Als Frontsängerin und Songwriterin der niederländischen Symphonic-Metal-Band Within Temptation ist Sharon den Adel bereits seit über 20 Jahren im Musikbusiness aktiv. Mit „My Indigo“ veröffentlicht sie nun erstmals ein Solo-Album.
„My Indigo“ ist Ergebnis einer herausfordernden und schwierigen Phase in Sharon Leben, in der ihr die Inspiration und Motivation für neue Stücke für ihre Band fehlte. Sie begann schließlich, nur für sich selbst zu schreiben und merkte, dass dies der Weg aus der Krise war. So entstanden zehn sehr persönliche und musikalisch spannende Songs. Zentrum und Ausgangspunkt ist der Titelsong „My Indigo“, der von bedingungsloser Liebe erzählt und mit seinen ruhig fließenden Strophen und dem rhythmischen Refrain auch die musikalische Grundstimmung vorgibt.
Im Vergleich zur Musik von Within Temptation sind die Solo-Titel von Sharon deutlich eingängiger und poppiger, jedoch immer noch sehr atmosphärisch. Da verleiht etwa eine jazzige Trompete dem intensiven „Crash and Burn“ besondere Tiefe, und in „Black Velvet Sun“ und „Indian Summer“ tauchen immer wieder kleine zauberhafte Geigen-Motive auf. Der Abschlusstitel „Where Is My Love“ steigert sich gar zu einem schwermütigen Rock-Epos.
Natürlich lebt das Album auch durch Sharons unverwechselbaren klaren, ausdrucksstarken Gesang. Besonders entfaltet sich dieser in der hoffnungsvollen Ballade „Out Of The Darkness“ oder in den ruhigen Passagen von „Star Crossed Lovers“ und „ Lesson Learned“.
Sharon den Adel hat „My Indigo“ laut eigener Aussage in erster Linie für sich selbst geschrieben, aber es eben auch gewagt, diese sehr persönlichen Songs mit der Welt zu teilen. Ich finde das Album auf jeden Fall hörenswert und kann es nur allen empfehlen, die sich musikalisch auch mal abseits der Charts wohlfühlen. Fans von Within Temptation müssen sich aber keine Sorgen machen – Sharon will auf jeden Fall auch mit ihrer Band weitermachen.
Am 21. April 2016 starb der große Sänger und Künstler Prince völlig unerwartet. Was macht sein Tod mit den Menschen, die ihn zwar nicht persönlich kannten, aber für die er Vorbild und Idol war? Der Autor Michel Birbaek, selbst großer Prince-Fan, widmet dieser Thematik seinen aktuellen Roman „Das schönste Mädchen der Welt“.
Hauptfigur des Romans ist der Ex-Musiker Leo Palmer, der nach einem gescheiterten Date zufällig die attraktive, aber verheiratete Mona kennenlernt. Die Begegnung endet mit einer gemeinsamen Nacht, die eigentlich ein einmaliges Erlebnis bleiben soll. Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist aber so groß, dass sie sich doch wenig später wieder treffen – ausgerechnet am Todestag von Prince. Die Nachricht vom Tod seines größten Idols lässt für Leo die neu gefundene Liebe erstmal fast unwichtig werden. Denn mit Prince und dessen Musik sind untrennbar seine eigene musikalische Karriere, die Freunde und Kollegen aus seiner alte Band und nicht zuletzt seine Ex-Frau Stella verbunden. Leo kehrt zurück in seine Heimatstadt Wolfsburg und muss sich dort den Geistern seiner Vergangenheit stellen.
Michel Birbaek lässt seine Hauptfigur aus der Ich-Perspektive erzählen und schafft damit direkt eine persönliche Ebene. Außerdem stellt er eine Episode aus dem Jahr 1988, in der Leo mit seiner Band auf dem Rückweg von einem großartigen Prince-Konzert der legendären Lovesexy-Tour ist, an den Anfang des Romans. Erst dann springt er ins Jahr 2016 und erzeugt damit einen klassischen Spannungsbogen. Der Leser kennt nun schon ein Stück von Leos Vergangenheit und erfährt mehr und mehr von seiner Gegenwart – was aber ist zwischendurch passiert? Warum hat Leo seine Band und Stella verlassen? Die Antworten auf diese Fragen gibt es durch Leos Erinnerungen immer wieder häppchenweise, während sich die Geschichte in der Gegenwart entwickelt. Und natürlich spielt auch die Musik eine wichtige Rolle.
Man mag das Buch kaum aus der Hand legen und begleitet Leo gerne bei seiner teils schmerzlichen, teils absurd komischen Vergangenheitsbewältigung – und nicht zuletzt auf seiner Suche nach dem Glück, das er vielleicht mit Mona finden kann. Und man muss dazu noch nicht einmal ein Prince-Fan sein – wobei sich der Roman mit Insider-Wissen sicher nochmal anders liest. Am Ende ist „Das schönste Mädchen der Welt“ aber einfach eine großartige Geschichte über das Leben, die Liebe und die Musik.
Die Wise Guys sind seit letztem Jahr Geschichte, musikalisch geht es aber für die meisten der Sänger dennoch weiter. Im Gegensatz zu drei seiner Ex-Kollegen, die mit der Gruppe Alte Bekannte a cappella weitermachen, hat sich Eddi Hüneke für eine Neuorientierung entschieden. „Alles auf Anfang“ ist gleichzeitig Titel und Programm seines Solo-Debüts, auf dem er dreizehn abwechslungsreiche und toll instrumentierte deutschsprachige Songs präsentiert.
Das Album startet direkt mit dem Titelsong, der mit seinem rhythmische Piano-Intro sofort gute Laune macht und sicher auch der perfekte Live-Opener ist. Musikalisch ruhiger und mit sanften Gitarrenklängen geht es in „Das könnte euch so passen“ weiter. Inhaltlich stehen auch hier die Zeichen auch Anfang, wobei zunächst die Leere und Dunkelheit vor dem Neubeginn thematisiert werden, während mit „Ich wünsche euch Glück“ der rebellische Aufbruch folgt.
Aber keine Angst: Eddi verarbeitet mit diesem Album nicht nur seine jüngste Vergangenheit, sondern hat auch ein paar andere Themen auf Lager. So ist etwa das von Country-Gitarren begleitete „Daumenpause“ eine ironisch pointierte Abrechnung mit notorischen Smartphone-Abhängigen, und „Kein Bock auf Tanzen“ erzählt humorvoll von den Nöten eines Mannes, der von der Freundin mal wieder in den Club geschleppt wird – Big Band Sound inklusive. Politisch und sozialkritisch wird es schließlich mit „Mach das Maul auf“ und „Freiheit“.
Stilistisch lassen sich die neuen Songs in keine Schublade packen – so wie schon mit den Wise Guys bewegt sich Eddi auch weiterhin fröhlich durch verschiedenste Genres. Meistens passt sich die Musik dabei dem Text an. So verbreitet das verträumte „Sansibar“ entspanntes Urlaubs-Feeling, das von der Erfüllung eines Lebenstraumes erzählende „Flüstern“ ist eine rockige Punk-Hymne zum Mitgröhlen, und das ziemlich philosophische „Startschuss“ wird von ambitioniertem Jazz-Piano begleitet. „Lust auf dich“ kommt als brave Songwriter-Ballade daher und überzeugt mit einer nicht komplett unerwarteten, aber treffenden Wendung – hier ist die Handschrift von Mit-Texter Bodo Wartke unverkennbar.
Auch wenn ich Eddi Hüneke bei den Wise Guys bereits als großartigen Sänger und talentierten Songwriter kennengelernt habe, hat er mich mit „Alles Auf Anfang“ äußerst positiv überrascht, indem er ein solch musikalisches und thematisches Feuerwerk entfacht. Wenn dieses Debüt wegweisend ist, dann dürfen wir uns wahrlich noch auf viele tolle Songs von ihm freuen!
Normalerweise finden Musical-Premieren in Großstädten wie Hamburg oder Berlin statt. An diesem Wochenende bietet jedoch Hermeskeil, eine kleine Stadt im Hochwald, die Bühne für die Weltpremiere des Rockmusicals „Serpentina“. Schuld daran ist der Hermeskeiler Autor und Musiker Matthias Leo Webel, der die Texte und Songs des Musicals geschrieben hat und das Projekt nun mit Sängern, Schauspielern und Tänzern aus der Region verwirklicht hat.
„Serpentina“ basiert auf der fantastischen Erzählung „Der goldenen Topf“ von E.T.A. Hoffmann und erzählt die Geschichte des jungen Studenten und Künstlers Anselmus, der unter den Einfluss geheimnisvoller Wesen gerät und sich infolgedessen zunehmend zwischen Poesie und Wahnsinn bewegt. Auch für die Zuschauer verschwimmen im Laufe der Geschichte immer wieder die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Das beginnt schon mit dem Intro, in dem das Ensemble tanzend märchenhafte Geschehnisse rund um einen goldenen Topf darstellt, während Anselmus schlafend im Vordergrund liegt.
Das Bühnenbild wird von einer Treppe im Hintergrund dominiert, verdeckt von einer grünen Wand, bemalt mit zur Geschichte passendenden Illustrationen von Sarah Thomsen. Mit einfachen Requisiten wird diese Grundszenerie in die verschiedenen Schauplätze verwandelt. Eine tolle Lichttechnik sorgt zusätzlich für Atmosphäre. Einfach aber effektvoll auch die Kostüme der Ensemblemitglieder, die sich mit wenigen Accessoires mal in Festbesucher, mal in phantastische Wesen aus Atlantis verwandeln und mit Tanzeinlagen für die richtige Musicalstimmung sorgen.
Getragen wird „Serpentina“ aber hauptsächlich von seinen starken Hauptdarstellern, die sowohl schauspielerisch als auch gesanglich überzeugen, allen voran Philipp Groetzner als Anselmus. Großartig auch Manuel Lothschütz als Archivarius Lindhorst, der Anselmus zur Vertonung seiner Werke anstellt und in dessen Schlangentochter Serpentina – unschuldig und verführerisch zugleich verkörpert von Selina Dohr – sich der junge Student unsterblich verliebt. Nicole Kirch spielt die alte Runkel-Lise, die Anselmus am Anfang der Geschichte mit einem Fluch belegt und sich als Gegenspielerin zu Lindhorst herausstellt, und punktet mit ihrem unglaublich rockigen Gesang und einer beeindruckenden Performance.
Auch die Vertreter der äußerst bürgerlichen Realität sind gut besetzt: Michael Schmittberger mimt den Konrektor Paulmann, der Anselmus die Anstellung bei Lindhorst verschafft, um ihn auf die rechte Bahn zu bringen. Unterstützt wird er dabei von Herrbrand (Gunter Berthold), der es aber eigentlich nur auf Paulmanns schöne Tochter Veronika (Kimberley Schummer) abgesehen hat. Diese wiederum ist in Anselmus verliebt und lässt sich auf die Magie der Runkel-Lise ein, um ihn für sich zu gewinnen. Und schließlich ist da noch Lisa Vandrey als Dienstmädchen Angelika, die Veronika zur Seite steht und zwischendurch die bürgerliche Idylle ironisch kommentiert.
Musikalisch wird Rockmusik unterschiedlichster Art geboten, passend zu den verschiedene Charakteren. Anselmus‘ Soli sind kraftvoll und mitreißend, in den Szenen mit Serpentina dominieren dagegen sehnsüchtige Balladen. Bei Lindhorsts Auftritten wird es leicht psychedelisch, bei der Runkel-Lise düster und hart. Wenn die feine Gesellschaft feiert, oder Veronika sich die perfekte Ehe erträumt, werden selbst Schlager-Motive zitiert. Im Finale vermischen sich dann noch einmal Poesie, Wahnsinn und Realität und die verschiedenen musikalischen Motive werden erneut aufgegriffen. Am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, den Ausgang der Geschichte für sich zu interpretieren.
Mit „Serpentina“ haben Webel und sein Team ein ungewöhnliches, sehr komplexes, aber faszinierendes Musical geschaffen und präsentieren es für ein Laien-Ensemble auf recht professionellem Niveau. Wer das Stück selbst erleben will, hat heute – am 22. April 2018 – um 20 Uhr in der Hochwaldhalle Hermeskeil noch einmal die Möglichkeit dazu.
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Seit über 40 Jahren macht der Pianist, Komponist und Pädagoge Reinhard Horn schon Musik, am liebsten mit und für Kinder. Mit seinem neuesten Album „Krabbellieder für Krabbelkinder“ hat er nun die ganz Kleinen im Blick – schließlich sind Musik, Spiel und Bewegung schon in den ersten Lebensjahren ungemein wichtig für alle Kinder.
Die 16 Lieder sind eingängig komponiert, ansprechend arrangiert und orientieren sich inhaltlich an der Erfahrungswelt der 0-4 Jährigen. Da wird etwa der eigene Körper entdeckt mit „Meine klitzekleinen Finger“ und „Kennst du das schöne Spiel von Tippen“ oder mit „Rolle, rolle kleiner Ball“ ein Lieblingsspielzeug besungen. Auch zahlreiche Tiere, wie „Die klitzekleine Krabbelmaus“, „Die Schnecke Huckepack“ oder „Käfer Paul“ dürfen mitspielen. Thematisch sehr schön ist auch „Was ich gerne mag“, in dem die besondere Bedeutung so einfacher Dinge wie ein Haus, ein Bett, liebe Menschen, Musik und Glück für Kinder deutlich wird.
Allerdings ist das Album an sich nur bedingt für den Einsatz in der Praxis geeignet, ob nun zuhause oder im Kindergarten. Man kann die CD gemeinsam anhören und die Kinder werden bestimmt Freude an der Musik haben. Um jedoch dazu zu singen oder gar die passenden Bewegungen zu machen, sind die Lieder zu schnell und die Arrangements fast schon zu überladen. Für musikalisch Begabte könnte das gleichnamige Begleitheft zur CD mit allen Texten und Noten hier weiterhelfen.
Die meisten Lieder haben meiner Ansicht nach aber auch zu viele Strophen, die Kinder in der angesprochenen Altersgruppe noch überfordern. Direkt umsetzbar sind eigentlich nur das kurze Fingerspiel die „Daumenfrau heißt Evelyn“, „Meine Hände klatschen“ mit seinem sich wiederholenden einfachen Schema, und für die nicht mehr nur krabbelnden Kinder das Bewegungslied „Der Hampelmann“. Schön einfach ist auch „Piep, piep, piep“, aber leider zu offensichtlich nach dem Prinzip – Hauptsache, es reimt sich – gestrickt.
„Krabbellieder für Krabbelkinder“ kann also durchaus Anregungen für die musikalische Früherziehung mit den Jüngsten bieten – es reicht aber nicht, das Album einfach nur in den CD-Player zu legen!
Bereits ihre Mathematik gab es in bunt und schwarz-weiß. Dieses Konzept setzt die Hamburger Liedermacherin Anna Depenbusch nun konsequent fort, indem sie auch ihr aktuelles Album „Das Alphabet der Anna Depenbusch“ als schwarz-weiße Soloversion am Klavier veröffentlicht.
Während die „bunte“ Version durch vielfältige Instrumentierung besticht und gewissermaßen in allen Farben strahlt, reduziert Anna ihre Songs für das schwarz-weiße Album auf das Wesentliche – nur ihre Stimme und ihr Klavierspiel. Und statt zu strahlen, funkeln die Lieder plötzlich geheimnisvoll und entwickeln eine neue Dynamik. Die überschwängliche Hymne „Fürimmersekunde“ wird zur poetischen Liebeserklärung, die Melancholie von „Du und die Nacht“ verdichtet sich zu beinahe schmerzhafter Eindringlichkeit und die Aufbruchsstimmung von „Alles über Bord“ wird mit spielerischer Leichtigkeit vermittelt.
Alleine mit Klavierbegleitung entfalte Annas Gesang noch mehr Lebendigkeit und Gefühl, und die Geschichten, die sie in ihren Liedern erzählt, stehen noch deutlicher im Vordergrund. So swingt ihr „Alphabet“ in schwarz-weiß nicht ganz so wie mit Big-Band-Begleitung, wird aber um so nachdrücklicher buchstabiert. Und „Frauen wie Sterne“ braucht hier kein Akkordeon, um den Charme eines alten Chansons zu verbreiten.
Zwischen die Lieder des jüngsten Albums haben sich auch noch zwei ältere Titel gemogelt: „Engel“ von Annas Debüt „Ins Gesicht“ und „Was wäre wenn“ vom Album „Sommer aus Papier“. Und auch ihnen steht die schwarz-weiße Interpretation äußerst gut. Außerdem ergänzen drei Instrumentalstücke das schwarz-weiße Repertoire. „Im Foyer“ stimmt uns zu Beginn ruhig ein, zwischendurch funkelt das Klavier bei „Neumond“, und „Haus 03“ bildet einen runden, sanften Abschluss.
„Mir gefällt der Wechsel von Farbe und Schwarz-Weiß“ – so einfach begründet Anna Depenbusch selbst ihre Strategie, ihre Alben in verschiedenen Versionen zu veröffentlichen. Und sie beherrscht diesen Wechsel auch und überzeugt mit Band und musikalischen Gästen ebenso wie solo am Klavier. Wer sich davon live überzeugen will, kann sie ab Mitte März auf ihrer Solo-Tour durch Deutschland erleben – Termine unter www.annadepenbusch.de
Der Durchschnittsbürger ist mit 70 meist schon ein paar Jahre in Rente – manche Musiker geben dagegen mit 70 nochmal richtig Gas. So hat Konstantin Wecker zu diesem runden Geburtstag nicht nur ein Jubiläumsalbum und eine Biographie veröffentlicht, sondern das besondere Ereignis auch gleich mit mehreren Konzerten im Münchner Circus Krone gefeiert. Wer nicht selbst dabei sein konnte, kann sich nun über die DVD Box „Poesie und Widerstand – live“ freuen. Und diese hat es in sich: Auf zwei DVDs mit insgesamt fast vier Stunden Laufzeit ist das gesamte Jubiläumskonzert (als Zusammenschnitt der besten Aufnahmen von drei Konzertabenden) enthalten, eine dritte DVD bietet ausführliches Bonusmaterial mit weiteren musikalischen Geburtstagsgeschenken, verschiedenen Interviews und einem Making Of.
Wie schon auf dem gleichnamigen Album gibt der Münchner Liedermacher mit dem Konzertprogramm „Poesie und Widerstand“ gewissermaßen einem Überblick über sein musikalisches Schaffen. So folgen nach dem fulminanten Opener „Leben im Leben“ Titel wie „Ich singe, weil ich ein Lied hab“, „Der alte Kaiser“ oder „Liebesdank“ – alle schon viele Jahre alt und dennoch zeitlos bedeutsam. Zwischendurch erlaubt sich Wecker einige Gedichte, wird mit „Der Krieg“ und „Was keiner wagt“ auch immer wieder sehr kritisch und politisch und lässt seinen musikalischen Widerstand im ganz aktuellen Song „Den Parolen keine Chance“ gipfeln. Und er erzählt viel – zur Entstehung seiner Lieder, von seiner Familie, der er natürlich auch einige Stücke widmet, und immer wieder von seinen Überzeugungen und Träumen.
Begleitet wird Wecker von einer großartigen fünfköpfigen Band unter der Leitung seines langjährigen Weggefährten Jo Barnikel. Da einige der Musiker mehrere Instrumente beherrschen, sind die Arrangements äußerst abwechslungsreich – mal dominieren E-Gitarre, Keyboard und Schlagzeug, dann wieder wird’s mit Cello, Bratsche und Violine fast klassisch. Und zwischendurch singt Wecker auch mal nur zur eigenen unverkennbaren Pianobegleitung.
Zum zweiten Teil des Konzertes hat der Liedermacher sich dann einige Gäste eingeladen. Zunächst füllt das Kammerorchester der bayrischen Philharmonie die Bühne und lässt Titel wie „Empört euch“, „Weltenbrand oder „Ich habe einen Traum“ zu einem neuen, äußerst eindrücklichen Klangerlebnis werden. Zum italienischen Abend wird das Konzert schließlich mit den befreundeten Sängern Pippo Pollina und Dominik Plangger, die mit Wecker gemeinsam unter anderem „Questa Nueva Realtà“ , „Caruso“ und „Buonanotte Fiorellino“ interpretieren. Beim Klassiker „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ sitzt der Jubilar dann wieder alleine am Flügel, lässt bei „Gracias a la Vida“ auch mal die Band ihre sängerischen Qualitäten ausleben und beschließt das Konzert schließlich mit dem schlichten Gedicht „Jeder Augenblick ist ewig“.
Mit seinen Jubiläumskonzerten hat Konstantin Wecker sich selbst und seinen Fans ein wunderbares Geschenk zum 70. Geburtstag gemacht. Auf dieser DVD-Box eingefangen kann dieses Geschenk nun noch mehr Menschen erfreuen.
Ende 2016 erschien Katie Meluas Album „In Winter“, das sie gemeinsam mit dem Gori Women’s Choir aus Georgien aufgenommen hatte und mit dem sie anschließend erfolgreich durch Europa tourte. Ein Jahr später gibt es passend zum nächsten Winter nun eine Special Edition mit zusätzlichen Live-Aufnahmen von einem Konzert im Berliner Admiralspalast.
Die 10 Originalsongs von „In Winter“ sind teils Eigenkompositionen, teils traditionelle Stücke aus dem osteuropäischen Raum. Letztere haben einen besonderen Reiz, da sie größtenteils durch den Frauenchor interpretiert werden und Katie Melua nur stellenweise als Solistin oder begleitend an der Gitarre in Erscheinung tritt. Allerdings sind die Harmonien und Rhythmen für westeuropäische Ohren eher ungewohnt, so dass man sich in Titel wie das ukrainische „The Little Swallow“ oder den rumänischen „Cradle Song“ erstmal einhören muss. Die Eigenkompositionen wie „River”, „A Time To Buy” oder „Dreams on Fire” sind alle ziemlich ruhig und melancholisch, mehr noch, als man es von Katie Melua ohnehin gewohnt ist. Den Abschluss des Albums macht das englische Traditional „Holy Night“ in einer ganz eigenen und sehr stimmungsvollen Interpretation.
Auf der Live-CD finden sich 17 Titel und ein Bonustrack. Alle 10 Stücke des Originalalbums „In Winter“ sind in Live-Versionen zu hören, außerdem einige von Katie Meluas eigenen Hits und wunderbaren Coverversionen. „Belfast“ ist mit dabei, „Nine Million Bicycles“ und „I Cried for You“. Leider singt der Frauenchor nur bei „Closest Thing To Crazy“ mit – hier hätte ich mir ein wenig mehr Beteiligung gewünscht, gerne z.B. in „Bridge Over Troubled Water“. Ansonsten gibt diese CD aber gut die Stimmung eines sehr atmosphärischen winterlichen Konzertes wieder, durch das Katie Melua mit ihrem warmen Gesang und die georgischen Frauen mit ihrem schönen Chorklang tragen. Eine wunderbaren Abschluss macht der Bonustrack „Fields of Gold“.
Für die hoffentlich auch vorhandenen besinnlichen Stunden der Adventszeit, zwischen den Feiertagen und im neuen Jahr bietet diese Special Edition von „In Winter“ auf jeden Fall den passenden Soundtrack.
Gegen Ende des Jahres bringen Künstler gerne ihr zuletzt veröffentlichtes Album mit ein paar Bonustracks nochmal neu auf den Markt, um im Weihnachtsgeschäft mitmischen zu können. Auch Michael Patrick Kelly nutzt diesen Trick – allerdings hat seine Extended Version von „ID“ ihren Namen mehr als verdient. Denn hier gibt es als Bonus gleich eine zweite CD dazu, mit 6 brandneuen Titeln und einer tollen Akustikversion.
So wie schon das Original-Album mit vielseitigen Songs voller positiver Energie überzeugt, so geht es auch auf der Bonus-CD weiter. Der Opener „Bigger Life“ packt einen direkt mit seinem eingängigen Intro und verbreitet darüber hinaus eine wunderbar optimistische Botschaft. Ebenso hoffnungs- und kraftvoll ist das folgende „Et Voilá“, bei dem vor allem der Refrain gleich ins Ohr geht. Etwas ruhiger und melancholischer wird es dann mit der Gitarrenballade „Roundabouts“. „Talk To Me“ ist ein rhythmischer und eindringlicher Appell, miteinander zu reden, auch wenn es mal schwierig wird, und „Awake“ erzählt die Geschichte einer verlorenen Kindheit – aber mit der Hoffnung, das innere Kind wieder aufwecken zu können. Das ziemlich düstere „Closer“ ist der einzige Titel, der mich musikalisch nicht so recht überzeugt, dafür punktet dann aber die Akustik-Version von „Shake Away“ mit seiner sparsamen und gefühlvollen Instrumentierung mit Piano, Gitarre und ein paar dahingezupften Mandolinenklängen.
Michael Patrick Kelly beweist erneut sein Songwriter-Talent und liefert neue Stücke, die fast alle das Zeug zum Hit haben. So lohnt sich diese Extended-Version auch für die Fans, die „ID“ schon im Regal stehen haben. Und wer ein Weihnachtsgeschenk für die kleine Schwester sucht, die früherden Paddy-Kelly- Starschnitt im Zimmer hängen hatte, ist hier bestimmt auch gut bedient!
Mit dem norwegischen Frauen-Quartetts Katzenjammer hat Sol Heilo schon große musikalische Erfolge gefeiert. Die Sängerin, Songwriterin und Multi-Instrumentalistin hatte auch eigentlich gar nicht vor, eine Solo-Karriere zu starten. Aber mitten im Tour-Trubel mit Katzenjammer begann sie irgendwann, ihre eigenen Song zu schreiben – und so ist schließlich ihr Solo-Debüt „Skinhorse Playground“ entstanden.
Vom energiegeladen Folk ihrer Band ist dabei nicht viel übriggeblieben. Sol geht alleine deutlich mehr in Richtung Pop und ist auch in ihren Arrangements etwas zurückhaltender, wenn auch immer noch recht verspielt. Und sie lässt viel Raum für ruhige Töne und erschafft mit Titeln wie „I Can´t Sleep“ oder „The Dream Escapers“ oft eine eindringliche und melancholische Atmosphäre.
Der Albumtitel bezieht sich auf ein imaginäres Land, in dem sich die Sängerin seit ihrer Kindheit immer wieder in ihren Träumen bewegt. Die einzelnen Songs beschäftigen sich aber durchaus auch mit ganz realen Orten. Im Opener „America“ rechnet Sol mit der glitzernden Scheinwelt der vereinigten Staaten ab, und „When My Country Died“ drückt große Sorge um ihr Heimatland aus. Eines der schönsten Stücke des Albums ist eindeutig die wunderbare Gitarrenballade „London Is Trouble“, in der ein Menge Heimweh mitschwingt, vor allem in der Schlusszeile „And I can´t feel the snow fall on my skin.“
Zwischendurch geht es auch mal schwungvoll zu, etwa mit „Killing Karma“, ein rhythmischer Popsong, der das Zeug zum Chart-Hit hat, aber fast ein wenig zu beliebig wirkt. Dafür hat das zarte „Walk A Little Further“ seinen ganz eigenen Zauber mit seinem hymnischen Refrain und dem ausgedehnten instrumentalen Schlussteil. Dieser geht dann fast unmerklich über in den „Happy Song“, eine kleine Country-Perle zum Abschluss des Albums.
Sol Heilo bedient mit „Skinhorse Playground“ nicht unbedingt die Katzenjammer-Fans, dafür bietet sie soliden skandinavischen Pop mit spannenden Texten und viel Charme. Man darf durchaus gespannt sein, wohin ihre musikalischen Wege die Norwegerin in Zukunft noch führen werden.
Wer in den letzten Jahren beruflich oder privat mit jüngeren Kindern zu tun hatte, hat bestimmt schon mal eine CD aus der Reihe „Die 30 Besten“ in der Hand, bzw. im CD-Player gehabt. Schließlich hat sich aus dem 2010 veröffentlichten ersten Album „Die 30 besten Spiel- und Bewegungslieder“ schnell eine der erfolgreichsten Kinderliederserien im deutschsprachigen Raum entwickelt. Inzwischen wurde von Partyliedern über Mutmachlieder und Märchenlieder bis zu Schlafliedern fast jeder erdenkliche Lebensbereich von den 30 Besten abgedeckt. Anfang 2018 soll nun mit „Die besten Kindergartenlieder 2“ die 30. Veröffentlichung erscheinen – Grund genug für eine Sonderausgabe, die das Best-Of Prinzip auf die Spitze treibt.
Für „Die besten Kinderlieder aus der Serie Die 30 Besten“ wurde von allen bisherigen Alben (inklusive des demnächst erscheinenden) jeweils ein Lied ausgewählt, so dass eine sehr bunte Mischung von 30 Kinderliedern quer durch alle Jahreszeiten und Lebensbereiche entstanden ist. Mit dabei sind unschlagbare Klassiker wie „Aramsamsam“ , „Wie schön, dass du geboren bist“, „Theo (Der Bananenbrot-Song)“ oder „Die Affen rasen durch den Wald“. Es gibt aber auch einige Songs, die extra für die Serie komponiert wurden wie „Das Wochentagelied“, oder“ Ade, du schöne Kindergartenzeit“.
Partystimmung ist angesagt mit „Tschu Tschu Wa“ und „So ein schöner Tag (Fliegerlied)“, ruhig und besinnlich wird es dagegen mit „Vergiss es nie“, „Ich schenk dir einen Regenbogen“ und „La-Le-Lu“. Spaß machen auch über Generationen überlieferte Spiellieder wie „Händewaschen“, „Teddy Teddybär dreh dich“ um oder „Töff, Töff, töff, die Eisenbahn“, wobei diese natürlich in vielen Familien oder Kindergärten ganz unterschiedlich gesungen werden.
Interpretiert werden alle Lieder von Simone Sommerland, Karsten Glück und dem Kinderchor Die KiTa-Frösche. Ihren angenehmen Stimmen kann man gut zuhören und auch die Arrangements sind einfach und kindgerecht, ohne allzu langweilig zu werden. Nur zum Mitsingen eigenen sich viele Lieder nur bedingt, weil das Tempo für jünger Sänger oft zu schnell ist. Außerdem sind leider im Booklet die Texte nicht enthalten, dafür gibt es eine ausführliche Übersicht über alle Alben der Reihe mit sämtlichen Titeln.
Diese Sonderausgabe ist ein spannendes Kinderliederalbum und gute Werbung für die Serie „Die 30 Besten“. Auch ich liebäugele schon mit der ein oder anderen CD aus der Reihe , habe aber auch noch eine Anregung für die Zukunft: Da es bereits „Die 30 besten Lieder für Mädchen“ gibt, sollten im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit dringend „Die 30 besten Lieder für Jungen“ folgen!
Sind seit Pinks letztem Album wirklich schon fünf Jahre vergangen? Mir kam die Zeit nicht so lang vor, vielleicht weil sie in der Zwischenzeit immer mal wieder ein Single veröffentlicht hat und weil auch ihre älteren Songs ständig im Radio laufen. Trotzdem freue ich mich natürlich riesig, dass die Königin des Pop-Rock mit „Beautiful Trauma“ endlich wieder ein neues Album am Start hat.
Pink hat für ihr neues Werk mit einer Menge verschiedener Songwriter gearbeitet. Entsprechende vielseitig ist das Album geworden, dennoch ist die eigene Handschrift der Sängerin immer erkennbar, und vor allem inhaltlich wirken die Songs absolut authentisch. Pink singt über ihre eigenen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle, und sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund – weshalb ihre Alben auch regelmäßig mit dem Hinweis „parental advisory – explict content“ versehen sind.
Vom titelgebenden Opener „Beautiful Trauma“ bis zur versöhnlichen Abschlussballade „You Get My Love“ kreisen die meisten Stücke um eine aufreibende, aber intensive Beziehung. Man darf wohl zu Recht vermuten, dass Pink hier ihre ziemlich spannende Ehe mit Carey Hart verarbeitet. Aber zwischendurch wird es durchaus vielschichtiger. Die Single „What About Us“ beispielsweise schien für mich zunächst auch eine Auseinandersetzung zwischen Liebespartnern zu beschreiben. Beim näheren Hinhören könnte der Song aber auch die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern meinen. Und als ich dann das Video dazu sah, bekam der Titel plötzlich eine gesellschaftliche, politische, ja sogar religiöse Dimension.
Ebenfalls etwas aus der Reihe tanzt „Revenge“ mit seinem ironischen Unterton und Eminem als Co-Autor und Duettpartner, der hier tatsächlich mehr singt als rappt! Zu meine Favoriten gehören außerdem „Barbies“, ein ruhiges Gitarrenstück über die Schwierigkeiten des Erwachsenseins und die Sehnsucht nach unbeschwerten Kindheitstagen, und die selbstbewusste, von einem Gospelchor begleitete Hymne „I Am Here“ mit ihrem mitreißenden Zwischenteil. Wunderbar ist aber auch der eindringliche Anfang der Pianoballade „Wild Hearts Can´t Be Broken“. Nur mit dem eher eintönigen Disco-Track „Secrets“ kann ich mich nicht wirklich anfreunden.
Abgesehen von dieser kleinen Ausnahme ist „Beautiful Trauma“ ein durchgehend großartiges und abwechslungsreiches Album, das bei jedem neuen Durchgang noch gewinnt.
So wie jedes Jahr kurz nach den Sommerferien schon die ersten Lebkuchen in den Supermarkt-Regalen stehen, so erscheinen auch alle Jahre wieder spätestens im Oktober die neuen Weihnachtsalben. Bei mir verbreitet diesmal die Mittelalter-Folk-Band Blackmore´s Night als erste vorgezogene Festtagsstimmung mit einer neuen Version ihres bereits 2006 erschienenen Albums „Winter Carols“ – sozusagen alte Lebkuchen mit neuem Zuckerguss.
Der Zuckerguss fällt immerhin reichlich aus und besteht aus drei neuen Songs und einer zusätzlichen Bonus-CD. Die neuen Stücke sind gleich am Anfang des Albums zu finden und ergänzen passend das Repertoire aus traditionellen, im typischen Blackmore´s Night Sound interpretierten Weihnachtsliedern. „Deck The Halls“ beginnt mit einem einfachen Flötensolo, bevor weitere Bläser einsteigen und festliche Atmosphäre verbreiten.
Der englische Klassiker „God Rest Ye Merry Gentlemen“ wird mit einem stimmungsvollen Gitarrenintro von Richie Blackmore eingeleitet und von Candice Night als eher ruhige Ballade präsentiert, bevor ein etwas schwungvollerer Instrumentalteil folgt. Der dritte neue Titel „Oh Christmas Tree“ ist mir persönlich zu kitschig – allerdings gehörte das deutsche Pendant „O Tannenbaum“ auch nie zu meinem Weihnachts-Favoriten.
Die Bonus-CD enthält 5 Titel des Albums als Live-Mitschnitte eines Konzerts in Minstrel Hall. Diese unterscheiden sich nicht wesentlich von den Albumversionen, wirken teilweise aber live noch stimmungsvoller. Besonders gut gefallen mir hier „We Three Kings“ und „Good King Wenceslas“. Als eher missglückte Experimente muss ich aber leider die diversen Singleversionen von „Chrismas Eve“ aus dem Jahre 2013 bezeichnen. Der gewollt moderne Rhythmus und die seltsamen Percussion Fill-Ins nehmen der ursprünglich gelungenen Eigenkomposition viel von ihrem Charme.
Ziemlich daneben ist auch die Version mit deutschem Text. Die sehr unverständliche Aussprache mag man Candice ja noch verzeihen, aber was haben sich die Übersetzer bloß bei Sätzen wie „als das Rentier fliegt vorbei“ gedacht? Aber gut – an langweiligen Feiertagen haben diese Titel immerhin einen gewissen Unterhaltungswert.
Wer die Musik von Blackmore´s Night mag und die „Winter Carols“ noch nicht im Regal stehen hat, ist mit dieser neuen Edition gut bedient. Ansonsten ist sie nur was für Hardcore- Fans mit Vollständigkeitsanspruch.
Bei seiner Arbeit als Moderator und Musikredakteur bei SWR1 hatte Günther Schneidewind Gelegenheit mit zahlreichen Songwritern und Musikern zu sprechen. Einiges von dem, was er dabei erfahren hat, ist bereits in seinem ersten Buch „Der große Schneidewind – Rock- und Popgeschichten“ zu lesen. Nun plaudert er im Nachfolger „Hits & Storys“ erneut aus dem Nähkästchen und lässt den Leser an seinem umfangreichen Hintergrundwissen zu bekannten Songs und ihrer Entstehung teilhaben.
Das Buch ist in Kapitel eingeteilt, die alphabetisch sortiert jeweils einer Begegnung mit einem Künstler zugeordnet sind – von Mike Batt über Gloria Gaynor bis Bill Wymann. Mit Chris de Burgh plauderte Schneidewind 2016 in Mannheim vor einem SWR1-Studiokonzert über sein damals aktuelles Album „Storyman“, Peter Maffay traf er 2015 auf dessen Anwesen in Tutzing zu Veröffentlichung des Tabaluga-Albums „Es lebe die Freundschaft“ , und mit Kim Wilde unterhielt er sich 2007 über ihr Comeback in Deutschland, aber auch über ihre alten Hits wie „Kids in America“ und „You Keep Me Hangin´ On“.
Günther Schneidewind hat aber nicht nur die Interpreten bekannter Titel interviewt, sondern oft auch die weniger bekannten Songwriter, wie etwas Mike Chapman, der mit seinem Partner Nicky Chinn für zahlreiche Disco-Hits der 70er verantwortlich ist, oder Albert Hammond, der unter anderem die Hymne „One Moment in Time“ schrieb – und der sich dabei eigentlich einen Sänger wie Elvis als Interpreten vorstellte.
Abschließend gibt es noch ein Kapitel mit sogenannten Miniaturen – kleine Hintergrundgeschichten zu bestimmten Songs, nach denen Günther Schneidewind immer wieder von seinen Hörern gefragt wurde, und die er ursprünglich für die SWR 1-Serie Hits & Stories recherchiert hat. Als zusätzlichen Bonus für alle, denen das geschriebene Wort nicht ausreicht, enthält das Buch einen QR-Code mit exklusivem Zugang zu 13 Interview-Ausschnitten.
Außerdem gibt es ein umfangreiches Register, in dem alle erwähnten Musiker, Bands und Songtitel mit den entsprechenden Seitenzahlen aufgeführt werden. Wer also gezielt nach einem Künstler oder einem Lieblingssong sucht, wird hier schnell fündig.
Alles in allem ist „Der große Schneidewind – Hits & Stories“ wieder eine Schatzkiste für alle Musikliebhaber, die einfach ein bisschen mehr über die Songs wissen wollen, die uns täglich im Radio oder auf CD begleiten.
Im deutschsprachigen Raum spricht man heutzutage fast nur noch von Songwritern. Da könnte man meinen, der Beruf des Liedermachers sei ausgestorben, aber hin und wieder findet man doch noch welche – und zwar nicht nur Altgediente wie Reinhard Mey oder Konstantin Wecker, sondern auch Neuzugänge wie beispielsweise Fee Badenius. Auf diese junge Künstlerin passt die Bezeichnung Liedermacherin tatsächlich besser als das englische Pendant, vor allem, weil sie so schön mit der deutschen Sprache spielt.
Das fängt schon bei den Titeln ihrer Alben an: „Feemansgarn“, „Feelosophie“ und „Feederleicht“ heißen die Kunstwerke, die Fee Badenius seit 2012 bereits veröffentlicht hat, und auf denen sie humorvoll und tiefgründig über alles singt, was ihr Leben so ausmacht. Das können ganz banale Dinge sein wie eine Tomate, ihr verrückter Kater oder ihre momentane Heimatstadt Witten, über die sich die Sängerin so ihre Gedanken macht. Oft genug sind es aber wirklich philosophische Fragen, mit denen sich Fee etwa in „Leben“ oder „Was übrig bleibt“ beschäftigt. All das verpackt sie dann in feine, eingängige aber niemals langweilige Melodien und arrangiert es behutsam mit Gitarre, Piano, Akkordeon, Kontrabass und Percussion.
Natürlich singt Fee Badenius auch von der Liebe, findet dann aber ganz neue Worte und Bilder. So wird der Typ, der ihre Zuneigung einfach nicht erwidern will, zum „Gemüsemann“ mit Tomaten auf den Augen und Bohnen in den Ohren. Für die nächste große Liebe baut sie deshalb lieber ein „Nest“ und lädt freundlich ein, sich darin niederzulassen. Und wenn es dann doch vorbei ist mit den großen Gefühlen, fragt sie sich: „Was hab ich nur geliebt an deinem Gesicht“. Mein persönliches Lieblingslied in dieser Kategorie ist allerdings „Mein Kind“, ein Liebeslied an ihr bisher noch ungezeugtes Kind, mit dem Fee allerdings auch jeder Mutter aus der Seele spricht.
Besonders überzeugend wird die Sängerin dann, wenn sie der Gesellschaft hintergründig den Spiegel vorhält, wie sie es vor allem auf ihrer aktuellsten CD „Feederleicht“ gerne tut. In „Fleischesslust“ singt sie von den moralischen Sorgen einer Möchtegern-Vegetarierin und beklagt in „Körperformen“ den allgegenwertigen Schlankheitswahn. Während man darüber noch schmunzeln kann, lassen einen Lieder wie „Not“ oder „Durchreise“ zutiefst nachdenklich zurück.
Fee Badenius balanciert mit ihrer Musik gekonnt zwischen Leichtigkeit und Melancholie, und berührt ihre Zuhörer sowohl emotional als auch intellektuell. Ihre Alben sind allesamt nur zu empfehlen, und wer die Liedermacherin live erleben will, hat dazu im Oktober noch Gelegenheit – Termine und weiter Infos gibt es unter www.feebadenius.de.
Nach seinen musikalischen Ausflügen nach Paris und zum Broadway ist Götz Alsmann nun also in Rom angekommen. Im abschließenden Album seiner Städte-Trilogie Götz Alsmann in Rom widmet sich der Meister des Jazzschlagers der italienischen Unterhaltungsmusik und drückt 18 Klassikern aus den 50er und 60er Jahren seinen unverwechselbaren Stempel auf.
Natürlich wurde auch diesmal im passenden Ambiente aufgenommen und produziert: Im renommierten Studio Forum Music Village mitten in Rom. Und wieder präsentiert uns der Entertainer ausschließlich deutschsprachige Versionen der bekannten Songs. Viele davon, wie etwa „Quando quando quando“, „Azzuro“ oder „Ciao, ciao bambina“ sind dem deutschen Publikum bereits aus den Entstehungszeit der jeweiligen Titel vertraut und gehören hierzulande schon zum festen Schlagerrepertoire. Für einige Stücke hat Götz Alsmann aber selbst einen neuen deutschen Text geschrieben. So wurde aus Marina Marinis „La più bella del mondo“ „Die Schönste der Erde“ und „Non sei felice“ wurde zu „Du bist nicht glücklich“.
Musikalisch verwandelten Götz und seine Band die Schlager natürlich wieder in kleine Jazzperlen, wobei Xylophon, Marimba und Vibraphon auffällig oft glänzen dürfen. Mal wird die Stimmung des Originals übernommen, wie beim sehnsüchtigen „Schau dir den Mond an“ oder beim lebensfrohen „Volare“. Aber natürlich kommt auch die alsmannsche augenzwinkernde Ironie mit ins Spiel, wenn er den Klassiker „Marina“ als temporeiche und rhythmisch anspruchsvolle Instrumentalversion präsentiert oder dem „Caprifischer“ schwungvoll den Kitsch austreibt. Persönlich habe ich mich besonders über das leichtfüßige „Carina“ gefreut, das mir vor vielen Jahren in einer Interpretation der A-cappella-Gruppe 6-Zylinder erstmal begegnet ist. Mit dem getragenen Abschiedslied „Arrivederci Roma!“ klingt das Album dann passend und stilvoll aus.
„Götz Alsmann in Rom“ ist ein gelungener Abschluss dieser besonderen musikalischen Reise und wird seine zahlreichen Fans sicher begeistern. Und eigentlich ließe sich das Konzept doch auch noch auf einige andere Städte erweitern, oder Herr Alsmann?
Ihre musikalische Karriere startete Kari Rueslåtten als Gründungsmitglied von The 3rd And The Mortal, eine der ersten Metal-Bands mit weiblichem Lead-Gesang. Seit 20 Jahren ist die norwegische Sängerin und Songwriterin aber nun schon als Solo-Künstlerin erfolgreich und veröffentlicht aktuell ihr siebtes Studioalbum „Silence Is The Only Sound“.
Karis Musik ist geprägt von nordischer Melancholie und inspiriert von der Schönheit und Einsamkeit ihrer norwegischen Heimat. Was ihre Songs aber unverwechselbar macht, ist ihre außergewöhnliche Stimme, ein klarer, beinahe klassischer und dennoch warmer Sopran, mit dem sie jedem Lied besonderes Gefühl und Tiefe verleiht. Und so braucht es auch nicht viel Drumherum, um diesen Gesang zur Geltung zu bringen. Gitarre, ein paar Keyboard-Akkorde und sparsame Percussion genügen bei den meisten Titeln, und ab und zu setzt noch ein Cello Akzente.
Mit „Believer“ und „Chasing“ Rivers wird zu Anfang des Albums leicht folkige Atmosphäre verbreitet. Die Single „Spellbound“ ist dann ein ganz besonderes Geschenk an Karis langjährige Fans, denn hierbei handelt es sich um eine neue, englischsprachige Version von „Spindelsinn“, dem Titelsong ihres ersten Soloalbums. Mit „Gone“ und „As Evening Falls“ wird es dann sowohl musikalisch als auch inhaltlich düsterer. Kari singt von gebrochenen Menschen, von Verlust und Abschied, aber irgendwie schwingt in ihren Liedern immer auch etwas Tröstliches mit – besonders deutlich in „The Parting (Shine a Light)“. Beim Abschluss- und Titelsong „Silence Is The Only Sound“ schließlich wagt man kaum zu atmen, um die verletzliche Schönheit von Karis Gesang nicht zu stören.
Ich muss gestehen, dass „Silence Is The Only Sound“ meine erste Begegnung mit Kari Rueslåtten ist – wie diese wunderbare Sängerin mir bisher entgehen konnte, ist mir allerdings ein Rätsel! Ich habe mich jedenfalls sofort in ihre Stimme und ihre Musik verliebt und kann das Album nur empfehlen.
Als Support eines bekannten Musikers eine Show zu eröffnen, ist kein leichter Job, wenn sich die meisten Zuschauer die Zeit bis zum Hauptakt noch damit vertreiben, Getränke zu holen oder mit dem Nebenmann zu plaudern. Stu Larsen schaffte es im Vorprogramm von Passenger in Luxemburg jedoch, weit mehr als die ersten paar Reihen zum aufmerksamen Zuhören zu bringen und mit seinen Songs zu verzaubern. Das lag vielleicht zum Teil am höflichen Publikum, hauptsächlich aber an der sympathischen Art des bärtigen und langhaarige Australiers, der einzig mit Gitarre und Mundharmonika ausgerüstet eine ähnliche Musikbegeisterung vermittelt wie sein Landsmann und Freund Passenger, den er nun schon einige Jahre auf Tour begleitet.
Der ganz große Hit fehlt Stu Larsen zwar noch, aber seine Songs schafften es auf populäre Spotify-Playlisten und sein Debüt „Vagabond“ erreichte Fans auf der ganzen Welt. Mit „Resolute“ hat der Songwriter nun sein zweites Album am Start, mit zehn neuen Stücken, von denen ich einige bereits live in Luxemburg erleben durfte.
So ist mir beispielsweise das wunderbare Liebeslied „I Will Be Happy And Hopefully You Will Be Too“ mit seiner einfachen aber einprägsamen Melodiefolge noch im Ohr geblieben. Die Albumversion unterscheidet sich hier auch kaum von der Live-Performance, lediglich ein bisschen Percussion kommt dazu und eine Klarinette im Refrain. Auch sonst setzt Stu Larsen eher auf sparsame Arrangements. Gesang und Gitarre bilden fast immer das Gerüst, ansonsten werden nur unterstützende Akzente gesetzt, wie vom Piano im melancholischen Opener „Aeroplanes“ oder im Intro zu „What If“. In dieser sehr atmosphärischen Ballade kommen Stus gesanglichen Fähigkeiten übrigens besonders zur Geltung.
Insgesamt ist „Resolute“ ein eher ruhiges und nachdenkliches Album. „What´s A Boy To Do“ und „Far From Me“ beschäftigen sich mit den Schwierigkeiten, eine Beziehung am Leben zu erhalten, und in „Going Back To Bowenville“ singt Stu von seinem verschlafenen Heimatort und seiner Kindheit dort. Erfreulich schwungvoll kommt zwischendurch der „Chicago Song“ daher, ein besonderes Liebeslied für eine Gitarre , die der Sänger in Chicago kennenlernte. Und „By The River“ versteckt im ausgedehnten Outro sogar ein E-Gitarren-Solo. „Till The Sun Comes Back“, eine Hymne an die verbindende und tröstliche Kraft der Musik, setzt schließlich einen kraftvollen Schlusspunkt.
Stu Larsen ist nicht unbedingt der Typ, den man sich für eine wilde Party einladen würde, aber er passt perfekt an ein gemütlich flackerndes Lagerfeuer. Und so liefert er mit „Resolute“ den perfekten Soundtrack für die ruhigeren Sommernächte.
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Unter den diesjährigen Teilnehmern der TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ ist der deutsche Reggae-Künstler Gentleman sicher keine unbekannte Größe. Trotzdem haben wohl nur wenige der Zuschauer seine Alben im Regal stehen, dafür wahrscheinlich umso mehr durch die Show Lust bekommen, seine Musik näher kennenzulernen. Eine gute Gelegenheit dazu bietet das passend dieser Tage erscheinende Best-Of Album „The Selection“.
Die Compilation enthält 20 Hits aus den letzten 15 Jahren von Gentlemans Karriere von „Dem Gone“ über „It No Pretty“ bis zu „Heart of Rub-A-Dub“ – und zusätzlich zwei exklusive neue Songs. Die Auswahl zeigt, dass Gentleman mit seiner Musik zwar immer im Reggae verwurzelt ist, sich jedoch von zahlreichen anderen Stilrichtungen inspirieren lässt und auch gerne mit anderen Künstlern zusammenarbeitet. Bei immerhin sechs Songs auf „The Selection“ sind Gastsänger dabei, darunter auch bei den zwei neuen Titeln „Imperfection“ mit Aloe Black und „Ovaload“ mit Sean Paul.
Leider enthält das Booklet wie bei fast allen Compilations auch hier keine Lyrics, was ich persönlich schade finde. Die Songs haben nämlich erkennbar oft tiefgründige Botschaften. Das Textverständnis fällt beim reinen Zuhören aber vor allem bei den schnellen Strophen schwer.
Nach über 20 Jahren Bühnenerfahrung mit weit über 1.000 Shows weltweit war die Zeit reif für diesen kleinen musikalischen Überblick des Kölner Künstlers. „The Selection“ erscheint auf CD, Vinyl und als MP3. Mit 22 Tracks ist schon die Standard-Version gut bestückt; die Deluxe wartet sogar mit 21 weiteren Tracks auf. Letztere enthält eine Bonus-CD, die eine facettenreiche Auswahl von Feature-Songs umfasst und Gentlemans musikalische Bandbreite verdeutlicht. Von seinem Durchbruch mit dem Hit „Tabula Rasa“ bis zum aktuellen Dauerbrenner „Ahnma“ – mit Stars wie Udo Lindenberg, Freundeskreis, Curse, Alborosie, Marcia Griffiths, Ky-Mani Marley und Afu-Ra.
Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass sich Michael Patrick Kelly mit seinem Solo-Album „Human“ nach einer längeren Auszeit in der Musikwelt zurückgemeldet hat. Und der Mann meint es ernst mit seinem Comeback: Letztes Jahr erschien das spirituelle Album „Ruah“, mit dem er auf Kirchentour unterwegs war und aktuell ist er in der TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ zu sehen, wo er unter anderem mit seinen Versionen deutschsprachiger Hits von Silbermond oder Mark Forster begeistert. Und nun hat der sympathische Ire bereits sein nächstes Album am Start.
„ID“ ist ein vielseitiges Album voller Power und positiver Energie. Titel wie der Opener „Golden Age“ , „Friends R Family“ oder das folkige „Run Jump Fly“ gehen direkt ins Ohr und werden sich live bestimmt zu Mitsing-Hymnen entwickeln. Auch „Sing meinen Song“ hat auf dem neuen Album Spuren hinterlassen: Tauschkonzert-Kollege Gentleman bereichert den Titelsong „ID“ mit einer Reggae-Einlage, und „A Little Faith“ erinnert an den rockigen Country-Stil von The BossHoss.
Dazwischen gibt es immer wieder ruhigere Stücke, die oft eine spirituelle Dimension haben und mich besonders berühren, wie das eindringliche „Requiem“ oder „Land of Bliss“, Patricks ganz eigene Interpretation des Hoheliedes der Liebe aus dem 1. Korintherbrief. Einen emotionalen Höhepunkt des Albums schafft die wunderbare Ballade „So Beautiful“, noch verstärkt durch die instrumentale Reprise. Kurz darauf beweist Patrick dann mit „Lazarus“, dass er auch richtig rocken kann. Und er beschließt das Album mit dem düsteren „Last Words“, das mit den verhängnisvollen Worten „I killed the president, because he was an enemy oft the people“ beginnt und den Hörer sehr nachdenklich zurücklässt.
Patrick Michael Kelly ist Musiker mit Leib und Seele. Er singt über das, was ihm wichtig ist und verpackt seine Botschaften in großartige Songs, die die Seele erreichen, selbst wenn man nicht so genau auf den Text achtet. Ich könnt ihm stundenlang zuhören – und ich vermute, dass es den meisten Hörern dieses tollen Albums ebenso geht. Weiter so, Paddy!