: Adios
12: Die Rose
13: Einmal weht der Südwind wieder
14: Gib einem Kind Deine Hand
15: Sag‘ mir, wo die Blumen sind
16: Schiffe, die sich nachts begegnen
17: Addio (Ebbe und Flut)
18: Ein Schiff wird kommen
19: Fascination
20: Johnny Tambour
21: Ave Maria
Heute blickt Nana Mouskouri auf eine der eindrucksvollsten Karrieren in der Geschichte der Pop-Musik zurück. Dieser einzigartige Erfolg war möglich, weil sie früh begonnen hat, ihre engelsgleiche Stimme in vielen Sprachen zum Klingen zu bringen. So wurde sie nicht nur in Deutschland und Griechenland, sondern auch in Frankreich, England und vielen anderen Ländern ein Star. Das Album ist ein Geburtstagsgeschenk der Künstlerin an ihre Fans, das daran erinnert, wie verbindend, überwindend und tröstend eine Stimme auch noch nach Dekaden klingt – wenn es sich um eine Jahrhundertstimme wie ihre handelt.
Michael Sebastian Kurth – der deutsche Rapper mit Namen CURSE – war immer mal wieder über lange Zeiträume weg vom Fenster. Umso schöner, dass es in diesem Jahr nach sechseinhalb Jahren Funkstille mit „Unzerstörbarer Sommer“ ein neues Album des Künstlers aus Minden (NRW) gab und er zugleich eine Tour ankündigte, die just gestern im Club „Sektor Heimat“ in Saarbrücken startete.
Der Altmeister des deutschsprachigen Rap stand kurz vor halb neun auf der Bühne, als sei er nie weg gewesen. Eine charismatische Erscheinung – und er legte ohne Supportact direkt los, begleitet von DJ GQ. Doch halt. Es sollte kein normales Konzert sein. Der Opener „Rakim“ ist Standortbestimmung und ein wichtiger biografischer Song über die letzten Jahre. Der musste natürlich perfekt sitzen und CURSE brach zunächst mal ab, um das Publikum zu begrüßen und eine Erklärung abzugeben: Erstes Konzert nach langer Zeit. Natürlich läuft noch nicht alles perfekt. Es wird Texthänger geben, richtige Musik, richtiges Licht, richtigen Ton zur falschen Zeit (und umgekehrt). Selbst die Tourhoodies sind fehlerhaft bedruckt. Es würde also ein ganz besonderer Premierenabend sein, für den das Publikum im Saarland vollstes Verständnis hatte. Die Fans im Club „Sektor Heimat“ standen voll hinter dem Rapper. Und bis auf die Tatsache, dass „Rakim“ nochmal neu gestartet wurde, verlief der Rest des Abends absolut souverän.
CURSE ist eine Legende, seit er 2000 sein Album „Feuerwasser“ veröffentlicht hat. In Zeiten von Battles und Aggro hat er von Beginn an sehr reflektierte, emotionale Texte eingebracht und sich diesen Stil bis heute bewahrt. Oldschool, lyrisch stark und in perfektem Flow war er auch an diesem Abend grandios im Auftreten. Mit „Warum nicht“ ging es zurück zu den Wurzeln und auch diesen Text schüttelte er locker aus dem Handgelenk. Danach gab es das nostalgische „1994“ vom aktuellen Album, mit dem CURSE zur Zeitreise aufrief: „Einfach jung, einfach dumm, voller Bullshit. Bevor der ganze Scheiß passiert ist.“ Die Fans konnten seine melancholischen Gedanken sicher nachvollziehen – viele Generationen waren im Club vertreten, manche mit ihren Kindern am Start.
Der Gedankenflow spiegelt sich in erzählfreudigen Songs wie „Snapshots“ wieder, wenn CURSE an emotionale Blitzlichter der Vergangenheit denkt und diese in lyrische Worte fasst. Aber es wurde auch politisch, wie in „Widerstand“, das CURSE vor zwanzig Jahren mit Gentleman rappte und das bis heute hochaktuell ist.
Neue Veröffentlichungen von CURSE sind inzwischen rar geworden. Er hat sich in seinen Schaffenspausen intensiv mit Buddhismus, Meditation und Yoga auseinandergesetzt, eine Ausbildung zum systemischen Coach gemacht. Diese Reflektiertheit ist Teil seiner Texte und Ansagen geworden. In „Überdosis Tee“ nimmt er sich selbst auf die Schippe, denn Kritiker haben gerne mal gelästert, dass der spirituell erleuchtete vermutlich irgendwann daran sterben wird. „Es gibt so viele Arten zu sterben“, erklärt er und erzählt im Song von Attentaten und Krieg in Gaza. Bei allen Grausamkeiten auf der Welt sei die „Überdosis Tee“ doch ein gnadenvoller Tod.
Mit dieser Entspanntheit werden auch seine Ansagen zum Genuss. „Ich rede zu viel“, meint er – und prompt ruft ein Zuschauer: „Das ist Balsam für die Seele“. Solcherlei Liebesbekundungen gibt es häufiger während des Gigs. „Die Stimme“ funktioniert halt nicht nur als Songtitel, sondern auch in ihren sonoren Klangfülle, egal ob gerappt oder gesprochen wird.
Dabei soll man die Kunstfertigkeit, Schnelligkeit und Wortgewandtheit des Rappers nicht unterschätzen. Den Paradetitel „Rap“ liefert CURSE in einer Geschwindigkeit, dass vielen der Mund offen stehen bleibt. Hinzu kommt die Textfülle des Songs, die er fehlerfrei meistert. Keine Spur von Problemen bei der Tourpremiere. Auch den Selbstwert-Song „Bei mir“ meistert er im erzählenden Flow fehlerfrei. Hier können alle die Rückkehr des Meisters mitfeiern, der nach dem etwas älteren Titel „Tatooine“ wieder zurück an die Anfänge geht und zu „Lass uns doch Freunde sein“ eine formidable „Wall of Love“ im Sektor Heimat anleitet.
Als letzten Titel im regulären Set gibt es das aktuelle „Sonne“, für das CURSE den Udo-Jürgens-Titel „Immer wieder geht die Sonne auf“ gesampled hat. Im Zugabenblock dann „Firmament“: „Trotz Selbstzweifeln weiter machen? Mach‘ ich“. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ja, CURSE hat sich vermutlich oft hinterfragt und neue Wege beschritten. Vielleicht stand auch auf der Kippe, ob er überhaupt zum Rap zurückkehrt. Doch Fans dürfen aufatmen: Der Meister ist wieder da und so gut wie eh und je – vielleicht sogar besser, weil gänzlich unverkrampft. Er rappt zwischen A-cappella und fetten Beats, liefert extrem schnelle Passagen im Wechsel mit emotionalen und melancholischen Lyrics. Ein Abend der ganz besonderen Art!